Heilen und heilen lernen in der Schweiz

Der Kurs Heilen lernen im Tessin ist ausgebucht.

HEPPFOTOGRAFIE_TCM_097(1)

den Norden wiederfinden

 

Für all die, die auch noch gerne dabei gewesen wären besteht die Möglichkeit, ihre email Adresse hier unten ins Kommentarfeld einzugeben. Wir melden uns, wenn es wieder soweit ist. Und wie es war, steht auch irgendwann auf unserer homepage über das leben und heilen.
Wir freuen uns auch sehr über Wünsche und Ideen, die das “wo” und das “wie” des nächsten Treffens angehen.

 

Behandlungen in der Schweiz vom 11. -13. 5. 2015

Meine Schweizer Patientinnen, die die Gelegenheit nutzen möchten, sich im eigenen Land von mir behandeln zu lassen, können sich ab sofort gerne online einen der wenigen Termine zu sichern.
Clicken sie dazu einfach auf den grünen Button.

Frühling: Zeit der Visionen, Zeit der Erneuerung

Im Jahr der Ziege immer noch gültig.

Für viele fängt das Jahr holprig an:

  • Geblähte Bäuche
  • steifer Nacken
  • Ohrensausen
  • Übelkeit
  • Zuckungen im Gesicht
  • Rippenschmerzen
  • Augenflimmern
  • Kopfweh
  • träger Stoffwechsel
  • Müdigkeit
  • Mauligkeit.
  • klebriger Mundgeschmack, belegte Zunge
  • Gelenkschmerzen.
  • und vor allem und für viele am schlimmsten:
  • Am frühen Morgen wachen sie auf. Um präzise zu sein: mitten in der Nacht. Denn die Nächte sind immer noch sehr lang. Dann liegen sie wach und schlafen erst ein, bevor sie aufstehen müssten.

Seit ein paar Wochen hat der Frühling begonnen. Ich spüre es in mir als  Erregung, Neugier, Ungeduld. Vor allem aber spüre ich es an den Pulsen der Menschen. Pulsdiagnostik zeigt mir immer wieder, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind und wie sehr wir uns alle gleichen. Ganz gleich welche Störung: Eine gewisses frühlingshaftes Qi   spannt bereits jetzt alle Pulse wie eine Gitarrensaite. Das Qi, die Energie, eilt den Geschehnissen voraus.

Noch warten wir auf die Eisheiligen. Niemand sagt, dass es nicht noch einige Male große Kälte Einbrüche geben kann. Das ändert aber nicht daran, dass  die ersten winzigen Knospen aus den Zweigen schauen werden. Seit dem Frühjahrsfest, dem ersten Neumond des chinesischen Mondkalenders, dem sogenannten chinesischen Neujahr, beginnen die Bäume zu knospen.

Nun ist leicht ersichtlich, dass solche Knospen nicht einfach von heute auf morgen entstehen. Der Beginn aller Dinge ist die Intention, ein langsames Ausrichten aller Energien in eine Richtung. Wenn ein Baum beabsichtigt, eine bestimmte Ausdehnung zu erreichen, eine bestimmte Wand zu erreichen, muss er in diese Richtung wachsen. Er ist ein „stehendes Wesen“, wie die Chinesen sagen. Der Intention folgt Wachstum, Zellteilung, nachströmende Säfte und so dehnt und streckt er sich. Kleine Keime bereiten sich jetzt darauf vor, durch hartgefrorene Erde, durch Asphalt zu brechen. Sie sammeln ein letztes Mal ihre Kraft und dann geht es los.
„Wandelnde Wesen“- Tiere oder Menschen also- brauchen nicht körperlich zu wachsen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie gehen einfach dorthin oder wandeln sich entsprechend
(das chinesische Wort, genau wie das deutsche, umfasst beide Aspekte: wandeln, lustwandeln, verwandeln).
Wir gehen so weit, „wie das Auge reicht“. So weit also, wie unsere Vision es zulässt. „What you can perceive, you can achieve“, heißt es daher bei den Coaching- Leuten gerne. Manche gehen sehr weit, manche nur ein Stückchen (was das vollkommene Maß sein kann!).

Was hat das nun mit dem Frühling zu tun und mit den geblähten Bäuchen?
Nun, während die Bäume trotz Frost und Stürme schon vor Beginn des Frühlings ihre Kräfte zuerst noch einmal sammeln und dann ihre Säfte einschießen lassen und die ersten Zellen sich teilen, entsteht auch in den Menschen eine innere Bewegung. Das innere Feuer, Drachenfeuer bäumt sich auf und steigt nach oben. Unruhe erfasst uns. Vielleicht nicht emotional wahrgenommen- denn oft haben wir wenig Zugang zu den inneren Prozesse. Dafür umso mehr als körperliche Störung registriert. Mit den oben beschriebenen Symptomen und noch vielen mehr. Denn das Drachenfeuer ist expansiv und schießt in alle Richtungen.
Die Chinesen sagen, dieses Feuer „reitet auf dem Gallenblasenmeridian nach oben“. Idealerweise schießt eine prickelnde, beschwingende, leichtmachende Energie durch die Beine, Hüften, Rippen bis hinauf in den Kopf. In den Augen, wo der Meridian endet, entstehen Visionen, der ganze Schädel öffnet sich und lässt Licht eindringen. Wir werden leichter und aktiver und angenehm erregt und zum Frühlingsanfang, wenn die ersten Knospen an den Zweigen erscheinen, marschieren wir in die weite Welt hinein wie weiland Klein Hänschen.

Nicht immer. Sogar eher selten. Irgendetwas geht meistens schief. Im Falle des Frühlings geht sogar besonders leicht etwas schief. Frühlings- Qi ist schnell, auflodernd, wild, ungebändigt und einfallsreich. Wir haben daher die Gelegenheit, eine besonders große Menge bunter Symptome zu entwickeln. Wir können unsere Krankheiten ins Kraut schießen lassen.
Viele der Störungen entstehen entlang des Gallenblasenmeridians. Dies ist ein Strom frühlingshafter Energien die, im Unterschied zu den übrigen gradlinigen Energien des Menschen, den Körper wild umkreisen. Mal nach vorn, mal nach hinten, dann einmal im Kreis herum und einmal anders herum. Vom “Ringzeh” bis hinauf zu den Schläfen und jedes größere Gelenk wird dabei umschlängelt. Ist an irgendeiner Stelle dieses Meridians eine kleine Stauung, sprudelt die Energie abrupt und wild an ihr vorbei. Ganz genau so wie das Wasser schneller fließt, wenn ein Fluss sich verengt. Dadurch kommt es zu all dem Kribbeln, Zucken, Hitzewallungen und Kälteschauern. Je blockierter der Meridian ist, umso weniger angenehm wird dies. Blähungen und dicke Bäuche sind hier fast Standard. Hinzu kommen enge, fast stechende Rippen (oft verwechselt mit Nierenschmerzen oder Problemen der Gallenblase, die nicht das gleiche ist wie der Meridian, aber inmitten des Hauptstroms liegt und besonders viele der Störungen auslebt) und schlechter Mundgeschmack.
Bis hier lässt sich alles mit Akupunktur schnell und effektiv beheben. Manchmal innerhalb von Minuten!

Am unangenehmen Ende des Spektrums kommt es zu Migräne, Hörstürzen und Gallenkoliken und „cholerischen“= galligen Wutausbrüchen. Noch weiter jenseits, wenn nichts mehr nach oben sprudelt, entsteht Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depression.
Für diese schweren Zustände gibt es zwei wichtige Ursachen:

  • innere Leere
  • Schleim

Wer ist am leichtesten betroffen von all diesen unangenehmen Frühlingsgefühlen? Nun, da gibt es zum einen diejenigen, die im Winter “ihr Yin nicht gepflegt” haben. (Eine gepflegte altchinesische Formulierung für „Zuviel Party, zuviel Sex“). Zum anderen sind es diejenigen, die aufgrund von tiefliegenden Ängsten ihr Yin nicht sammeln können, die schlecht schlafen, nachts vielleicht schwitzen und ständig eine latente Unruhe in sich tragen. Unruhe, die von dem Gefühl kommt, nicht willkommen auf dieser Welt und nicht sicher in diesem Körper zu sein. Ein Gefühl, das die meisten kennen, denn wer fühlt sich schon ganz zuhause in seinem Körper?
Manchmal ist nicht das Yin schwach, sondern das Yang. Erkenntlich (u.A.) am kalten Popo.
Um Schwäche und Leere, ob Yin oder Yang, zu behandeln und die Batterien für das ganze Jahr aufzuladen, empfiehlt sich eine Kräuterkur mit chinesischen Kräutern vor der Wintersonnwende.

Die häufigere Ursache für blockierte Gallenblasenmeridiane ist der Schleim.

Schleim ist das große Thema der modernen chinesischen Medizin. Schleim ist auch ein großes Thema für uns. Schleim ist zum einen das, was sich bei Husten in unserer Lunge ansammelt. In einem weiteren Sinne ist es aber ein Fachausddruck für alle Arten von „abgestorbenem Qi“.
Bei Übergewicht mit schwachem Stoffwechsel ist das Feuer unter Schleim erstickt und viele Diäten verschärfen diese Situation noch. Bei  Verdickungen und Knubbeln denken chinesische Ärzte auch an Schleim. Bei allem, was sich verlangsamt, müde ist, schwer von Begriff oder zäh und endlos immer wieder das Gleiche denkt und sagt. Menschen mit langen Listen von Symptomen, die sie sich aufschreiben, um nicht alles zu vergessen, denken wir an Schleim. Menschen, die sich immer wieder die Stirn reiben, als wollten sie sich aufwecken. Menschen, in deren Augen kein Glanz ist.
Über Schleim gibt es dicke Bücher. Fast könnte man sagen, Schleim sei an allem Schuld. Kälter Schleim, heißer Schleim, zäher Schleim, alter Schleim, trockener Schleim und feuchter Schleim. Schleim ist nichts Gutes. Ich erspare Ihnen die Details.

Die erfreuliche Nachricht allerdings ist sehr erfreulich: Jetzt, in der Zeit des ersten Aufbäumens des Drachenfeuers, können Sie die natürliche Bewegung des Qi von innen nach außen nutzen, den Schleim endlich loszuwerden. Viele Fälle von schwerem Schleim profitieren von einer Kräuterbehandlung. Allerdings dauert diese ein paar Wochen lang. Am Anfang merken sie nicht viel. Schleim ist zäh und bewegt sich nicht gerne. Nach einer Weile aber, wenn das Feuer langsam aufsteigt, spüren sie von Tag zu Tag mehr: Sie vergessen all die lästigen Symptome. Dann kommen Fröhlichkeit, besserer Teint und strahlendere Augen.

Eine sehr dankbare Zeit für chinesische Mediziner.

Da jetzt alles so gut anschlägt, ist es auch sehr befriedigend, selbst etwas zu tun, und, wie viele wissen, und wie ich auch in meinen Büchern immer wieder betone: Es ist an der Zeit, die Medizin wieder in die eigenen Hände zu nehmen und uns in unseren Körpern zuhause zu fühlen. Wir leben hier in der Materie und viele erleben dies als beängstigend. Aber auch verkörpert  sind wir immer noch geistige Wesen, wenngleich auf einer verdichteten Ebene. Etwas schwerer, etwas langsamer, aber immer noch vollkommen wandelbar.
Im Frühjahr löst sich diese Verdichtung ein klein wenig, wir gehen ins Yang. Nutzen wir diese Bewegung, können wir vieles leichter verändern.

Dies sind meine Vorschläge für Ihre Frühjahrskur- Suchen Sie sich so viel davon aus, wie Ihnen angenehm ist, nicht mehr. Der Frühling liebt die freie Entwicklung- und die grüne Farbe.

  • Morgens heißes Wasser oder Ingwerwasser trinken
  • Pfefferminztee trinken
  • ausgiebig die Haare bürsten und wachsen lassen (Bärte wiederum müssen nicht sein…)
  • saures Obst essen und heiße Zitrone trinken
  • einen Entsafter kaufen und benutzen (vor allem Rettich ist verhältnismäßig fürchterlich, entschleimt aber sehr)
  • große Mengen frischer Kräuter ( alles, was Sie kriegen können, vor allem Löwenzahn) hacken, reichlich mit Senf und Zitrone würzen
  • bittere Salate essen (Chicoree, Löwenzahn, Rauke, Feldsalat), bio ist bitterer
  • grüne Smoothies (Rezepte gibt es genug im Internet), besser ohne Milchprodukte
  • Milchprodukte, auch Joghurt und Käse weglassen
  • Wasabi essen
  • Gluten eine Zeitlang weglassen, oder zumindest Weizen durch Dinkel ersetzen
  • auf Reisnudeln oder Buchweizennudeln umsteigen (Japaner statt Italiener)
  •  Süßkram und Alkohol weglassen
  • viele heiße Suppen essen (ohne Sahne)
  • laufen, singen, tanzen, Yoga
  • ziellos herumschlendern
  • entmüllen Sie ihr Leben und lassen Sie alles Alte hinter sich
  • Im Frühjahr gilt es, eigene Freiheiten zurückzuerobern und einzusehen, dass viele Neujahrsvorsätze ( oder Jahres- Pläne ) unrealistisch sind. Wir dürfen  jetzt auf jene Visionen vertrauen, die spontan entstehen, wenn das Drachenfeuer sein Haupt erhebt und, ungebremst durch Schleim und Grübelei und verwickelte Berechnungen, zum Himmel steigt.

Originally posted 2013-01-31 01:40:04. Republished by Blog Post Promoter

Heilen lernen: Von Placebos, der Kraft der Gedanken, von Pferden und vom Mitgefühl

Ein Kurs über das Heilen lernen

Im Mai 2015 gibt es einen ersten Kurs für Heiler und die, die sich selbst heilen möchten.
Der Kurs beruht auf dem Gedanken, dass uns das Heilen angeboren ist. Der Kurs möchte diesen Gedanken weitergeben. An alle, die ihn dann vermehren möchten wie ein Virus.

Alles begann mit simplen Fragen über das Heilen. Wir sprachen einige Nächte lang, Sandro, ein Kollege aus Zürich und ich.

Dies waren einige unserer Fragen über das Heilen:

So schwierig, wie es uns beigebracht wurde, sollte das Heilen nicht sein. Schließlich ist Zellerneuerung ein Programm, das unserem Körper automatisch zur Verfügung steht.
Warum die ganze Aufregung?

Warum haben wir solche Angst vor dem Körper?

Warum wird es denen, die das Heilen erlernen möchten, das Leben zur Hölle gemacht?

Warum gibt es für die, die Heilung für sich selbst suchen, vor allem Angst, Einschüchterung und Terror? Iatrogene Traumatisierung.

Warum machen sich manche gar nicht erst so viele Gedanken und werden einfach mal gesund?

Was bedeutet Heilen? Warum gelingt es den einen und den anderen nicht?

Warum bereitet uns das Leben soviele Schmerzen?

Auf welchem Weg finden wir Zugang zu unserer verborgenen Heilkraft?

Warum kennen wir uns in ihrer Handtasche, und manche im Inneren ihres Computers, besser aus, als in ihrem Körper?

Unnötige Fragen? Dumme Fragen?

Heilung ist nun mal schwer. Medizin muss lange Jahre studiert werden und danach kann mensch immer noch niemanden heilen. So schwer ist es. Und wer nicht Medizin studiert hat, versteht schon mal gar nichts. So ist es eben.

 

Die Geschichte lehrt uns, dass alle Fragen, die mit “so ist es eben”, “so war es schon immer” und “du immer mit deinen dummen Fragen!” beantwortet werden, die interessanteren Fragen sind.

“Paradigmata filtern unsichtbar im Kopf des Wissenschaftlers, was überhaupt wahrgenommen werden kann, was in wissenschaftliches Ergebnis und was in störenden, unbeachteten Noise getrennt wird.”
(Georg Hoffmann, in einer Huldigung des großen Thomas Kuhn)

Wenn Menschen einfach mal so gesund werden, wird dies in der Medizin als störendes “noise” wahrgenommen.

 

Einst wurde uns eingebläut, Heilerei sei nichts als Hexerei und Teufelswerk. Jedem aufrechten Christenmenschen zuwider, weil ein sadistischer Gott seine sündigen Kreaturen leiden sehen will.
(monotheistische Religionen als Produkte von Kulturen mit väterlicher Züchtigungspflicht)

Heute wird Heilkraft einfach ignoriert. Unsere modernistische “wissenschaftliche” Medizin sieht rundum nur den Verfall. Im Krankheitsfall geht es bergab. Gelenke nutzen sich ab, Gewebe verhärten, Organe versagen, das Gehirn verklebt und Gene degenerieren? Und das Ganze ist im Prinzip nicht zu ändern. Wir können es nur, mithilfe von allen möglichen wohlfeilen Giften, einigermaßen verlangsamen und ertragen.
Inzwischen musste selbst die moderne Medizin einsehen, dass manche Menschen halt doch irgendwie heilen. Aber das beruht auf Einbildung. Es ist ein Placeboeffekt. Man muss diesen armen, fehlgeleiteten Menschen nur sagen, dass alles eine Lüge war und schwupps sind sie wieder krank. So wie es sich gehört.

Heilen ist sehr real. Es ist keine Hexerei und auch nicht schwer und natürlich beginnt Heilung in den Gedanken. Gedanken sind eine eigenständige physikalische Kraft. Sie wirken. Die Kraft unserer Gedanken aktiviert unseren inneren Heiler. Die angeborene Heilkraft.

Im Placebodiskurs entlarvt sich der Missbrauch durch eine hierarchische Medizin:
Ich, die mächtige Wissende gebe dir, du armer, dummer Patient ein unwirksames Medikament und du bildest dir dann ein, du seist geheilt und allein dadurch wirst du geheilt. Freilich nur scheinbar. Denn nun liegt es in meiner Macht, dir deine Heilung zu belassen, indem ich dich im Unwissen lasse, oder dich über den Betrug aufzuklären und dadurch wieder krank zu machen. Ich kann dies jederzeit tun. Betrogen oder krank: Es liegt an mir.
In beiden Fällen bist du vollkommen in meiner Hand.

Das Interessante daran ist: Unsere Gedanken sind wirklich in der Lage, uns zu heilen. Wenn wir dies erreichen, ohne den Betrug des Placebos, sondern dadurch, dass wir unsere Art zu sein so transformieren, dass wir wirklich neue Gedanken generieren- dann haben wir uns geheilt. Auf einer tiefen und dauerhaften Ebene.
Eine solche Heilung ist magisch, transformativ und bleibt bestehen. Wir haben sie selbst erreicht, haben unseren eigenen Dämonen ins Auge geblickt und uns  befreit. Nur wir selbst wissen, wie weit der Weg war und was wir alles gesehen haben auf dieser Reise.
Unsere Heilung ist real.
Wenn uns nun jemand erzählen würde: “Du hast dir das nur eingebildet.”
Dann wüssten wir beim besten Willen nicht, was das heißen sollte.

 

Wie das Leben selbst bedürfen solche Heilungen eines großen Heldenmutes. Außerdem ist es gut, Wegbegleiter dabei zu haben. Dies sind die Heiler.  Heiler ermutigen andere Menschen, sich auf die Kraft ihrer Gedanken zu besinnen. Heiler halten den Raum. Sie bewachen die Reisenden. Sie sind Zeuge. Sie fühlen mit.

Heiler sind nicht die, die anderen Menschen unwirksame oder giftige Substanzen verkaufen und ihnen einreden, es sei Medizin.

Heiler gelten  als alberne, unwissende Spinner, denen der Ernst der Lage nicht bewusst ist. Meist, weil sie keine Medizin studiert haben (und wenn doch, wie ich, dann müssen sie irgendwie wahnsinnig geworden sein…).
Heiler werden inzwischen nicht mehr auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Sie dürfen inzwischen, leise und eher heimlich, Fragen nach der Heilung stellen.
Leise ist gut. Sogar sehr gut. Uns einfach alle heimlich selbst zu heilen, ohne großes Geschrei, dürfte das Subversivste sein, was ich mir vorstellen kann.
Nach dem Motto:

Stell dir vor, es gibt Pillen und keiner will sie schlucken.

 

Aber wie funktioniert das Heilen lernen? Wo fangen wir an?

Bei unseren Gespräche über das, was Heilung ausmacht lernen, stolperten wir über eine Anzahl im Augenblick sehr beliebter, um nicht zu sagen, bis zum Abwinken heruntergeleierter Begriffe, heruntergeleiert, zugegebenermaßen auch von uns.

Bei strenger Betrachtung stellten wir fest, dass wir unter diesen Begriffen wenig Konkretes vorstellen konnten.

13 new age Begriffe über das Heilen, die geiler klingen, als sie sind

  1. Achtsamkeit (mindfulness)
  2. Intuition entwickeln
  3. Öffnung des dritten Auges
  4. Herzöffnung, offenes Herz
  5. Selbstliebe, sich selbst lieben, Selbstwertgefühl
  6. ins Yin gehen (in der chinesischen Medizin ein Fachbegriff, außerhalb davon irgendwie nichts)
  7. die Mitte stärken (idem)
  8. sich erden
  9. das Ego loswerden, starkes Ego
  10. Neugier
  11. Spontaneität
  12. Authentizität
  13. Freiheit

Ja, ich weiß, manche dieser Wörter klingen prima.

Freiheit, zum Beispiel, mag ich sehr. Oder Neugier. Sandro wiederum war bis vor kurzem ziemlich versessen auf die Achtsamkeit (mindfulness).
Bei genauerer Betrachtung entlarvten sich all diese Lieblingswörter als new age Klischees.

Das Problem mit solchen Wörtern ist, dass niemand sie umsetzen kann.
Außer vielleicht im Rahmen spezieller Kurse (mindfulness-training läuft ja ganz gut).
Bei der Spontaneität wissen die meisten: “Sei spontan!” funktioniert nicht.
Genau so wenig wie: “Lass einfach los!”
Ähnlich ist es auch mit den anderen Begriffen. Wie genau soll ich mein Herz öffnen? Wie?

Nachdem wir eine ganze Weile mit diesen Begriffen gespielt hatten, entschieden wir uns, dass sie uns nicht viel nutzten.

Unklare Wörter verkleben das Denken. Das sagte, sinngemäß, schon Konfuzius. Konfuzius sagte es immer wieder. Es war vielleicht sogar die wichtigste seiner Erkenntnisse: Begriffe müssen klar und präzise sein. Sind sie es nicht, wird die Realität ebenfalls verworren.

Wir stellen vor: Die Acht

Wir haben uns daher, Konfuzius und der Klarheit zuliebe, von unseren new-age Klischees  verabschiedet.

Indem wir dies taten, tauchten acht neue und klare Wörter auf, simple und wohlvertraute Wörter. Acht Wörter die wir verstehen und fühlen können. Acht Wörter, die uns fokussieren helfen.

Die neuen Wörter beschreiben acht innere Haltungen. Acht Stimmungen oder Tonlagen. Acht Richtungen. Acht Rhythmen. Acht Einstellungen. Acht Kompassionen. Acht innere Melodien.
Acht Gefühlsebenen.
Acht.

Gefühle und Pferde

Gefühle sind der Stoff, der unsere geistige Realität, die klaren Bilder und Vorstellungen, mit der dunklen und geheimnisvollen Realität unseres Körpers verbindet.

Durch Gefühle gelangen wir in die Dunkelheit unseres Körpers. An all die Orte, die uns unzulänglich erscheinen, obwohl wir eigentlich mitten drin sind.
Gefühle verbinden uns mit den Ahnen und mit unserem angeborenen Wissen.

Und Gefühle sind den meisten, gelinde gesagt, suspekt. Unberechenbar. Sie machen, was sie wollen, und meistens tun sie weh. Weshalb unser Konsum an Psychopharmaka elefantiasische Ausmaße erreicht.

Gefühle sind allerdings auch die wilden Pferde, die uns durchs Leben tragen. Wenn wir sie einschläfern, werden sie uns nicht sehr weit tragen.

Es gibt zwei Möglichkeiten, mit unserem Pferd Kontakt aufzunehmen.
-Die “klassische”: Wir reißen am Zügel, treten ihm in die Seiten, reißen ihm womöglich mit Sporen die Seiten auf, dopen es oder reiten es müde-
-Die “indianische” (la doma india): Wir vertrauen dem Pferd und arbeiten an unserer eigenen Haltung. Indem wir uns unserer Haltungen (der innerlichen und der äußerlichen) bewusster werden, zähmen wir, zärtlich, die wilden Pferde unserer Gefühle. Pferd und Reiter werden eins.

Nochmal acht

Acht Stimmungen oder Tonlagen. Acht Richtungen. Acht Rhythmen. Acht Einstellungen. Acht Kompassionen. Acht innere Melodien.
Acht Gefühlsebenen.
Acht Haltungen.
Die Acht wirken nach innen und nach außen. Sie reichen als innere Einstellung bis tief in die Gefühle. Sie formen als äußere Haltung auch den Körper.

Wie bei einem Musikinstrument bestimmt die Form auch die Schwingung, die wir aussenden.
Unsere Haltungen formen nicht nur die innere sondern auch die äußere Welt.
Den Körper, andere Menschen, die Dinge, die uns begegnen, unser Schicksal.

Die meisten Menschen stecken in der einen oder anderen Haltung fest (das “Opfer”- Hingabe, die “Macherin”- Wut, der “Abgehobene”-Klarheit), während ihnen andere Haltungen, wie etwa Zärtlichkeit, nicht zu entsprechen scheinen. Sie spielen, wie auf einem Klaver, bei dem der größte Teil der Tasten abgeklebt ist, immer wieder die gleiche Melodie.
Die Gefühle werden dann ebenfalls starr. Immer die gleichen. Quälend.

Da heil-sein ein anderes Wort für ganz-sein ist, vereinigen heile Menschen alle acht Haltungen.

  1. Respekt
  2. Standhaftigkeit
  3. Wut
  4. Zärtlichkeit
  5. Schönheit
  6. Hingabe
  7. Kindlichkeit
  8. Klarheit

 

Im Heilen vereinigen sich die Acht. Wir gehen soweit zu behaupten, dass unsere Kraft zu heilen darauf beruht, wie umfassend wir alle Acht verkörpern können.

Das Ritual der Acht

Wir haben die Erfahrung der acht Haltungen/Stimmungen/Kompassionen in den Mittelpunkt eines stärkenden Rituals gestellt, das uns, genau wie die Acht, quasi von selbst “erschienen” ist.

Ge-channelt? Dummes Wort. Mit einem Mal war es da. Das Ritual.

Das Ritual der Acht erhält, wie die meisten traditionellen Rituale, seine Kraft durch die Verbindung mit dem magnetischen Kraftfeld der Erde. Den acht Himmelsrichtungen also. Den acht Winden. Indem wir unsere inneren Haltungen am magnetischen Feld ausrichten, verstärken wir sie.

Anleitung zum Ritual der Acht:

Wir nehmen nacheinander alle acht Haltungen ein- als innere Haltung- ausgerichtet im Magnetfeld. Das ist alles.
Inzwischen haben wir ausreichend Gelegenheit gehabt, das Ritual auszuprobieren. Genau wie die Haltungen selbst ist es simpel und unverschnörkelt.
Es gibt keine Fehler und keine wütenden Geister. In der neuen Heilkunst haben solche Bedenken und Ängste keinen Platz mehr. Der übellaunige Gott und all die anderen rachsüchtigen Geister, die unsere Vorfahren über lange Jahrtausende gepiesakt haben, gehören auf den Komposthaufen der Geschichte.

Jeder kann das Ritual auf der Stelle erlernen und zuhause durchführen und es wirkt.
Es kostet nichts und wir benötigen auch keine geheimnisvollen Zutaten. Nur uns selbst, Zeit und das Wissen, wo der Norden ist.
Die acht Haltungen sind wohlbekannt:
Es sind elementare Erfahrungen, wie Zärtlichkeit oder Respekt. Auch wenn die eine oder andere Haltung nicht ausgelebt wird: Jede weiß, worum es dabei geht.
Acht innere Einstellungen, die jedem Menschen gelingen und keinerlei esoterische Schulung benötigen.
Acht Haltungen, die komplizierte Erfahrung wie die von Liebe, Achtsamkeit, Erdung und Herzöffnung als “Nebenwirkungen” beinhalten.
Acht Tonarten, mit denen jede ihre eigene Musik spielen kann.

Wir haben sie nicht erfunden und beanspruchen kein copyright. Es gibt keine teuren Kurse zur Erlangung der Meisterschaft.
Jeder Mensch ist ein Meister. Die Sache mit den Gurus war vorgestern.

Heilen ist und bleibt public domain.

Warum acht?

So wie Pflanzen und Tiere sich am magnetischen Feld orientieren, so tun dies auch wir. Wir wissen dies nur nicht mehr. Rituale beleben dieses Wissen. Sie beziehen ihre Kraft bewusst aus dem magnetischen Feld der Erde indem sie die vier oder acht Winde oder Richtungen einbeziehen. Ohne das Bewusstsein, wo wir stehen im magnetischen Feld, werden wir eben irgendwie, so gut es geht, planlos von den Kräften hin- und hergezogen.

Die Himmelrichtungen sind eine elementare Gegebenheit des Lebens im Magnetfeld der Erde.
Zu allen Zeiten erlebten Menschen die Himmelsrichtungen als sehr real, im Körper, im Wetter, im Wind. Heiler auf aller Welt begrüßen bis heute die Kräfte der vier oder acht Richtungen, bevor sie mit ihren Zeremonien beginnen. Die vorgeschichtlichen Chinesen beschrieben die Kräfte der acht Himmelsrichtungen ausführlich in dem klassischen Buch der Wandlungen Yi Jing (I Ging).
Die acht Himmelsrichtungen sind die acht Dimensionen unserer materiellen Existenz.
Gaia. Mutter Erde. Pachamama. Unsere Mutter kommuniziert über ihr Magnetfeld mit unserem eigenen Magnetfeld.
(Bei der Akupunktur nehmen wir Einfluss auf die Kommunikation unseres Körpers mit den magnetischen Informationen der Erde.)
Die chinesische Sprache bezeichnet einen Menschen, der den Sinn für die Realität verloren hat als einen, der metaphorisch “den Norden nicht mehr findet”.

Uns heutigen westlichen Menschen ist der Sinn für die Himmelsrichtungen abhanden gekommen. Wir finden buchstäblich den Norden nicht mehr.

( Wer ein chinesisches Navigationsgerät verwendet, muss allerdings damit rechnen, dass Siri oder wer auch immer, fröhlich erklärt “drehe nun nach Norden/Osten/Westen/Süden um”. )

Acht Kompassionen

Mit den acht Haltungen möchten wir uns selbst helfen, uns wieder zuhause zu fühlen auf der Erde.
Die acht Haltungen sind daher auch acht Dimensionen oder acht Kompassionen.

Im Spanischen ist compás das, was Menschen haben, deren Füße den Rhythmus fühlen und wie von selbst zur Musik schreiten können. Zur Zeit. Das Taktgefühl.
Im Deutsch hilft uns der Kompass, uns im Raum einzurichten, wenn wir den Sternenhimmel aus den Augen verloren haben.
Im Englischen hingegen, wie in den meisten Sprachen lateinischer Herkunft, ist “com-passion” das Mit- Gefühl. Die “Passion”, die wir “mit” anderen teilen.

Kompassionen, sind somit Haltungen, die wir gemeinsam mit einem Gegenüber ( real oder imaginär) einnehmen, um uns ineinander einzufühlen und zugleich in Raum und Zeit anzukommen.

Nach(t)gedanke:
Im Chinesischen sagt man zu einer, die den Kontakt zum Leben verloren hat: “sie findet den Norden nicht mehr”.
Wissen Sie immer, wo Nord und Süd ist? In der Wohnung? Klar. Auf der Arbeit? Ähm, ja? Und im Restaurant? In der U-Bahn? Beim Nachtflug über den Nordpol? Im MRT?

Zeit, einen Kompass zu kaufen.

 

Heilen lernen im Tessin

Kursankündigung: “Heilen lernen”

 

Mai 2015 findet unser erster Kurs über das Heilen lernen statt.
“Heilen lernen” ist ein experimenteller Kurs. Ein Prototyp. Zum Ausprobieren und Selbst- Entwickeln.
Wie schon mein magischer Kurs im Schwarzen Wald ist auch dieser Kurs
ein Kurs bei dem nichts gelehrt wird und nichts vorausgesetzt wird.

 

Es gibt keine Einstiegsprüfungen und keine Zertifikate. Solchen Kindereinschüchterungskram brauchen wir nicht.

Wir gehen davon aus, dass Menschen alles in sich tragen, was sie brauchen.
Heilung ist uns angeboren. Heilung ist immer eine Möglichkeit.
Keine Gurus und keine Schüler.

Die acht Kompassionen sind Grundlage des Kurses. Rituale. Gegenseitige Arbeit mit Gefühlen und dem Körper. Experimente. Gespräche. Berge und Wasser und der Sternenhimmel.
Wir, Sandro und ich, und genauso alle anderen TeilnehmerInnen, halten den Raum, damit Heilung entstehen kann.
So mache ich das in meiner Praxis. So halten wir das auch im Kurs.
Im Kurs gibt es außerdem noch den Himmel über uns und die Erde unter uns, die uns halten und tragen und schützend umgeben.
Berge und Wasser und das Magnetfeld der Erde werden somit erlebbarer als in der Stadt.
Die Erinnerung an das Heilen kommt so von selbst zurück.
(noch ein paar Gedanken über das Heilen in Sechs kleine Videos über das Heilen.)

Wer sich darauf einlassen mag, nichts zu lernen und alles schon zu wissen, und wer außerdem nicht so viel Komfort benötigt, kann gerne vom 15.-17. Mai mit uns zum Heilen lernen ins Tessin kommen. Zwei Plätze sind noch frei.
Wie gesagt. Der Kurs ist ein Prototyp. Ein Geschehenlassen.

Wer abwarten will, wird nach dem Kurs auf einer neuen homepage mehr lesen können. Vielleicht ja auch vorher. Wir hetzen uns nicht.

Bis bald,
Christine und Sandro

 

Sandro Varisco

Sandro Varisco

Sommerlachen

Christine Li

 

Musik heilt.

Kurzmitteilung

Diese Musik allerdings zerreißt Herzen

Das wollten inzwischen einige wissen:
Die Musik mit denen meine sechs kleinen Videos “zurück zur Heilung” ausklingen, ist ein Remix der genialen Shanghai Restoration Project.

Das ursprüngliche Stück heißt: “the wandering songstress” und stammt aus dem herzzerreißenden expressionistischen Film “Street Angel” (Regie Yuan Muzhi, Shanghai, 1937). Es ist bis heute ein Lieblingslied beim Karaoke. Ein echter Ohrwurm also.
Ursprünglich wurde es von Zhou Xian gesungen.

Zhou Xian (1918- 1957)

Zhou Xian (1918- 1957)

Eine modernere Fassung hören wir in Ang Lee’s Film “Lust, Caution” von 2007.

Zum Remix von Shanghai Restoration Project gibt es ein sehenswertes Video.
Ideal für alle, denen bei  alten chinesischen Filmen Tränen in die Augen steigen.

Mehr über kranke und zerrissene Herzen.

Mehr über Tränen.

Sechs kleine Videos zur Heilung

(Nicht lesen und gleich die Videos ansehen? Unter dieser Einführung finden Sie die Links.)

Heilung ist immer eine Möglichkeit

Eine ganze Weile habe ich mich nicht gemeldet.
Die Sache ist die: Über ein paar Wochen habe ich auf einer langen Reise an mir selbst herumgedoktort. Das ist nun einmal meine Passion: Neue Techniken auszuprobieren und jede einzelne Funktion zu fühlen und zu perfektionieren. Der Körper will heilen und ich will lernen, wie es geht. So richtig schön ist es nicht immer. Ich habe gelernt, mich dankbar zu zeigen, ganz gleich, was kommt.
“Dankeschön!” also, für rasende Schmerzen, wo ein verformtes Gelenk versucht, in eine günstigere Form zu fließen oder wenn ein paar Nächte vollkommen schlaflos und schweißgebadet ablaufen, weil alle möglichen Emotionen zutage kommen, die eigentlich schon lange “erledigt” waren.

( Manche Sachen kommen immer wieder in neuer Verkleidung, es ist zum… …! Aber “danke”, auch dafür. )

Heilung ist ein anderes Wort für Leben und zu leben ist ein Abenteuer. Eine Reise. Eine Reise zurück zu uns selbst. Nicht einfach, nicht komfortabel, aber aufregend. Hinter jeden Ecke warten feurige Drachen oder bösartige Zwerge. Verstreut dazwischen liegt die eine oder andere magische Perle. Ein Riesenspaß für wahre Helden. Heldenmut ist gefragt, vor allem, wenn für lange Zeit nichts geschieht als Schmerzen, Einsamkeit und Verwirrung. Das gehört dazu. Genauso wie der stets drohendeTod.

Heilen ist nicht fremdartig und Heilen ist nicht kompliziert. Heilen ist eine angeborene Fähigkeit. Heilung liegt in uns. Unsere Vorfahren, die Menschen der ganz alten Zeit, wussten dies und ihr Wissen finden wir in alten Legenden und Märchen. Vieles darin ist schwer verständlich, denn diese Geschichten sprechen in Bildern und Metaphern.
Eines ist aber immer klar:   Wir brauchen Mut, Standhaftigkeit, Kindlichkeit und Zärtlichkeit und noch einiges mehr, an das wir uns bald wieder erinnern werden. Darüber demnächst mehr; denn dies wird das Jahr des Heilens.

Wie die mythische Reise des Helden in unseren Märchen, ist das Heilen ein ganz individueller Vorgang, der von niemandem verstanden werden kann, als von der betroffenen Person selbst. Zugleich brauchen wir zum Heilen eine Verbindung zum Ganzen, wir brauchen Helfer und Weggefährten, magische alte Frauen, Krafttiere, einen fliegenden Teppich, Lieder oder Gebete.
Was immer wir zum Heilen brauchen mögen: Niemand heilt alleine.

Ein Teil meiner Arbeit besteht daher einfach darin, da zu sein. Hinzu kommen die eine oder andere Akupunkturnadel, ein bisschen Osteopathie, Handauflegen oder auch einmal ein magisches Rezept aus dem chinesischen Altertum.

Das Heilen kann Ihnen niemand abnehmen. Heilung ist eine Reise zur Selbsterkenntnis. Aber ein wenig Ermutigung schadet nie. Deswegen habe ich unter dem Titel “Zurück zur Heilung” sechs kleine Videos über das Heilen aufgenommen.
Sie lernen durch diese Videos nicht, wie Sie sich heilen. Aber vielleicht lassen Sie sich inspirieren, es selbst herauszufinden.
Ansonsten, wie schon gesagt, demnächst mehr. Denn dies wird das Jahr des Heilens.

Zurück zur Heilung

Meine Videoserie über das Heilen heißt: “Zurück zur Heilung”. Sie können die sechs Filmchen einzeln unter ihren Titeln anclicken. Ich empfehle aber, sie der Reihe nach anzusehen, denn sie bauen aufeinander auf.

  • 1. Selbstheilung

  • Hier geht es darum, dass Heilung eine angeborene Fähigkeit jedes lebendigen Organismus ist. Vorausgesetzt wir “popeln” nicht allzusehr an unseren Wunden herum. Wenn es uns gelingt, uns einfach dem Prozess auszuliefern und zu vertrauen, dann heilen große und kleine Wunden (seelische, körperliche, große und kleine) irgendwann von selbst.
    Eine schwere Aufgabe. Ganz alleine ist dies kaum zubewältigen.
    Zum “herumpopeln” gehören auch all die vielen Medikamente, mit denen wir unser Leid betäuben und uns noch mehr von unserer Umgebung und unseren Gefühlen abschneiden. Daher gibt es zum Ende des Videos ein paar kleine Hinweise, wie Sie Ihren “Medikamentenberg” so langsam abtragen könnten.
  • 2. Eins mit allem und doch ganz ich selbst

  • Eine kleine Einführung in die chinesische Art, die Dinge zu sehen. Über das Qi, Yin und Yang, die Essenz. Es geht hier nicht um die hochkomplizierte chinesische Medizintheorie, sondern darum, zu verstehen, dass wir nicht aus festen unveränderlichen Bausteinen bestehen (Knochen, Muskeln und Organen) sondern aus einer veränderlichen, flüssigen und vibrierenden Grundsubstanz: einer Art Wasser: dem Qi. Wenn die Grundstimmung liebevoll und harmonisch ist, dann werden wir eine wunderschöne Schneeflocke, einzigartig und unverwechselbar. Wenn nicht, werden wir ein harter unförmiger Klumpen, Teil der großen Masse von Eis. Und dies entscheidet sich jeden Tag neu.
  • 3. Sei Wasser

  • “be water my friend” sagte einst Bruce Lee, der seinen Körper nach einem schweren Wirbelsäulenunfall wieder zu Höchstleistung aufbaute. Wir betrachten noch einmal genauer, wie der Stoff funktioniert, aus dem wir bestehen. Wir sehen, anhand eines Experimentes in meiner Küche, dass es am besten ist, einfach loszulassen, wenn wir uns wandeln wollen. Mit Druck geht nichts.
  • 4. Halt die Klappe

  • Ganz gleich, was wir uns sonst noch zusammenspinnen, wir können immer nur wir selbst sein. Was uns Bücher wie “the secret” verkaufen: das wir nämlich alles sein können, was uns gerade in den Kopf kommt oder uns als attraktiv verkauft wird, ist albern. Mit Gedanken allein können wir das Qi nicht formen.
    Erst wenn unsere Gedanken, unsere Emotionen und unsere angeborene Bestimmung im Einklang sind, realisieren wir unser Potential.Wir können nur wir selbst sein. Aber in uns liegen nahezu unendliche Möglichkeiten. Um ein Gefühl für dieses Potential zu bekommen, ist es notwendig, all die von außen eingetrichterten Gedanken abzustellen, die wie eine kaputte Schallplatte (ein Datenträger des vergangenen Jahrhunderts) wiederholen, was wir müssten und sollten und bräuchten.
    “Halt die Klappe” ist ein sehr praktisches Mantra für diesen Zweck. Es schafft Stille in unserer Mitte. In dieser Stille entsteht Raum für unserer wahres Bewusstsein. Unsere Intention. Unser Qi, nimmt die Form an, zu der es bestimmt ist. Unsere persönliche Schneeflocke.
  • 5. Angst

  • Hier geht es um die Angstmeditation, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Angst besiegen wir nur, indem wir uns mitten hineinplumpsen lassen. Dies ist ein einigermaßen machbarer Weg. Auch für ganz Ängstliche.
  • 6. Lachen

  • Und natürlich ist Lachen die beste Medizin. Aber nicht das falsche Lachen und starre Grinsen, bei dem wir uns selbst und andere belügen. Heilsames Lachen steigt wie ein sprudelnder Quell aus der Tiefe unseres Wesens auf und spült alles Unheil davon. Genau wie das Weinen kommt das heilsame Lachen ganz aus der Tiefe und mobilisiert all unsere Kraft.

Love, dogs and damaging beliefs

la mia medicina cinese

“Ed è così che in quell’incontro con te, di qualche piccola ora, e poi in seguito nei giorni successivi, ho potuto chiarire meglio la natura del prossimo passo che ho da fare. Ed era quello che andavo cercando e di cui avevo bisogno.”

 

Ich liebe fremde Sprachen und die, die sie sprechen.

Ich liebe Sprachengewirr und gegenseitigen Austausch. Eine Sprache nicht zu beherrschen, oder nur mit Mühe, zwingt uns, genauer zuzuhören, unsere Phantasie zu gebrauchen, enger in Kontakt zu gehen, mit dem Körper zu sprechen, mit den Augen zu lauschen.
Wir müssen uns sachte in fremde Sprachen hineintasten, so wie ein Kind in ein wunderbar frisches Leben. Sachte und neugierig. Fremde Wörter im Munde zergehen lassen wie ein exotisches Gericht.
Zugleich erraten, wovon sie erzählen könnten. Oft sind nicht nur die Wörter unverständlich. Fremde Sprachen sprechen auch von fremden Dingen. Von unbekannten Welten. Statt ein Übersetzungsprogramm (früher: ein Wörterbuch) zu gebrauchen, müssen wir die eigene Seele dehnen. Kinder tun dies mit Begeisterung. Später erfahren wir Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Zurückweisungen, Scham und jedes Mal fliegt ein Stückchen unserer Kinderseele davon und damit unsere Freude am Entdecken.

Kommt es so, dass manche Menschen keine Ausländer mögen?
Sind etwa ihre Seelen ganz und gar davongeflogen?

Daher heute mal ein Gastbeitrag auf Italienisch- von einer italienischen Taiji Lehrerin, die beschreibt, wie sie ihre Behandlungerlebt hat. Und ja, so hätten wir das auf Deutsch nicht geschrieben…und vielleicht auch nicht so erinnert und vielleicht noch nicht einmal so erlebt.
Wenn auch Sie etwas in Ihrer eigenen Sprache schreiben möchten: Ich bitte darum!
Aber keine Sorge, das meiste hier bliebt Deutsch. Denn meistens blogge hier ich und Deutsch kann ich halt am Besten.
Und nun weiter auf Italienisch:

 

 

Cara Christine,

rieccomi, questa volta volentieri in italiano, rispondendo a un tuo desiderio. Ultimamente, nella mia urgenza di ringraziamento e nell’entusiasmo della prima ora, ho finito con l’essere un po’ criptica, mi sembra: vediamo se riesco a spiegarmi meglio ora, a distanza di una decina di giorni!

Quel che mi ha mosso, in quelle tre ore, credo, da te, è stata la tua capacità di arrivare in breve tempo a temi cruciali della mia personalità e del mio percorso, di aiutarmi a individuare meglio come delle strettoie, attraverso cui, passando, mi son formata: nel bene e nel male, per così dire. Certamente, come per ogni storia, sono emerse delle cose ed altre son rimaste sommerse, ma non è questo che conta, perché tutto si riflette e risuona, così che toccando un punto tutto l’insieme entra in movimento.

 

Poi mi hai tastato il polso, sprofondata nell’ascolto.

 

Non era la prima volta per me ed essendomi provata io stessa, anche se molto brevemente, in quest’arte, avevo un’idea di cosa potessi cercare. Invece il tuo responso (uso apposta la parola dell’oracolo!) aveva un’altra dimensione. Era come se tu, al di là di tutte le parole, trovassi per quella via accesso ad un sapere molto più profondo, semplice e fondamentale.
Questa cosa – la capacità di ascoltare la “pulsazione” di un essere umano – mi riempie di rispetto e di un’ammirazione meravigliata e al tempo stesso riposante. Di ammirazione perché (così mi sembra) in quell’abilità giunge a compimento, si raffina ed èsita tutto un sapere che è fatto sí di letture assidue, di studio e di ricerca, ma anche di pratica, di manualità e di arte. Riposante perché mi conferma in qualcosa che penso di sapere, ma ancora non so a pieno.

 

E poi ci son stati gli aghi!

 

Degli aghi così profondi e così dolorosi non li avevo mai provati (hanno mosso parecchio, sembra, a vedere dalle reazioni del mio corpo in seguito: occhi prima gonfi poi rossi poi lacrimanti.. poi un grande raffreddore… ancora ci sono dentro…).

Ma durante il dolore e la potenza di quegli aghetti nei punti giusti la tua presenza girovaga intorno al lettino, una mano sul polso, il tenere la testa, le parole… consola e aiuta a sopportare e a lasciar fare agli aghi il loro lavoro. E intanto le riflessioni e i pensieri fatti correvano in me questa volta attraverso il corpo, come un’emozione una commozione un movimento benefico e dolce.

 

Ed è così che in quell’incontro con te, di qualche piccola ora, e poi in seguito nei giorni successivi, ho potuto chiarire meglio la natura del prossimo passo che ho da fare. Ed era quello che andavo cercando e di cui avevo bisogno.

 

Cara Christine, un’altra volta ti ringrazio di cuore e ti faccio gli auguri per questi giorni un po’ speciali di equinozio di festa e di fine anno. Se mi vuoi mandare ancora “la ricetta del verme cinese”, per me questi giorni potrebbero essere ideali per farci un giretto (col verme:-).

 

Anche io credo che la guarigione sia fatta da ognuno di noi. Anzi credo che fondamentalmente siamo sempre intatti (heil), in ogni momento. E com’è bello, però, in certe circostanze, incontrare l’aiuto di mediche, stregoni, amici e/o compagni di strada!

 

Con stima e affetto

 

Roberta

 

Angst vor dem Alter

Angst vor dem Tod, vor Einsamkeit, vor Krankheit, vor Armut… und Angst vor Spinnen
spiderlady by christine li

Neulich sagte eine Freundin zu mir: „Es macht mir nichts aus, sechzig zu sein. Was mich bedrückt ist, die nächsten dreißig Jahre lang eine alte Frau zu sein.“

„Du bist eine alte Frau“
, erklärte ich in meiner einfühlsamen Art. „Und? Ist es so schlimm?“

„Nö“
, sagte sie und lachte.

Nun ist meine Freundin eine Frau, die über viele Jahre das Talent kultiviert hat, über nahezu alles lachen zu können. Lachen ist ihre persönliche, mächtige Medizin.
Manchen ist gar nicht zum Lachen zumute, wenn sie ans Alter denken.
Die Misere steigert sich an den gefürchteten “Runden Geburtstagen”. Bei manchen mit vierzig, bei manchen schon mit dreißig. Zunehmend beginnt die Angst vor dem Alter schon mit zwanzig.

Dämliche Klischees wie „man ist so alt, wie man sich fühlt“ oder noch dämlichere Schlager wie „mit 66 Jahren fängt das Leben an“ helfen gar nicht.

Frühere Generationen schwindelten über ihr Alter. Vor allem Frauen, deren sexueller Wert spätestens ab dreißig rapide gegen Null strebte.
Heutzutage, wo jeder unser Alter googlen kann, nutzen Lügen wenig. Wie in vielen Dingen geht es daher weniger darum, was wir sind (für immer 29 oder 39), als darum, wie wir aussehen. Der Selbsthass, der sich hier auslebt, ist erstaunlich:

  • Nervenlähmung (Botox)
  • Silikonimplantate
  • Haut-über-die-Ohren-ziehen-und-neu-Vertackern (facelifts)
  • Abraspeln oder Verätzen (skin-resurfacing)
  • Krebsförderliches Aufschwemmen mit Hormonen.

Die Ergebnisse werden dann gerne fotografiert oder gefilmt und veröffentlicht. Seht her: Ich bin siebzig und sehe aus wie ein Zombie (hier ist ein lustiger Kurzfilm über Zombies), aber alt sehe ich nicht aus!
Niemand will alt aussehen.

(Schlechte Zeiten für Herrn K., die berühmte Kreation Bert Brechts:
Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: “Sie haben sich gar nicht verändert.”
“Oh!” sagte Herr K. und erbleichte.
)

Die Angst vor dem Alter steht in direktem Widerspruch zur Angst vor dem Tod. Wer nicht alt sein will, könnte ja einfach jung sterben. Aber das will dann wiederum kaum jemand.
Alle wollen älter werden und möglichst gar nie sterben. Manche frieren vor lauter Angst sich oder zumindest ein paar Zellen ein.
Nicht sterben wollen, aber auch nicht alt werden wollen. Wir haben die Wahl zwischen zwei Ängsten- Ängsten vor zwei Dingen, die letztendlich unvermeidlich sind. Nicht sehr aussichtsreich.

3 gedankliche Versuche, der Angst vor dem Alter zu entfliehen

  • Milde Weisheit: „Ich altere mit Würde“, „Das Äußere ist nicht alles“, „Gott sieht das Herz“, „Wer mich liebt, muss mich nehmen, wie ich bin“, „Hauptsache gesund“
  • Intellektueller Angriff: „Diesen Konsumterror mache ich nicht mit“. „Das sind doch alles Idioten“. „Mich kriegen die nicht.“
  • Selbstverurteilung: „In der dritten Welt wären sie froh, so alt zu werden“, „Ich sollte mich schämen, so äußerlich zu sein“

Die Wahl dieser Methoden ist konstitutionsabhängig. Erdemenschen neigen zu Weisheit. Holzmenschen wählen den Angriff und Metallmenschen hacken auf sich selbst herum.
Sie alle erleben das Gleiche: Ängst lassen sich nicht wegdenken.

Ein berühmter Erdemensch war Konfuzius. Für ihn führte Altern zu Freiheit und geistiger Öffnung:
Mit fünfzehn hatten mein Geist und mein Herz auf Lernen eingestimmt.
Mit dreißig fand ich meinen Standpunkt.
Mit vierzig hatte ich keinen Zweifel mehr.
Mit fünfzig begriff ich das Gebot des Himmels.
Mit sechzig verfeinerte sich mein Gespür.
Mit siebzig konnte ich meinem Geist und meinem Herzen freien Lauf lassen, ohne mich zu verlieren.

Konfuzius hatte leicht reden. Denn im alten China wurden alte Menschen wirklich respektiert. Sie hingegen fragen sich, was passiert, wenn der Weise achtzig wird oder neunzig und mit Alzheimer in einer Pflegeklinik liegt. Öffnet er sich dann immer noch der Weisheit des Universums?

Ich verstehe Ihren Zynismus.

Aber zunächst einmal und nur am Rande: Altern und Krankheit sind zwei vollkommen voneinander unabhängige Dinge.
Ich wiederhole: Altern und Krankheit haben nichts miteinander zu tun.
Viele Menschen werden mit zunehmendem Alter immer gesünder.
Ich sehe solche Menschen täglich.
Es ist nicht leicht, denn mit jeder Herausforderung, jeder negativen Erfahrung, müssen wir uns neu sortieren. Manche geben dann auf und überlassen sich dem Strom der “Alterskrankheiten”. Wer nicht aufgibt, sammelt Erfahrung.
Sogenannte „Abnutzungserscheinungen“  und “verschlissenen Gelenke” sind die Folge von Verspannung, Trauma und Fehlbelastung und damit allesamt heilbar oder zumindest vermeidbar. (Was allerdings mit jeder chirurgischen Intervention wegen der Vernarbung schwieriger wird.)  Die chinesischen Ärzte, über die es historische Daten gibt, erreichten nicht selten ein Alter im dreistelligen Bereich, sie waren kerngesund und sie haben ihre „anti-aging“ Methoden, das heißt ihre Erfahrungen, akribisch niedergeschrieben.

Krankheit und Schmerzen haben wenig mit Alter und viel mit Trauma, Erneuerung und Wandlungsprozessen zu tun.

Doch selbst wenn Alter nicht gleich Krankheit ist. Alter bedeutet für viele Menschen Einsamkeit, Armut und jammervollen Verfall. Wir hören immer wieder von Menschen, die in ihren eigenen Exkrementen liegend gefunden werden, weil dem Nachbarn der Gestank auffällt. Wer je ein Pflegeheim aufgesucht hat (ich habe als Studentin in einem besonders schlimmen dieser Art gearbeitet) vergisst das Elend nicht so leicht. Unsere Welt ist so. Für alte Menschen gibt es keinen Platz.
Den Kopf in den Sand zu stecken, während in unserem Inneren schlimme Befürchtungen vor sich hin gären, raubt uns die Kraft.
Die Weisheit des Konfuzius hilft uns leider nicht so richtig: Er lebte in einer Welt, in der alte Menschen eine wichtige Stellung hatten. Als Lehrer. Als Vorbild. Alte Menschen galten als schön.
Wir leben in einer Welt, in der Menschen Konsumartikel mit Verfallsdatum sind. Wir sollen in möglichst kurzer Zeit viel konsumieren und produzieren und dann möglichst vom Erdboden verschwinden.
Unsere Realität ist das Ergebnis unserer kollektiven Gedanken. Darauf haben wir Einfluss.Wir können uns wehren.
Wehren heißt nicht “meckern und klagen”. Wehren heißt, die Dinge neu zu denken. Denken wir uns eine neue Realität. Erfinden wir uns neu.
Gleichzeitig gilt es, die Ängste zu erleben, denn durch sie hindurch kommen wir in unsere kreative Kraft. Und nur mit dieser Kraft werden die neuen Gedanken Realität.
Sich selbst beruhigen und alte Ängste Wegdenken funktioniert nicht.  Ängste lassen sich nicht wegdenken. Wir müssen durch sie hindurch.

Trotzdem reden wir uns immer wieder gut zu. Manchmal klappt es. Wir fühlen uns unbesiegbar.
An anderen Tagen stehen wir auf, der Rücken ist steif, das Gesicht zerknautscht, im Briefkasten liegt eine Einladung zur Krebsvorsorge, der Karrierezug ist abgefahren, den Job kriegt ein Jüngerer und Männer wollen sowieso nur Frauen unter dreißig. An solchen Tagen bezahlen wir wider besseres Wissen 98 Euro für ein edel verpacktes Töpfchen mit 20 Gramm Vaseline, 17 Konservierungsmitteln und „kostbaren“ Spuren von Ginseng, Weintraubenextakt oder Q 10 oder verabreden einen Termin zur Testosteroninjektion.

Und dann fühlen wir uns, als hätten wir den Kampf verloren. In Wahrheit war es der falsche Kampf. Wir können Ängste nicht wegdenken.

Weisheit ist keine Waffe zum Angst töten.
Die chinesische Medizin lehrt uns, dass wir Angst (Wasser) mit Hilfe von Gedanken (Erde) eindämmen können. Von Austrocknen wird nichts gesagt. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

Ängste sitzen tiefer

Ängste sitzen im Kern unserer Seele, und wir können sie nicht wegdenken.
Die Angst zu altern und die Angst vor dem Tod sind keine falschen Gedanken. Es sind Ängste. Noch dazu zwei in sich widersprüchliche. Beide unauflösbar, unausweichlich. Sie halten uns fest wie ein Spinnennetz. Je mehr wir zappeln, umso dichter schlingen die klebrigen Fäden sich um unser Herz.
Das Zappeln sind unsere Gedanken. Mit Denken kommen wir nicht raus aus dem Netz.
Die Spinne weiß das. Sie wartet geduldig und lässt uns zappeln; sie freut sich an unserer Angst, bis sie uns fressen kann.

Spinnengedanken

spiderprincess by christine li

Mit Spinnen kenne ich mich aus. Mit Ängsten auch. Lange Zeit war ich eine Spinnenphobikerin ersten Ranges. Das heißt auch, dass ich bis heute oft an Spinnen denke. Ich bin ein Bisschen besessen von Ihnen und verdanke ihnen viel.
Ich weiß, dass mehr Menschen an Spinnenbissen sterben als Menschen von Haien aufgefressen werden. Ich weiß auch, dass es solche Spinnen nur in Australien gibt. Hierzulande wäre es deutlich sinnvoller, Angst vor Autos zu haben.
Habe ich aber nicht. Ängste folgen keiner Logik.

Lange Zeit glaubte ich, Ängste seien einfach dumm.
Viele Menschen glauben das Gleiche. Zum Beispiel die unzähligen Menschen, die mir mitleidig erklärt haben, dass Spinnen vollkommen harmlos, ökologisch nützlich, faszinierend und schön sind.
Das nutzt aber nichts. In Gedanken habe ich keine Angst vor Spinnen. Ich denke die Angst nicht. Meine Angst ist kein dummer Gedanke. Sie ist einfach Angst.
Daher ist auch die NLP (neurologisches Programmieren), die auf Umprogrammierung der Gedanken beruht, zweimal an meiner Phobie gescheitert. Ich konnte durchaus darüber lachen, dass ich beispielsweise eine Nacht lang in Unterwäsche durch Kathmandu gerannt bin, nur weil auf meinem Hostel-Bett plötzlich eine Spinne saß. Ich konnte auch darüber lachen, dass ich mir einmal beinahe ein Bein gebrochen habe, weil ich aus Angst vor einer Plastikspinne die Treppe hinunterfiel.
Aber ich konnte nicht an Spinnen denken, ohne völlig außer Rand und Band zu geraten, und somit funktionierte NLP nicht (zumindest nicht, wie es damals praktiziert wurde.).

Ängste sind keine dumme Angewohnheit, gegen die wir uns abhärten könnten.
Ich habe versucht, ins Terrarium zu gehen. Minutenweise erst, dann länger. Systematische Desensibilisierung. Es klappte nicht.
Meine einzigen Tranquilizer-Erfahrungen verdanke ich meinem vergeblichen Versuch, Lexotanil einzunehmen und solchermaßen benebelt Bilder von Spinnen zu betrachten. Ich warf das Buch quer durch den Raum und am nächsten Tag fühlte ich mich, aufgrund der Pillen, so, als hätte mich jemand durchgeprügelt. Seitdem habe ich einen Heidenrespekt vor solchen Drogen.

Angst beruht nicht auf Trauma.
Traumata sind physiologische Reaktionen auf Erlebnisse, denen ein Lebewesen nicht gewachsen war. Traumatisierte Menschen fürchten sich vielleicht vor vielen Situationen- und oft mit gutem Grund. Sie mögen unsicher sein und in vieler Hinsicht anders reagieren als untraumatisierte Menschen und ihr Lebensgefühl ist oft erheblich verändert und eingeschränkt. Zu Trauma gehören außerdem veränderte Körperwahrnehmungen und  physiologische Veränderungen. Trauma ist eine ernste Beeinträchtigung des Lebens.
(Wenn Sie traumatisiert sind, empfehle ich Ihnen, sich helfen zu lassen und keine Angstmedittation über Ihre tramatisierenden Erfahrungen zu machen. Zur Bewältigung von Trauma bedarf es Hilfe durch Menschen, Gemeinschaft, Rituale.)
Angst kann immer auftreten und bei jedem. Angst ist Teil des Lebens. Ein wichtiger Teil, wie wir sehen werden.

Aus dem gleichen Grund ist Angst kein Privileg neurotischer oder “gestörter” Menschen
Jeder hat Angst.

Das heißt, bei Angst hilft es nicht:
-die Gedanken zu ändern und sich gut zuzureden (kognitive Therapie, Weisheit)
-sich abzuhärten (Desensibilisierung)
-sich zu analysieren (Psychoanalyse)

Dies alles sind Interventionen auf der Gedanken- und Handlungsebene. Auch Psychoanalyse bleibt im verbalen Bereich. Dem Reich der Gedanken und Bedeutungen, auch wenn diese vielleicht verübergehend vergessen sein mögen. Die Seele erreicht die Psychoanalyse nicht. Die Seele will nicht analysiert werden, sondern gehört.
Ängste- vor Spinnen, vor dem Tod, vor dem Alter- leben nicht auf der Gedankenebene, sondern tiefer.

Die Ebene ändern: Traumzeit

Ängste leben in der Dunkelheit, der Ebene des tiefen Yin. Der Körperlichkeit, der Dunkelheit, der Nacht, des Winters und des Todes. Wir nehmen diese Ebene normalerweise nicht wahr, sondern schweben im Netz der Gedanken über dieser Ebene. Voller Angst, das Netz könnte reißen. Nur in Träumen und Alpträumen reißt es uns in die Tiefe. Daher wollen viele Menschen nicht einschlafen oder brauchen gefühlsabtötende Medikamente dafür.
Schlafstörungen sind eine ernsthafte Störung, bei der wir einen wesentlichen Teil unserer Wirklichkeit nicht integrieren können. Denn Träume sind in vieler Hinsicht wahrer als unsere Gedankenwelt, die wir täglich nach Geschmack und Mode und allgemeiner Übereinkunft selbst kreieren.
Der daoistische Dichter Zhuangzi träumte einst, ein Schmetterling zu sein und sinnierte, er wisse eigentlich nicht, ob er Zhuangzi sei, der träume, ein Schmetterling zu sein, oder ob er ein Schmetterling sei, der träume, Zhuangzi zu sein.

Der Unterschied zwischen Träumen und dem, was wir Realität nennen, ist nicht “Wahrheit” sondern Kohärenz. Während wir im Traum einfach sind und flüssig durch ein amorphes Feld von Erscheinungen und Empfindungen gleiten, können die wenigsten dies im „wahren“ Leben. Im wahren Leben sind Veränderungen sehr zähflüssig und bedürfen oft massiver Interventionen oder großer Geduld.
So bleibt der Tisch in meiner Zimmerecke für lange Zeit der gleiche Tisch. Unsere Gedanken halten ihn fest und kreieren ein kontinuierliches Skript, das die meisten von uns, mehr oder weniger mit anderen Menschen teilen und durch Sprache immer wieder aneinander angleichen. Wir sind uns (fast) alle einig, dass dort in der Ecke ein Tisch steht und daher bleibt er dort stehen, bis wir ihn verschieben.

Dinge, die aus diesem gemeinsamen Skript herausfallen, das heißt den allergrößten Teil dessen, was ist, nehmen wir nicht wahr. Tun wir es doch, laufen wir Gefahr, für verrückt gehalten zu werden.

Chinesische Medizin: Gefühle als Ausdruck des inneren Qi Mechanismus

“Qi-Mechanismus” ist ein etwas klobiger Ausdruck dafür, dass sich alles hebt und senkt, so wie Wasser absinkt und zu Eis wird und sich bei Wärme wieder in die Wolken erhebt. Für die chinesische Medizin funktionieren alle Dinge so. Außerhalb unseres Körpers erleben wir sie als Wetter, Wind und Wolken. Im Körper als Gefühle. Unsere Gefühle sind, genau wie das Wetter, immer vorhanden. Sie sind unser energetisches Feld, im stetigen Austausch mit der Umwelt und niemals gleich.
Trauer und Angst sind Gefühle des Sinkens. Wut und Freude sind Gefühle des Aufsteigens.
Wir können unsere inneren Qi Bewegungen genausowenig kontrollieren wie das Wetter. Sie bleiben niemals gleich. Wir können nur versuchen, sie in jeder Sekunde wahrzunehmen und ihre Wandlung zu erleben.
Im Wachzustand ist dies nicht so einfach, denn unsere Gedanken halten immer wieder einzelne Zustände fest wie in einer Fotographie.
Aus dem fließenden Feld werden so einzelne, winzige Ausschnitte, nämlich immer dann, wenn ein Gefühl sich an ein Objekt klammern kann, das wir mit vielen Menschen teilen. Statt wie Wasser und Nebel zu fließen, sagen wir dann: Dies ist traurig, dies ist schön.
Dies sind nicht Gefühle sondern Meinungen, die wir mit anderen Menschen teilen. In der Gemeinsamkeit mit anderen bekommen unsere flüchtigen Gefühle Realität. Je mehr Menschen sich einer Meinung sind, umso mehr Bedeutung bekommt das Gefühl. So kommt es, dass Menschen sich gemeinsam intensiver freuen können, dass sie sich gemeinsam in Panik und Hysterie steigern können und dass die meisten Menschen vor ähnlichen Dingen Angst haben.

(Am Rande: Gemeinsame Gefühle kanalisieren das Qi und entwickeln große Kraft. Viele Kulturen benutzen gemeinsame Rituale zum Heilen. Unsere Kultur hat dies leider vergessen. Durch Krankheit müssen wir hierzulande alleine durch und bleiben daher, nicht selten, darin stecken.)

Noch einmal: Unsere Angst ist immer da. Sie ist das fließende Gefühl, wenn das Qi absinkt. Wenn wir sagen: “Ich habe Angst vor diesem oder jenem”, so halten wir diesen Augenblick fest. Woran wir unsere Gefühle festmachen, ist sozialer Konsens.

Ausdrucksformen von Angst

Angst ist sozialer Konsens. Das Sinken des Qi findet immer statt. Unsere Ängste werden geschürt. Früher der Inquisition und der Kirche, heute von der Industrie und den Medien.
Zu früheren Zeiten ängstigten sich Menschen vor Dämonen und Teufeln. Vor dem Alter hätte sich kaum jemand gefürchtet. Alter war ein Privileg.

Unsere heutige Angst vor dem Alter hat zwei Komponenten.

  1. Angst vor Krankheiten. Krankheiten sind ein Riesengeschäft. So wird im Augenblick die Angst vor Wucherungen im Körper von der medizinischen Industrie sehr propagiert und Menschen mit starker Angstschwingung finden hier viel Gelegenheit, ihre Angst in Form von Krebsangst auszuleben. In Wahrheit haben Alter und Krankheit wenig miteinander zu tun, da wir mit zunehmender Erfahrung durchaus auch gesünder werden können.
  2. Angst vor sozialer Ausgrenzung. Angst vor Einsamkeit. Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Unsere Körper und unser Leben werden zunehmend als Konsumartikel erlebt. Wir sollen möglichst schnell, möglichst viel produzieren und konsumieren. Wenn das Tempo sinkt, verlieren wir unseren Wert. Wir sind Konsumartikel mit Verfallsdatum. Wer nicht absolut perfekt ist, reich, erfolgreich, jung und äußerlich makellos, ist beschädigte Ware. Je älter wir werden, umso beschädigter sind wir nach dieser Logik. Der feste Job oder der Partner (der “Traumjob”, der “Seelengefährte”, die “Zwillingsseele”) sind oft der einzige Halt, an dem wir uns festkrallen wir Ertrinkende. Je älter und “wertloser” wir werden, umso mehr klammern wir, umso mehr befürchten wir, ohne Geld und ganz alleine zurückzubleiben. So kommt es dann oft auch, denn Ängste, an denen wir gedanklich und als Kollektiv, festhalten, entwickeln eine große energetische Dynamik.

Angst vor Alter, Angst vor Krankheit, Angst den Job zu verlieren und und Angst vor Einsamkeit erscheinen den meisten Menschen heute nachvollziehbar. Sie gelten als Teil des Lebens, wenn nicht vernünftig, dann doch leider unvermeidlich. Sie sind es aber genauso wenig wie die Angst davor, dass meine Nachbarin, die Hexe, eine Monatsbinde unter meiner Türschwelle vergraben haben könnte.

Je größer unsere Angst ist oder je schwieriger wir sie fühlen können, umso mehr Objekte sucht sie sich. Auch dann noch halten die meisten Menschen sich an Objekte, über die eine gewisse Einigkeit besteht. Viele Menschen finden Spinnen „eklig“. Daher ist Angst vor Spinnen verhältnismäßig verbreitet.
Rosen gelten für die meisten Menschen als schön. Die Angst vor Rosen oder Gänseblümchen ist hingegen sehr viel seltener.
Viele Menschen möchten gerne dünn sein. Diätwahn gilt als geradezu normal. Dies gibt Menschen mit großer Angst die Möglichkeit, diese Angst als Magersucht (Anorexie) zu erleben. (Anorexie ist  Angst und kein “Diätwahn”. Daher helfen kognitive Verfahren- das Gedankenändern, hier nicht!)

Je größer das Angstpegel in uns ist, umso leichter brechen wir durch das dünne Eis der vagen Ablehnung bestimmter Objekte wie Mäuse, Spinnen oder Nahrungsmittel hinunter in die Tiefe, wo die Angst uns den Atem nimmt. Sehr ängstliche Menschen geraten außer sich über Dinge, über die kaum noch Konsens besteht. Zum Beispiel darüber, dass ihre Schuhe nicht ordentlich nebeneinander stehen.
Ich vermute stark, dass intensive Angst auch hinter dem derzeitigen Boom an Nahrungsmittelunverträglichkeiten steckt, insbesondere wenn Menschen fast nichts mehr vertragen.
Im Extremfall braucht die Angst gar kein Objekt mehr. Das Ergebnis sind Panikattacken.

Wege aus der Angst?

Angst lebt in uns. Wir können ihr nicht entkommen. Wir können uns nicht einreden, dass die Dinge, vor denen wir Angst haben, gar nicht so schlimm sind. Gedanken wirken nicht auf der Ebene, auf der die Angst lebt. Gedanken wirken im Konsensbereich unserer Realität. Sie sind beliebig konstruierbar und sie sind Grundlage der Dinge unserer Umwelt.

Unsere Seele folgt ihrer eigenen Logik und nimmt sich unsere Gedanken nicht so sehr zu Herzen.  Angst ist eine Schwingung unserer Seele.
Angst ist das Gefühl, das entsteht, wenn unsere Seele durch die Trennung geht, das Absterben und Loslösen, das jeder Wiedervereinigung vorangeht. Um zu sterben, müssen wir alles hinter uns lassen: unsere Familie, unsere Freunde, sogar den Körper. Daher haben wir vor dem großen Tod meist auch große Angst.
Daneben gibt es in jedem Augenblick des Lebens kleine Tode. Einschlafen. Ausatmen. Orgasmen. Wir können sie zum Üben verwenden, damit das völlige Loslösen nicht mehr so schwer wird.

Angst ist immer. Angst möchte genauso empfunden werden wie das neue Gefühl des Wiedererwachens, wenn alles wieder erblüht: der Freude.
Angst und Freude wechseln sich ab in einem ewigen Kreislauf. Trennung und Vereinigung. Leben und Tod. Einschlafen und Erwachen.
Wer versucht, der Angst zu entfliehen (etwa mit Psychopharmaka), lässt sich darauf ein, keine Freude zu erleben.

Glücklicherweise geht das nicht lange.

Wege zurück zur Angst.

Nehmen Sie Spinnen. Sie mögen harmlos sein. Für eine Phobikerin sind sie ein Portal zur Angst. Sie können ihr helfen, sich mit abgetrennten Gefühlen zu vereinen. Denn was immer große Ängste in uns auslöst, hilft uns, einen Weg in die Tiefe anzutreten.

Da ich durch diesen Weg gegangen bin, beschreibe ich ihn kurz. (genaueres hier:)

In einem Zustand tiefer Entspannung stellte ich mir Spinnen vor. Sie nahmen schnell riesengroße Gestalt an und wollten mich fressen. Ich saß ihnen wie gelähmt gegenüber und strengte mich an, sie mit Gedankenkraft im Zaum zu halten. Aussischtslos.Ich erschöpfte mich in schierer Panik. Dann endlich fand ich den Mut und gab auf. Die Spinne  fraß mich und ich wurde zu ihr. Ich begriff, dass es keine Trennung gab. Spinne und Nicht-Spinne. Ich und die anderen. Tod und Leben. Alles ist eins.

Oder, wie ich einst schrieb: „Das Mädchen konnte nicht mehr sterben, denn sie war unsterblich. Ihr Herz hatte Iktome besiegt.“

Das gleiche Verfahren (hier beschreibe ich die Angstmeditation noch einmal genauer) gilt für alle anderen Ängste auch. Ganz gleich ob es Angst vor Falten, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor Schlaganfall, Angst, niemals einen Partner zu finden, Angst vor sexueller Hingabe (Orgasmusschwierigkeiten), oder Angst vor Krankheit, Angst vor Alter, Angst vor Verfall und Tod ist oder Ihre eigene seltsame und ganz persönliche Angst, die sie niemandem eingestehen möchten:

Der Weg ist immer mitten hinein.

Wenn Sie glauben, dass die Angst vor Spinnen und die Angst vor Krebs nicht miteinander vergleichbar seien und Angst vor Dunkelheit ohnehin einfach nur dumm sei, so möchte ich Ihnen versichern, dass Angst immer einfach Angst ist. Absinkendes Qi.
Keine Angst ist dumm. Jeder Mensch lebt in ihrer/seiner eigenen Welt mit ganz eigenen Ängsten. Ängste sind Risse in unserer makellosen Alltagswelt, die von Logik zusammengehalten wird.  Unsere Angst ist unser persönliches Portal hinunter zu unserer Wahrheit, in die Unterwelt wie die Schamanen sagen. Dort, wo düstere Fabelwesen und weise alte Frauen uns Geheimnisse zuraunen. Der Ort, wo wir lernen, was unsere Körper, unsere Gefühle und unsere Realität im Inneren zusammenhält.

Vielleicht gelingt es Ihnen dort unten, Kontakt mit ihrer eigenen weisen alten Frau aufzunehmen und sie an die Oberfläche zu bringen. Die Welt braucht dringend weise alte Frauen (und störrische alte Knacker!). Die Zeit der Hexenverbrennung ist vorbei.
Die Zeit ist gekommen, nicht mehr bescheiden, lustlos, ordentlich gekämmt und “in Würde” zu altern- sondern laut kichernd die Fackel unserer alten Frau (oder unseres verrückten alten Mannes) in die Welt zu tragen.

Also mitten hinein in die Angst.
Aus Angst gibt es keinen anderen Ausweg und alle Versuche, die Angst zu unterdrücken, führen dazu, dass sie an anderen Stellen wieder an die Oberfläche drängt. Wenn Angst überwindbar erscheint, so ist es keine Angst.

Angst ist das Sinken des Wassertropfens, ehe er sich mit dem Ozean vereint. Denkt der Wassertropfen etwa, er habe Angst vor dem Ozean? Denkt er etwa, er habe Angst, nicht mehr zu sein? Alles, was er fühlt, ist Einsamkeit und so sinkt er und sinkt. Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt nur den Weg mitten hinein.
Wenn wir uns mit unserer Angst vereinen, so ergeht es uns wie all den Helden in unseren Märchen. Wir bekommen die Prinzessin und das Königreich. Die Prinzessin ist unsere Seele. Das Königreich ist unsere angeborene Macht.

Kriegsenkelin

Heute, zum Totengedenktag,  gedenke ich meiner toten Großeltern.

Mein Heiler- Kollege und Santeria Lehrer Valdonio erklärte mir vor Jahren auf Kuba:

„Ihr aus Europa seid voller Toter. Ihr könnt euch kaum noch bewegen vor Schmerz und Trauer. Deswegen tanzt ihr so schlecht.“

Er unterrichtete mich, wie ich die Egguns, die Toten also, mit Hühnerblut zu füttern hatte, und er gab mir einen Altar, einen alten Dachziegel, den ich, getränkt mit Hühnerblut und verklebt mit Hühnerfedern, durch den Zoll schleppte und weisungsgemäß in meinem Garten vergrub.
Nach dem Motto: Wer weiß, vielleicht hilft‘s ja.
Der Tot des Huhnes ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Während das arme Vieh in meinen Händen zuckte, lernte ich einiges über mich und das Leben, vor allem, wie schnell es durch die Hände rinnt, und ich lernte, dass Lebewesen wirklich leichter werden, wenn die Seele aus ihnen herausströmt.  Es war ein elender Vorgang.

Aber die Egguns klebten fest. Hühnerschlachten hilft nicht gegen den Tod.

Jahre später, pünktlich zum Herbstanfang, nahm der Schmerz überhand. Schmerz war ein alter Freund. An den meisten Tagen meines Lebens, solange ich zurückdenken konnte, schmerzte zumindest die Hälfte meiner Knochen. Skoliose, Rheuma. Fibromyalgie. Unnötige Namen.
Wie mich überhaupt medizinische Diagnosen kaum überzeugen können. Was mich bewegt, sind die Ursachen solcher Zustände. Schmerzhaften Zuständen ein Etikett zu verpassen, ist für mich keine Diagnose. Gnosis heißt „Erkenntnis“ und nicht „Benennung“.

An diesem ersten Herbsttag  war die Diagnose ausnahmsweise klar. Ich hatte getanzt. Ein angenehmer Schmerz, wohltuend und überschaubar. Grund genug, dem Ganzen noch ein Bad mit Meersalz und Algen  folgen zu lassen.
Der Schmerz strömte angenehm durch den Körper und ich ließ mich ganz einsinken. In den Schmerz, tief ins Wasser. Es dauerte eine Weile und mein Kopf sank unter Wasser. Ich spürte nun nichts mehr. Nur eine Erstarrung, die noch zunahm, als ich mich ihr ganz ergab. Dies war kein Muskelkater mehr.

Ich lag allein in einer zerstörten Landschaft. Ausgeblutet, verkrampft von zahllosen Wunden und vor allem vor Kälte. Erstarrt vor Angst. Versteckt hinter etwas Dunklem. Einem Bretterverschlag? Eine weite Ebene mit einzelnen Birken und unklaren Trümmern. Eine Landschaft, die ich schon oft gesehen hatte, obwohl ich noch niemals dort gewesen war.
Nonlokalität. Alles ist gleichzeitig und hier. Ich war in Russland. Kriegsende. Ich war mein Großvater. Der, der niemals zurückgekommen war. Der, dessen Geschichte verloren ging. Der spurlos aus dem Leben verschwand. Der, dessen Grab bis heute niemals gefunden wurde.
Mit einem Mal begriff ich, dass seine Spur in mir fortlebte. In meinem schmerzenden Körper. In meiner lebenslangen Traurigkeit.
Großvater, dachte ich. Erzähl mir deine Geschichte.

Ich sank tiefer und im gleichen Augenblick hörte ich Geräusche. Todesangst. Dann, ein Knall, ohrenzerfetzend wie ein Schuss. Mein Herz zerriss. Wenig fehlte und ich wäre, feige, aus dem Wasser aufgetaucht. Ich blieb unten. Ich starb.

Später kochte ich und lud meinen unbekannten Großvater zu einem letzten Abendessen ein. Ich erzählte ihm aus meinem Leben und wie sehr ich ihn vermisste. Ich erzählte ihm vom unendlichen Schmerz meiner lieben Oma. Wir weinten beide und tranken Wein. Dann ließ ich ihn gehen.
Der Schmerz ging dann auch. Zumindest ein Teil. Der Großvaterteil. Das fiel mir aber erst viel später auf.

Heute, zum Totengedenktag gedenke ich meiner Ahnen. Sie sind bei mir.