Bin ich krank genug, um von Ihnen behandelt zu werden?

…schließlich habe ich doch bloß Heuschnupfen

Telefonisch bin ich schwer zu erreichen- sagen viele.
Dafür bemühe ich mich wirklich sehr, alle
Fragen, die mich per e Mail erreichen, ausführlich, wenngleich nicht immer sofort, zu beantworten.

Manche Fragen werden öfter gestellt. Heute erreichte mich dieser Brief:

Frage: Bin ich bei Ihnen richtig?

Hallo Frau Li,

meine Freundin M.N. hat Sie mir sehr empfohlen (“mit Abstand die Beste!”) – viele Grüße.
Ich habe seit gut 20 Jahren nervige Allergien, die sich vor allem auf die Nase auswirken. Diesen möchte ich mich nun endlich stellen. Ich habe viel auf Ihrer Internet-Seite gelesen, bin beeindruckt und unsicher, ob ich mit meinem recht kleinen Problem bei Ihnen richtig bin.
Ich freue mich auf eine Antwort,
viele Grüße,
Y. Z..

Meine Antwort:

Liebe Frau Z.,

danke für Ihre mail und natürlich danke für das Lob.
Zunächst einmal vorweg: für mich gibt es keine kleinen und großen Probleme und keine schlimmen oder nicht so schlimmen Krankheiten.
Viele Menschen kommen mit einer “kleinen Störung”: ein schmerzhaftes Knie, ein verdorbener Magen, Halsweh, Nachtschweiß, Hitzewallungen, Gehetztheit.
Nicht jeder Körper schreit gleich Zeter und Mordio. Manchmal ist es nur ein Fingernagel oder eine Verfärbung der Haut an einer kleinen Stelle.
In der chinesischen Medizin gibt es ein geflügeltes Word, das lautet:
“Der überlegene Arzt behandelt Krankheiten, die noch nicht erkennbar sind. Der mittelmäßige Arzt behandelt Krankheiten im Entstehen. Der schlechte Arzt behandelt Krankheiten.”

Heuschnupfen, die allergische Rhinitis, aber auch Nebenhöhlenentzündungen oder Dauerhusten sind Krankheiten im Entstehen.

(Ein richtig “kleines Problem” ist die allergische Rhinitis im Übrigen nicht. Sogar die gesetzlichen Kassen geben hier gelegentlich einen Zuschuss für chinesische Behandlung (nicht bei mir, ich habe keine Kassenzulassung).

Klein oder nicht klein ist in der chinesischen Medizin nicht die Frage.
Die Frage stellt sich anders: Auf welche Weise möchten Sie gegen Ihre allergische Rhinitis (?), ihren Heuschnupfen (?) vorgehen? Die Behandlung mit Akupunktur ist inzwischen relativ standardisiert (und auf maximale Ausschöpfung des Kassenzuschusses ausgerichtet): Ein paar Nadeln ins Gesicht und die Hände, manchmal die Beine. Viele Sitzungen, etwa 10 Mal, manchmal eine zweite und dritte Runde, “zur Stabilisierung”.
Bei Ärztinnen, die außerdem chinesische Kräutermedizin betreiben, gibt es Dekokte oder Pulver, die Sie ebenfalls ein paar Wochen lang einnehmen.
Bei jahreszeitlich bedingten Allergien (Heuschnupfen, Asthma im Winter) gibt es außerdem noch eine Intensivkur von ca vier Wochen in der symptomfreien Zeit (meist Spätsommer).
Im nächsten Jahr wird das dann wiederholt.
Diese Behandlungen sind oft sehr effektiv. Der Zeitaufwand ist allerdings erheblich und die Kosten hoch.
Nachvolziehbar, wenn viele sich lieber ein paar Pillen einwerfen und die Nebenwirkungen wie Matschkopf und Dauermüdigkeit, Wassereinlagerung und Gewichtszunahme tapfer in Kauf nehmen.

Kosten und Zeit lassen sich stark einschränken. Da diese Behandlungen komplett standardisiert sind- ein Fortschritt der modernen Massenmedizin, gerade auch in China- bedarf es keiner richtigen traditionellen Diagnose. Sie könnten sich ein Lehrbuch der chinesischen Medizin kaufen und die Sache anhand der Symptom- Tabellen selbst in die Hand nehmen. Dann dauert es zwar fast genauso lange. Das heißt oft 20- 30 Sitzungen und oder Kräuter. Aber ohne das Sitzen im Wartezimmer und viel billiger.

Stark unterstützend ist eine dauerhafte strenge Diät (ohne Laktose, Gluten, Zucker, Alkohol und Rohkost- Obst). Das heißt: Nie mehr Erdbeereis.
Für so ein kleines Problem….;-)

Tatsache ist: Wenn die Nase dauernd juckt oder trieft, und über Jahre nicht besser werden will, so ist dies absolut nicht in Ordnung. Oft lohnt es sich, diesem Dauerhaften Mucken des Körpers nachzugehen. Wie ein kleines Kind, das jammert und quengelt, so tut auch der Körper dies niemals ohne Grund: Wir sollten ihn ernst nehmen.
Zähnezusammenbeißen gilt nicht in der chinesischen Medizin.

Da ich chinesische Medizin anhand der klassischen Tradition gelernt habe, und auch, weil ich sehr neugierig bin, mache ich bei allen Beschwerden gründliche Diagnosen und versuche mich in die jeweilige Person einzufühlen- unter anderem nonverbal, über die Schwingungen des Herzens: Pulsdiagnose. Manchmal liegen die Ursachen kleiner, aber hartnäckiger und lästiger, Beschwerden ziemlich tief und genau deshalb kommen sie immer wieder. Wie “Unkraut”, das zwar abgemäht, aber nicht bis auf die letzte Wurzelspitze ausgegraben wird. Auf Dauer beschwerlich und unbefriedigend.
(Ich hab natürlich nichts gegen Unkraut. Alles Heilpflanzen. Ich weiß…)

Die radikale, wurzelausgrabende Lösung ist im allgemeinen einfacher und schneller. Wenn mensch sie findet, die Wurzel. Das klappt natürlich nicht immer oder zumindest schaff ich es nicht immer. Ich bin nicht immer und nicht für alle “die Beste”.
Was vielleicht auch noch zu sagen wäre: radikal heißt nicht zwangsläufig tiefenpsychologisch. Ich suche nur nach Blockaden des Qi, vor allem durch Kälte, denn Kälte verlangsamt und senkt ab. Kälte ist oft der physische Ausdruck von Angst: weshalb wir vor Angst auch frösteln und mit den Zähnen klappern. Da chinesische Medizin schlicht und simpel denkt, wird diese Kälte mit Hilfe von Wärme, erhitzenden Kräutern oder Moxibustion (Verbrennen und Ausräuchern mit Hilfe von Beifuß) behandelt.

Außerdem suche ich nach verlorenengegangenen Seelenanteilen. Die chinesische Medizin entstand einst aus dem Schamanismus. Seelenrückführung und Vertreibung von Dämonen waren bis zur Modernisierung (zum ersten Mal durch die Konfuzianer, noch einmal durch Mao Zedong) wichtige Teile der chinesischen Medizin. Aus dem alten China kennen wir viele Kräuterrezepte mit Namen wie “Trank, der die Seele zurückruft” oder Akupunkturpunkte mit Namen wie “Haus der Seele”.
All diese Punkte und Rezepte sind heute so wirksam wie vor 2000 Jahren. Die Ausbildung an chinesischen Universitäten spricht heute nicht mehr von diesen Dingen. Ich habe sie nur durch mein Studium des Klassischen Chinesisch und der Medizingeschichte kennenlernen dürfen. Da sie mir aber wichtig schienen, habe ich mich später aufgemacht, und in anderen Traditionen nach tieferem Wissen oder zumindest Hinweisen gesucht. Ich danke all diesen Heilern, Lehrern und Freunden (Tibeter, Santeros, Lakota, Shipibo, Alchimisten und europäische Hexen ) für ihre große Liebe und Fürsorge und ihr großes Wissen. Inzwischen gehe ich meinen eigenen Weg, der sich aus vielen kleinen Bruchstückchen zusammengesetzt hat.

Wenn das alte zusammengeknäuelte Qi sich entfaltet oder verlorene Seelenanteile zurückgeholt werden, kommen oft Geschichten ans Licht. Um diese geht es aber nicht. Die sind längst vergangen. Hypnose, Hypnoanalyse und ähnliche Methoden (NLP, Gestalt, voice dialogue, Rückführung ) dienen mir vor allem bei der schadstoffarmen Entsorgung- damit es nicht zu Retraumatisierung kommt. Schon gar nicht, wenn jemand eigentlich nur seinen Heuschnupfen loswerden wollte.
Die meisten Menschen, die einen Teil ihrer Vergangenheit vergessen haben, haben einst gute Gründe dafür gehabt. Es ist nicht notwendig, alte Geschichten noch einmal zu durchleben. Allerdings kann es nützlich sein, sie verblassen zu lassen, zu entschärfen oder mit einer neuen Bedeutung zu versehen. Hierfür bietet sich natürlich vor allem NLP (neuro- linguistisches Programmieren) an, das sich sehr gut mit Rückführung und Hypnose kombinieren lässt.
Manchmal waren die alten Geschichten allerdings auch so banal, wie ein großer schwarzer Teddybär, der in der Ecke stand und uns einfach furchtbar erschreckt hat. Dann ist es eine große Erleichterung, zu erfahren und noch einmal zuerleben, dass alles gar nicht so schlimm IST.

Im allgemeinen ziehe ich es vor, die alten Geschichten ganz im Dunkeln zu lassen und nur, wie in der moderneren Traumatherapie empfohlen, eine sanfte Vollendung der unterbrochenen Stressreaktion zu begleiten. Dies äußerst sich oft als leichtes Zittern, Tränenfließen, Wärme- und Kältegefühle und ein paar Emotionen unspezifischer Natur.
Genau wie die alten Chinesen es beschrieben haben.

Wundern Sie sich jetzt nicht über diesen langen Erguss anlässlich einer so kleinen Frage. Die Dinge sind eben nicht immer so unbedeutend, wie sie uns erscheinen mögen.

Von Herzen,
Christine Li

www.bodenschatz-li.de


Heilsame Traurigkeit

Sei ruhig traurig

Seit ein paar Tagen vertiefe ich mich in Traurigkeit. Oder versuche es zumindest. In ein paar Tagen möchte ich den Damen eines Wiener Salons über die Kaiserin etwas über die Traurigkeit erzählen. So ganz gelingt es nicht. Gestern Nacht noch las ich einen wunderschönen Brief von Rilke über Traurigkeit, Einsamkeit und das Schöpferische darin.  Ich hörte mir Ludwig Hirsch an und sein Lied  über die „Pillen gegen Traurigkeit“. Ich habe mir sogar auf Skype von dem Tango Sänger Luis Luduena zwei Stunden lang traurige Tangos vorsingen lassen.

Die Traurigkeit ist das innerste Wesen aller schönen Dinge
, sagte mir Luis. Sei ruhig traurig.

Nichts zu machen.

Heute morgen wache ich in aller Frühe auf und grinse über beide Backen.
Was hab ich jetzt schon wieder angestellt. Traurigkeit ist eine meiner leichtesten Übungen.  Wenn mir etwas Trauriges begegnet, wenn meine PatientInnen weinen: Ich weine mit. Ich bin ein ausgesprochen rührseliges Wesen. Leicht gerührt und selig dabei.

Noch diesen Winter war ich oft traurig über alle Maßen.
Erst neulich erwachte ich aus einem schweren und trüben Traum. Mir träumte, in meiner Wohnung stünde eine wundervolle und üppige Pflanze. Ein dunkler Mann krallte sich in die Pflanze und, mehr aus Tolpatschigkeit, denn aus Bosheit, begann er  einzelne Blätter zu zerrupfen. Erst eins dann mehrere. Die Pflanze duckte sich scheu. Doch wohin soll eine Pflanze schon fliehen. Sie ist ein stilles Wesen, erdgebunden und nahezu (nicht ganz!) bewegungslos. Ganz Yin.
Das Unheil nahm seinen Lauf. Trotz meiner vorsichtigen und zunehmend verzweifelten Bemühungen, den Mann von der Pflanze wegzulocken, zerstörte er sie immer weiter. So weit, bis ich ihm schließlich den Blumentopf entriss und weinend davonlief. In meinen Armen war nur noch ein zartgrüner Strunk. Nahezu tot.
Als ich aufwachte, fand ich den Traum so bedrückend, dass ich mehr wissen wollte.
Nun lässt sich die Bedeutung von Träumen erforschen im Zustand der Hypnose, der Trance. Ich wiegte mich noch einmal in den Halbschlaf, in einen Zustand der Hypnose, in dem ich eins wurde mit der Pflanze.
Nun spürte ich, in Trance,  wach und bewusst, den unsäglichen Schmerz, das Leid und den Kummer dieses einst so schönen Wesens. Ich spürte von innen die Verzweiflung und das langsame Verwelken und sich Auflösen. Mein ganzer Körper zerfiel. Die Zehen krümmten sich vor Leid. Endlich flossen die Tränen. Sie flossen wie ein unendlicher Strom. Von den Wurzeln bis hinauf in die verkümmerten Blattansätze. Ich weinte, schluchzte, schrie und spürte all den  Schmerz von Mutter Erde, unserer Mutter, unserer eigenen Weiblichkeit. Weinend floss alles davon und verflüssigte sich, bis zuletzt nur noch ein endloser Tränenstrom blieb. Der trockene Stumpf reckte sich und begann, ganz vorsichtig und in der Tiefe, neue Triebe zu entwickeln. In diesem Strom spürte ich die Verheißung, dass alles sich immer wieder erneuern kann. Ich spürte, dass gewisse Dinge ewig sind.
Ich hatte, mal wieder, weinend in der Nacht, alle Tränen geweint und Tränen sind ein Gebet. Nicht umsonst heißt die Visionssuche bei den Lakota: “Weinen in der Nacht”.
Nicht umsonst musste die afrikanische Göttin der Liebe, Ochun, so viel weinen. Am Ende der Tränen löst sich alles in Liebe auf.

Genaueres Nachdenken zeigt natürlich, dass gerade hier das Problem liegt, bei meinem derzeitigen Traurigkeitsprojekt: Ich habe genug geweint.
Der Frühling erwacht. Die Zeit für Traurigkeit ist vorbei. Die Tränen haben die Erde befeuchtet und nun kann alles wieder wachsen. Dies gilt zumindest für alle die, die im Winter alle Tränen geweint haben und ihrer Angst ins Gesicht gesehen haben.


Wenn wir lange Zeit zu tapfer sind: Hoffnungslosigkeit, Depression und Burnout

In der vergangenen Woche aber sah ich einige in meiner Praxis. Die waren lange Zeit zu tapfer gewesen. Sie hatten den Winter über noch durchgehalten. Sie hatten nicht geweint, als es an der Zeit war. Sie waren vielleicht ein Leben lang immer wieder ungeliebt und misshandelt worden und sie hatten alle ihre Stärke mobilisiert, bis am Ende ihre ungeweinten Tränen versiegten. Zurück blieb das Vertrocknete. Tiefe Hoffnungslosigkeit. Freudlosigkeit. Depression.
Nun ist es in Zeiten großer Bedrückung oft nicht leicht zu weinen. Oft ist uns auch schon als Kindern gesagt worden, wir sollten uns nicht so haben. Erwachsene haben gerne so eine zynische Art, den Schmerz kleiner Kinder zu verspotten. Dann werden die Kinder tapfer und als Erwachsene werden sie starr. Sie gewöhnen sich an, den Kopf hoch zu tragen, den Nacken hart zu machen und allzeit zu lächeln. Viel Freude strahlt dieses Lächeln freilich nicht aus. Es ist mehr ein eingefrorener Mechanismus der Selbstverteidigung. Von Jahr zu Jahr wird es mehr zum Grinsen. (Es heißt zwar oft, Lächeln verschönere das Gesicht. Doch diese Art des Grinsens führt zu Falten.)

Die Anstrengung wird übermenschlich und dann, oft nach einer einzigen weiteren Verletzung, nach Verlassen- Werden, einer Trennung, Liebeskummer, einem Todesfall oder sonstigen Verlust, bricht alles zusammen. Depression. Burnout.

Einige wenige weinen dann wochenlang oder monatelang und das ist gut so. Auch scheinbar endloses Weinen findet sein Ende. Gelegentlich lässt der Fluss sich mit  Hilfe von Akupunktur wirkungsvoller gestalten und dadurch beschleunigen. Abbrechen lässt er sich nicht ohne Schaden.

Pillen gegen die Traurigkeit: Antidepressiva, Tranquilizer und Hormone

Manch eine aber spürt, dass sie ihr hochgestecktes Arbeitsprogramm so nicht erfüllen kann, oder sie schämt sich oder findet es schlichtwegs lästig oder peinlich, und lässt sich Pillen gegen Traurigkeit verschreiben.  Pillen gegen Traurigkeit verhindern das natürliche Ebben und Fluten der Gefühle. Sie halten den Körper unter ständigem Beschuss durch fröhliche Neurotransmitter, auch wenn eigentlich als anderes als Fröhlichkeit angesagt ist.  Sie verlangen dem Körper die allerletzten Yin Reserven ab. Die Pflanze vertrocknet dann ganz und gar. Die Augen werden fiebrig. Die Wangen rot. Um das mangelnde Yin, die Festigkeit und Erdverbundenheit zu kompensieren, kommt es oft zu Gewichtszunahme. Oder zu Libidoverlust- denn Sex braucht starke Yin Reserven. Gegebenenfalls bleibt die Menstruation aus- was dann wiederum durch Hormone beschossen wird. Unfruchtbarkeit ist auch eine Option, dann gibt es noch mehr Hormone. Der Körper quillt auf. Wird feucht. Die Beine schwer. Die Venen dick.
Ganz so, wie wenn auf völlig vertrocknete Erde mit einem Mal ein paar Liter Wasser gegossen werden.  Dann ist alles wieder nass. Aber die vertrockneten Wurzeln, die schon lange nicht mehr in die Erde geschmiegt sind und sich verschlossen haben gegen Nahrung, verlieren so eher noch den letzten Halt.
Einige Male lässt die Dosis sich noch erhöhen. Aber irgendwann ist diese Option mit zu vielen Nebenwirkungen verbunden.

Dann geht nichts mehr. Übrig bleiben Griesgrämigkeit, Hoffnungslosigkeit und, nicht selten stetige Gewichtszunahme und dauerhafter Libidoverlust.
Nein, nicht ganz. Es kann immer alles gut werden. Solange ein leicht grüner Strunk verhanden ist, lässt sich das Pflänzchen wieder heranziehen. Mit sehr sanften, Yin befeuchtenden europäischen oder chinesischen Kräutern. Oft Wurzeln von Pflanzen, die im Trockenen gedeihen und Pilzen, die sich darauf verstehen, sich tief in trockene Baumstümpfe zu graben, säuerlichen saftigen Beeren. Es gibt gute Medizin gegen Vertrocknung, Griesgrämigkeit, Lustlosigkeit und Falten. Aber ohne Weinen geht es nicht. Fürchten Sie sich nicht. Es ist wirklich schön. Die Chinesen sagen, Tränen sind das Wasser des Herzens. Sie sagen auch, es reinigt die Nieren.

Wenn Sie genug geweint haben und vielleicht noch ein bisschen mehr Auflösung brauchen:

Als nächstes schreibe ich hier über das Schwitzen. Dabei geht es um Angst und für viele auch um Wechseljahre.
Ein heißes Thema. Zum Zerfließen schön.

Was ist TCM und was ist chinesische Medizin

TCM

TCM heißt schlicht Traditionelle Chinesische Medizin. Der Begriff TCM hat sich seit einigen Jahren in Deutschland eingebürgert und viele denken, er umfasse die gesamte chinesische Medizin. Weit gefehlt!
Von den Techniken her bietet TCM eine Menge: Akupunktur, Moxibustion, Kräutermedizin, Tuina. Anmo, inzwischen auch wieder Qi Gong.
(Qi Gong war lange Zeit verpönt. Als ich in 1986 zum ersten Mal für längere Zeit in China lebte, gab es zwar so eine Art Taiji Quan Unterricht mit Musikbegleitung, doch um echtes Qi Gong zu studieren, musste ich mich nachts heimlich aus der Universität für chinesische Medizin schleichen und vor die Stadt fahren, wo ein alter Herr heimlich in einer Garage unterrichtete).
Trotz dieser großen Auswahl an Techniken, lassen sich kompliziertere Erkrankungen mit TCM nicht zufriedenstellend behandeln. Dafür denkt diese Medizin zu simpel.
TCM ist ein extrem reduziertes Medizinsystem, das einst von Mao Zedong ins Leben gerufen wurde. Dieser  hatte erkannt, dass die, im republikanischen China verbotene, chinesische Medizin außerordentlich billig und effektiv war, allerdings auch voll „konterrevolutionären Aberglaubens und Irrlehren“. Um dieses nationale Schatzkästchen zu reaktivieren, musste zuerst alles Konterrevolutionäre enfernt werden. Als konterrevoutionär galt eigentlich alles, was nicht von Mao Zedong selbst erdacht worden war. Im Falle der Medizin waren dies vor allem: Daoismus, Konfuzianismus, Dämonenlehre, Feng Shui, Astrologie, Schamanismus, Alchimie und der größte Teil der fünf Elemente Lehre.
Tausende von Büchern wurden auf das handliche Format einer einzigen kleinen roten Medizin- Bibel zusammengefasst. Ich besitze noch eine davon. Sie ist wirklich sehr, sehr klein. Im Laufe der Jahre wurde dieses Büchlein um die Ergebnisse von Studien erweitert. Schließlich musste die TCM auch modern und wissenschaftlich sein. Diese Studien belegten meist Heilungsraten von 99.9 Prozent. Denn wenn ein maoistischer Arzt einen maoistischen Patienten behandelt, musste immer alles gut gehen. (Wenn es nicht gut ging, wurde den Patienten die Mao Bibel in die Hand gedrückt.)
Das Ergebnis war eine Art pseudowissenschaftliches Kunstgebilde, das auch im Westen, wenngleich erst nach mehreren Jahrzehnten, gut akzeptiert werden konnte.

TCM wird inzwischen sogar an einigen schulmedizinischen Kliniken wie dem UKE in Hamburg praktiziert. Sogar manche Kassen zahlen ab und zu für Akupunktur, sofern sie auf den Vorgaben der  TCM beruht, und fast nur zur Behandlung von Schmerzen.

Gefühle in der Medizin: TCM und MAO Hemmer

Da TCM sehr schlicht ist, haben mittlerweile viele Menschen eine eigene Meinung darüber. Neulich wurde einem meiner Patienten von einem seiner Bekannten mitgeteilt: „Deine Krankheit ist psychosomatisch. Daher kannst du dich nicht mit chinesischer Medizin behandeln lassen. Die chinesische Medizin kennt nämlich gar keine Gefühle.“

Puuuh!
Die chinesische Medizin kennt keine Gefühle?
Wer muss da nicht dreimal schlucken? Eine Medizin ohne Gefühle?
Etwa weil die Chinesen keine Gefühle kennen? Solche Behaupten sind mehr als ein bisschen rassistisch, und sie blindlings nachzupappern, zeugt nicht von großem Witz.

In einem Punkt allerdings hatte der Herr schon ein wenig recht: Zumindest wenn er von TCM spricht: Diese betrachtet Gefühle mit Unbehagen.

In der chinesischen Medizin sind Gefühle zunächst wertfreie Bewegungen des Qi. Problematisch werden sie durch unser Denken. (Eine Ansicht, die die chinesische Medizin mit den griechischen Stoikern und  einigen modernen Psychotherapieformen teilt)

Die TCM, die etwas einfacher gestrickt ist, schloss daraus, dass Menschen mit Gefühlen selbst schuld waren, weil sie verkehrt dachten, das heißt, weil sie nämlich den Vorsitzenden Mao nicht liebten. So etwas behielten die meisten  vorsichtshalber für sich.
Die, die doch zugaben, sich emotional nicht so gut zu fühlen, riskierten eine Umerziehung im Sinne des „Mao Zedong Denkens“. Dies hieß im Klartext: Sie wurden in ein Lager geschickt oder mussten zumindest an einer endlosen Reihe sehr öder Schulungen teilnehmen oder Selbstkritik betreiben, was als sehr demütigend erlebt wurde.

Ähnlich geht es vielen Patienten hier im Westen. Wenn sie im Zusammenhang mit ihren Krankheiten von Gefühlen sprechen, und außerdem keine eindeutigen labormedizinischen oder radiologischen Beweise für ihr Kranksein vorbringen können, dann sind ihre Krankheiten eingebildet. Oh. Pardon. Sie sind „psychosomatisch“.

Für solche Krankheiten gibt es einen speziellen Fachbereich mit einem winzigen Forschungsbudget und niedrigem Ansehen (verglichen mit „richtiger Medizin“ wie etwa Kardiologie): „Die Psychosomatik“. Psychosomatische Krankheiten werden nicht richtig ernst genommen.

Man erzieht die Patienten allerdings hierzulande nicht um. Man heitert sie lieber mit Drogen auf. Oft Hemmern der Monoaminooxidase, kurz „MAO Hemmer“. Die Patienten bleiben dann zwar krank, aber es stört sie nicht mehr so.

Doch ob Mao Denken oder MAO Hemmer: Glücklicherweise sind sowohl TCM als auch die moderne Apparatemedizin nichts als vorübergehende Modeerscheinungen. Kein Jahrhundert alt. Das geht vorbei.

Die wahre chinesische Medizintradition

Anders als diese Modemedizinen bestehen andere Medizintraditionen (wie auch Ayurveda oder die ägyptisch- griechisch- arabische Medizin) schon so lange, wie die Schriftsprachen selbst und die Erfahrungen dahinter beruhen auf den akkumulierten Erfahrungen der gesamten Menschheit.

Eine dieser alten Traditionen ist die chinesische Medizin. Die chinesische Medizinliteratur ist etwa 2000 Jahre alt. Archäologen haben noch weit ältere Akupunkturnadeln gefunden. Diese Tradition wuchs immer weiter bis in unsere Zeit hinein. Neue Dynastien ließen jeweils die Bibliotheken ihrer Vorgänger überarbeiten,  Ärzte wurden im ganzen Land herumgeschickt, um die Erfahrungen und Rezepte der Dorfärzte zu sammeln, welche dann an kaiserlichen Akademien ausgewertet, erprobt und verglichen wurden. Über viele Jahrhunderte entstand so ein riesiger Korpus an medizinischer Erfahrung. Aufs Genaueste niedergeschrieben, kommentiert und mithilfe von Nachschlagewerken zugänglich gemacht.
Auch heute, nach dem Untergang der TCM, zumindest in China, wächst die chinesische Medizin wieder weiter. Ärzte studieren die alten Bücher und integrieren sie mit moderner Forschung wie seit eh und je.
Das nenne ich Erfahrungsmedizin!

Heute bestehen in der chinesischen Medizin wieder viele Traditionen friedlich nebeneinander: Daoismus, Konfuzianismus, Yi Jing Lehre (I Ging), Yin Yang Lehre, Feng Shui, Schamanismus, Alchimie und westliche Medizin- einträchtig vereint mit lokalen Traditionen. Zum Beispiel auch Medizinen der Klöster, wie des Shaolin Klosters.

Natürlich lernen die meisten erst einmal die Akupunkturpunkte und Kräuterrezepte, verschiedene Diagnostikverfahren wie Antlitzdiagnostik, Zungendiagnostik und Pulsdiagnose. Eigentlich sollte jeder riechen, sehen und fühlen können, was ein Patient braucht, auch ohne dass dieser es mitteilt. Aber danach darf jeder machen, was er oder sie will. Qi Gong, Sexualmagie, Massagetechniken, Tuina, Anmo, Pilztherapie.
Ich kannte einmal einen chinesischen Arzt in Westchina, der sich selbst Homöopathie beigebracht hatte und in erster Linie Kügelchen verschrieb. Aber natürlich bezeichnete er sich dabei als chinesischen Arzt. Hypnose und Indianermedizin? Warum nicht.
Es gibt wohl kaum eine offenere und neugierigere Medizin.

Da fragt sich, was einen chinesischen Arzt überhaupt zum chinesischen Arzt macht.

Eine verbindliche Gemeinsamkeit ist eine intensive Schulung in energetischem, ganzheitlichem Denken, oft anhand der allerältesten Medizinklassiker und dem Yi Jing (I Ging). Darauf folgt die Lehre bei einem oder mehreren alten Ärzten oder Ärztinnen und eine Schulung in medizinischer Ethik anhand der Fallgeschichten von Ärzten früherer Zeiten.
Es wird auch verlangt, dass ein chinesischer Arzt sich selbst gut behandelt und seine Medizin vorlebt. Die Geschichte zeigt, dass in der Tat die meisten der berühmten Ärzte ein sehr hohes Alter, oft weit über hundert Jahre, erreichten (wenn sie nicht der Politik zum Opfer fielen).
Chinesische Medizin ist weniger eine bestimmte Methode als eine sehr persönliche Art, Medizin zu leben.

Wer zahlt für chinesische Medizin

Wer heilt hat recht. Wer zahlt, hat die Macht.
An einem Krankenhaus in China werden meist alle Methoden angeboten. Die chinesischen Patienten entscheiden selbst. An Krankenhäusern wird sogar offen gelegt, wer die besten Ärzte sind und die Patienten können sich dann entscheiden: Etwas mehr für Dr Wang oder, reicht für diesen kleinen Eingriff doch Dr Li?
Einige entscheiden sich nicht für die beste Methode, sondern für die, die sie bezahlen können. Dies ist nicht immer gut. Daher sparen viele Chinesen für den Fall, dass ein Familienmitglied krank wird, schon vorher über Jahre.

Diese Freiheit haben wir nicht.
Wir sparen nicht und wir entscheiden auch nicht. Wir sind zu blöd für solche Freiheiten. Wir zahlen in die Krankenkassen ein und diese entscheiden dann, was wir brauchen.
Da wir aber über viele Jahre so viel eingezahlt haben, entscheiden die Kassen sich oft für die allerteuersten Methoden. Ist das nicht nett?
Daher dürfen die meisten Patienten im Westen sich auch nicht mit chinesischer Medizin behandeln lassen. Die ist zu billig.

Was ist Oriental Medicine?

Neben dem sehr engen Begriff TCM gibt es, quasi als Gegenbewegung, im Westen Schulen, die versuchen, alle fernöstlichen Medizinen zu integrieren:
Im Anglo- Amerikanischen Sprachbereich wird auch von „Oriental Medicine“ gesprochen. Vom Anspruch her umfasst Oriental Medicine neben chinesischer Medizin auch Japanische Medizin und koreanische Medizin, mit hie und da einem Quentchen Tibetischer Medizin oder Ayurveda.  Die meisten der DOM (Doctors of Oriental Medicine) sind auf entweder Chinesische Medizin oder Japanische Medizin spezialisiert. Alles zu beherrschen, ist schlichtwegs nicht möglich (und auch nicht nötig).

Chinesische Gefühle, Medizin und ein Wort von Su Dongpo, dem großen chinesischen Dichter und Arzt

Nur noch einmal zum Klarstellen:
Alle Menschen haben Gefühle. Die Chinesen sublimieren ihre Gefühle oft in Form wundervoller Musik, Gedichten und auch in ihrer Medizin.
Wie genau die chinesische Medizin sich Gefühle vorstellt und was dies für uns, auf unserer unersättlichen Suche nach Glück, bedeutet, schreibe ich ein andermal.

Freude und Schmerz sind so unabwendbar wie das Wachsen und Vergehen des Mondes und nichts daran ist schlecht. 

Der Politiker, Arzt und Dichter Su Dongpo schreibt:

“Zum menschlichen Leben gehören Kummer und Freude, Vereinigung und Trennung,

genauso kennt der Mond den Neumond, das Wachsen, die Fülle und das Vergehen.”

Su Dongpo (1037- 1101)

Frühling: Zeit der Visionen, Zeit der Erneuerung

Für viele fängt das Jahr holprig an:

  • Geblähte Bäuche
  • steifer Nacken
  • Ohrensausen
  • Übelkeit
  • Zuckungen im Gesicht
  • Rippenschmerzen
  • Augenflimmern
  • Kopfweh
  • träger Stoffwechsel
  • Müdigkeit
  • Mauligkeit.
  • klebriger Mundgeschmack, belegte Zunge
  • Gelenkschmerzen.
  • und vor allem und für viele am schlimmsten: Am frühen Morgen wachen sie auf. Um präzise zu sein: mitten in der Nacht. Denn die Nächte sind immer noch sehr lang. Dann liegen sie wach und schlafen erst ein, bevor sie aufstehen müssten.

Seit zwei Wochen hat der Frühling für mich begonnen. Ich spüre es in mir als freudige Erregung, Neugier, Ungeduld. Vor allem aber spüre ich es an den Pulsen der Menschen. Pulsdiagnostik zeigt mir immer wieder, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind und wie sehr wir uns alle gleichen. Ganz gleich welche Störung: Eine gewisses frühlingshaftes Qi   spannt bereits jetzt alle Pulse wie eine Gitarrensaite. Das Qi, die Energie, eilt den Geschehnissen voraus.

Noch zwei Wochen bis zum nächsten Neumond, dann beginnt in China das Jahr ganz offiziell. Das Jahr der Schlange nach dem chinesischen Kalender.

Zur Zeit ist noch Winter. Auch in China. Und niemand sagt, dass es nicht noch einige Male große Kälte Einbrüche geben kann. Das ändert aber nicht daran, dass in zwei Wochen die ersten winzigen Knospen aus den Zweigen schauen werden. Wenn Sie mir nicht glauben wollen, denken Sie in zwei Wochen an meine Worte: Beim Frühjahrsfest, dem ersten Neumond des chinesischen Mondkalenders, dem sogenannten chinesischen Neujahr, beginnen die Bäume zu knospen.
Nun ist leicht ersichtlich, dass solche Knospen nicht einfach von heute auf morgen entstehen. Der Beginn aller Dinge ist die Intention, ein langsames Ausrichten aller Energien in eine Richtung. Wenn ein Baum beabsichtigt, eine bestimmte Ausdehnung zu erreichen, eine bestimmte Wand zu erreichen, muss er in diese Richtung wachsen. Er ist ein „stehendes Wesen“, wie die Chinesen sagen. Der Intention folgt Wachstum, Zellteilung, nachströmende Säfte und so dehnt und streckt er sich. Kleine Keime bereiten sich jetzt darauf vor, durch hartgefrorene Erde, durch Asphalt zu brechen. Sie sammeln ein letztes Mal ihre Kraft und dann geht es los.
„Wandelnde Wesen“- Tiere oder Menschen also- brauchen nicht körperlich zu wachsen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie gehen einfach dorthin oder wandeln sich entsprechend
(das chinesische Wort, genau wie das deutsche, umfasst beide Aspekte: wandeln, lustwandeln, verwandeln).
Wir gehen so weit, „wie das Auge reicht“. So weit also, wie unsere Vision es zulässt. „What you can perceive, you can achieve“, heißt es daher bei den Coaching- Leuten gerne. Manche gehen sehr weit, manche nur ein Stückchen (was das vollkommene Maß sein kann!).

Was hat das nun mit dem Frühling zu tun und mit den geblähten Bäuchen?
Nun, während die Bäume trotz Frost und Stürme schon vor Beginn des Frühlings ihre Kräfte zuerst noch einmal sammeln und dann ihre Säfte einschießen lassen und die ersten Zellen sich teilen, entsteht auch in den Menschen eine innere Bewegung. Das innere Feuer, Drachenfeuer bäumt sich auf und steigt nach oben. Unruhe erfasst uns. Vielleicht nicht emotional wahrgenommen- denn oft haben wir wenig Zugang zu den inneren Prozesse. Dafür umso mehr als körperliche Störung registriert. Mit den oben beschriebenen Symptomen und noch vielen mehr. Denn das Drachenfeuer ist expansiv und schießt in alle Richtungen.
Die Chinesen sagen, dieses Feuer „reitet auf dem Gallenblasenmeridian nach oben“. Idealerweise schießt eine prickelnde, beschwingende, leichtmachende Energie durch die Beine, Hüften, Rippen bis hinauf in den Kopf. In den Augen, wo der Meridian endet, entstehen Visionen, der ganze Schädel öffnet sich und lässt Licht eindringen. Wir werden leichter und aktiver und angenehm erregt und zum Frühlingsanfang, wenn die ersten Knospen an den Zweigen erscheinen, marschieren wir in die weite Welt hinein wie weiland Klein Hänschen.

Nicht immer. Sogar eher selten. Irgendetwas geht meistens schief. Im Falle des Frühlings geht sogar besonders leicht etwas schief. Frühlings- Qi ist schnell, auflodernd, wild, ungebändigt und einfallsreich. Wir haben daher die Gelegenheit, eine besonders große Menge bunter Symptome zu entwickeln. Wir können unsere Krankheiten ins Kraut schießen lassen.
Viele der Störungen entstehen entlang des Gallenblasenmeridians. Dies ist ein Strom frühlingshafter Energien die, im Unterschied zu den übrigen gradlinigen Energien des Menschen, den Körper wild umkreisen. Mal nach vorn, mal nach hinten, dann einmal im Kreis herum und einmal anders herum. Vom “Ringzeh” bis hinauf zu den Schläfen und jedes größere Gelenk wird dabei umschlängelt. Ist an irgendeiner Stelle dieses Meridians eine kleine Stauung, sprudelt die Energie abrupt und wild an ihr vorbei. Ganz genau so wie das Wasser schneller fließt, wenn ein Fluss sich verengt. Dadurch kommt es zu all dem Kribbeln, Zucken, Hitzewallungen und Kälteschauern. Je blockierter der Meridian ist, umso weniger angenehm wird dies. Blähungen und dicke Bäuche sind hier fast Standard. Hinzu kommen enge, fast stechende Rippen (oft verwechselt mit Nierenschmerzen oder Problemen der Gallenblase, die nicht das gleiche ist wie der Meridian, aber inmitten des Hauptstroms liegt und besonders viele der Störungen auslebt) und schlechter Mundgeschmack.
Bis hier lässt sich alles mit Akupunktur schnell und effektiv beheben. Manchmal innerhalb von Minuten!

Am unangenehmen Ende des Spektrums kommt es zu Migräne, Hörstürzen und Gallenkoliken und „cholerischen“= galligen Wutausbrüchen. Noch weiter jenseits, wenn nichts mehr nach oben sprudelt, entsteht Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depression.
Für diese schweren Zustände gibt es zwei wichtige Ursachen:

  • innere Leere
  • Schleim

Wer ist am leichtesten betroffen von all diesen unangenehmen Frühlingsgefühlen? Nun, da gibt es zum einen diejenigen, die im Winter “ihr Yin nicht gepflegt” haben. (Eine gepflegte altchinesische Formulierung für „Zuviel Party, zuviel Sex“). Zum anderen sind es diejenigen, die aufgrund von tiefliegenden Ängsten ihr Yin nicht sammeln können, die schlecht schlafen, nachts vielleicht schwitzen und ständig eine latente Unruhe in sich tragen. Unruhe, die von dem Gefühl kommt, nicht willkommen auf dieser Welt und nicht sicher in diesem Körper zu sein. Ein Gefühl, das die meisten kennen, denn wer fühlt sich schon ganz zuhause in seinem Körper?
Manchmal ist nicht das Yin schwach, sondern das Yang. Erkenntlich (u.A.) am kalten Popo.
Um Schwäche und Leere, ob Yin oder Yang, zu behandeln und die Batterien für das ganze Jahr aufzuladen, empfiehlt sich eine Kräuterkur mit chinesischen Kräutern vor der Wintersonnwende.

Die häufigere Ursache für blockierte Gallenblasenmeridiane ist der Schleim.

Schleim ist das große Thema der modernen chinesischen Medizin. Schleim ist auch ein großes Thema für uns. Schleim ist zum einen das, was sich bei Husten in unserer Lunge ansammelt. In einem weiteren Sinne ist es aber ein Fachausddruck für alle Arten von „abgestorbenem Qi“.
Bei Übergewicht mit schwachem Stoffwechsel ist das Feuer unter Schleim erstickt und viele Diäten verschärfen diese Situation noch. Bei  Verdickungen und Knubbeln denken chinesische Ärzte auch an Schleim. Bei allem, was sich verlangsamt, müde ist, schwer von Begriff oder zäh und endlos immer wieder das Gleiche denkt und sagt. Menschen mit langen Listen von Symptomen, die sie sich aufschreiben, um nicht alles zu vergessen, denken wir an Schleim. Menschen, die sich immer wieder die Stirn reiben, als wollten sie sich aufwecken. Menschen, in deren Augen kein Glanz ist.
Über Schleim gibt es dicke Bücher. Fast könnte man sagen, Schleim sei an allem Schuld. Kälter Schleim, heißer Schleim, zäher Schleim, alter Schleim, trockener Schleim und feuchter Schleim. Schleim ist nichts Gutes. Ich erspare Ihnen die Details.

Die erfreuliche Nachricht allerdings ist sehr erfreulich: Jetzt, in der Zeit des ersten Aufbäumens des Drachenfeuers, können Sie die natürliche Bewegung des Qi von innen nach außen nutzen, den Schleim endlich loszuwerden. Viele Fälle von schwerem Schleim profitieren von einer Kräuterbehandlung. Allerdings dauert diese ein paar Wochen lang. Am Anfang merken sie nicht viel. Schleim ist zäh und bewegt sich nicht gerne. Nach einer Weile aber, wenn das Feuer langsam aufsteigt, spüren sie von Tag zu Tag mehr: Sie vergessen all die lästigen Symptome. Dann kommen Fröhlichkeit, besserer Teint und strahlendere Augen.

Eine sehr dankbare Zeit für chinesische Mediziner.

Da jetzt alles so gut anschlägt, ist es auch sehr befriedigend, selbst etwas zu tun, und, wie viele wissen, und wie ich auch in meinen Büchern immer wieder betone: Es ist an der Zeit, die Medizin wieder in die eigenen Hände zu nehmen und uns in unseren Körpern zuhause zu fühlen. Wir leben hier in der Materie und viele erleben dies als beängstigend. Aber auch verkörpert  sind wir immer noch geistige Wesen, wenngleich auf einer verdichteten Ebene. Etwas schwerer, etwas langsamer, aber immer noch vollkommen wandelbar.
Im Frühjahr löst sich diese Verdichtung ein klein wenig, wir gehen ins Yang. Nutzen wir diese Bewegung, können wir vieles leichter verändern.

Dies sind meine Vorschläge für Ihre Frühjahrskur- Suchen Sie sich so viel davon aus, wie Ihnen angenehm ist, nicht mehr. Der Frühling liebt die freie Entwicklung- und die grüne Farbe.

  • Morgens heißes Wasser oder Ingwerwasser trinken
  • Pfefferminztee trinken
  • ausgiebig die Haare bürsten und wachsen lassen (Bärte wiederum müssen nicht sein…)
  • saures Obst essen und heiße Zitrone trinken
  • einen Entsafter kaufen und benutzen (vor allem Rettich ist verhältnismäßig fürchterlich, entschleimt aber sehr)
  • große Mengen frischer Kräuter ( alles, was Sie kriegen können, vor allem Löwenzahn) hacken, reichlich mit Senf und Zitrone würzen
  • bittere Salate essen (Chicoree, Löwenzahn, Rauke, Feldsalat), bio ist bitterer
  • grüne Smoothies (Rezepte gibt es genug im Internet), besser ohne Milchprodukte
  • Milchprodukte, auch Joghurt und Käse weglassen
  • Wasabi essen
  • Gluten eine Zeitlang weglassen, oder zumindest Weizen durch Dinkel ersetzen
  • auf Reisnudeln oder Buchweizennudeln umsteigen (Japaner statt Italiener)
  •  Süßkram und Alkohol weglassen
  • viele heiße Suppen essen (ohne Sahne)
  • laufen, singen, tanzen, Yoga
  • ziellos herumschlendern
  • entmüllen Sie ihr Leben und lassen Sie alles Alte hinter sich
  • Im Frühjahr gilt es, eigene Freiheiten zurückzuerobern und einzusehen, dass viele Neujahrsvorsätze ( oder Jahres- Pläne ) unrealistisch sind. Wir dürfen  jetzt auf jene Visionen vertrauen, die spontan entstehen, wenn das Drachenfeuer sein Haupt erhebt und, ungebremst durch Schleim und Grübelei und verwickelte Berechnungen, zum Himmel steigt.

es geht weiter: Akupunktur, Schlaf, Große Mütter, Salons, Bücher und mein neuer blog

Kurzmitteilung

dumme Technik! Die Experten haben festgestellt, dass dieser blog kaputt ist. Es gibt Lösungen, aber nicht für mich. Solange ich keinen Großen Geist finde, der sich daran macht, meine knapp 2500 kaputten links und fehlenden sitemaps und wie sie alle heißen mögen, mit Heftpflaster und Salbe zu versorgen, blogge ich auf meinem vielversprechenden neuen blog www.madame-li.com.

Hier finden Sie schon jetzt etwas über meinen Wunsch eine Große Mutter zu werden. Die Seite heißt bezeichnender Weise “grose Mutter”. Wie ich mittlerweile weiß, darf ich die Rechtschreibung aber nicht mehr ändern, sonst geht wieder alles kaputt. Ach ja (seufz).

Es gibt allerhand zu lesen über den Weg der Kaiserin, jetzt auch auf Englisch:
the path of the empress.

Christine Li and her new book

Bookparty Chez Madame Li

Bestellt werden kann das Buch auch sehr bald. Als Hardcover schon lange beim Krautwaldverlag, in wenigen Tagen aber auch als e- book, für Ihre Kindles und i-phones, auf der neuen homepage der englischen Kaiserin: www.path-of-the-empress.com.

Und ich kündige meinen neuen Salon an:
Chez Madame Li- der Hamburger Salon für ein neues Zeitalter.
Ab März geht es los. Aber untätig waren wir schon jetzt nicht.
Bevor der Salon die Türen öffnet, bin ich aber noch zu Gast in Wien bei einer anderen Salonniere, der Rechtsanwältin Sylvia Freygner. In einem Salon unter dem Motto “Der Weg der Kaiserin” werde ich über die Evolution des weiblichen Bewusstseins reden.
Es sieht so aus, als beginne ein neues Zeitalter großer Salons.

Die Kaiserin in Wien

Ich könnte Ihnen noch so viel mehr erzählen. Zum Beispiel über meine neuen Bücher. Eines davon über eine Schamanin im alten China: der Ruf des Kormorans

Aber das habe ich ja bereits auf www.madame-li.com getan.

Wenn Sie aber vor allem auf dieser Seite sind, um Auskunft über meine Medizin zu erhalten: Natürlich bin ich immer noch Ärztin aus Leidenschaft. Alles darüber finden Sie auch weiterhin hier auf dieser Seite (auch wenn google mich nicht finden mag und schlichtweg bestreitet, dass es mich überhaupt gibt: es gibt mich.).
Das Schöne aber ist vielleicht, dass ich so langsam einen Weg finde, meine unterschiedlichen Leidenschaften zu einem Gesamtkonzept zu vereinen: mir selbst. Die Organisation von Zeit und Kraft ist noch in den Anfangsgründen. Zum Beispiel die Sache mit dem Schlaf, die mich sehr viel Zeit kostet. Schlafen ist ganz klar meine Lieblingsmedizin, noch vor der Akupunktur. Ich brauche viel davon. Das kostet Zeit. Aber Gesundheit heißt für mich, die eigene Wahrheit zu leben. Ich helfe Ihnen gerne dabei und ich versuche, diesen Weg nicht nur zu predigen, sondern auch zu leben.

In diesem Sinne bin ich voller Vorfreude auf ein neues Zeitalter für uns alle.

Ich wünsche Ihnen allen sehr viel Gesundheit, Freude und vor allem unbändige Neugier auf alles, was das Leben für uns bereithält!
Ihre Christine Li

Die Medizin der Zukunft?

Liebe Klientinnen und Klienten,
vielleicht haben einige bemerkt, dass ich oft nicht ans Telefon gehe und auch mails sehr spät beantworte. Bitte empfinden Sie dies nicht als Mangel an Respekt!
Es ist einfach so, dass ich kaum noch hinterher komme. Mein Maileingang ist voll und mein Telefon klingelt quasi rund um die Uhr. Da ich auf der anderen Seite nicht mehr Menschen behandeln kann, als ich im Augenblick behandle, kann ich meine Praxis auch nicht vergrößern, um mit den Mehreinnahmen eine Sekretärin zu beschäftigen.
Die üblichen Gesetze des Wachstums funktionieren bei mir also nicht.
Eine offensichtliche Möglichkeit wäre es, meine Termine deutlich kürzer zu halten und einfach alle Menschen nacheinander “wegzuarbeiten”, volles Wartezimmer (und Bankkonto!) inklusive.
Doch leider würde es mir bei dieser “Lösung” nicht gut gehen. Ich würde mein inneres Gleichgewicht verlieren und damit das, was viele von Ihnen zu mir führt:
Meine nahezu unerschütterliche innere Ruhe. Das möchte ich nicht.

Vor einigen Wochen hatte ich das Gefühl, eine Grenze erreicht zu haben. Ich steckte wie in einem Tunnel. Einerseits all diese wundervollen Menschen, die mit mir arbeiten möchten, für die ich gerne etwas tun würde- andererseits die Grenzen meiner Zeit, meiner Kraft und meiner Fähigkeiten.

Glücklicherweise findet sich immer eine Lösung. In meinem Fall begegnete ich einer ganz besonderen Frau: Frau Frances Alvarez Cardona.
Nach einer Sitzung mit ihr war ich vollkommen überwältigt, Tränen liefen mir über die Wangen, ich fühlte mich gereinigt und innerlich vollkommen umstrukturiert. Alle Schmerzen hatten sich aufgelöst. Ich wusste nun, was zu tun war. Die Lösung war  unerwartet:
Ich werde in Zukunft nicht mehr, sondern weniger arbeiten. Vor allem möchte ich mich dabei wieder mehr auf Akupunktur und chinesische Kräuterheilkunde spezialisieren.

All denen, die sich für ihren Weg spirituelle oder geistige Unterstützung wünschen, möchte ich von Herzen empfehlen, sich statt an mich, lieber an Frau Alvarez Cardona zu wenden. Hier finden Sie vielleicht schon bald alles, was Sie für Ihre Wandlung und Weiterentwicklung brauchen.

Heilerin und Medium

Frances Alvarez Cardona:
Telefon: 0177  621 86 88
Adresse: Deichstraße 36, c/o Praxis Bodenschatz Li

Was Sie interessieren könnte:
Frau Alvarez Cardona ist eine Heilerin und Medium und somit keine Ärztin, wie ich. Ihre Arbeit ist daher sehr unterschiedlich von der meinigen. Zugleich ist sie sehr, sehr effektiv und dabei leicht und freundlich.

In gewisser Weise könnte dies die Medizin der Zukunft sein.

Die Klientinnen liegen in entspannter Haltung auf einer Liege, während Frau Alvarez Cardona die passenden geistigen Helfer channelt, die dann kommen und tun, was zu tun ist.  Sie werden dabei nicht körperlich berührt und erhalten auch keinerlei Medikamente. Aber dennoch ist diese Arbeit körperlich deutlich wahrnehmbar und sehr wohltuend.

Sollten Sie zu denjenigen gehören, die schon genug “an sich gearbeitet” oder anderweitig gelitten haben, falls Ihr Heilungsprozess zum Stillstand gekommen ist oder falls Sie das Gefühl haben, trotz intensiver Bemühungen, immer über die gleichen Probleme zu stolpern, empfehle ich Ihnen von Herzen, sich an Frau Alvarez Cardona zu wenden.

Juristischer Hinweis:
Frau Alvarez Cardona arbeitet in eigener Verantwortung, auf eigene Rechnung und in jeder Hinsicht unabhängig von der Praxis Bodenschatz Li, die nur die Räume zur Verfügung stellt.

Der Weltenwechsel

Manche glauben ja nicht daran, aber für mich hat der Weltenwechsel stattgefunden. Heute beim Weihnachtseinkauf, letzter Sonnabend vor Heiligabend in Hamburg auf der Mönckeberstraße, mitten drin in den allerschlimmsten allervollgestopftesten Läden:
Ich empfand keinerlei Hektik, die Menschen lächelten, schlenderten herum, als hätten sie alle Zeit der Welt, die Verkäufer wirkten entspannt.
Darum geht es. Wir werden wieder Frau und Herr unserer Zeit. Wir geben uns Raum. Vor allem aber: Wir sind freundlich zu uns selbst.
Vielleicht haben einige Menschen den letzten Weihnachtseinkauf nicht so erlebt oder glauben womöglich noch nicht einmal an den Weltenwechsel. Dies ist natürlich ihre freie Wahl. Ich entscheide mich für meine Perspektive, da es sich deutlich freundlicher anfühlt und ich mir von Herzen wünsche, dass überall auf der Welt kleine Freundlichkeitsimpulse in den Äther geworfen werden wie Steine in einen See und dort Wellen werfen, die sich ausbreiten und  überschneiden, bis die ganze Welt von diesem Netz überzogen wird. Das ganze sollte nicht länger als ein paar Tage dauern, denn ich weiß bereits heute definitiv, ich bin nicht allein.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen wundervollen Neuanfing mit viel Zeit und Raum und zunehmend viel Freundlichkeit, vor allem auch sich selbst gegenüber. Seien Sie lieb und zärtlich zu sich selbst, vor allem auch dann, wenn etwas Ihnen sagt, dass Sie es nicht verdienen. Verhätscheln Sie sich und seien Sie nachsichtig mit sich selbst.  Lassen Sie die Sonne in ihrem Herzen strahlen.
Wir sind nicht auf der Welt, um perfekt zu sein, sondern um zu lernen. Wären wir perfekt, wären wir nicht hier.

Heilen lernen,Teil 4

Teil 4 meines Hauptvortrages auf dem ASA Kongress, 2012 in Solothurn über Heilung als Wiederherstellung der Harmonie zwischen Himmel und Erde

Schmerzen und schwere Krankheiten sind Geburtsschmerzen der Seele.

In dem 2000 Jahre alten Medizinklassiker Neijing (Lingshu 27) heißt es:

„Wenn jemand Schmerzen hat, kehrt Shen zurück, wenn Shen zurückkehrt, entsteht Hitze.“
Es kann sehr schmerzvoll sein, wenn die Seele zurückkehrt. Gelegentlich braucht die Seele Geburtshilfe durch einen anderen Menschen… … und durch Nadeln.
Doch wie tun wir dies?
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Heilen lernen, Teil 3

Teil 3 meines Hauptvortrages auf dem ASA Kongress, 2012 in Solothurn über Heilung als Wiederherstellung der Harmonie zwischen Himmel und Erde

Was tun? Wie beginnen Sie eine Heilung?

Um effektiv zu handeln, auch zu be- handeln, versetzen Sie sich in einen freundlich kindlichen Zustand, am besten in Trance, und überlassen sich dem Fluss des Dao.
Es kann eine Weile dauern, vor allem, weil es eine Weile dauert, bis Sie begreifen, dass es wirklich so einfach ist.

Am Anfang sehen Sie vielleicht noch einen festen Körper mit Krankheiten.
Nach und nach lösen Sie ihn in Regeln und Akupunkturpunkte und Qi Ströme auf und werden von all dem zunehmend verwirrt.
Sie ergeben sich und hören auf nachzudenken. Sie vertrauen sich dem Fluss an.
Ihr Unterbewusstsein, ihre Anbindung an das kosmische Shen Qi übernimmt die Führung.

Um zu illustrieren, wie einfach das ist, hat der Daoist Zhuangzi in einer wunderbaren Geschichte ein Beispiel gewählt, bei dem zunächst niemand an große Gelehrsamkeit oder Verfeinerung denkt.  Einen Fleischermeister.

Die Menschen fragten den Fleischermeister Ding, wie es käme, dass er in Windeseile einen Ochsen zerteilen könne, ohne dass seine Messer jemals stumpf würden.

Dies ist seine Erklärung:
„Was ich liebe, ist das Dao. Es übertrifft die Technik.
Am Anfang, als ich begann, Ochsen zu zerlegen, sah ich zunächst nichts, außer Ochsen.
Nach drei Jahren sah ich keinen unzerteilten Ochsen mehr.
Heute begegne ich dem Ochsen mit meinem Shen. Ich sehe ihn nicht mehr mit meinen Augen. Die Erkenntnis meiner Sinne hört auf und mein Shen zirkuliert, wie es ihm gefällt.
Ich folge den natürlichen Strukturen des Ochsen, schneide dort, wo schon große Spalten sind, führe die Klinge durch die großen Höhlungen, sodass ich der festgelegten Natur des Ochsen folge.“

heil sein heißt heiles Shen
Lassen Sie ihre Hände über die Patienten schweben. Folgen Sie den Linien und Strömen und wenn Sie einen Punkt finden, wo es knäuelt oder Leere herrscht, führen Sie ihre Nadel hinein und schubsen Sie das Qi dorthin, wo es hinfließen möchte. Alltägliche Qi Stagnationen, Blockaden und Krankheiten beheben Sie auf diese Weise im Handumdrehen.

Es gibt allerdings Patienten, bei denen geschieht nichts.
Sie sind verzweifelt und depressiv oder vollkommen gefühllos.
Sie haben schreckliche Schmerzen.
Sie kommen mit einer  Diagnose, die ihnen jegliche Hoffnung geraubt hat und es gibt kein tödlicheres Gift als die Angst.

Die chinesische Medizin lehrt uns, dass dort, wo das Shen Qi gegangen ist, jedes Bemühen nutzlos ist.
„Wer Shen hat, wird leben. Wer Shen verliert, wird sterben.“

Bewusstsein- Shen ist nicht die Psyche der Psychotherapie. Die Psychotherapie behandelt unsere Gedanken und Emotionen. Diese sind aber, genau wie unser Körper, nur Ausdruck der dahinter wirkenden Bewusstheit, der eigentlichen Schöpferin unserer Realität, des Shen Qi.
Wenn wir in Verbindung mit dem kosmischen Shen Qi treten, heißt diese Bewegung hun- Hauchseele. Kehren wir in unseren festen Körper zurück, heißt dies Po- Körperseele.
Auf solche Feinheiten verzichte ich heute.
Statt von Bewusstsein, shen, hun, po usw, werde ich einfach von Seele sprechen.

Seelenverlust und Trauma
Was geschieht, wenn diese Seele, oder Teile davon, verloren gehen?

Die Vorstellung von einer verlorenen Seele findet sich bei vielen Völkern. Menschen mit Seelenverlust sind oft körperlich gesund und psychisch funktionell. Sie führen meist ein vollkommen normales, oft sehr erfolgreiches Leben. Doch dabei fühlen sie sich zutiefst hoffnungslos, ziellos, wie ausgesetzt in einer fremden Welt, einsam, getrieben.
Sie leiden unter Erinnerungslücken, Ängsten und vielfältigen dissoziativen Symptomen. Seltsame Symptome, die von Piaget unter der Bezeichnung Hysterie zusammengefasst wurden.

Menschen mit Seelenverlust leiden oft unter Essstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Depressionen, Schlafstörungen, neurologisch unlogischen Schmerzen und Empfindungsstörungen, chronischer Müdigkeit, Burnout und all dem anderen Zeug, das schulmedizinisch wenig Sinn ergibt.

Sie kommen überdurchschnittlich häufig in unsere Behandlung.

In dem 2000 Jahre alten Medizinklassiker Neijing wird ein ähnliches Bild beschrieben, als Folge von Kälte.
Im Suwen (Kap 3) steht:
„Wenn Kälte eingedrungen ist, so ist man in seinen Bewegungen nicht wendig, während des Wachseins und Schlafens befindet man sich immer in Alarmbereitschaft. Das Shen Qi schwebt an der Oberfläche.“

Nicht-wendige Bewegungen lassen an Menschen denken, die etwas Unbeholfenes haben, sich nicht recht  am Platz fühlen, bei denen alles irgendwie schief läuft. Hinzu kommt die Dauererregung, die latente Angst. Eine gewisse Geistes- Abwesenheit.

Dies ist eine sehr treffende Beschreibung eines traumatisierten Menschen, eines Menschen mit Seelenverlust.
Und die Kälte ist offensichtlich nicht die Kälte des Winters sondern die Kälte des dorsovagalen Reflexes – der dritten Möglichkeit , neben fight oder flight auf ein Trauma zu reagieren:  freeze- Todesstarre!

Sie sehen: Was wir heute als Trauma bezeichnen, nannten die alten Chinesen schlicht bösartige Kälte.
Ein Trauma muss nicht immer ein großes Ereignis wie Krieg oder Missbrauch sein. Bei innerer Leere und Empfänglichkeit, vor allem bei Kindern, genügt auch ein kleineres Übel, um großen Schaden anzurichten.

Seele zurücksingen
Die Seele drängt es, sich wieder zu vereinen.

Im alten China sangen Schamanen die Seele zurück. Im Süden entstand eine ganze Literaturgattung um diese sehnsuchtsvollen Lieder.
(Diese wundervollen Lieder waren mir eine große Inspiration bei meinem Roman über eine chinesische Schamanin aus dem dritten Jahrhundert)
Ich denke,  die traurigen Lieder, Gedichte und Kunstwerke der Welt drücken die gleiche Sehnsucht aus. Der Tango entstand so. Die Mystik.
Die Intensität unserer Sehnsucht ist die Intensität der Liebe Gottes zu uns, sagte der Mystiker Rumi.

Die lange Nacht der Seele und schwere Krankheit
Viele Menschen begeben sich allein auf einen sehr schweren Weg zurück zu ihrer Seele.
Eine tiefe Verzweiflung, die lange dunkle Nacht der Seele,  können Ausdruck dieser Sehnsucht sein.
Früher oder später wird die Seele sich heilen.
Nicht immer verläuft der Prozess sanft und schmerzlos.
Nicht immer überlebt der Körper.

Wie wir in alten Büchern lesen, sinkt das Qi bei Angst hinab, bei Wut steigt es auf. Manchmal verknäueln sich beide Qi Formen und führen zu Knoten und Geschwüren. Schleim, Stasen und Kälte bringen den Fluss zum Erliegen. Totes Qi stockt in den Leitbahnen.
Das Ergebnis sind schwere, schmerzhafte, teils tödlich verlaufende, körperliche Krankheiten.
Warum ausgerechnet ich, fragen sie sich. Ich war ein guter Mensch.

Hier ist meine Antwort:
Solche Krankheiten sind Geburtsschmerzen der Seele.

Im Lingshu 27 heißt es
„Wenn jemand Schmerzen hat, kehrt Shen zurück, wenn Shen zurückkehrt, entsteht Hitze.“
Dieser Prozess kann sehr hart sein. Gelegentlich braucht die Seele Geburtshilfe durch einen anderen Menschen… … und durch Nadeln.

Fortsetzung folgt

Heilen lernen, Teil 2

Pan Gu
Heilung ist das Gefühl von Einheit. Damit Sie noch besser verstehen, wie Einheit sich anfühlt, möchte ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Eine Variante der chinesischen Genesis, vermutlich aus Südchina, einer Region mit stark schamanischer Tradition.
Es ist die Geschichte von Pan Gu. Sie werden bemerken, dass es sich um eine schamanische Trancereise oder, wenn sie möchten, eine Regression in die Zeit vor unserer Geburt handelt, zum früheren Himmel, zum Anfang der Zeit.

Immer wenn Heilung stattfindet, erleben wir eine Reise zum Anfang.
Auf dieser Reise wird die Zeit so langsam, bis sie zuletzt ganz stillsteht.

Wenn Sie möchten, verlangsamen Sie nun sich selbst und werden zum neugeborenen Säugling. Dies dauert nur ein paar Atemzüge lang.

Pan Gu

Am Anfang der Zeit herrschte Dunkelheit und Chaos. In der Dunkelheit formte sich ein Ei und im Inneren des Eis entstand Pan Gu- genannt der Ursprüngliche Abgrund.
Viele Zeitalter lang schlief er und wuchs.
Als er zu gigantischer Größe herangewachsen war, streckte er seine riesigen Gliedmaßen und brach so das Ei.
Die leichteren und feineren Anteile schwebten nach oben zum Himmel.
Die dichteren Anteile sanken zur Erde.
Es heißt auch, dass das Auskristallisieren der dichten Anteile die längste Zeit brauchte.
Das Öffnen und Ausströmen ging sehr leicht.
Schnell entstehen geistige Bilder. Nur gemächlich werden daraus die Dinge.
So entstanden Himmel und Erde, Yin und Yang.

Pan Gu sah das alles und es gefiel ihm.
Damit aber Himmel und Erde in Spannung blieben, stellte er sich zwischen sie.
Sein Kopf trug den Himmel. Seine Füße stemmten sich fest in die Erde.
Und weil er so fest auf der Erde stand, transformierte er sich jeden Tag neun Mal.
Wieder und wieder erneuerte er sich. Neun Mal am Tag  war er ein vollkommen anderer und zugleich immer der gleiche.
So  wuchs er immer weiter, zehn Fuß am Tag, 18 000 Jahre lang stemmte er sich gegen den Himmel bis sein Kosmos fest und sicher war.
Da legte er sich hin und starb.

Sein Körper zerfiel und wurde zu allem, was ist.
Wind und Wolken entstanden aus seinem Atem.
Seine Stimme ward Donner und Blitz.
Seine Augen leuchteten als Sonne und Mond.
Seine Gliedmaßen wurden zu den vier Himmelsrichtungen und sein mächtiger Rumpf zu den Bergen. Sein Fleisch zerfiel zu fruchtbarer Erde und all den knorrigen und biegsamen  Bäumen darauf.
Sein Blut strömte als Flüsse durch das Land und seine Venen wurden zu den Kanälen und Wasserwegen, die die Waren zurück zu den Menschen bringen.
Sein Körperhaar wurde zu Gras und Kräutern, seine Knochen und Zähne zu kostbaren Steinen und Mineralien.
Sein Schweiß wurde zum Tau und sein Kopfhaar glich den Sternen am Himmel.
Die Läuse und Flöhe aber, die auf seinem Körper herumwuselten, wurden zu Menschen.

Manche sagen sogar, wenn das Wetter sich ändert, so sind dies Pan Gus Launen.

Nonlokalität und  Quanten Vakuum
Ich möchte Sie nun einladen, einen Bewusstseinssprung zu unternehmen.
Bleiben wir in Ihrem Körper. Ihrem Mikrokosmos. Den Bergen und Flüssen. Sprechen wir über nonlokale Kommunikation. Kommunikation außerhalb von Raum und Zeit.
Wie Sie wissen, sind all ihre Zellen in ständigem Austausch miteinander. Was an einem Ort in ihrem Körper geschieht, wirkt gleichzeitig im ganzen Körper. Dafür bedarf es keiner neuronalen Leitung, keiner Neurotransmitter und keiner Hormone.

Wir erleben dies täglich, wenn wir akupunktieren. Eine Nadel im Fuß wirkt gleichzeitig überall.
Ihr Körper, ihr Nervensystem, ihr Bewusstsein sind eine funktionelle Einheit.
Es gibt kein vorher, kein nachher,  nur ein gleichzeitig.

Im Yi Jing heißt es, was am Himmel die Bilder sind, sind auf der Erde die Formen.
Wir, als Menschen, sind alles zwischen Himmel und Erde.
Wir sind die Bilder und die Formen. Wir schaffen unseren eigenen Kosmos.

Wir sind ein fließendes Feld. Die Chinesen nannten es Shen Qi.

Die Autoren des Neijing, im Suwen (Kap 16), wussten von dieser Gleichzeitigkeit und schrieben:
Sobald das Bewusstsein- Shen sich verändert hat, hört man mit dem Nadeln auf.

Was sich hier verändert, ist sowohl Ihr Shen, als auch das Shen des Patienten.

Die Intention, die in mir entsteht, wirkt im gleichen Augenblick in einem anderen Menschen. In einem Körper, der von mir getrennt scheint, den ich in diesem Augenblick nicht physisch berühre, den ich vielleicht gerade erst kennengelernt habe.

Wir sind eine funktionelle Einheit mit unserer Umwelt. Kein Körper kann für sich existieren.
Wir stehen in ständigem Austausch. Luft, Wasser, Atome, die in einem Augenblick in unserem Körper waren, sind nur wenige Zeit später in einem andern.
Nun behalten selbst subatomare Partikel ihre Erinnerung an das, was sie einst waren.  Ein Bewusstsein durchdringt alles, was ist. Ein einziges Shen Qi.
Es ist unmöglich, uns getrennt zu denken.

Dennoch tun wir es. Wir können es aber auch lassen. Ich denke, es ist an der Zeit diesen materialistischen Narzissmus gehen zu lassen.

Wir denken uns aber nicht nur als getrennt. Wir denken uns auch als dauerhaft. Wir fassen unseren Arm an und befinden ihn für sehr real.
Wir kneifen unseren Bauchspeck und machen uns auf lange Monate zäher Diät gefasst. Veränderungen, so heißt es,  dauern sehr, sehr lange und geschehen in Mikroschritten.

Pan Gu, der seine Füße auf die Erde stemmt, und sich neun Mal am Tag wandelt,  ist demnach doch nur ein altes Märchen?

Die Physik erzählt uns, dass alle Partikel unaufhörlich neu entstehen. Wir sind keine Struktur sondern ein Prozess. In jeder Mikrosekunde werden wir neu aus dem Quanten Vakuum hervorgebracht.

Wir werden aus dem Nichts hervorgewirbelt, schrieb der Mystiker Rumi.

Das wissen wir alten Chinesen schon lange.

Lao Zi  (40 Kapitel) schreibt:
Die Umkehr ist die Bewegung des Dao
Das Weiche ist die Funktion des Dao.
Die zehntausend Wesen werden alle aus dem bereits Differenzierten hervorgebracht.
Das bereits Differenzierte wird aus dem, was noch nicht differenziert ist, hervorgebracht.

Wir sind Ausdruck eines Kosmos, in dem sich alles immer wieder differenziert und verfestigt, manchmal auch blockiert….. und dann erneut öffnet und auflöst.
Beim Auflösen entsteht ein Zwischenraum. Eine Leere.
In der Leere sind unendliche Möglichkeiten.
Heilung ist immer eine Möglichkeit.

Wu Wei (sprich: Uh Wä-ih)
Nun fragen Sie sich, was diese schwärmerischen Worte mit ihrer Arbeit zu tun haben?

Nun, das noch nicht Differenzierte, das Potential der Leere, heißt auf Chinesisch Wu.
Effektives Handeln geschieht in einem Zustand des Wu.
Diese Art des Handelns heißt Wu Wei.

Handeln im Zustand des Ausdifferenzierten, des Definierten, des Blockierten, ist ineffektiv und macht sehr müde.
Laozi 29
„Will man die Welt erobern und greift willentlich ein, so habe ich gesehen, dass dies nicht gelingt. Die Welt ist ein geistiges Ding….Hält man sie fest, so verliert man sie.“

Fortsetzung folgt…