Sechs kleine Videos zur Heilung

(Nicht lesen und gleich die Videos ansehen? Unter dieser Einführung finden Sie die Links.)

Heilung ist immer eine Möglichkeit

Eine ganze Weile habe ich mich nicht gemeldet.
Die Sache ist die: Über ein paar Wochen habe ich auf einer langen Reise an mir selbst herumgedoktort. Das ist nun einmal meine Passion: Neue Techniken auszuprobieren und jede einzelne Funktion zu fühlen und zu perfektionieren. Der Körper will heilen und ich will lernen, wie es geht. So richtig schön ist es nicht immer. Ich habe gelernt, mich dankbar zu zeigen, ganz gleich, was kommt.
“Dankeschön!” also, für rasende Schmerzen, wo ein verformtes Gelenk versucht, in eine günstigere Form zu fließen oder wenn ein paar Nächte vollkommen schlaflos und schweißgebadet ablaufen, weil alle möglichen Emotionen zutage kommen, die eigentlich schon lange “erledigt” waren.

( Manche Sachen kommen immer wieder in neuer Verkleidung, es ist zum… …! Aber “danke”, auch dafür. )

Heilung ist ein anderes Wort für Leben und zu leben ist ein Abenteuer. Eine Reise. Eine Reise zurück zu uns selbst. Nicht einfach, nicht komfortabel, aber aufregend. Hinter jeden Ecke warten feurige Drachen oder bösartige Zwerge. Verstreut dazwischen liegt die eine oder andere magische Perle. Ein Riesenspaß für wahre Helden. Heldenmut ist gefragt, vor allem, wenn für lange Zeit nichts geschieht als Schmerzen, Einsamkeit und Verwirrung. Das gehört dazu. Genauso wie der stets drohendeTod.

Heilen ist nicht fremdartig und Heilen ist nicht kompliziert. Heilen ist eine angeborene Fähigkeit. Heilung liegt in uns. Unsere Vorfahren, die Menschen der ganz alten Zeit, wussten dies und ihr Wissen finden wir in alten Legenden und Märchen. Vieles darin ist schwer verständlich, denn diese Geschichten sprechen in Bildern und Metaphern.
Eines ist aber immer klar:   Wir brauchen Mut, Standhaftigkeit, Kindlichkeit und Zärtlichkeit und noch einiges mehr, an das wir uns bald wieder erinnern werden. Darüber demnächst mehr; denn dies wird das Jahr des Heilens.

Wie die mythische Reise des Helden in unseren Märchen, ist das Heilen ein ganz individueller Vorgang, der von niemandem verstanden werden kann, als von der betroffenen Person selbst. Zugleich brauchen wir zum Heilen eine Verbindung zum Ganzen, wir brauchen Helfer und Weggefährten, magische alte Frauen, Krafttiere, einen fliegenden Teppich, Lieder oder Gebete.
Was immer wir zum Heilen brauchen mögen: Niemand heilt alleine.

Ein Teil meiner Arbeit besteht daher einfach darin, da zu sein. Hinzu kommen die eine oder andere Akupunkturnadel, ein bisschen Osteopathie, Handauflegen oder auch einmal ein magisches Rezept aus dem chinesischen Altertum.

Das Heilen kann Ihnen niemand abnehmen. Heilung ist eine Reise zur Selbsterkenntnis. Aber ein wenig Ermutigung schadet nie. Deswegen habe ich unter dem Titel “Zurück zur Heilung” sechs kleine Videos über das Heilen aufgenommen.
Sie lernen durch diese Videos nicht, wie Sie sich heilen. Aber vielleicht lassen Sie sich inspirieren, es selbst herauszufinden.
Ansonsten, wie schon gesagt, demnächst mehr. Denn dies wird das Jahr des Heilens.

Zurück zur Heilung

Meine Videoserie über das Heilen heißt: “Zurück zur Heilung”. Sie können die sechs Filmchen einzeln unter ihren Titeln anclicken. Ich empfehle aber, sie der Reihe nach anzusehen, denn sie bauen aufeinander auf.

  • 1. Selbstheilung

  • Hier geht es darum, dass Heilung eine angeborene Fähigkeit jedes lebendigen Organismus ist. Vorausgesetzt wir “popeln” nicht allzusehr an unseren Wunden herum. Wenn es uns gelingt, uns einfach dem Prozess auszuliefern und zu vertrauen, dann heilen große und kleine Wunden (seelische, körperliche, große und kleine) irgendwann von selbst.
    Eine schwere Aufgabe. Ganz alleine ist dies kaum zubewältigen.
    Zum “herumpopeln” gehören auch all die vielen Medikamente, mit denen wir unser Leid betäuben und uns noch mehr von unserer Umgebung und unseren Gefühlen abschneiden. Daher gibt es zum Ende des Videos ein paar kleine Hinweise, wie Sie Ihren “Medikamentenberg” so langsam abtragen könnten.
  • 2. Eins mit allem und doch ganz ich selbst

  • Eine kleine Einführung in die chinesische Art, die Dinge zu sehen. Über das Qi, Yin und Yang, die Essenz. Es geht hier nicht um die hochkomplizierte chinesische Medizintheorie, sondern darum, zu verstehen, dass wir nicht aus festen unveränderlichen Bausteinen bestehen (Knochen, Muskeln und Organen) sondern aus einer veränderlichen, flüssigen und vibrierenden Grundsubstanz: einer Art Wasser: dem Qi. Wenn die Grundstimmung liebevoll und harmonisch ist, dann werden wir eine wunderschöne Schneeflocke, einzigartig und unverwechselbar. Wenn nicht, werden wir ein harter unförmiger Klumpen, Teil der großen Masse von Eis. Und dies entscheidet sich jeden Tag neu.
  • 3. Sei Wasser

  • “be water my friend” sagte einst Bruce Lee, der seinen Körper nach einem schweren Wirbelsäulenunfall wieder zu Höchstleistung aufbaute. Wir betrachten noch einmal genauer, wie der Stoff funktioniert, aus dem wir bestehen. Wir sehen, anhand eines Experimentes in meiner Küche, dass es am besten ist, einfach loszulassen, wenn wir uns wandeln wollen. Mit Druck geht nichts.
  • 4. Halt die Klappe

  • Ganz gleich, was wir uns sonst noch zusammenspinnen, wir können immer nur wir selbst sein. Was uns Bücher wie “the secret” verkaufen: das wir nämlich alles sein können, was uns gerade in den Kopf kommt oder uns als attraktiv verkauft wird, ist albern. Mit Gedanken allein können wir das Qi nicht formen.
    Erst wenn unsere Gedanken, unsere Emotionen und unsere angeborene Bestimmung im Einklang sind, realisieren wir unser Potential.Wir können nur wir selbst sein. Aber in uns liegen nahezu unendliche Möglichkeiten. Um ein Gefühl für dieses Potential zu bekommen, ist es notwendig, all die von außen eingetrichterten Gedanken abzustellen, die wie eine kaputte Schallplatte (ein Datenträger des vergangenen Jahrhunderts) wiederholen, was wir müssten und sollten und bräuchten.
    “Halt die Klappe” ist ein sehr praktisches Mantra für diesen Zweck. Es schafft Stille in unserer Mitte. In dieser Stille entsteht Raum für unserer wahres Bewusstsein. Unsere Intention. Unser Qi, nimmt die Form an, zu der es bestimmt ist. Unsere persönliche Schneeflocke.
  • 5. Angst

  • Hier geht es um die Angstmeditation, die ich an anderer Stelle bereits beschrieben habe. Angst besiegen wir nur, indem wir uns mitten hineinplumpsen lassen. Dies ist ein einigermaßen machbarer Weg. Auch für ganz Ängstliche.
  • 6. Lachen

  • Und natürlich ist Lachen die beste Medizin. Aber nicht das falsche Lachen und starre Grinsen, bei dem wir uns selbst und andere belügen. Heilsames Lachen steigt wie ein sprudelnder Quell aus der Tiefe unseres Wesens auf und spült alles Unheil davon. Genau wie das Weinen kommt das heilsame Lachen ganz aus der Tiefe und mobilisiert all unsere Kraft.

la mia medicina cinese

“Ed è così che in quell’incontro con te, di qualche piccola ora, e poi in seguito nei giorni successivi, ho potuto chiarire meglio la natura del prossimo passo che ho da fare. Ed era quello che andavo cercando e di cui avevo bisogno.”

 

Ich liebe fremde Sprachen und die, die sie sprechen.

Ich liebe Sprachengewirr und gegenseitigen Austausch. Eine Sprache nicht zu beherrschen, oder nur mit Mühe, zwingt uns, genauer zuzuhören, unsere Phantasie zu gebrauchen, enger in Kontakt zu gehen, mit dem Körper zu sprechen, mit den Augen zu lauschen.
Wir müssen uns sachte in fremde Sprachen hineintasten, so wie ein Kind in ein wunderbar frisches Leben. Sachte und neugierig. Fremde Wörter im Munde zergehen lassen wie ein exotisches Gericht.
Zugleich erraten, wovon sie erzählen könnten. Oft sind nicht nur die Wörter unverständlich. Fremde Sprachen sprechen auch von fremden Dingen. Von unbekannten Welten. Statt ein Übersetzungsprogramm (früher: ein Wörterbuch) zu gebrauchen, müssen wir die eigene Seele dehnen. Kinder tun dies mit Begeisterung. Später erfahren wir Schicksalsschläge, Enttäuschungen, Zurückweisungen, Scham und jedes Mal fliegt ein Stückchen unserer Kinderseele davon und damit unsere Freude am Entdecken.

Kommt es so, dass manche Menschen keine Ausländer mögen?
Sind etwa ihre Seelen ganz und gar davongeflogen?

Daher heute mal ein Gastbeitrag auf Italienisch- von einer italienischen Taiji Lehrerin, die beschreibt, wie sie ihre Behandlungerlebt hat. Und ja, so hätten wir das auf Deutsch nicht geschrieben…und vielleicht auch nicht so erinnert und vielleicht noch nicht einmal so erlebt.
Wenn auch Sie etwas in Ihrer eigenen Sprache schreiben möchten: Ich bitte darum!
Aber keine Sorge, das meiste hier bliebt Deutsch. Denn meistens blogge hier ich und Deutsch kann ich halt am Besten.
Und nun weiter auf Italienisch:

 

 

Cara Christine,

rieccomi, questa volta volentieri in italiano, rispondendo a un tuo desiderio. Ultimamente, nella mia urgenza di ringraziamento e nell’entusiasmo della prima ora, ho finito con l’essere un po’ criptica, mi sembra: vediamo se riesco a spiegarmi meglio ora, a distanza di una decina di giorni!

Quel che mi ha mosso, in quelle tre ore, credo, da te, è stata la tua capacità di arrivare in breve tempo a temi cruciali della mia personalità e del mio percorso, di aiutarmi a individuare meglio come delle strettoie, attraverso cui, passando, mi son formata: nel bene e nel male, per così dire. Certamente, come per ogni storia, sono emerse delle cose ed altre son rimaste sommerse, ma non è questo che conta, perché tutto si riflette e risuona, così che toccando un punto tutto l’insieme entra in movimento.

 

Poi mi hai tastato il polso, sprofondata nell’ascolto.

 

Non era la prima volta per me ed essendomi provata io stessa, anche se molto brevemente, in quest’arte, avevo un’idea di cosa potessi cercare. Invece il tuo responso (uso apposta la parola dell’oracolo!) aveva un’altra dimensione. Era come se tu, al di là di tutte le parole, trovassi per quella via accesso ad un sapere molto più profondo, semplice e fondamentale.
Questa cosa – la capacità di ascoltare la “pulsazione” di un essere umano – mi riempie di rispetto e di un’ammirazione meravigliata e al tempo stesso riposante. Di ammirazione perché (così mi sembra) in quell’abilità giunge a compimento, si raffina ed èsita tutto un sapere che è fatto sí di letture assidue, di studio e di ricerca, ma anche di pratica, di manualità e di arte. Riposante perché mi conferma in qualcosa che penso di sapere, ma ancora non so a pieno.

 

E poi ci son stati gli aghi!

 

Degli aghi così profondi e così dolorosi non li avevo mai provati (hanno mosso parecchio, sembra, a vedere dalle reazioni del mio corpo in seguito: occhi prima gonfi poi rossi poi lacrimanti.. poi un grande raffreddore… ancora ci sono dentro…).

Ma durante il dolore e la potenza di quegli aghetti nei punti giusti la tua presenza girovaga intorno al lettino, una mano sul polso, il tenere la testa, le parole… consola e aiuta a sopportare e a lasciar fare agli aghi il loro lavoro. E intanto le riflessioni e i pensieri fatti correvano in me questa volta attraverso il corpo, come un’emozione una commozione un movimento benefico e dolce.

 

Ed è così che in quell’incontro con te, di qualche piccola ora, e poi in seguito nei giorni successivi, ho potuto chiarire meglio la natura del prossimo passo che ho da fare. Ed era quello che andavo cercando e di cui avevo bisogno.

 

Cara Christine, un’altra volta ti ringrazio di cuore e ti faccio gli auguri per questi giorni un po’ speciali di equinozio di festa e di fine anno. Se mi vuoi mandare ancora “la ricetta del verme cinese”, per me questi giorni potrebbero essere ideali per farci un giretto (col verme:-).

 

Anche io credo che la guarigione sia fatta da ognuno di noi. Anzi credo che fondamentalmente siamo sempre intatti (heil), in ogni momento. E com’è bello, però, in certe circostanze, incontrare l’aiuto di mediche, stregoni, amici e/o compagni di strada!

 

Con stima e affetto

 

Roberta

 

Angst vor dem Alter

Angst vor dem Tod, vor Einsamkeit, vor Krankheit, vor Armut… und Angst vor Spinnen
spiderlady by christine li

Neulich sagte eine Freundin zu mir: „Es macht mir nichts aus, sechzig zu sein. Was mich bedrückt ist, die nächsten dreißig Jahre lang eine alte Frau zu sein.“

„Du bist eine alte Frau“
, erklärte ich in meiner einfühlsamen Art. „Und? Ist es so schlimm?“

„Nö“
, sagte sie und lachte.

Nun ist meine Freundin eine Frau, die über viele Jahre das Talent kultiviert hat, über nahezu alles lachen zu können. Lachen ist ihre persönliche, mächtige Medizin.
Manchen ist gar nicht zum Lachen zumute, wenn sie ans Alter denken.
Die Misere steigert sich an den gefürchteten “Runden Geburtstagen”. Bei manchen mit vierzig, bei manchen schon mit dreißig. Zunehmend beginnt die Angst vor dem Alter schon mit zwanzig.

Dämliche Klischees wie „man ist so alt, wie man sich fühlt“ oder noch dämlichere Schlager wie „mit 66 Jahren fängt das Leben an“ helfen gar nicht.

Frühere Generationen schwindelten über ihr Alter. Vor allem Frauen, deren sexueller Wert spätestens ab dreißig rapide gegen Null strebte.
Heutzutage, wo jeder unser Alter googlen kann, nutzen Lügen wenig. Wie in vielen Dingen geht es daher weniger darum, was wir sind (für immer 29 oder 39), als darum, wie wir aussehen. Der Selbsthass, der sich hier auslebt, ist erstaunlich:

  • Nervenlähmung (Botox)
  • Silikonimplantate
  • Haut-über-die-Ohren-ziehen-und-neu-Vertackern (facelifts)
  • Abraspeln oder Verätzen (skin-resurfacing)
  • Krebsförderliches Aufschwemmen mit Hormonen.

Die Ergebnisse werden dann gerne fotografiert oder gefilmt und veröffentlicht. Seht her: Ich bin siebzig und sehe aus wie ein Zombie (hier ist ein lustiger Kurzfilm über Zombies), aber alt sehe ich nicht aus!
Niemand will alt aussehen.

(Schlechte Zeiten für Herrn K., die berühmte Kreation Bert Brechts:
Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: “Sie haben sich gar nicht verändert.”
“Oh!” sagte Herr K. und erbleichte.
)

Die Angst vor dem Alter steht in direktem Widerspruch zur Angst vor dem Tod. Wer nicht alt sein will, könnte ja einfach jung sterben. Aber das will dann wiederum kaum jemand.
Alle wollen älter werden und möglichst gar nie sterben. Manche frieren vor lauter Angst sich oder zumindest ein paar Zellen ein.
Nicht sterben wollen, aber auch nicht alt werden wollen. Wir haben die Wahl zwischen zwei Ängsten- Ängsten vor zwei Dingen, die letztendlich unvermeidlich sind. Nicht sehr aussichtsreich.

3 gedankliche Versuche, der Angst vor dem Alter zu entfliehen

  • Milde Weisheit: „Ich altere mit Würde“, „Das Äußere ist nicht alles“, „Gott sieht das Herz“, „Wer mich liebt, muss mich nehmen, wie ich bin“, „Hauptsache gesund“
  • Intellektueller Angriff: „Diesen Konsumterror mache ich nicht mit“. „Das sind doch alles Idioten“. „Mich kriegen die nicht.“
  • Selbstverurteilung: „In der dritten Welt wären sie froh, so alt zu werden“, „Ich sollte mich schämen, so äußerlich zu sein“

Die Wahl dieser Methoden ist konstitutionsabhängig. Erdemenschen neigen zu Weisheit. Holzmenschen wählen den Angriff und Metallmenschen hacken auf sich selbst herum.
Sie alle erleben das Gleiche: Ängst lassen sich nicht wegdenken.

Ein berühmter Erdemensch war Konfuzius. Für ihn führte Altern zu Freiheit und geistiger Öffnung:
Mit fünfzehn hatten mein Geist und mein Herz auf Lernen eingestimmt.
Mit dreißig fand ich meinen Standpunkt.
Mit vierzig hatte ich keinen Zweifel mehr.
Mit fünfzig begriff ich das Gebot des Himmels.
Mit sechzig verfeinerte sich mein Gespür.
Mit siebzig konnte ich meinem Geist und meinem Herzen freien Lauf lassen, ohne mich zu verlieren.

Konfuzius hatte leicht reden. Denn im alten China wurden alte Menschen wirklich respektiert. Sie hingegen fragen sich, was passiert, wenn der Weise achtzig wird oder neunzig und mit Alzheimer in einer Pflegeklinik liegt. Öffnet er sich dann immer noch der Weisheit des Universums?

Ich verstehe Ihren Zynismus.

Aber zunächst einmal und nur am Rande: Altern und Krankheit sind zwei vollkommen voneinander unabhängige Dinge.
Ich wiederhole: Altern und Krankheit haben nichts miteinander zu tun.
Viele Menschen werden mit zunehmendem Alter immer gesünder.
Ich sehe solche Menschen täglich.
Es ist nicht leicht, denn mit jeder Herausforderung, jeder negativen Erfahrung, müssen wir uns neu sortieren. Manche geben dann auf und überlassen sich dem Strom der “Alterskrankheiten”. Wer nicht aufgibt, sammelt Erfahrung.
Sogenannte „Abnutzungserscheinungen“  und “verschlissenen Gelenke” sind die Folge von Verspannung, Trauma und Fehlbelastung und damit allesamt heilbar oder zumindest vermeidbar. (Was allerdings mit jeder chirurgischen Intervention wegen der Vernarbung schwieriger wird.)  Die chinesischen Ärzte, über die es historische Daten gibt, erreichten nicht selten ein Alter im dreistelligen Bereich, sie waren kerngesund und sie haben ihre „anti-aging“ Methoden, das heißt ihre Erfahrungen, akribisch niedergeschrieben.

Krankheit und Schmerzen haben wenig mit Alter und viel mit Trauma, Erneuerung und Wandlungsprozessen zu tun.

Doch selbst wenn Alter nicht gleich Krankheit ist. Alter bedeutet für viele Menschen Einsamkeit, Armut und jammervollen Verfall. Wir hören immer wieder von Menschen, die in ihren eigenen Exkrementen liegend gefunden werden, weil dem Nachbarn der Gestank auffällt. Wer je ein Pflegeheim aufgesucht hat (ich habe als Studentin in einem besonders schlimmen dieser Art gearbeitet) vergisst das Elend nicht so leicht. Unsere Welt ist so. Für alte Menschen gibt es keinen Platz.
Den Kopf in den Sand zu stecken, während in unserem Inneren schlimme Befürchtungen vor sich hin gären, raubt uns die Kraft.
Die Weisheit des Konfuzius hilft uns leider nicht so richtig: Er lebte in einer Welt, in der alte Menschen eine wichtige Stellung hatten. Als Lehrer. Als Vorbild. Alte Menschen galten als schön.
Wir leben in einer Welt, in der Menschen Konsumartikel mit Verfallsdatum sind. Wir sollen in möglichst kurzer Zeit viel konsumieren und produzieren und dann möglichst vom Erdboden verschwinden.
Unsere Realität ist das Ergebnis unserer kollektiven Gedanken. Darauf haben wir Einfluss.Wir können uns wehren.
Wehren heißt nicht “meckern und klagen”. Wehren heißt, die Dinge neu zu denken. Denken wir uns eine neue Realität. Erfinden wir uns neu.
Gleichzeitig gilt es, die Ängste zu erleben, denn durch sie hindurch kommen wir in unsere kreative Kraft. Und nur mit dieser Kraft werden die neuen Gedanken Realität.
Sich selbst beruhigen und alte Ängste Wegdenken funktioniert nicht.  Ängste lassen sich nicht wegdenken. Wir müssen durch sie hindurch.

Trotzdem reden wir uns immer wieder gut zu. Manchmal klappt es. Wir fühlen uns unbesiegbar.
An anderen Tagen stehen wir auf, der Rücken ist steif, das Gesicht zerknautscht, im Briefkasten liegt eine Einladung zur Krebsvorsorge, der Karrierezug ist abgefahren, den Job kriegt ein Jüngerer und Männer wollen sowieso nur Frauen unter dreißig. An solchen Tagen bezahlen wir wider besseres Wissen 98 Euro für ein edel verpacktes Töpfchen mit 20 Gramm Vaseline, 17 Konservierungsmitteln und „kostbaren“ Spuren von Ginseng, Weintraubenextakt oder Q 10 oder verabreden einen Termin zur Testosteroninjektion.

Und dann fühlen wir uns, als hätten wir den Kampf verloren. In Wahrheit war es der falsche Kampf. Wir können Ängste nicht wegdenken.

Weisheit ist keine Waffe zum Angst töten.
Die chinesische Medizin lehrt uns, dass wir Angst (Wasser) mit Hilfe von Gedanken (Erde) eindämmen können. Von Austrocknen wird nichts gesagt. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

Ängste sitzen tiefer

Ängste sitzen im Kern unserer Seele, und wir können sie nicht wegdenken.
Die Angst zu altern und die Angst vor dem Tod sind keine falschen Gedanken. Es sind Ängste. Noch dazu zwei in sich widersprüchliche. Beide unauflösbar, unausweichlich. Sie halten uns fest wie ein Spinnennetz. Je mehr wir zappeln, umso dichter schlingen die klebrigen Fäden sich um unser Herz.
Das Zappeln sind unsere Gedanken. Mit Denken kommen wir nicht raus aus dem Netz.
Die Spinne weiß das. Sie wartet geduldig und lässt uns zappeln; sie freut sich an unserer Angst, bis sie uns fressen kann.

Spinnengedanken

spiderprincess by christine li

Mit Spinnen kenne ich mich aus. Mit Ängsten auch. Lange Zeit war ich eine Spinnenphobikerin ersten Ranges. Das heißt auch, dass ich bis heute oft an Spinnen denke. Ich bin ein Bisschen besessen von Ihnen und verdanke ihnen viel.
Ich weiß, dass mehr Menschen an Spinnenbissen sterben als Menschen von Haien aufgefressen werden. Ich weiß auch, dass es solche Spinnen nur in Australien gibt. Hierzulande wäre es deutlich sinnvoller, Angst vor Autos zu haben.
Habe ich aber nicht. Ängste folgen keiner Logik.

Lange Zeit glaubte ich, Ängste seien einfach dumm.
Viele Menschen glauben das Gleiche. Zum Beispiel die unzähligen Menschen, die mir mitleidig erklärt haben, dass Spinnen vollkommen harmlos, ökologisch nützlich, faszinierend und schön sind.
Das nutzt aber nichts. In Gedanken habe ich keine Angst vor Spinnen. Ich denke die Angst nicht. Meine Angst ist kein dummer Gedanke. Sie ist einfach Angst.
Daher ist auch die NLP (neurologisches Programmieren), die auf Umprogrammierung der Gedanken beruht, zweimal an meiner Phobie gescheitert. Ich konnte durchaus darüber lachen, dass ich beispielsweise eine Nacht lang in Unterwäsche durch Kathmandu gerannt bin, nur weil auf meinem Hostel-Bett plötzlich eine Spinne saß. Ich konnte auch darüber lachen, dass ich mir einmal beinahe ein Bein gebrochen habe, weil ich aus Angst vor einer Plastikspinne die Treppe hinunterfiel.
Aber ich konnte nicht an Spinnen denken, ohne völlig außer Rand und Band zu geraten, und somit funktionierte NLP nicht (zumindest nicht, wie es damals praktiziert wurde.).

Ängste sind keine dumme Angewohnheit, gegen die wir uns abhärten könnten.
Ich habe versucht, ins Terrarium zu gehen. Minutenweise erst, dann länger. Systematische Desensibilisierung. Es klappte nicht.
Meine einzigen Tranquilizer-Erfahrungen verdanke ich meinem vergeblichen Versuch, Lexotanil einzunehmen und solchermaßen benebelt Bilder von Spinnen zu betrachten. Ich warf das Buch quer durch den Raum und am nächsten Tag fühlte ich mich, aufgrund der Pillen, so, als hätte mich jemand durchgeprügelt. Seitdem habe ich einen Heidenrespekt vor solchen Drogen.

Angst beruht nicht auf Trauma.
Traumata sind physiologische Reaktionen auf Erlebnisse, denen ein Lebewesen nicht gewachsen war. Traumatisierte Menschen fürchten sich vielleicht vor vielen Situationen- und oft mit gutem Grund. Sie mögen unsicher sein und in vieler Hinsicht anders reagieren als untraumatisierte Menschen und ihr Lebensgefühl ist oft erheblich verändert und eingeschränkt. Zu Trauma gehören außerdem veränderte Körperwahrnehmungen und  physiologische Veränderungen. Trauma ist eine ernste Beeinträchtigung des Lebens.
(Wenn Sie traumatisiert sind, empfehle ich Ihnen, sich helfen zu lassen und keine Angstmedittation über Ihre tramatisierenden Erfahrungen zu machen. Zur Bewältigung von Trauma bedarf es Hilfe durch Menschen, Gemeinschaft, Rituale.)
Angst kann immer auftreten und bei jedem. Angst ist Teil des Lebens. Ein wichtiger Teil, wie wir sehen werden.

Aus dem gleichen Grund ist Angst kein Privileg neurotischer oder “gestörter” Menschen
Jeder hat Angst.

Das heißt, bei Angst hilft es nicht:
-die Gedanken zu ändern und sich gut zuzureden (kognitive Therapie, Weisheit)
-sich abzuhärten (Desensibilisierung)
-sich zu analysieren (Psychoanalyse)

Dies alles sind Interventionen auf der Gedanken- und Handlungsebene. Auch Psychoanalyse bleibt im verbalen Bereich. Dem Reich der Gedanken und Bedeutungen, auch wenn diese vielleicht verübergehend vergessen sein mögen. Die Seele erreicht die Psychoanalyse nicht. Die Seele will nicht analysiert werden, sondern gehört.
Ängste- vor Spinnen, vor dem Tod, vor dem Alter- leben nicht auf der Gedankenebene, sondern tiefer.

Die Ebene ändern: Traumzeit

Ängste leben in der Dunkelheit, der Ebene des tiefen Yin. Der Körperlichkeit, der Dunkelheit, der Nacht, des Winters und des Todes. Wir nehmen diese Ebene normalerweise nicht wahr, sondern schweben im Netz der Gedanken über dieser Ebene. Voller Angst, das Netz könnte reißen. Nur in Träumen und Alpträumen reißt es uns in die Tiefe. Daher wollen viele Menschen nicht einschlafen oder brauchen gefühlsabtötende Medikamente dafür.
Schlafstörungen sind eine ernsthafte Störung, bei der wir einen wesentlichen Teil unserer Wirklichkeit nicht integrieren können. Denn Träume sind in vieler Hinsicht wahrer als unsere Gedankenwelt, die wir täglich nach Geschmack und Mode und allgemeiner Übereinkunft selbst kreieren.
Der daoistische Dichter Zhuangzi träumte einst, ein Schmetterling zu sein und sinnierte, er wisse eigentlich nicht, ob er Zhuangzi sei, der träume, ein Schmetterling zu sein, oder ob er ein Schmetterling sei, der träume, Zhuangzi zu sein.

Der Unterschied zwischen Träumen und dem, was wir Realität nennen, ist nicht “Wahrheit” sondern Kohärenz. Während wir im Traum einfach sind und flüssig durch ein amorphes Feld von Erscheinungen und Empfindungen gleiten, können die wenigsten dies im „wahren“ Leben. Im wahren Leben sind Veränderungen sehr zähflüssig und bedürfen oft massiver Interventionen oder großer Geduld.
So bleibt der Tisch in meiner Zimmerecke für lange Zeit der gleiche Tisch. Unsere Gedanken halten ihn fest und kreieren ein kontinuierliches Skript, das die meisten von uns, mehr oder weniger mit anderen Menschen teilen und durch Sprache immer wieder aneinander angleichen. Wir sind uns (fast) alle einig, dass dort in der Ecke ein Tisch steht und daher bleibt er dort stehen, bis wir ihn verschieben.

Dinge, die aus diesem gemeinsamen Skript herausfallen, das heißt den allergrößten Teil dessen, was ist, nehmen wir nicht wahr. Tun wir es doch, laufen wir Gefahr, für verrückt gehalten zu werden.

Chinesische Medizin: Gefühle als Ausdruck des inneren Qi Mechanismus

“Qi-Mechanismus” ist ein etwas klobiger Ausdruck dafür, dass sich alles hebt und senkt, so wie Wasser absinkt und zu Eis wird und sich bei Wärme wieder in die Wolken erhebt. Für die chinesische Medizin funktionieren alle Dinge so. Außerhalb unseres Körpers erleben wir sie als Wetter, Wind und Wolken. Im Körper als Gefühle. Unsere Gefühle sind, genau wie das Wetter, immer vorhanden. Sie sind unser energetisches Feld, im stetigen Austausch mit der Umwelt und niemals gleich.
Trauer und Angst sind Gefühle des Sinkens. Wut und Freude sind Gefühle des Aufsteigens.
Wir können unsere inneren Qi Bewegungen genausowenig kontrollieren wie das Wetter. Sie bleiben niemals gleich. Wir können nur versuchen, sie in jeder Sekunde wahrzunehmen und ihre Wandlung zu erleben.
Im Wachzustand ist dies nicht so einfach, denn unsere Gedanken halten immer wieder einzelne Zustände fest wie in einer Fotographie.
Aus dem fließenden Feld werden so einzelne, winzige Ausschnitte, nämlich immer dann, wenn ein Gefühl sich an ein Objekt klammern kann, das wir mit vielen Menschen teilen. Statt wie Wasser und Nebel zu fließen, sagen wir dann: Dies ist traurig, dies ist schön.
Dies sind nicht Gefühle sondern Meinungen, die wir mit anderen Menschen teilen. In der Gemeinsamkeit mit anderen bekommen unsere flüchtigen Gefühle Realität. Je mehr Menschen sich einer Meinung sind, umso mehr Bedeutung bekommt das Gefühl. So kommt es, dass Menschen sich gemeinsam intensiver freuen können, dass sie sich gemeinsam in Panik und Hysterie steigern können und dass die meisten Menschen vor ähnlichen Dingen Angst haben.

(Am Rande: Gemeinsame Gefühle kanalisieren das Qi und entwickeln große Kraft. Viele Kulturen benutzen gemeinsame Rituale zum Heilen. Unsere Kultur hat dies leider vergessen. Durch Krankheit müssen wir hierzulande alleine durch und bleiben daher, nicht selten, darin stecken.)

Noch einmal: Unsere Angst ist immer da. Sie ist das fließende Gefühl, wenn das Qi absinkt. Wenn wir sagen: “Ich habe Angst vor diesem oder jenem”, so halten wir diesen Augenblick fest. Woran wir unsere Gefühle festmachen, ist sozialer Konsens.

Ausdrucksformen von Angst

Angst ist sozialer Konsens. Das Sinken des Qi findet immer statt. Unsere Ängste werden geschürt. Früher der Inquisition und der Kirche, heute von der Industrie und den Medien.
Zu früheren Zeiten ängstigten sich Menschen vor Dämonen und Teufeln. Vor dem Alter hätte sich kaum jemand gefürchtet. Alter war ein Privileg.

Unsere heutige Angst vor dem Alter hat zwei Komponenten.

  1. Angst vor Krankheiten. Krankheiten sind ein Riesengeschäft. So wird im Augenblick die Angst vor Wucherungen im Körper von der medizinischen Industrie sehr propagiert und Menschen mit starker Angstschwingung finden hier viel Gelegenheit, ihre Angst in Form von Krebsangst auszuleben. In Wahrheit haben Alter und Krankheit wenig miteinander zu tun, da wir mit zunehmender Erfahrung durchaus auch gesünder werden können.
  2. Angst vor sozialer Ausgrenzung. Angst vor Einsamkeit. Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Unsere Körper und unser Leben werden zunehmend als Konsumartikel erlebt. Wir sollen möglichst schnell, möglichst viel produzieren und konsumieren. Wenn das Tempo sinkt, verlieren wir unseren Wert. Wir sind Konsumartikel mit Verfallsdatum. Wer nicht absolut perfekt ist, reich, erfolgreich, jung und äußerlich makellos, ist beschädigte Ware. Je älter wir werden, umso beschädigter sind wir nach dieser Logik. Der feste Job oder der Partner (der “Traumjob”, der “Seelengefährte”, die “Zwillingsseele”) sind oft der einzige Halt, an dem wir uns festkrallen wir Ertrinkende. Je älter und “wertloser” wir werden, umso mehr klammern wir, umso mehr befürchten wir, ohne Geld und ganz alleine zurückzubleiben. So kommt es dann oft auch, denn Ängste, an denen wir gedanklich und als Kollektiv, festhalten, entwickeln eine große energetische Dynamik.

Angst vor Alter, Angst vor Krankheit, Angst den Job zu verlieren und und Angst vor Einsamkeit erscheinen den meisten Menschen heute nachvollziehbar. Sie gelten als Teil des Lebens, wenn nicht vernünftig, dann doch leider unvermeidlich. Sie sind es aber genauso wenig wie die Angst davor, dass meine Nachbarin, die Hexe, eine Monatsbinde unter meiner Türschwelle vergraben haben könnte.

Je größer unsere Angst ist oder je schwieriger wir sie fühlen können, umso mehr Objekte sucht sie sich. Auch dann noch halten die meisten Menschen sich an Objekte, über die eine gewisse Einigkeit besteht. Viele Menschen finden Spinnen „eklig“. Daher ist Angst vor Spinnen verhältnismäßig verbreitet.
Rosen gelten für die meisten Menschen als schön. Die Angst vor Rosen oder Gänseblümchen ist hingegen sehr viel seltener.
Viele Menschen möchten gerne dünn sein. Diätwahn gilt als geradezu normal. Dies gibt Menschen mit großer Angst die Möglichkeit, diese Angst als Magersucht (Anorexie) zu erleben. (Anorexie ist  Angst und kein “Diätwahn”. Daher helfen kognitive Verfahren- das Gedankenändern, hier nicht!)

Je größer das Angstpegel in uns ist, umso leichter brechen wir durch das dünne Eis der vagen Ablehnung bestimmter Objekte wie Mäuse, Spinnen oder Nahrungsmittel hinunter in die Tiefe, wo die Angst uns den Atem nimmt. Sehr ängstliche Menschen geraten außer sich über Dinge, über die kaum noch Konsens besteht. Zum Beispiel darüber, dass ihre Schuhe nicht ordentlich nebeneinander stehen.
Ich vermute stark, dass intensive Angst auch hinter dem derzeitigen Boom an Nahrungsmittelunverträglichkeiten steckt, insbesondere wenn Menschen fast nichts mehr vertragen.
Im Extremfall braucht die Angst gar kein Objekt mehr. Das Ergebnis sind Panikattacken.

Wege aus der Angst?

Angst lebt in uns. Wir können ihr nicht entkommen. Wir können uns nicht einreden, dass die Dinge, vor denen wir Angst haben, gar nicht so schlimm sind. Gedanken wirken nicht auf der Ebene, auf der die Angst lebt. Gedanken wirken im Konsensbereich unserer Realität. Sie sind beliebig konstruierbar und sie sind Grundlage der Dinge unserer Umwelt.

Unsere Seele folgt ihrer eigenen Logik und nimmt sich unsere Gedanken nicht so sehr zu Herzen.  Angst ist eine Schwingung unserer Seele.
Angst ist das Gefühl, das entsteht, wenn unsere Seele durch die Trennung geht, das Absterben und Loslösen, das jeder Wiedervereinigung vorangeht. Um zu sterben, müssen wir alles hinter uns lassen: unsere Familie, unsere Freunde, sogar den Körper. Daher haben wir vor dem großen Tod meist auch große Angst.
Daneben gibt es in jedem Augenblick des Lebens kleine Tode. Einschlafen. Ausatmen. Orgasmen. Wir können sie zum Üben verwenden, damit das völlige Loslösen nicht mehr so schwer wird.

Angst ist immer. Angst möchte genauso empfunden werden wie das neue Gefühl des Wiedererwachens, wenn alles wieder erblüht: der Freude.
Angst und Freude wechseln sich ab in einem ewigen Kreislauf. Trennung und Vereinigung. Leben und Tod. Einschlafen und Erwachen.
Wer versucht, der Angst zu entfliehen (etwa mit Psychopharmaka), lässt sich darauf ein, keine Freude zu erleben.

Glücklicherweise geht das nicht lange.

Wege zurück zur Angst.

Nehmen Sie Spinnen. Sie mögen harmlos sein. Für eine Phobikerin sind sie ein Portal zur Angst. Sie können ihr helfen, sich mit abgetrennten Gefühlen zu vereinen. Denn was immer große Ängste in uns auslöst, hilft uns, einen Weg in die Tiefe anzutreten.

Da ich durch diesen Weg gegangen bin, beschreibe ich ihn kurz. (genaueres hier:)

In einem Zustand tiefer Entspannung stellte ich mir Spinnen vor. Sie nahmen schnell riesengroße Gestalt an und wollten mich fressen. Ich saß ihnen wie gelähmt gegenüber und strengte mich an, sie mit Gedankenkraft im Zaum zu halten. Aussischtslos.Ich erschöpfte mich in schierer Panik. Dann endlich fand ich den Mut und gab auf. Die Spinne  fraß mich und ich wurde zu ihr. Ich begriff, dass es keine Trennung gab. Spinne und Nicht-Spinne. Ich und die anderen. Tod und Leben. Alles ist eins.

Oder, wie ich einst schrieb: „Das Mädchen konnte nicht mehr sterben, denn sie war unsterblich. Ihr Herz hatte Iktome besiegt.“

Das gleiche Verfahren (hier beschreibe ich die Angstmeditation noch einmal genauer) gilt für alle anderen Ängste auch. Ganz gleich ob es Angst vor Falten, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor Schlaganfall, Angst, niemals einen Partner zu finden, Angst vor sexueller Hingabe (Orgasmusschwierigkeiten), oder Angst vor Krankheit, Angst vor Alter, Angst vor Verfall und Tod ist oder Ihre eigene seltsame und ganz persönliche Angst, die sie niemandem eingestehen möchten:

Der Weg ist immer mitten hinein.

Wenn Sie glauben, dass die Angst vor Spinnen und die Angst vor Krebs nicht miteinander vergleichbar seien und Angst vor Dunkelheit ohnehin einfach nur dumm sei, so möchte ich Ihnen versichern, dass Angst immer einfach Angst ist. Absinkendes Qi.
Keine Angst ist dumm. Jeder Mensch lebt in ihrer/seiner eigenen Welt mit ganz eigenen Ängsten. Ängste sind Risse in unserer makellosen Alltagswelt, die von Logik zusammengehalten wird.  Unsere Angst ist unser persönliches Portal hinunter zu unserer Wahrheit, in die Unterwelt wie die Schamanen sagen. Dort, wo düstere Fabelwesen und weise alte Frauen uns Geheimnisse zuraunen. Der Ort, wo wir lernen, was unsere Körper, unsere Gefühle und unsere Realität im Inneren zusammenhält.

Vielleicht gelingt es Ihnen dort unten, Kontakt mit ihrer eigenen weisen alten Frau aufzunehmen und sie an die Oberfläche zu bringen. Die Welt braucht dringend weise alte Frauen (und störrische alte Knacker!). Die Zeit der Hexenverbrennung ist vorbei.
Die Zeit ist gekommen, nicht mehr bescheiden, lustlos, ordentlich gekämmt und “in Würde” zu altern- sondern laut kichernd die Fackel unserer alten Frau (oder unseres verrückten alten Mannes) in die Welt zu tragen.

Also mitten hinein in die Angst.
Aus Angst gibt es keinen anderen Ausweg und alle Versuche, die Angst zu unterdrücken, führen dazu, dass sie an anderen Stellen wieder an die Oberfläche drängt. Wenn Angst überwindbar erscheint, so ist es keine Angst.

Angst ist das Sinken des Wassertropfens, ehe er sich mit dem Ozean vereint. Denkt der Wassertropfen etwa, er habe Angst vor dem Ozean? Denkt er etwa, er habe Angst, nicht mehr zu sein? Alles, was er fühlt, ist Einsamkeit und so sinkt er und sinkt. Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt nur den Weg mitten hinein.
Wenn wir uns mit unserer Angst vereinen, so ergeht es uns wie all den Helden in unseren Märchen. Wir bekommen die Prinzessin und das Königreich. Die Prinzessin ist unsere Seele. Das Königreich ist unsere angeborene Macht.

Kriegsenkelin

Heute, zum Totengedenktag,  gedenke ich meiner toten Großeltern.

Mein Heiler- Kollege und Santeria Lehrer Valdonio erklärte mir vor Jahren auf Kuba:

„Ihr aus Europa seid voller Toter. Ihr könnt euch kaum noch bewegen vor Schmerz und Trauer. Deswegen tanzt ihr so schlecht.“

Er unterrichtete mich, wie ich die Egguns, die Toten also, mit Hühnerblut zu füttern hatte, und er gab mir einen Altar, einen alten Dachziegel, den ich, getränkt mit Hühnerblut und verklebt mit Hühnerfedern, durch den Zoll schleppte und weisungsgemäß in meinem Garten vergrub.
Nach dem Motto: Wer weiß, vielleicht hilft‘s ja.
Der Tot des Huhnes ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Während das arme Vieh in meinen Händen zuckte, lernte ich einiges über mich und das Leben, vor allem, wie schnell es durch die Hände rinnt, und ich lernte, dass Lebewesen wirklich leichter werden, wenn die Seele aus ihnen herausströmt.  Es war ein elender Vorgang.

Aber die Egguns klebten fest. Hühnerschlachten hilft nicht gegen den Tod.

Jahre später, pünktlich zum Herbstanfang, nahm der Schmerz überhand. Schmerz war ein alter Freund. An den meisten Tagen meines Lebens, solange ich zurückdenken konnte, schmerzte zumindest die Hälfte meiner Knochen. Skoliose, Rheuma. Fibromyalgie. Unnötige Namen.
Wie mich überhaupt medizinische Diagnosen kaum überzeugen können. Was mich bewegt, sind die Ursachen solcher Zustände. Schmerzhaften Zuständen ein Etikett zu verpassen, ist für mich keine Diagnose. Gnosis heißt „Erkenntnis“ und nicht „Benennung“.

An diesem ersten Herbsttag  war die Diagnose ausnahmsweise klar. Ich hatte getanzt. Ein angenehmer Schmerz, wohltuend und überschaubar. Grund genug, dem Ganzen noch ein Bad mit Meersalz und Algen  folgen zu lassen.
Der Schmerz strömte angenehm durch den Körper und ich ließ mich ganz einsinken. In den Schmerz, tief ins Wasser. Es dauerte eine Weile und mein Kopf sank unter Wasser. Ich spürte nun nichts mehr. Nur eine Erstarrung, die noch zunahm, als ich mich ihr ganz ergab. Dies war kein Muskelkater mehr.

Ich lag allein in einer zerstörten Landschaft. Ausgeblutet, verkrampft von zahllosen Wunden und vor allem vor Kälte. Erstarrt vor Angst. Versteckt hinter etwas Dunklem. Einem Bretterverschlag? Eine weite Ebene mit einzelnen Birken und unklaren Trümmern. Eine Landschaft, die ich schon oft gesehen hatte, obwohl ich noch niemals dort gewesen war.
Nonlokalität. Alles ist gleichzeitig und hier. Ich war in Russland. Kriegsende. Ich war mein Großvater. Der, der niemals zurückgekommen war. Der, dessen Geschichte verloren ging. Der spurlos aus dem Leben verschwand. Der, dessen Grab bis heute niemals gefunden wurde.
Mit einem Mal begriff ich, dass seine Spur in mir fortlebte. In meinem schmerzenden Körper. In meiner lebenslangen Traurigkeit.
Großvater, dachte ich. Erzähl mir deine Geschichte.

Ich sank tiefer und im gleichen Augenblick hörte ich Geräusche. Todesangst. Dann, ein Knall, ohrenzerfetzend wie ein Schuss. Mein Herz zerriss. Wenig fehlte und ich wäre, feige, aus dem Wasser aufgetaucht. Ich blieb unten. Ich starb.

Später kochte ich und lud meinen unbekannten Großvater zu einem letzten Abendessen ein. Ich erzählte ihm aus meinem Leben und wie sehr ich ihn vermisste. Ich erzählte ihm vom unendlichen Schmerz meiner lieben Oma. Wir weinten beide und tranken Wein. Dann ließ ich ihn gehen.
Der Schmerz ging dann auch. Zumindest ein Teil. Der Großvaterteil. Das fiel mir aber erst viel später auf.

Heute, zum Totengedenktag gedenke ich meiner Ahnen. Sie sind bei mir.

Heilung steht nicht in Google

Schlauer als Google

Neulich fragte ich zwei Leute nach dem Weg.
„Hast du denn kein iphone?“, war die völlig verdatterte Antwort.
„Nein“, sagte ich und tat beschämt.
Um die Wahrheit zu sagen: Ich habe eins. Aber meistens liegt es im Weg herum und ist entladen.
Ich hab auch ein Navigationsgerät. Aber ich habe es schon vor Jahren wieder ausgebaut. Denn wenn mir immer gesagt wird, wohin ich fahren MUSS- dann kann ich doch keine neuen Wege finden. Ich vertraue meiner Intuition, den Himmelrichtungen, uralten Ortsnamen und überhaupt: Ich fahre gern ins Blaue.

Wer mich in meiner Praxis besucht, stellt sehr schnell fest, dass ich über fast keinerlei elektronische Geräte verfüge. Noch nicht einmal ein Faxgerät. Ich besitze ein rudimentäres Handy, das meistens in der Teeküche liegt und nur beantwortet wird, wenn ich mal alleine bin.
Ich besitze auch keine medizinische Elektronik. Die einzige Ausnahme ist ein elektronische Blutdruckmessgerät. Eigentlich hätte ich lieber eine Handpumpe mit einer Quecksilbermesssäule und einem Stethoskop gehabt, aber in der Apotheke nebenan gab es das nicht und so wichtig ist der Blutdruck ja nun auch wieder nicht.
Nein, wirklich nicht. Um den Blutdruck wird viel zu viel Aufhebens gemacht- aber das wäre ein anderer Blogpost.

Es gibt auch kein Chipkartenlesegerät, um persönliche Daten meiner Klienten zu lesen und neue einzugeben. Ich schreibe mit einem Füller auf Papier und die Akten von zwanzig Jahren Praxis liegen in einem kleinen dunklen Raum- ordentlich sortiert nach Alphabet.
Es gab Zeiten, da fand ich, ich sollte meine Patientengeschichten in irgendeinen Computer eingeben. Es wäre nett, dachte ich, „Menstruationsbeschwerden“ oder „Herzschmerzen“ einzugeben, und dann alle Menschen zu finden, die jemals mit einer solchen Beschwerde bei mir waren. Dann könnte ich vergleichen, Statistiken aufstellen, sehen, was einmal geholfen hat- und was nicht.

Andererseits gleicht niemand irgend jemand anderem- das ist eines der unfassbaren Wunder des menschlichen Lebens: Mehrere Milliarden Menschen und keiner gleicht einem/r anderen.
Ich muss also ohnehin mit jedem neuen Menschen ganz von vorne anfangen und sie oder ihn kennenlernen. Erfahrung ist das einzige Werkzeug.

Erfahrung

Erfahrung ist mehr, als der mehr oder weniger missglückte Versuch einer inneren Auswertung von irgendwo abgespeicherten Daten. Erfahrung ist etwas qualitativ anderes. Erfahrung lässt Dinge entstehen, die nicht logisch aus dem folgen, was wir bereits wissen, sondern vor allem aus dem, was wir erfahren haben- also gefühlt.
Bei Erfahrung wird nicht nur das Alte immer wieder neu kombiniert. Erfahrung geht durch eine Phase des Dekonstruierens und Vergessens- wie in der Tiefe eines Komposthaufens entstehen so völlig neue Dinge.
Wie der Komposthaufen will Erfahrung regelmäßig gefüttert werden- am besten, indem ich mit allen Sinnen neue Informationen aus unterschiedlichen Quellen eindringen lasse, indem ich lerne und ausprobiere und fühle, und dann alles wieder ins Vergessen hinabsinken lasse.
Wenn ich auf einen Berg steige und ein paar Nächte da oben sitzenbleibe, wie die Zwerge Himpelchen und Pimpelchen, ist dies meine Form der medizinischen Weiterbildung.
Nachdem die beiden Zwerge vom Berg herabkamen, nach fünfundsiebzig Wochen, krochen sie in den Berg und schliefen sich erst einmal aus- bis heute, so sagt das Gedicht.

Schlaf ist ein essentieller Teil unserer Weiterbildung zum Menschen.

Bei Bedarf steigt das notwendige Wissen dann aus dem Dunkel wieder herauf. In der richtigen Verfassung, das heißt, wenn es uns gelingt, den Denkfilter auszuschalten, bekommen wir so Kontakt mit außerpersönlichen Erinnerungen. Erfahrungen aus vielen Tausenden von Jahren. Erfahrungen all der Menschen, die den gleichen Weg gegangen sind.
Meine Wand voller chinesischer Bücher bringt mich einigen dieser Menschen näher. Oft nehme ich eines heraus- und lese darin, gerne auf einer zufällig aufgeschlagenen Seite, um wieder in die Schwingung eines dieser Heilkünstler vergangener Epochen einzutreten. Oft genug steigen dann Dinge auf, die ich unmöglich wissen kann oder längst vergessen habe. Wissen darüber, wie bestimmte Akupunkturpunkte miteinander reagieren, Akupunkturpunkte, die ich nie zuvor kombiniert habe. Ein neues Kräuterrezept. Ein Zusammenhang, an den ich noch nie gedacht hatte.
Bei Behandlungen sitze ich einfach da und beobachte und warte, dass mir von irgendwo aus meinem Inneren mitgeteilt wird, was ich tun soll. Meist geschieht dies beim Pulsfühlen. Jede Art von Aufregung blockiert diesen Prozess.
Ich habe keinen bewussten Zugriff auf diesen Mechanismus. Er liegt im Dunkeln und folgt den Gesetzen des Chaos. Der einzige Halt in diesem Wirrwarr ist Vertrauen.

Wer nicht vertrauen will, muss googlen

Vertrauen fällt den meisten Menschen ausnehmend schwer. Sie leben in Angst. Kein Wunder, dass sie lieber auf Google hören. Google weiß bekanntlich alles. Es kennt Hotels in abgelegenen Orten. Es weiß, wann Flüge gehen und kennt alle Telefonnummern der Welt. Google kennt Tausende von Käsekuchenrezepten (aber nicht das meiner Oma).
Google weiß so viel mehr als ich. Es sammelt Daten über alles, was ich je angefragt habe, und schlägt mir immer wieder den gleichen Kram vor. Habe ich einmal einen Flug nach Buenos Aires gebucht, bekomme ich noch Jahre später Hotels in dieser schönen Stadt vorgeschlagen. Es scheint, Google weiß sogar über mich mehr als ich selbst.

Es liegt nahe, das eigene Gehirn gänzlich durch Google zu ersetzen. Viele Menschen tun dies ausgiebig genug.

Google kennt auch chinesische Kräuter. Gebe ich “Radix Stemoniae” ein, so kommen lange Listen von Seiten, auf denen über dieses Kraut berichtet wird. Nur dummerweise steht auf all diesen Seiten in etwa das gleiche.

Das “Wissen” von Google

Wissen kommt von Weisheit. Was wir in Google finden, ist Ergebnis eines endlosen “Copy and Paste” Prozesses, getrieben vom Bedürfnis, dieses dünne Wissen möglichst gewinnbringend zu vermarkten. Es ist Produkt eines industriellen Fertigungsprozesses, ähnlich wie fastfood, bei dem aus möglichst billigen Zutaten möglichst viel Profit gemacht werden soll. Ein Prozess, dem es auf Quantität ankommt. Solches “Wissen” breitet sich unendlich aus und reproduziert sich selbst, wieder und wieder, ohne jemals in die Tiefe zu gehen- den Ort, wo wirkliche Erkenntnis wurzelt. Das “Wissen” von Google ist getrieben von “clicks” und “likes” und “links”. Kaum jemand, der nicht irgendein finanzielles Interesse hat, wird sich daran machen, Informationen über eine obskure chinesische Heilpflanze einzugeben.

Google kennt auch chinesische Rezepte. Es kennt aber nur die, die auch als Fertigprodukte verkauft werden- Rezepte, die genau deswegen keine chinesische Medizin mehr sind, sondern nur noch chinesische Namen haben. Es kennt nicht die unzähligen Rezepte, die es nur ein einziges Mal gegeben hat, nämlich als persönliche Verordnung für einen ganz konkreten Menschen.
Und vollkommene Nicht- Reproduzierbarkeit, das heißt, alles nur ein einzige Mal, ist die wichtigste Besonderheit der chinesischen Medizin.

Chinesische Medizin steht nicht in Google

Echte chinesische Ärzte wissen sehr wohl, dass ihre Rezepte nicht wiederholt werden können. In den alten Büchern stehen Rezepte daher nur als Beispiele dafür, wie neue Rezepte konstruiert werden könnten. Als Inspiration für Menschen, die ähnlich denken wie der Autor, die also, im weitesten Sinne, zu seiner Schule gehören. In diesen Büchern sind daher auch keine Dosierungen angegeben. Nicht aus Geheimniskrämerei, sondern weil jemand, der  weiß, wie der Autor gedacht hat, nach der gleichen Methode leicht ein neues Rezept erschaffen wird.
Chinesische Medizin verweigert sich strikt den Gesetzen der medizinischen Industrie ( und unsere Schulmedizin ist nichts anderes als eine Industrie ): Endlose Reproduzierbarkeit.
Es geht nicht anders.

Google versteht daher nichts von chinesischer Medizin. Dies wird sich auch nicht ändern, weil Google nicht die systemischen Voraussetzungen dafür besitzt. Googlewissen ist reproduzierbar. Linear. Berechenbar.
Das mächtige allwissende Google hat eine große Schwäche: Es versteht nichts von Chaos.

Chaos ist die Quelle neuen Wissens.

Google hat keinen Zugriff auf das Chaos. Wir Menschen aber wohl. Kreative Menschen schöpfen seit eh und je aus dieser Quelle. Dies gilt nicht nur für Dichter oder Musiker.
Als der Chemiker Kerkule sich einst den Kopf zerbrach über die Struktur des Benzolrings, fiel er in tiefen Schlaf. Dabei träumte er von tanzenden Männchen, die in der Formation des Tanzes die Struktur des Benzolringes imitierten. Er war weise genug, seinen Traum beim Wort zu nehmen und fand die Antwort, die er gesucht hatte.

Einigermaßen hellsichtige Leute haben längst begriffen, dass durch Statistik kein neues Wissen generiert werden kann. Statistik ist nichts als die rechnerischer Aufbereitung der Dinge, die wir bereits abgespeichert haben. Ein Versuch, aus diesem Defizit herauszukommen, besteht darin, die Funktionsweise des Chaos durch Zufallsgeneratoren zu imitieren. Aber elektronisch generierter Zufall kommt dem Chaos nicht näher. Zufall und Chaos sind etwas qualitativ vollkommen anderes. Der Zufall der Rechner beruht auf der binären Logik- dem plus oder minus der bits. Dies ist die grundsätzliche, systemische Beschränkung auch des allerschnellsten Rechners. Plus oder Minus. Ja oder nein.
Selbst wenn jemand versuchen sollte, vielleicht zufällig, ihren Rechner aus diesem binären Gefängnis zu befreien, und zu diesem Zweck etwa ein Glas Cola ins Gehäuse gießt, kann sie auch wiederum nur mit zwei möglichen Ergebnissen rechnen: Kaputt oder nicht kaputt.
(Dieses Experiment wurde in meiner Familie bereits durchgeführt. Daher weiß ich Bescheid.)

Im Chaos besteht diese Trennung nicht. Aus Yin wird Yang und aus Yang wird Yin. Die Wandlung geschieht in einem fließenden Prozess: Die Lehre von Yin und Yang ist nicht dual. Um sich zu wandeln, gehen Yin und Yang immer wieder in den Chaoszuständ über. Chaos, so heißt es, ist die Quelle. Chaos ist undifferenziert, flüssig und verschwommen. Die Chinesen nannten dies „trüb und dunkel“ und hielten diesen Zustand für den höchsten erreichbaren geistigen Zustand.

Konfuzius soll gesagt haben, wenn er ein zweites Leben hätte, würde er es dem Studium der Wandlung (in Form des klassischen Buches der Wandlungen, des „Yi Jing“ oder „I Ging“) widmen.
Die Daoisten gingen noch weiter. Während Konfuzius und seine Nachfolger, die konfuzianischen Ärzte und Schöpfer unserer heutigen chinesischen Kräutermedizin, an Studium und unausgesetzte Mühe glaubten, erklärten die Daoisten, Studium hätte überhaupt keinen Sinn. Es ging ihnen vielmehr um Loslassen, Verwirrung, Rausch, Extase.
Denn “das Dao, das benannt werden kann, ist nicht das wahre Dao”. So steht es im „Dao De Jing“, dem Buch über das Dao und die magische Kraft (De).

Kreativität: die Intelligenz des Fühlens und des Nicht-Wissens

Die Intelligenz des Chaos ist eine Intelligenz des Nicht-Wissens. Sie ist kindliches, nicht kaputtgedachtes, spontanes Entstehenlassen. So, wie wir uns dunkel an etwas erinnern, um gleich es gleich darauf wieder zu vergessen. Ein endloser Kreislauf, bei dem immer wieder neue Bilder aufsteigen, bis gelegentlich eines kommt, das genügend Kraft besitzt, um Form anzunehmen. Für eine Weile.
So funktioniert Kreativität.
Viele Menschen, die gerne kreativ wären, verweigern sich diesem ständigen Loslassen. Sie vertrauen nicht darauf, dass das, was sie brauchen schon irgendwann aus dem Dunkel aufsteigen wird.
Sie fürchten sich vor der Dunkelheit. Dem Kontrollverlust.

Das Yin- die dunkle Mutter

In der chinesischen Medizin nennen wir dies eine Yin- Schwäche. Sie geht oft mit Schlafproblemen einher.
Wenn wir zurück ins Chaos sinken, ins Dunkel, so ist dies ein Yin Vorgang. Wir lassen los, wir vergessen. Wir werden still. Wenn wir aus dem Dunkel auftauchen, mit einer neuen Eingebung vielleicht, so ist dies Yang. Im Chaos begegnen sich die beiden Bewegungen des Absinkens und des Auftauchens.
Yin Intelligenz gehorcht  geheimen Mechanismen, die wir kognitiv nicht verstehen können. Es ist eine Welt des Fühlens. Fühlen ist Wissen, das im Körper entsteht und dort, immer wenn wir es nicht fühlen wollen, zu Krankheiten führt, die wir dann fühlen MÜSSEN.

Das dunkle Yin wurde den Daoisten als die große Mutter des Seins verehrt. Als die Quelle, aus der alles fließt. Daoismus ist eine weibliche Philosophie. Die einzige, die wir kennen.

Da all dies nicht in Worte gekleidet werden kann, streiten ängstliche Menschen rundwegs ab, dass hier überhaupt irgendetwas Brauchbares zu holen wäre.
Ängstliche Menschen fordern, dass Wissen den Gesetzen der Statistik zu folgen habe. Wissen soll abspeicherbar sein und jederzeit abrufbar.
Ängstliche Menschen laden ihr iphone regelmäßig auf, damit sie bei Bedarf alles googlen können- und damit sie dabei gleich auch noch nachsehen können, ob sie immer noch 735 Freunde bei facebook haben.
Information, Beziehungen, alles muss jederzeit nachkontrollierbar und erreichbar sein.

Reproduzierbarkeit: “Eine Erneuerung findet nicht statt”

Vor allem aber: Es muss reproduzierbar sein, das heißt, es muss nach Bedarf jederzeit immer wieder auf die gleiche Weise wiederholbar sein. Das schließt jede Erneuerung von vornherein aus.

Chinesische Medizin ist nicht besonders gut an der Reproduzierbarkeits- Front. Ohne Zweifel lässt sich statistisch nachweisen, dass bestimmte Kräuter oder Punkte in einem bestimmten Prozentsatz von Fällen bestimmte Reaktionen hervorrufen. Aber so richtig doll sind all diese Studien nicht.
Sie bringen sie uns kein neues Wissen. Sie bestätigen nur einen Bruchteil der Dinge, die chinesische Kräuterärzte ohnehin schon wussten. Solche Studien sind also vollkommen nutzlos- außer um zu rechtfertigen, dass es überhaupt chinesische Medizin gibt. Das brauchen wir aber nicht.
Der chinesischen Medizin geht es um etwas, das sich niemals in Studien greifen lassen wird. Um Heilung.

Heilung ist immer wieder neu

Die Heilung eines einzelnen und unvergleichlichen Menschen von seinem ganz individuellen Leid ist nicht wiederholbar. Sie ist genau genommen auch nicht weiter aufsehenerregend.

Erneuerung und damit auch Heilung ist eine Grundfunktionen biologischer Systeme. Heilung ist immer eine Möglichkeit. Im Buch des Leben gibt es nur Heilung oder Tod. Von chronischen Krankheiten ist nicht die Rede. Wobei ein jahrelanges freudloses Dahinsiechen mit chemisch abgedämpften Lebensprozessen und künstlich animierten Emotionen wohl dem Tod zuzurechnen wäre.

Ängstliche Menschen beherrschen seit ein paar hundert Jahren die Euro-Amerikanische Medizin. Ängstliche Menschen wollen feste Realitäten- oder zumindest eindeutige Statistiken- und vor allem wollen sie, dass sich niemals etwas ändert.
Daher ist Heilung in dieser Medizin kein Thema. Tod übrigens auch nicht. Nur Empfängnis wird gerade eben noch erlaubt. (wenngleich technisiert, so weit es geht, am liebsten im Reagenzglas.)

Der Chinesischen Medizin ist dies alles gleichgültig.
Chinesische Medizin wandelt sich seit mehreren Tausenden von Jahren und hat schon schlimmere Dummheiten überlebt als Statistik und Google.
Chinesische Medizin folgt den Gesetzen des Chaos und hier ist Wandlung eine Selbstverständlichkeit. Heilung geschieht in jeder Mikrosekunde.

Wie andere alte Medizintraditionen schöpft chinesische Medizin aus dem fühlenden Wissen des Schamanismus- der Urmedizin. Sie beruht nicht auf Trennung und Analyse und Stillstand, sondern auf lebendiger, fließender Verbindung zwischen allen lebenden Systemen. Sie entzieht sich der Logik der Reproduzierbarkeit. Sie ist kreativ und erneuert sich selbst, wie das Leben, aus dem sie entsteht.

Wir können davon lernen. Ich schreibe also weiterhin meine Akten mit Füller (oder wie zur Zeit mit wackligem Kugelschreiber) und ich frage weiterhin echte Menschen nach dem Weg und wenn mir nichts mehr einfällt, dann setze ich mich auf einen Berg.

Gil Scott-Heron sang einst: “The revolution will not be televised.”
Wir können heute hinzufügen: “Healing will not be googled.”

“Amazing” findings on alternative cancer treatments

Are you kidding me? Is this all you can come up with?

I prefer to write on healing and healing rituals. I am into the force of the dragon fire, shamanic acupuncture and Chinese medicine and ancient medical literature.
This blog is about empowering people to do their own healing. It is about love.

stopping death?

stopping death?

But sometimes I have to indulge in some useless ranting.
Here it goes:

This satire goes out to the part of the medical community who engages in useless discussions aka blatant stupidity  to discredit the things I care about: The Healing Arts.

Today I found an article from “Medscape” in my inbox ( I am open for everything new- even though this seems to be a one way street, as we shall see ).

This article was not on my favorite subject ( neurobiology ) but I had to read it because of the title:

“Mythbusters: Complementary and alternative treatments in Cancer.”

I read the article. I had to. Right?
I did not learn anything new and I did not even expect much, because at first sight I noticed that they had left out Qi Gong and Chinese herbal medicine and many other things like Amazonian plant doctoring, rituals, ayurveda…

There are lots of things that can cure people, that are being practised worldwide, which we still do not know a lot about.
What we do know is, that Qi Gong and Traditional Chinese herbal medicine are proven to make a difference in cancer therapy.

Whoever is seriously interested in cancer treatment knows about Qi Gong and Traditional Chinese herbal medicine.

The effectiveness of these modalities has been proven by countless studies, most of them from China. But somehow these studies never make it into the big European or American Medical Journals. And new (or age old) medical knowledge is only accepted once it has been published in one of these papers- who take care to reject everything threatening to the existing medical paradigm.

Still, even though there is this east- west- gap in the transmission of knowledge,  doctors and healers who care about  their cancer patients can try to find out on their own and many of them do.

Does it really matter were a medical modality originates from or whether some Journal approves of it- as long as it helps people?

In 1984 I still had to study Chinese to get serious information on Chinese medicine. In 2014 all a doctor would have to do is go on the internet to find lots of information on acupuncture, Chinese herbal medicine and Qi Gong- freely available in English.
It is common knowledge. Or could be.

But even in 2014 for some reason this article leaves out the two of most promising approaches to cancer therapy there are: Qi Gong and Chinese herbal medicine.

I really wonder why. Or, frankly, I do not. Medicine is not free. It is a hierarchically organized and strictly supervised industry.
So if the Chinese insist that Chinese Medicine can kill cancer- just let them. Who cares how they cure cancer “over there”?

The general existence of herbal treatments is acknowledged in this article- albeit as a warning:
“Many patients don’t realize that herbs and supplements — one of the most common complementary interventions — are drugs, and that some have been shown to interact with chemotherapy and can be harmful to patients,” explains Steven Novella, MD, a neurologist and assistant professor at Yale University School of Medicine.

This is brilliant. Thank you Dr Novella! Without you we would probably never have known that herbs were drugs. We would probably have thought herbs were, well, herbs. Silly us.
Of course herbs are drugs. The very word “drug” originally meant “dry herb”: “drug” and “dry” being the same word in older times.
And to think about the malignancy of these drugs: while being totally without effect when it comes to helping people, all of a suden these herbs interact with other stuff just to harm people.
Or could it be, just saying, that the harm might actually come from the chemotherapy? After all, Chemotherapy is really just a form of poisoning. Chemotherapy is executed with poisonous chemicals.
Did you not know that Dr Novella?
Let me explain, in case you missed that class in medical school: While Chemotherapy kills cancer cells it does not make any difference between cancer cells and cells in general. It is “non-selective”, which is the biggest problem in Chemotherapy: Chemotherapy kills every cell that reproduces and this is what living matter is all about: Reproduction.
(BTW: Chemotherapy can be made to be more selective by combining it with herbal medicine. For those who, for some silly reason distrust everything Chinese: This has been proven in Isreal and published in English.)

But let us not dwell on the things left out. Why insist on Chinese herbs in cancer therapy? There might be other interesting things.
The medscape article on alternative cancer treatments starts promising enough:
“When it comes to treating cancer, “there are no magic bullets,” we are admonished by a Dr. Rosenthal. “Patients need proper, evidence-based guidance to get the best possible care and to avoid risky treatments.”

This is deep. Is it not?
I do treat cancer patients and my heart goes out to everybody who is fighting a life threatening condition and to everybody who tries to be of service to them.
I respect serious criticism on the things I do- I understand that Chinese medicine and alternative treatments are healing arts that are still exotic for many people.

Lets read some more:
The Medscape article adds some really wise admonitions about cancer therapy not being entirely about reducing tumor size.
We are told that the well being of the patient is something to consider as well.
Now there’s a thought! This is even deeper than the thing about the magic bullets.
So how do we achieve this important well being of cancer patients?
We make fun of the things that actually help them feel better.  

The cancer treatment modalities picked out for that fun making purpose are:

  • exercise
  • acupuncture
  • massage therapy
  • sugar free diet
  • nutritional supplements
  • reiki
  • meditation.

As this is an American article it starts with a discussion on the benefits of exercise.
(In America everybody knows that exercise is good, as is drinking lots of water, taking at least seven kinds of supplements and always wearing sunscreen, even indoors)

And what do we find: Cancer patients who exercise live longer.
Brilliant. Again.

As it has been found that those who benefited most from exercise were those who burned 3000 calories a week, the even more brilliant conclusion is, that we must insist that our clients run or swim every day for one hour.
Yoga or other soft techniques that do not burn calories will not help, we are told.
Qi Gong, the most important soft technique in the treatment of cancer is of course left out.
But at least now I know why: It must be because people who practise Qi Gong as a form of cancer treatment tend to put on weight. Now terrible life threatening weight loss is one of the things cancer patients have to deal with- but, hey, weightloss is good!

So instead of teaching cancer patients Yoga or Qi Gong we put them on a threadmill while they get their Chemotherapy.
They actually do it. They even wrote it down. I did not make this up.

I certainly could have never come up with anything so clever: Let them save time while they still can.
This is absolutely brilliant.

Just a tiny word or two, seeing that for all the other treatments discussed later on so much importance is given to flawless study design:
Could it be, that the cohorts were biased? In other words: Is there a tiny bit of a possibility that people who vigorously run for one hour everyday are a bit more on the energetic side to begin with- Could it be, that they lived longer because they were more healthy and therefore more resistant to poisoning by Chemotherapy in the first place?
Just a thought.

What I am more perplexed about is how they managed the whole double-blindness thing. Double-blindness is very important in medicine. Double-blindness means that neither the patients nor the doctors know what is going on. Double-blindness is the most important criteria to decide on whether medicine is good medicine or bad medicine.
Good medicine is when everybody is ignorant about what is going on. Otherwise it is not science. This is exactly the problem with acupuncture. So I have been told for years.
Now: Did the jogging patients know, that they were exercising and did the doctors know too? In that case the studies are pretty useless- you know? How can people brilliant enough to put people on a threadmill while giving them Chemotherapy forget about something so simple as double-blindness?

There you go listing gazillions of studies proving the general wonderfulness of exercise in cancer treatment and every single one of these studies forgets about the basic rule on double-blindness.
On the other hand, when it comes to acupuncture you remember all too well:

“In a 2012 systematic review, researchers identified 15 randomized controlled trials (RCTs) evaluating the efficacy of acupuncture for reducing cancer pain alone or in combination with analgesics.[12] Although acupuncture was no more effective at relieving pain than drug therapy, patients who received acupuncture alongside a pain medication reported significantly less discomfort compared with those who only received analgesics. Still, the authors could not draw firm conclusions about the pain-relieving benefits of acupuncture, given that most of the trials were poorly designed.”

The list goes on.
Many studies show that acupuncture really helps. Against nausea, vomiting, pain, heat flushes. It makes people feel better and sleep better.
But people knew that they were given acupuncture and the doctors knew that they were putting needles into patients. So all these findings must be discarded. And rightfully so:
How can acupuncture ever be taken seriously by the scientists if it is executed by people who know what they are doing.

Being myself an acupuncturist who always tries to know what she is doing I get a strong feeling of rejection. I feel left out. But, hey, this is science we are talking about. I should probably not take this too personally.

Worse is, that acupuncture, being a medical system that has survived and improved for millennia, seems to have gotten quite out of hand.  We try to treat everybody. What a pretension!

In the article a certain Dr Gorski points out: “If you have an intervention that claims to treat everything from infertility, headaches, back pain, and dry mouth from radiation, it is more likely a treatment that is good for nothing and simply relies on placebo effects. In my opinion, the evidence for acupuncture is weak, at best.”

Now infertility, headaches, back pain, and dry mouth from radiation are actually ailments that have been proven to be treated effectively with acupuncture, over and over again. We all know that these and many others are effectively cured with acupuncture.
But I can see how being able to do so many things, even if you can prove that you actually can do them, is simply preposterous.
Other medical systems, such as, say, Western medicine, would never go as far as claiming that they are in charge of nearly everything.

Massage therapy is the next therapy picked out to be made fun of by Medscape.  I learn that there are not so many studies to prove the effectiveness of massage therapy as there are for acupuncture. But I also learn, that this does not really matter because the studies on massage are as flawed as they are in acupuncture:  People know when they are being massaged and so does the therapist ( although, come to think of it, in China and in Japan many massage therapists ARE blind … ):

“The evidence in support of this practice, however, is mixed. Many studies report that massage alleviates a range of symptoms, including pain, nausea, anxiety, depression, and stress, but often the study methodology is flawed, making it difficult to provide definitive recommendations.”

Feeling better, getting well, being happier and more resilient is of no use in cancer therapy – you need to play by the rules and prove it. Right?
This is especially important as massage therapist seem to be such brutes as gentle Lisa Corbin, MD, has found: Potential harmful effects of massage range “from bruising to internal hemorrhaging, fracture, and increased pain or infection”.

I will stop here because I already learned so much about alternative cancer treatments. I am positively overwhelmed.

  • Instead of being ripped to pieces by a brutal massage therapist it is much gentler and also more scientific for cancer patients to sweat on a threadmill while receiving Chemotherapy by a blind doctor.
  • Qi Gong is useless because it does not burn 3000 calories a week which for some reason seems to be very important for cachectic (skinny) cancer patients.
  • And never, ever, take herbal medicine because herbs are drugs and only work for the Chinese.

The Book of Changes- a holy book of China

Accept my apologies: The Dao De Jing is not the only good book there is (but close)

Some time ago I wrote, that the “Book of the Way and the Power”, the Dao De Jing ( also known as “Tao Te King” ) was the only book one really needed to study to become a good Chinese shaman doctor. This may have been a bit polemic. But for me there is no doubt that the reading and reading and reading again of this tiny little pearl of ancient wisdom has changed my way of thinking more than any other book.

I think that in its deepness and challenge to the mind there are not many books that come close to Laozi’s Dao De Jing. Some might argue, that one very strange Chinese classic is even stronger:

The Book of Changes- the Yi Jing

The “Book of Changes“, the Yi Jing ( also known as I Ging ), is a condensation of ancient wisdom which may be rooted way before civilisation as we know it. Nobody knows where it came from. In ancient China most of the books with “jing” in their name had no known author.
( Laozi, the “father” of the Dao De Jing is not a real person- he rode backwards on a buffalo out of this world and was sometimes depicted with a fishtail- clearly some shamainc figure.)

We should probably translate Jing as “Holy Books”- even though there is no religion involved. Studying, not just reading, a Jing makes us whole again.

It has been said the Jing originated in Heaven as “Diamond Books”. Heaven is the place,  were the all Images originate that condense into material forms on their way down.
A transformation from Yang into Yin.
“Images” are not Platonic ideas- the transformations happens more often and easily the other way round: From matter back into spirit. It is harder to stay in the body than fly out of it.
The ancient Chinese ( as in Qi Gong ) did their best, to keep a balance between these two movements.
The Yi Jing is about the mechanisms of these changes- from a strictly formalistic point of view. No God, no judgements, no good, no bad. Just endless transformations, beginning from anywhere and leading to anywhere. There are no limits.
The code of the Yi Jing has been likened to the DNA by people who think it is a good thing to state that “these ancients already knew something”. We should re- think the thinking that lies behind such patronizing attitudes.
It would appear, knowledge much superior to ours has been around for a very long time.

When a heavenly book has descended it takes a form that humans can read. There are many legends about this.
On earth a Jing might appear as a silk scroll, hidden in a jewel encrusted box, buried away in some deep mountain cave, patiently waiting for some advanced and exceptional human being who was destined to find it. Destiny was important in this: Heaven decided who could find a Holy book. You could not just walk out and look for one or rather, many people did but never found one. The possesion of a Jing was a matter of great taboo. It could not be passed on carelessly but only to predestined pupils and whoever received it had to smear their mouth with the blood of a white chicken and swear an oath to treat it respectfully. Otherwise heaven’s punishment would be rather crass.
( I will not go into this here, however, I am writing about these stories in my new book and I have been completely overwhelmed by some of them. )

The Yi Jing must have been one of these books.

Holy Books of Chinese Medicine

I once read about a famous doctor of the Song dynasty ( Liu Wansu ) who fell asleep drunk and awoke to a dream in which two men in ancient costumes cut his chest open to put a book inside. After that, it was said, he became a doctor who could treat everything. I do possess the book he has written- unfortunately it is not the one, that was put into his chest. But it is still a very good medical book.
The Song dynasty ( thousand year ago ) was the beginning of modernity in China. By then shamanism and magic had already been despised for a long time by the learned classes. Yet the ancient idea, that wisdom is received and not “invented” or “thought about”  was still very much alive. Even though, by now wisdom did only come as a drunken dream about men in “ancient costumes”.

The Song dynasty was also a time, when Yi Jing studies were very much en vogue.
Studying the Yi Jing had been a way of life for a long time. One would call himself (or occasionally herself) “Yi student”.

Yi Students: Students of Change and often famous Chinese doctors.

The first famous student of the Book of Changes, the Yi Jing, was Confucius himself (he has not written it, as many people think- but he added extensive commentaries )

The Book of Changes is not a medical book- it is not on any specific subject at all. But many famous Chinese doctors, as well as most of the learned Chinese people from the Song time on have been influenced very deeply by it.

Chinese Herbal medicine owes a lot to these Song dynasty medical doctors  who brought the personal history of the client into Chinese medicine. Enlightened doctors they were and great persons too.

( A huge change from the Chinese magical medicine of olden times where the client’s personal history did not matter, as long as the doctor was a good, spiritually connected person who could drive out the evil .
Also very different from the cult of impersonalisation in modern medicine- where it neither matters who gets the disease nor who treats it and where the ideal is a machine or some double-blind-folded executor treating anonymous “cohorts” )

What to do with the Yi Jing today?

For us, today, the Yi Jing is a difficult book. We do not usually take a livetime to read a book. Some people today take about two months to write one …
But it is worthwhile to pick it up and study it a little bit every once in a while. It can not be read- it has to be opened and pondered over. Then it might make us think about life in a different way and become a stepping stone out of dualism.
Some people throw coins or sticks to find out where to open it. Thus it has been known as a fortune teller’s book and in Chinese communities this is probably what your local fortune teller will do. He will probably also rattle the coins in the shell of a magic turtle before throwing them out like we would throw dice.
In essence the Book of Changes, the Yi Jing is not a fortune teller’s book, but it can harness our subconscious and help us approach deeper levels of knowledge.
So you can use it for “fortune telling” if you must. I do try sometimes, but I never get any clear instructions. Instead I get stuck in the miriads of Changes, the endless transformations and thereby some day I might sink deeper and get out with a new mindset.
You see, the Yi Jing does not give answers. It messes up our linear thinking and pushes us out of duality if we give it half the chance.

Only a short post today to state on thing: Even though the Book of Changes is one of the great treasures of humanity and even though I do study it at times and even though Chinese medicine would never be the same without this completely unmedical astonishing Holy book of China-  I still like the Dao De Jing a little better.

Postscriptum:
In Chinese medicine and acupuncture we also have our own Jing:

The Huang Di Nei Jing- The so called “Yellow Emperors Classic of Internal Medicine”

As there are many hidden caves in China more than two books have been found by the enlightened of old. So there are more “Jing” classics or “Holy Books” in China.
The Chinese doctors have their own precious pearl: The “Yellow Emperors Canon of Internal Medicine”, the Huang Di Nei Jing.
The existing book is only about two thousand years old- not a lot for a Jing- classic. But the Nei Jing is built on very ancient material- so it can rightly be called a Jing. And as with the Dao De Jing and the Yi Jing the Nei Jing has sufficiently mysterious origins: The Yellow Emperor was no person but more something like a tribal god of shamanic times, an Earth God.
( There are many shaman gods still to be found in Chinese medicine. Like Thunder and Lightning, the two forces from the sky. )

By the way: the translation “Canon of Inner medicine” has been discussed for a long time. “Nei” means “inner”, “hidden from the world”, “invisible”, “esoteric”.
So for me the “Nei Jing” is the “Holy Book of Esoterics”.
The Nei Jing transmits the secret knowledge of ancient ( prehistoric ) times. It tells what people  did about life and dead and what they should do. It tells, why people get ill, and why some do not.
Then in the second part of the Nei Jing, in the Ling Shu- the so called “spiritual pivot” we receive deep and complex instructions on hwo to use acupuncture.
Acupuncture needles being the pivots of the ling: the spiritual or life-giving force that in another time the shamans sang down to earth.
Another very difficult book, not to be read but pondered over or to be “chewed up and digested”- as they say in China. A book that leads us back in time to a place, where people knew.

Was wollen die Krankenkassen?

Allerlei lustige Begebenheiten aus dem Alltag einer Feld- Wald- und Wiesenärztin.

Diesmal:

Lustiger Ärger mit einer Privatkasse.

“Liebe Frau Li,

 meine Krankenkasse hat nachgefragt und ich hoffe, Sie können mir die Frage beantworten.
 
Der Text lautet: „Aus der uns eingereichten Rechnung können wir nicht schließen, dass es sich bei Frau Bodenschatz-Li um eine Behandlerin im Sinnet unserer Versicherungsbedingungen handelt. Zur Prüfung unserer Leistungspflicht bitten wir Sie uns Unterlagen einzureichen, aus der die Approbation (Zulassung) ersichtlich ist.“
 
Können Sie mir dazu etwas geben?
 
Herzliche Grüße,
Ihr K.”

“Lieber Herr K.,

das ist ganz offensichtlich reine Schikane und eine riesige Unverschämtheit. Ihr Sachbearbeiter braucht nur auf das Hamburger Ärzteverzeichnis zu gehen und meinen Namen zu googlen. Dann erscheine ich mit Adresse und allem.

http://www.aerztekammer-hamburg.de/patienten/hamb_aerzte.htm

Sollte Ihr Sachbearbeiter nicht über Internet verfügen, kann er die Ärztekammer auch einfach anrufen. Ein Telefonbuch hat er ja wohl.

Lieber Gruß und lassen Sie sich nicht vergrämen, das geht wahrscheinlich noch ein paar Runden, 

Herzlich,
Ihre Christine Li”

Nein, das ist nicht lustig.

Wieder und wieder diese Briefe. Dieser unnötige Zeitaufwand.
Schikanen, Insinuationen, Verzögerungen, Diffamierungen und schlichte Unverschämtheiten.
Warum?

Ärztin der Ärzte

Meine Rechnungen rechnen sich- viel Heilung für wenig Geld.
Ich zieh niemandem das Fell über die Ohren und gesund werden auch eine Menge Leute- unter anderem, weil ich ihnen den Raum dafür gebe. Darum geht es doch.
Viele Kollegen wissen das.
Die Hälfte meiner Klientel stammt aus dem medizinischen Bereich.
Die “Ärztin der Ärzte”- wurde ich neulich genannt.
Die Kassen wissen es auch. Oder, warum kommen so viele Sachbearbeiter und “höhere Tiere” der privaten Kassen Hamburgs in meine Behandlung.

Was wollen die Krankenkassen?

Um Geld geht es nicht. Sonst würden sie ganz anderen Ärztegruppen auf die Finger schauen, statt den “kleinen Krautern”. Es geht auch nicht darum, die Patienten vor “Quacksalbern” zu schützen, also vor Menschen ohne Zulassung durch irgendeine Kammer, die weder Heilpraktiker noch Ärztinnen sind, sondern zum Beispiel Freundinnen, die ihrer Freundin ein paar selbstgesammelte Kräuter als Tee zubereiten. Solche Menschen richten deutlich weniger Schaden an, als das restliche medizinische System.

Was wollen die Kassen? Wenn es nicht das Geld ist und nicht die Sicherheit ihrer lieben Kunden?

Vielleicht wollen sie gar nichts?
Was die Sachbearbeiter der Krankenkassen betrifft, so mag dies zutreffen. Sie traben nur blindlings mit im Heer derer, die durch eine Ethik, die auf darwinistischem “nach mir die Sintflut” und “der Mensch ist dem Menschen ein Wolf” basiert statt auf gegenseitigem Respekt, zu heillosen Einzelkämpfern gemacht worden sind.
Jeder kämpft für sich allein. Für eine Beförderung. Für Prämien. Für einen besseren Bürostuhl.
Sachbearbeiter von Krankenkassen, so wurde mir gesagt, bekommen eine Art Kopfgeld für jede Rechnung, die nicht erstattet wird. Das klingt vollkommen bizarr- erwachsene Menschen, die sich für ein paar Euro zum Affen machen- anstatt sich offen und hilfsbereit um die Anliegen der Menschen zu kümmern, die sich an sie wenden.
Ich mag es kaum glauben.
Andererseits “machen das doch alle”.

Mitakuye Oyasin- alles ist miteinander verwandt

Jeder kämpft für sich allein. So haben wir es gelernt. “Schau, wo du bleibst, sonst bist du der Dumme”. “Second winner-first loser”. Eine Ethik die auf darwinistischem “nach mir die Sintflut” baisert, satt auf gegenseitigem Respekt, muss krankmachen.

An unserer Umwelt sehen wir dies seit circa vierzig Jahren. In unserer Innenwelt findet das Gleiche statt. Denn es ist so:
Wer keine heile Beziehung zu anderen Lebewesen hat, und damit meine ich nicht die “große romantische Liebe” sondern ein komplexes Beziehungsgeflecht zu allem, was lebt- menschliche und nicht- menschliche Personen- der gesamten Mutter Erde- der kann auch in sich selbst nicht heil und gesund sein. Die Beziehungen in unseren Körpern sind Spiegel der Beziehungen zu allem um uns.
Das wurde in chinesischen Medizinklassikern wie dem Neijing genauso beschrieben wie in den Mythen, dem “Gesetz”, der Aborigenes Australiens. Es ist das Prinzip des: “Wie innen so außen”. Das “Mitakuye Oyasin” der Lakota. Wir sind alle miteinander verflochten.

Seelenverlust

Solange wir miteinander verflochten sind, können die Traumata des täglichen Lebens abgefangen werden. Wo wir uns, in Angst oder Schreck, verlieren, spiegeln uns die anderen, Menschen, Tiere, Pflanzen, Gewässer und Felsen, bis wir uns wiederfinden. Sobald das Netz gegenseitigen Respekts zwischen den Lebewesen verfällt, verfallen auch die Beziehungen in uns selbst.
Die Menschen werden sprachlos, desorientiert, entfremdet, technologiefixiert. Ich nenne das “Seelenverlust“- da es ein Zustand ist, bei dem die Menschen nicht mehr in sich wohnen, sich nicht mehr fühlen und bei dem, zuletzt, der Körper, wie ein leerstehendes Haus, ganz verfällt.

“Seelenverlust” ist kein schwärmerisches New-Age konzept. Es ist eine Beschreibung unserer zunehmenden Fragmentierung und Vereinzelung, wie sie Angehöriger einer traditionellen Kultur vielleicht wählen würden. Vielleicht.
Vielleicht würden sie auch nur, wie die Gallier bei Asterix konstatieren: “Die spinnen, die Römer”. Das ist auch in etwa das Gleiche. 

Krank ist krank.

Für viele Jahre waren Ärzte an allem Schuld.

Wenn Leute krank sind und nicht gesund werden, sind die Ärzte schuld.
Klar, viele Ärzte profitieren munter, so wie all die anderen Menschen, die “für eine Handvoll Dollar”, für “Dreißig Silberlinge” ihre eigene Großmutter, ihren Heilland oder ihre Patienten an die Pharmaindustrie zu verkaufen. Sie kaufen sich ein paar Maschinen und schieben alle Leute dort durch. Das kostet wenig Mühe und die Kassen bezahlen es gerne. Dass aus all diesen teuren Fotographien wenig Nutzen erwächst, ist jedem bekannt. Aber, “man muss schließlich betriebswirtschaftlich denken und eine Praxis ist in erster Linie ein wirtschaftlicher Betrieb”.

Diesen vernünftigen und gut sozialisierten Menschen stehen ausreichend viele Spinner entgegen: Ärzte und Ärztinnen, die trotz intensiver Gehirnwäsche und grotesker Arbeits- und Ausbildungsbedingungen immer noch wild entschlossen sind, ihr Bestes zu tun und kranken Menschen zu helfen.
Von denen, die mit mir zusammen studiert haben, sind es nur wenige, die nicht längst begriffen haben, dass zwischen Heilung und unserem heutigen Medizinsystem Welten liegen und dass beide, wenn überhaupt, mit Lichtgeschwindigkeit auseinandertriften.
Wir Ärzte wissen, dass unsere Medizin krank ist.

So dumm, wie gerne behauptet wird, sind wir Ärzte gar nicht.
Wir sind nur unglaublich isoliert.

Im Verlauf des Studiums zum Einzelkämpfer sozialisiert, wursteln die meisten vereinzelt vor sich hin. Insbesondere die Kassenärzte brechen unter Bergen von Administrationsarbeiten und Vorschriften fast zusammen, die sich nur noch mit Hilfe hochkomplexer Computerprogramme bewältigen lassen.
Die meisten dieser Vorschriften haben mit der ärztlichen Abrechnung zu tun.
Ein Arzt der grob fahrlässig immer wieder Leute halb vergiftet oder unnötig verstrahlt, bekommt längst nicht so viel Ärger wie ein Arzt, der die Abrechnung vermasselt.

Wenn es nicht so weit hergeholt wäre, könnte man fast annehmen, die Ziele der Kassen seien:

  1. Ärzte davon abzuhalten, ihre eigentliche Arbeit zu tun.
  2. Ärzte davon abzuhalten, sich untereinander zu vernetzen.
  3. Bei den Patienten Misstrauen gegen ihre Behandler zu schüren.

Divide et impera. Teile und herrsche.
Das alles könnten die Krankenkassen wollen.
Die einzelnen Sachbearbeiter, wenn die Legende mit dem Kopfgeld denn zutrifft, wollen gar nichts. Sie spielen nur mit. Wegen der dreißig  Silberlinge. Denn Geld stinkt nicht, wie uns seit zweitausend Jahren eingetrichtert wird.

no pasaran!

no pasaran!

Der Auftrag der alten Lakotafrau

Lass Deine Stimme hören!

Beinahe hatte ich es vergessen. Es ist viele Jahre her, da schenkte ich meiner kleinen Tochter zum Geburtstag eine Reise zu den “echten” Indianern. Wir reisten zum ersten Mal zum Sonnentanz im Land des Lakota Volkes.
Nachdem der heilige Baum wieder abgebaut war, blieben wir noch einige Zeit auf der Büffelranch eines Freundes, Fred, dessen Sohn im Alter meiner Tochter war und der freundliche Pferde besaß, auf denen die beiden ohne Sattel über die Prärie galoppierten.
Inzwischen hatten wir uns angewohnt, unter freiem Himmel zu schlafen. Beide Kinder hatten in diesem Sommer ihre Erfahrungen mit schwarzen Witwen gemacht und mit den winzigen „brown recluse“ Spinnen, deren Bisse die Gesichter der Kinder bis zur Unkenntlichkeit entstellt hatten. Die beiden klagten nicht, denn beim Sonnentanz ist Schmerz der Weg zu den Geistwesen.

singing spiderwoman

singing spiderwoman

Aber neue Bisse wollten wir nicht riskieren und Spinnen beißen eher im Zelt oder im Haus, wo sie sich in die Enge gedrängt fühlen. Im Freien huschen sie meist einfach davon. Genau wie die Klapperschlangen, deren Bisse wir noch weniger riskieren wollten.
In jener Nacht schwitzten wir in einer Schwitzhütte, die seit Generationen an diesem Ort gestanden hatte. Der sehnsüchtige Gesang der Koyoten drang von draußen zu uns herein. Als wir aus dem Bauch von Mutter Erde krochen, hingen Wolken wie eine schwere dunkle Decke über der Prärie. Wir vier lagen nebeneinander auf unseren Matratzen und ließen uns von den dicken Tropfen, die bald schon herabprasselten in den Schlaf spülen.

Als ich aufwachte, war der Himmel klar und schwarz. Unzählige Augen zwinkerten vom Himmel herunter. Die Koyoten waren längst verstummt. Meine Tochter und unsere neuen Freunde schliefen tief und fest.
Day and Night by Christine Li
Aber ich war nicht die einzige, die wachte. Ich fühlte eine atemlose Präsenz. Neben einer kleinen von Sträuchern stand sie, in altertümlichem Lederkleid, umwabert von weißen Wolken. Sie sah mich an. Mein Herz raste davon. Unmöglich, die anderen zu wecken, denn nicht einmal einen Finger konnte ich bewegen.
Sie verstand wohl meine Angst, denn auch sie bewegte sich nicht. Ihre Augen ruhten auf mir, als wollten sie mir sagen: Fürchte dich nicht.
So verharrten wir. Ich in Starre und sie in zeitloser Ruhe. Langsam, ganz langsam, fand ich meinen Atem wieder. Sie stand immer noch da und wartete, bis ich endlich statt Panik nur noch ruhige Aufmerksamkeit fühlte.
Da begann sie zu reden. Es klang wie Lakota. Eine Sprache, die ich immer noch nicht verstehe. Einen einzigen Satz sagte sie und sah mich an.
Ich versteh dich nicht“, dachte ich.
Da wiederholte sie den Satz. Wieder und wieder und in Gedanken wiederholte ich die unverständlichen Laute, bis ich endlich Silbe für Silbe mitdenken konnte, was sie mir sagte.
Sie sah mich noch einmal an und nickte mir zu. Dann löste sie sich auf und dann waren dort, am Rande des kleinen Gebüsches, nur noch die weißen Nebelschwaden.

Eine Weile blieb ich wach liegen und wiederholte die Worte in meinem Herzen, bis ich mir ganz sicher war, sie niemals wieder zu vergessen, oder zumindest nicht bis zum nächsten Morgen.
Als die anderen Menschen erwachten, erzählte ich Fred von meiner Vision.
„Ja“, sagte dieser. „Die Frau lebt da seit langer Zeit. Allerdings erscheint sie nur Kindern und Verrückten.“
Er grinste bei diesen Worten.
„Sie hat etwas gesagt“, sagte ich. „Auf Lakota.“
Ich wiederholte, so gut ich konnte, die langsilbigen Worte: „Weißt du, was das heißt?“
Er nickte: „Lass deine Stimme hören!“
„Und was meint sie damit?“
„Vielleicht meint sie, du sollst beten?“
Das wollte ich tun.
Was sonst konnte sie meinen. Was sonst hätte ich sagen sollen und wer außer der Geisterwelt wollte mir zuhören?
Im Laufe der Jahre vergaß ich die Indianerfrau und ihren seltsamen Auftrag.

Nun, nach langer Zeit, sehe ich sie wieder vor mir, die alte Indianerin in ihrer schönen alten Tracht.
Lass deine Stimme hören!

Inzwischen gibt es doch so einiges, was ich gerne sagen möchte.
Oder vielleicht ist es auch nur eine einzige Sache:
Es ist an der Zeit, dass wir Menschen uns wieder selbst heilen.

Zu sehr sind wir verängstigt worden. Uns ist eingeredet worden, Heilen sei eine komplizierte Sache, nur für Experten, und selbst dann meistens unmöglich.
Lange Zeit habe ich das selbst geglaubt. Wie auch nicht. Wenn menschliche Körper, ihre Anatomie, ihre Physiologie, all die komplizierten Prozesse im Körper doch nahezu unverständlich sind. Wie könnte es nicht den Experten vorbehalten sein, sich da einzumischen?

Dann, nach und nach, sind Zweifel in mir erwacht.
Heilung geschieht immer wieder und in jüngster Zeit oft immer leichter. Spontan und ganz ohne Experten. Diese sind, nach vielen Jahren und milliardenschweren Investitionen in Forschung, nach Kilometern von Büchern und Diskussionen, dem Geheimnis von Heilung kaum näher gekommen. In der Zwischenzeit sterben immer mehr Menschen an den Nebenwirkungen neuer, kaum erprobter Wundermittel. Da forschen sie vor sich hin, die Illusion, dereinst das Wesen von Heilung zu begreifen, unerreichbar vor der Nase, wie die Karotte, die man dem Esel vor der Nase baumeln lässt, damit er läuft und läuft.

Dabei ist Heilung gar nicht so schwer.
Mitgefühl ist der Schlüssel.
Bescheidenheit.
Respekt.
Stille.
Den Rest macht der Körper.