Erkältung, Triefnase, Heuschnupfen und jede Menge Hausmittel

Nase voll?

Nase voll?

Hausmittel und andere Gedanken zur Triefnase

Was raus muss, muss raus

Heutzutage ist für viele akzeptabel, lautstark zu brüllen, wenn es um Kartharsis (Reinigung) geht. Einige Therapien empfehlen und fördern dies auch.
Herumbrüllen ist angeblich authentisch, befreit und nimmt den Druck von der Seele.
Ach ja? Und was geschieht mit den Zuhörern?
Ich persönlich finde es nicht förderlich, wenn Menschen immer gleich losbrüllen. Manches muss raus, anderes darf gerne noch verdaut werden, ehe es anderen um die Ohren und in die Seele geschleudert wird.
Nicht umsonst wird ja auch vom „Auskotzen“gesprochen. Raus damit und gut?

Worte sind Waffen.

Da es andere verletzen kann, wird das Auskotzen, wie Waffengebrauch im allgemeinen, auch nur denen erlaubt, die in der Hierarchie oben stehen.
(In manchen „Ländern“, wie zum Beispiel dem Internet, erweitert sich diese Erlaubnis auch auf diejenigen, die gerne oben stehen würden. Am Ende gibt es dann die beliebten „Shitstorms“)

Die solchermaßen verletzten sollen sich, bitteschön, zusammenreißen, nicht so hysterisch sein und sich nicht so anstellen. Im Notfalls sollen Sie Humor zeigen. Gar nicht so leicht. Ich jedenfalls möchte keinen Shitstorm über mich hereinbrechen sehen.

Wer materiell kotzt, darf sich gerne über das Klo knien. Wer herumbrüllen ( oder beleidigen ) möchte, gehe bitte in den Wald- und entschuldige sich hinterher bei den Wesen, die dort leben! Mutter Erde verliert nämlich auch gerade die Geduld mit uns Menschen.

Das ist mein Ernst: Wenn wir böses Qi verbreiten, sollten wir dies mit freundlichen Intentionen wieder neutralisieren.

Am Rande ein Tipp für Stadt-Schamanen:
Statt dazu nun Tabak in der Gegend rumzubröseln, reichen in diesen ein paar freundliche und ehrliche Worte oder, noch besser ein kleines Liedchen. Auch Müllsammeln wird gerne akzeptiert.
In meiner persönlichen Erfahrung freuen Wald und Bewohner sich sehr darüber, wenn jemand ein Stückchen Erde sauber räumt- vor allem voll all den glitzernden kleinen Plastikteile, möglichst noch mit Spuren künstlicher Aromastoffen dran, die von Tieren geschluckt werden könnten.
Tabak hingegen ist zum Beten gedacht.

Weinen gilt, im Unterschied zum Herumbrüllen, als Mittel der Schwächeren. Dabei ist es deutlich verfeinerter als wildes Herumbrüllen. Es verletzt andere nicht und Tränen fließen erst dann, wenn der Kummer das ganze System durchlaufen hat. Vor dem Reinigen steht die Destillation, Schmerz, tiefes Erleben. Was uns beim Weinen verlässt ist tief erlebtes, reines Gefühl. Die Essenz unserer Schmerzen.

Tränen besitzen die magische Kraft des Herzens. Nicht umsonst werden in vielen Märchen verzauberte Menschen durch die Tränen einer „reinen Jungfrau“ oder eines „unschuldigen Kindes“ erlöst.

Eine sehr weise, kluge und gar nicht schwache Freundin klagte jüngst, ihr häufiges Weinen würde ihr immer wieder vorgehalten und als Schwäche ausgelegt werden und bat mich, etwas darüber zu schreiben.

Bitteschön!

In der chinesischen Medizin gelten Tränen als die Essenz des Herzens oder auch der Nieren. Tränen reinigen die Nieren und das Herz.
Die Seele verfeinert sich beim Weinen.

Weinen ist ein Gebet. Die Geister hören es, denn es kommt von Herzen.
Genauso wie das herzhafte Lachen (Lachen, nicht: aufgedrehtes Gegröhle). 
Aber heute geht es nicht um mein Lieblingsthema, das Weinen.

Heute geht es um andere Formen der Reinigung. Jahreszeitlich bedingt vor allem um die „Erkältung“. Den Heuschnupfen als Reinigung habe ich ja im Frühjahr besprochen.

Wir erinnern uns: Wenn etwas aus dem System heraus muss, dann muss es raus.
Der Druck ist groß. Unsere Körper besitzen eine ganze Anzahl von Ventilen.

Alte Medizinsysteme bedienen sich dieser Ventile.
Unsere alte europäische Medizin verwendete

  • das Aderlassen
  • die Emesis (Erbrechen)
  • das Purgieren (Abführmittel, Klistiere)
  • die Diurese (Harntreiben)
  • die Diaphorese (Schwitzen).

Die klassische Chinesische Medizin übrigens auch. Die großen Ärzte der Songzeit verfeinerten diese Techniken und schrieben ausführliche Anleitungen darüber, die bis heute zur Verfügung stehen.

 

Beispiel Erbrechen (Emesis):
Erbrechen ist nicht schön, hilft aber gegen zähen Schleim, wie eben bei Migräne. Viele Migräne Patienten wissen, dass ihre Symptome sich bessern, nachdem sie erbrechen. Der Körper hilft sich selbst. Wenn wir dieses Erbrechen nun verstärken und vorher allen Schleim im Magen versammeln. Dann kann es geschehen, dass das Zeug für immer den Körper verlässt.  
Vor vielen  Jahren habe ich einmal einen kleinen Jungen mit schwerer hartnäckiger schleimbedingter Migräne gewollt ausgiebig zum Erbrechen gebracht. Seine Mutter war entsetzt. Die Migräne verschwand sofort und kam bis heute, über zwanzig Jahre später, niemals wieder. Erzählte mir, kürzlich, die Mutter.

 

Erkältung, Triefnase und Heuschnupfen

Woran kaum jemand denkt, ist, dass auch die Nase ein Ventil nach aussen darstellt. Erkältungen und Heuschnupfen sind eine weitere Möglichkeit, meist zu bestimmten Jahreszeiten, alles mögliche aus dem Körper herauszuwerfen.

Rotz reinigt die Lunge und das Hirn. Schnupftabak für einen klaren Kopf hilft daher wirklich.

Erkältungen haben ihre reinigende Funktion. Für viele Menschen sind Erkältungen der jährliche Hausputz und eine willkommene Gelegenheit, sich ins Bett zu legen und neu zu sortieren. Das Gefühl, einen benebelten Kopf und schwere, unbewegliche Glieder zu haben, ist oft der Auftakt, bevor alles wieder ins Fließen kommt.

So ein Reinigungsprozess wird meist durch Kälte ausgelöst. Es kann das Wetter sein. Erschöpfung der eigenen Herzenswärme. Oft als Reaktion auf Angriffe durch emotionale Kälte.
Manch einer erkältet sich als Reaktion auf Kümmernisse, Enttäuschungen und Kränkungen. Liebeskummer ist ein ganz, ganz großer Erkältungsfaktor, denn wenn das Herz erkaltet, können wir dem kalten Wetter nichts mehr entgegenhalten. Wir erkalten.

Überhaupt die Dauerfrierer: Vielleicht kennen Sie das alte Sprichwort: „Kalte Hände Froschnatur, von der Liebe keine Spur.“ Mehr über Kälte schreibe ich dann im Winter…

 

Wenn Kälte in den Körper, die Seele eindringt, aktiviert sich das Drachenfeuer und kocht alles wieder raus. Nach oben und außen. Zur Nase. Durch die Haut.
Wenn die nächste Erkältung ansteht, achten Sie mal darauf, was da alles raus möchte.

Der beliebte Heuschnupfen hingegen ist eher eine Form von Frühjahrsputz. Bei Heuschnupfen geht es nicht um Kälte, sondern um unklares, feuchtes, oft klebrig warmes Qi. Oft erzeugt durch dauerhaftes Grübeln und eine geschwächte Mitte.
Der Ursprung dieser Zustände sind oft jahrelanger Kummer und mangelndes Selbstwertgefühl. Um dieses loszuwerden, benutzt der Körper Reizstoffe von außen, die alles noch mehr anschwellen lassen, bis es dann losfließt.
(Wer keinen Heuschnupfen bekommt, bekommt in dieser Lage vielleicht eine Sommergrippe oder irgendeine andere Art von Durchfall.)

Das heißt nun nicht, dass wochenlange Schnieferei, sei es durch Heuschnupfen oder Erkältungen, sein müssen. Aber statt die vehement tropfende Nasenschleimhaut einfach mit irgendwelchen Grippemitteln zu blockieren, mit den bekannten Nebenwirkungen: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gewichtszunahme, das heisst noch mehr Innere Feuchtigkeit, tun wir gut daran, andere Ventile zu öffnen.
Was raus muss, muss raus. Am liebsten schnell.

(Das Gleiche gilt natürlich auch für die Durchfälle, die in der chinesischen Medizin in bestimmten Fällen, aber nicht immer!, mit Abführmitteln behandelt werden. Hier ist eine genaue chinesische Diagnose sehr, sehr wichtig.)

Einfache Mittel bei Erkältungen, Grippe, Brummschädeln und Triefnasen

Ein altes hiesiges Hausmittel bei blockierter Nase ist das Hochziehen von Salzwasser. Es verflüssigt den Rotz und befreit die Nase und kennt gar kein Pardon. Es fließt und fließt bis alles draußen ist. (Mir persönlich zu sehr.)
Andere riechen an einer Zwiebel, die entgiftend und antiviral wirkt und, wie allgemein bekannt, auch alles fließen lässt. Ganz harte Menschen stopfen sich Knoblauch in die Nase, was in den meisten Fällen viel zu heiß ist und die Schleimhäute zu sehr reizt.

Akupressur: Ein wichtiger Akupressurpunkt bei Triefnase liegt direkt neben den Nasenflügeln. Chinesen tragen hier Chinaöl (Minzöl) oder Tigerbalsam auf. Das öffnet die Nase.
Zwischen den Augen, an der Nasenwurzel, liegt ein weiterer Punkt (den manche als das dritte Auge kennen), der den Kopf befreit, wenn wir ihn leicht klopfen oder Chinaöl (Minzöl) auftragen.
Weitere Punkte liegen an den Schläfen und im Nacken und in der „Schwimmhaut“ zwischen Daumen und Zeigefinger.

Bei Akupressur wird nicht gerubbelt, bis die Haut abgeht- wir reiben oder klopfen leicht, um das Qi zu stimulieren. Scharf- duftende Öle helfen dabei.

Zu Beginn einer Erkältung, solange der ganzer Körper schmerzt, wenn wir also noch frösteln und noch nicht fiebern, sind Schwitzkuren effektiver, um dem Drachenfeuer zu helfen.

Wenn wir ohnehin schon heiß und schwitzend im Bett liegen, ist es für die Schwitzkur logischerweise zu spät.
Akupressur, insbesondere der Punkt an der Hand, an der Schwimmhaut zwischen Daumen und Zeigefinger, der dann unter Umständen richtig schmerzt, ist aber immer einen Versuch wert.

Bei Heuschnupfen, ist das Schwitzen eher nicht so angenehm,da innerlich ohnehin schon ein feucht schwüles Klima herrscht. Bei hitzigen Symptomen hilft eher kühles Öffnen der Oberfläche, durch hochkomplizierte entzündungshemmende und reinigende Rezepturen, die zum Beispiel Minze und Forsythienblüten enthalten. Fertige Mischungen gegen Heuschnupfen gibt es im Internet als Granulat oder Tabletten zu bestellen und kosten nicht viel. Frische, wirksamere Mischungen sollten individuell verordnet werden. Die traditionelle chinesische Medizin verwendet solche Mischungen bei einem großen Spektrum von Infekten und Entzündungen.

Hilfreich bei Feuchtigkeitsproblemen wie Heuschnupfen ist immer, Weizen, Milch und Süßigkeiten streng zu vermeiden. Dies allein reicht bei vielen Menschen schon, um den Heuschnupfen in den Griff zu bekommen (und ein paar Pfunde zu verlieren und das Bindegewebe zu straffen. Chinesinnen kennen keine Cellulitis…)

Es gibt außerdem ein einfaches Mittel, das bei hitzigen und frösteligen Symptomen, das heißt bei Heuschnupfen und Erkältungstriefnase gleichermaßen, einen Versuch wert ist: Die Wassertrinkkur. Ich beschreibe sie weiter unten.

 

Die allerbeste Schwitzkur bei Erkältung (nicht bei Heuschnupfen)

 

Noch einmal: Bei Heuschnupfen wollen wir den Körper nicht erhitzen, hier empfehle ich Diät (siehe hier oben) und die Wassertrinkkur (weiter unten).

Die Chinesen, und inzwischen viele Menschen im Westen, trinken bei einer Erkältung heißes Ingwerwasser. Es reicht aber nicht, einfach ein paar Stückchen Ingwer in ein Glas heisses Wasser zu werfen. Das schmeckt gut, hilft aber wenig.

So funktioniert die Ingwerwasserkur bei Erkältung:

Dazu wird ein walnussgroßes Stück Ingwerknolle gewaschen und mit der bräunlichen Haut kleingeschnippelt und in zwei Tassen Wasser kurz aufgekocht und zehn Minuten ziehen gelassen.
Sie können auch einfach nur ein großes Stück Ingwerhaut verwenden.

Ingwer aus biologischem Anbau sieht klein und schrumpelig aus, hat aber deutlich mehr Schärfe in der Haut und ausserdem soll man Kranke ja nicht vergiften…

Die scharfe Brühe wird  in kleinen Schlucken heiß getrunken.

Erklärung: Die Ingwerhaut enthält die meisten scharfen, schweißtreibenden Stoffe. Daher wird die Haut bei der Schwitzkur auf keinen Fall abgeschält. Nur so öffnen sich die Poren und die Erkältung verlässt den Körper.

Da die Poren offen nun sind, ist es entscheidend, sich gut vor Zugluft zu schützen. Sonst ist es hinterher schlimmer als zuvor.
Daher legen wir uns unbedingt ins Bett und decken uns zu und bleiben liegen, bis das Schwitzen von selbst aufhört.

Zugluft ist ein Grund dafür, warum manche Menschen nach einer gutgemeinten Sauna kränker sind als vorher.
Kurz ein paar Worte zur Sauna. Dann gehts weiter mit noch mehr Hausmitteln bei Erkältung und Heuschnupfen.
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Originally posted 2015-10-01 15:56:56. Republished by Blog Post Promoter

Heilung chronischer Krankheiten: Was raus muss, muss raus

Viele Krankheiten, die hierzulange als chronisch gelten, sind es nicht.

Das heisst, chronisch sind diese Zustände schon. Aber „Krankheit“ ist meist der falsche Begriff für Symptome, die immer dann auftreten, weil Menschen ein neues Leben anfangen wollen, weil sie im falschen Leben stecken, weil sie eine neue Vision brauchen, weil sie noch niemals die waren, die sie eigentlich sein könnten.

Solche Symptome werden chronisch, weil wir dies alles, das Leben nämlich, nicht erlauben. Und wer lebt schon so, wie die innere Stimme es sich erträumt.

In einem älteren Videoclip, dem ersten von sechs kleinen Filmen über Heilung, erzähle ich von einer modernen Raupe, die dank supermoderner Medizin für immer Raupe bleiben darf- nicht wie ihre altmodische Großmutter, die einst aus der Haut fuhr und auf- und davonflog.

kein leichter Weg

kein leichter Weg

Was raus muss, muss raus: Die Haut

Diese Regel gilt nicht nur für Raupen, die sich auf schmerzhafte Weise aus dem Kokon brechen müssen. Ans grelle unbekannte Licht, dort, wo der erste Vogel sie fressen könnte.
Sie gilt auch für die meisten Haut-AUS-schläge. Die chinesische Medizin geht daher bei „Neurodermitis“ (atopischem Ekzem) oder Acne rosazae (Röschenflechte) und co, ganz anders vor als die technische Medizin.
Nicht Deckel drauf- sondern raus damit.
Dazu ist es günstig, das Cortison abzusetzen, dass oft ohnehin nur in schädlich hoher Dosierung noch ausreicht, den Deckel festzuhalten. Dann gibt die chinesische Medizin einen Mix aus Kräutern, die das „wahre“ Qi, die inneren Impulse die hervorkommen möchten, befreien, idealerweise kombiniert mit genau der richtigen Menge an weichmachenden und befeuchtenden oder lindernden Kräutern, um zu verhindern, dass die Haut ganz und gar aufblüht und der Prozess milde (am besten fast unmerklich, aber niemals unterdrückt) verläuft.
Nach jahrelanger Cortisonverwendung sind solche Prozesse allerdings nur von echten KünstlerInnen zu steuern. So rabiat unterdrücken (wie vorher mit der Cortisontherapie) lassen sich die Symptome im Verlauf der traditionellen chinesischen Behandlung meist nicht.

Aber nach einiger Zeit der Anwendung von traditionellen Kräutermixturen  beruhigt sich alles wieder und wir beginnen ein neues Leben in neuer Haut.
Mehr über chinesische Dermatologie und darüber, welche „Krankheiten“ erfahrungsgemäß gut ansprechen, schreibt unter anderem mein Kollege Marco Massari in München.
Im Wesentlichen aber gilt auch bei Hautkrankheiten, wie immer in der chinesischen Medizin, wir behandeln nicht Krankheiten, sondern wir helfen individuellen Menschen, ihr Qi wieder in die richtige Bahn zu lenken.
Hautkrankheiten sind oft Ausdruck von Wachstum und Veränderung, weshalb ja gerade Kinder oder Menschen in Umbruchsituationen (z.b. alternde Menschen) so heftige Reaktionen zeigen können.
Die Heilung besteht darin, die Veränderung anzunehmen und zu leben.

Was raus muss, muss raus: Die Menstruation

Über Menstruation habe ich im „Weg der Kaiserin“ bereits ausführlich geschrieben. Wenn es zu starken Blutungen kommt, verlässt überschüssige Hitze den Körper. Für Frauen ist dies eine regelmäßige Reinigung, die jedoch immer auch etwas schwächend ist, weshalb sich menstruierende Frauen gut pflegen sollten und gelegentlich stärkende Kräuter benötigen.

Was raus muss, muss raus: andere starke Blutungen

Hitze in Form von Blut kann auf viele verschiedene Weise austreten.

  • Blutige Ausschläge
  • Nasenbluten
  • Bluthusten
  • blutige Stühle
  • Bluterbrechen
  • blutiger Urin
  • Blutstürze (Metrorrhagie)
  • Gehirnblutung

In vielen dieser Fälle ist die Hitze stark und „giftig“. Dazu kommt es etwa nach langem Siechtum, langer, emotionaler oder anderer Vergiftung (Alkohol, Medikamente, Gifte). Emotionale Gifte, teils von den Ahnen übernommen (epigenetisch), sind aber eigentlich immer dabei. Wenn sich genug Gifte, oft als sogenannte „Massen“ angehäuft haben und das Qi  lange Zeit  blockiert wird, laufen die inneren Kräfte (die „Drachen“) Amok.

Blutige Ausschläge, Nasenbluten, Bluthusten, blutige Stühle, Bluterbrechen, nicht zu stillende Blutstürze und Hirnblutung sind aus dieser Sicht Versuche der Selbstheilung, die aber leider tödlich verlaufen können.
Auch hier würde die Chinesische Medizin versuchen, die Hitze zwar soweit zu kühlen, dass die Blutungen stehen, aber gleichzeitig dem Körper zu helfen, die Blockaden und Gifte auf andere Weise zu entfernen. Das ist sehr schwer und knifflig und nicht immer kommt die chinesische Medizin hier noch rechtzeitig.
Je früher die Therapie beginnt, umso mehr Aussicht auf Erfolg gibt es. Leider kommen aber viele Menschen erst dann, wenn alle anderen Mittel nicht mehr anschlagen und der Körper restlos geschwächt ist. 
Ein Kollege und guter Freund, der zusammen mit mir in China studiert hat, ein wahrer Experte für chinesische Kräuter, der sich auch mit sehr komplizierten Krankheiten auskennt, ist Dr. Volker Scheid.

Was raus muss, muss raus: Die Wechseljahre

Frauen, insbesondere menstruierende Frauen gelten als „zickig“. Die Wahrheit ist: Menstruation ist eine regelmäßige Abkühlung, die bei Frauen, unter anderem, dazu beiträgt, dass diese im gebärfähigen Alter eben gerade nicht aus der Haut fahren.

Wer kleine Kinder zu versorgen hat, muss zu Zeiten kleine Brötchen backen. Eigene Wünsche stehen lange Zeit hinten an. Auch Frauen, die keine Kinder gebären, sind durch diese physiologische Bremse oft viel eher dazu bereit, lieb und nett in zweiter Reihe zu stehen als Männer. Noch gedämpfter, wahre „fleißige Bienchen“, werden Frauen übrigens durch die „Pille“, die selbst die kleinen prämenstruellen Aufwallungen (PMS) noch verhindert.
Unter dem Strich lassen sich Frauen deutlich mehr gefallen als Männer. Manche Kulturen (unsere) gewähren Frauen daher einen gewissen institutionellen Schutz. Andere verzichten sogar darauf nahezu komplett.

(Männer verfügen nicht über einen solchen automatischen Abkühlmechanismus wie die Menstruation. Oft lernen sie daher schon im Teenageralter, ihre übersprudelnden Temperamente selbst zu beherrschen, um brav zwölf Stunden am Tag auf einem Stuhl zu sitzen.)

Frauen hingegen werden hingegen regelrecht überrannt, wenn die Blutungen aufhören und ihre Emotionen und Passionen und Kraft sich mit einem Mal anhäufen. Wohin mit dem ganzen „Wumm“?. Die berühmt berüchtigten Hitzewallungen und Schweißausbrüche der so wunderschön  treffend „Wechseljahre“ genannten Lebensphase verlaufen umso aufregender, je weniger Raum für Entfaltung die Frau sich geschaffen hat.
Frauen fahren dann buchstäblich aus der Haut, weil es drinnen eben schon lange zu eng ist.
Statt sich dafür zu begeistern, fühlen sie sich deswegen schuldig oder defekt. Sie isolieren sich und beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Und dann ist auch noch die Bluse dauernd so peinlich nass!

Aus einem Brief an mich: „… habe das Gefühl, das ich seit einiger Zeit mit mir und meiner Umwelt überhaupt nicht mehr zurecht komme. Mir fällt  es sogar schwer es hier in Buchstaben zu verfassen, weil ich nicht weiss, wo ich anfangen soll. Ich kriege meine innere Unruhe nicht in den Griff, bin ungerecht und mitunter aggressiv gegenüber meinen Mitmenschen. Auch machen mir und meiner Umgebung meine Stimmungsschwankungen arg zu schaffen, was zur Folge hat das sich einige von mir abwenden, ich aber auch mitunter lieber zu hause bleibe, um ja nicht wieder mit meiner schlechten Laune auf andere Menschen zu treffen.“

Das „aus-der-Haut-fahren“ ist nicht gerade angenehm. Aber es ist Ausdruck einer regelrechten Grundsanierung.
Tiefe Ängste werden „geschmolzen“. Spuren und Reste jahrzehntelangen Bravseins. Geburtstraumen, Operationen, Unfälle, Überfälle, Gewalterfahrungen (sexuell, psychisch) und nicht überwundene Verlassenheitsängste, Verluste und Trennungen.  Alles kommt hoch. Das Drachenfeuer sorgt dafür. Die schamanische Kraft.

Herzschmerzen

Männer haben genauso Zugang zu dieser Kraft. In jüngeren Jahren sind sie bekanntlich deutlich wilder. Sie leiden auch oft, entgegen des Klischees, weitaus intensiver unter Liebeskummer als Frauen. Dann beginnen sie, unter Druck von außen, schon in jungen Jahren damit, ihre Leidenschaften zu unterdrücken und ihr Herz abzukühlen. Nach ein paar Jahren brav hinter dem Schreibtisch ist das Herz zu Eis erstarrt und die inneren Drachen toben zunehmend wütend dagegen an.  Das Herz gerät in Gefahr und die Angst vor Angina pectoris oder Herzinfarkt oder Hirnblutung wächst.
Andere sind durch jahrzehntelange Erschöpfung, oder durch blutdrucksenkende Medikamente, bereits so abgekühlt, dass die Drachen ermatten (Burnout Syndrom).
Depression, Impotenz und Gewichtszunahme sind Ausdruck dieses Ausgebranntseins, des burnouts, aber ich sehe sieauch oft einfach als Wirkung bei der Einnahme von Mitteln gegen Bluthochdruck. Hier haben selbst die Drachen die Lust verloren und um diese wieder zu erwecken, bedarf es einiger Bemühungen.

Drachen sind wild. Sie wollen tanzen und alter Ballast ist ihnen im Weg.
 Also muss er weg. Egal wie (aus Drachensicht).

Was tun? Zu starkes Bluten und Aus-der-Haut-fahren sind nicht so schön. Eine weitere Möglichkeit ist die Verflüssigung der Blockaden. Triefen, Rotzen und Schwitzen und dann möglichst noch Durchfall und Erbrechen. Auch diese Art der Reinigung sind nicht so beliebt. Darüber hatte ich ja schon geschrieben.
Und dann gibt es noch das Weinen: Die tiefste Art der Reinigung. Das heilige Gebet.

Hier fällt Ihnen vielleicht ein wiederkehrendes Thema auf:

Unsere Körper sind gar nicht so böse, wie wir meinen. Sie sind zutiefst weise. Sie möchten gesund sein und gesund heißt wild. Auch wenn sie uns mit lästigen Symptomen ärgern: wir dürfen ihnen vertrauen.
Schließlich sind wir der Körper.

Wenn wir unsere Symptome annehmen, uns hineinfühlen und versuchen, dem Körper-uns zu helfen, statt ihn-uns mit allen Mitteln zu bekämpfen, erleichtern wir uns das Leben. Der Körper-wir, sind gut, so wie wir sind. Auch mit Rotznase und schuppiger Haut oder wütend aufgequollenem Bauch. So ist es eben, in diesem Augenblick.
Wenn wir aufhören, uns außerhalb des Körpers-uns selbst zu sehen und uns mit diesem-uns selbst wieder völlig vereinen, geht vieles wie von selbst. Die lästigen Symptome verlaufen dann milder und klingen ab.

Und worin besteht die Rolle der chinesischen Medizin?

Sie heilt natürlich nicht, aber sie hilft bei all dem. Sie ist eine der letzten kostbaren Vermächtnisse aus jener längst vergessenen Zeit, als die Menschen noch wussten, wie Leben funktioniert.
Kräuter, genau wie weise ausgewählte Nahrung, bringen uns wieder in Kontakt mit der lebendigen Umwelt. Sie unterstützen und nähren die inneren Prozesse (eventuell sogar bei sehr weitreichender Verwirrung und Blockade).
Die Seelentechnologie der alten Schamanen, die Akupunktur, bringt uns zurück in den Körper. Je weiter außerhalb des Körpers wir schweben, umso schmerzhafter kann die Akupunktur werden. Solange, bis wir uns wieder von innen fühlen. Sind wir wieder ganz innen angekommen, tut es nicht mehr weh. Dann erinnern wir uns, es ist gar nicht so schlimm. Das Leben.

 

 

 

 

 

 

Heilen ist schön- aber die Reinigung…

Heilen ist schön- aber so ganz von selbst geht es dann auch wieder nicht. Der Körper muss gereinigt werden.

Das Heilung immer möglich ist, behaupte ich gerne und immer wieder.
(zum Beispiel auf diesem Vortrag)
Ich will allerdings nicht verschweigen, dass jede Heilung eine Transformation ist und somit eine Veränderung, der sich nicht jede/r so ohne weiteres stellt. Heilung heisst auch nicht unbedingt, dass der Körper die Prozedur überlebt. Heilung heisst Erneuerung.

Um uns zu erneuern, muss das Alte raus: Entmüllung und Reinigung.

Bei der innerlichen Körperreinigung hakt es oft.

Warum?

Es ist nicht so schön.

Gestern erst beschwerte sich eine Klientin, sie sei seit ihrer ersten Sitzung so unglaublich müde und sie habe entsetzlich stinkende Darmentleerungen.
Was sie vergaß, war, dass zur gleichen Zeit ihre gesamten, nicht unerheblichen, Krankheitsbeschwerden komplett verschwunden waren.Eine andere war etwas beunruhigt, dass sie eine Woche lang fieberte und schwitzte. Allerdings verschwand zur gleichen Zeit ihr vernichtender Rheumaschmerz und die seit vielen Jahren deformierten, zum Teil völlig blockierten Gelenke lockerten sich.
Das alles hatte erst sie gar nicht bemerkt- vor lauter Schreck. Auf irgendeinem Weg muss im Verlauf der Heilung all der materielle Dreck erstens mobilisiert und verflüssigt werden und zweitens den Körper verlassen.
Durchfälle, Schwitzen, zwei klassische und schnelle Wege der Reinigung. Dennoch sind viele davon irritiert.

Andere stürzen sich Hals über Kopf in den Heilungsprozess (und stürzen notfalls sogar im Supermarkt).

Wie diese unerschrockene Klientin:

„Liebe Frau Li,

ich weiß nicht, ob Sie sich an mich erinnern können. Denn es suchen Sie bestimmt viele verschiedene Personen auf, und eigentlich ist es nicht wirklich wichtig für das, was ich jetzt schreibe. Ich möchte einfach ‚Danke‘ sagen und dass ich froh bin, Sie aufgesucht zu haben. Es war eine gute Entscheidung.
Ich habe Sie im März diesen Jahres aufgesucht, mit dem Wunsch, Sie mögen mir doch bitte ein Erlebnis aus den Körper holen, das mir in den Knochen liegt.

Ich bin heute noch erstaunt über die Erfahrung und was für eine Entwicklungsreihe Sie damit losgetreten haben.
Sie sind mir eine wahre Pfortenöffnerin gewesen. Ich kam damals nicht mehr weiter in der Entwicklung, aber nach dem Besuch bei Ihnen schlug die Türe für den weiteren Weg auf.

Ich möchte aber auch erwähnen – und ich muss heute dabei sehr über mich grinsen-, dass Sie mich damals ziemlich eingeschüchtert haben.

Ich kann mich heute noch erinnern, wie nervös ich unter Ihren Augenschein wurde, weil Sie so präsent sind und ruhig. Ich habe vorher noch nie eine Frau getroffen, die einfach so „da“ ist und mich wahrnimmt. Das hat mich fasziniert und gegruselt zugleich.
Irgendwie schön, aber aushalten konnte ich damals trotzdem nicht. Dabei hätte ich so gerne noch das ein oder andere gefragt. Auf jeden Fall war es recht gescheit von Ihnen, mir nicht zu sagen, was in den nächsten Wochen über mich hineinfallen würde. Sonst hätte ich vielleicht vorab Angst gehabt. Sie haben mich darauf hingewiesen, dass etwas die nächste Zeit passieren würde und dass ich mich oft hinlegen sollte. Aber… puh… das konnte keiner erahnen. Ich hatte solche Schmerzen, als würde sich mein Körper zurecht zurren. Ich habe gestunken, gefiebert und ständig gedurstet. Ich hatte von ein auf dem anderen Moment Panikattacken und fühlte mich völlig losgelöst, einen anderen Tag hatte ich das Gefühl, als würde mir jemand auf der Brust stehen und ich bekam keine Luft. Das war mitten im Supermarkt und ich dachte mir, ich setze mich mal besser auf den Boden neben dem Regal, dann kann ich zumindest nicht fallen. Ich habe später noch geheult, gewütet und einiges mehr.

Liebe Frau Li, das war wirklich eine Wucht.
Dann war es ganz vorbei und es kehrte Ruhe in mir ein.

Und seit dem…. ist einiges Schönes passiert.

Ich kann unter anderem endlich wieder angstfrei Buss fahren.
Ich habe damals vor Freude geweint und bin ständig wieder Buss gefahren – nur so zum Spaß, weil ich es kaum glauben konnte. 
Meine Allergie hat sich ganz zurück entwickelt und ich habe mich weiter entwickelt. Ich fühle mich wieder selbstsicherer und habe mehr Vertauen in mir.

Ein Bisschen, als wenn ich mehr geworden wäre.

Frau Li, vom Herzen ein großes Dankeschön! Es ist so gut, dass es eine Ärztin wie Sie gibt. Ich werde Sie irgendwann ein zweites Mal aufsuchen, wenn ich darf. Aber jetzt noch nicht. Noch passiert viel in mir und um mich.
Ich wünsche Ihnen bis dahin alles Gute und weiterhin viel Kraft für Ihre Taten!
In Dankbarkeit,

Ihre
N.“

Für die, die jetzt nicht abgeschreckt sind, hier noch ein bisschen Medizintheorie zur Heilung und Reinigung

4 Zeichen, dass sich lange Zeit blockiertes und körperlich manifestiertes Qi mobilisiert und löst

  • Fieber (calor)
  • Rötung (rubor)
  • Schwellung (tumor)
    und leider auch:
  • Schmerz (dolor)

Calor, rubor, tumor und dolor sind in der europäischen Tradition der Humoralpathologie die klassischen Anzeichen einer Entzündung- die von der modernen Medizin immer gleich im Keim erstickt wird.
Klar, Entzündung kann der Anfang vom Ende sein. Sie kann aber auch der Anfang vom Neuanfang -der Heilung- sein.

Keine Veränderung ohne Krise.
Auch die alte europäische Medizin sprach viel von der „crisis“: Der Zeit der Entscheidung.

crisis: Die Karten des Lebens werden neu gemischt.

Die Aufgabe des Arztes war nicht, die crisis zu verhindern, sondern die Patienten heil durch diese Initiation hindurch zu geleiten. Zum Beispiel mit kühlenden Wickeln und aufweichenden Kompressen, mit Aderlässen, Brechmitteln, Schweißtreiben und Abführmitteln.
Kommen wir also zum nächsten Punkt:
Irgendwo muss das aufgelöste Zeugs hin!

Physiologische Wege der Reinigung von krankmachendem Zeug

Was raus muss, muss raus.
Heutzutage bevorzugen die meisten Menschen ew, lautstark zu brüllen oder, notfalls zu weinen, wenn es um Kartharsis (Reinigung) geht. Klar, das machen wir auch. Ich bin eine große Verfechterin des Weinens. Tränen reinigen die Nieren und das Herz.
Nicht ganz so gute Presse haben Erkältungen und Heuschnupfen. Dabei sind gerade diese beiden nichts weiter als ein Versuch, alles mögliche aus dem Körper herauszuwerfen.
Rotz reinigt die Lunge und das Hirn. Schnupftabak für einen klaren Kopf hilft daher wirklich.
Heuschnupfen ist eine Form von Frühjahrsputz.
Auch Erkältungen haben ihre reinigende Funktion. Für viele Menschen sind Erkältungen der jährliche Hausputz undeine willkommene Gelegenheit, sich ins Bett zu legen und neu zu sortieren. Die lästige Triefnase und das Gefühl, enen benebelten Kopf zu haben, sind in Wirklichkeit der Versuch, unnutzen Nebel loszuwerden.
So erkältet sich so mancher als Reaktion auf Kümmernisse, Enttäuschungen und Kränkungen.

Liebeskummer ist ein ganz ganz großer Erkältungsfaktor.
Wenn demnächst die Erkältungszeit ansteht, achten Sie mal darauf, was da alles raus möchte.
Das heißt nun nicht, dass wochenlange Schniefnasen, sei es durch Heuschnupfen oder Erkältungen, sein müssen. Aber statt sie einfach zu unterbinden, mit den bekannten Nebenwirkungen: Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Gewichtszunahme, tun wir gut daran, andere Ventile zu öffnen.
Das gleiche gilt auch für die meisten Haut-AUS-schläge.
Was raus muss, muss raus.

3 klassische Wege der heilenden Reinigung

Im Osten wie im Westen kennt die Heilkunst drei klassische Wege der Reinigung:

  • Erbrechen
  • Schweißtreiben
  • Purgieren (Abführen).

Die drei reinigenden Methoden helfen dem Körper, alte Gifte loszuwerden. Dabei verlässt auch die Hitze den Körper und die, durch Entzündung erhöhte, Körpertemperatur sinkt. Schweißtreiben und Purgieren sind in China bis heute verbreitet.

Mit Blut, dem kostbaren Saft, gehen Chinesen sehr sparsam um. Literweise Aderlässe wie bei den westlichen Doktoren vergangener Zeiten, sind tabu. Aber auch ein harmloser, quasi symboilischer, „Aderlass“ in Form winziger Tropfen Blutes aus ganz bestimmten Akupunkturpunkten wird in Notfällen (das Fieber steigt zu sehr, es kommt zu Fieberkrämpfen oder Delirium) mit großem Erfolg verwendet. Da die Chinesen großen Wert auf glückverheissende Zahlen, vor allem die drei legen (die vier bringt Unglück), zählt der Aderlass zu den „drei Methoden“. 

Vom Erbrechen sind die meisten chinesischen Ärzte abgekommen. Das ist verständlich, aber auch schade.
Nichts macht einen klareren Kopf als tiefes Erbrechen.

Tiefes Erbrechen (im Amazonas: „la purga“) heißt nicht „Finger in den Hals“.
Tiefes Erbrechen heißt, es muss mehr kommen als der Mageninhalt. Dazu braucht es reinigender Kräutermixturen, die dabei helfen, Schleim aus allen Meridiane zu mobilisieren und buchstäblich „Gift und Galle“ zu erbrechen.

Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor vielen Jahren einmal einem tapferen kleinen Jungen geholfen habe, der jahrelang unter extremer Benebelung und Migräneattacken litt: Beides Zeichen von Schleim.

Wir verwendeten ein Brechmittel gegen den Schleim. Wenn der Schleim draußen ist, wird der Kopf wieder klar. Es war eine echte Rosskur: Nach ein paar Tagen vorbereitender Diät, den Kräutern, den Nadeln, ging alles sehr schnell, kurz und hässlich. Die Mutter saß im Nebenraum und beherrschte sich auf bewundernswerte Weise, während ihr kleiner Junge gurgelnd vor einem großen Eimer kniete.
Der tapfere kleine Junge ist mittlerweile ein großer Mann mit abgeschlossenem Studium. Migräne hat er seit jenem Nachmittag, an dem er über dem Eimer kniete, nie wieder bekommen.

Also hier, zum Mitschreiben:
Heilung ist immer eine Möglichkeit- aber irgendwo muss der Dreck hin.

Wer ökologische Bedenken bei dieser Reinigung des Körpers hat: Wenn schräges Qi unseren Körper verlässt, verliert es seine Bedeutung. Es wird wieder zu Qi.

In der Chinesischen Medizin gibt es kein gut und böse, es gibt nur Qi, das in die falsche Richtung strömt.

 

der Weg der Mitte: halb gut ist gerade richtig

Sünde? oder einfach eine runde Sache?

Sünde? oder einfach eine runde Sache?

Ja. Ich beantworte Ihre Briefe. Wenngleich eher im Brief-Rhythmus des vergangenen Jahrtausends, als im email- Rhythmus.

Der Beweis?

Hier ein Briefwechsel zu Fragen der Mitte, der Diät, des Grübelns und des Selbstwertgefühls.

 

 

 

 

Ich hab da eine Frage zu einem Rezept in Ihrem Chinesische Hausmittel-Buch

Sehr geehrte Frau Li,

vor Jahren schon hatte ich ihr Buch in der Bibliothek entdeckt und ein paar Sachen ausprobiert. Dann habe ich es vergessen und vor kurzem wieder gefunden. Und jetzt probiere ich mit Freuden alle möglichen Rezepte aus.
Jetzt hätte ich eine Frage zu einem bestimmten Rezept.
Bei den Tees stehen ja immer die Zeiten dabei, wie lange man sie jeweils kochen soll. Sind denn das Richtwerte? Kann man die Tees auch länger kochen lassen? Oder verändern sie dann ihre Wirkung? Zum Beispiel steht bei der chinesischen Perlgerste gegen Feuchtigkeit, dass man sie 20 Minuten kochen lassen soll. Sind denn 30 Minuten auch okay, oder verändert sich dann, wie gesagt, die Wirkung?

Vielen Dank schon einmal für Ihre Antwort und vor allem für so ein schönes Buch.
Es macht wirklich Spaß die Rezepte auszuprobieren, auch wenn man seit dieser EU-Verordnung von vor zwei Jahren nur noch schlecht an manche Kräuter rankommt.
Viele Grüße

Ihre x.y.

meine Antwort:

liebe Frau Y.

Danke für Ihr Interesse an chinesischer Medizin und Ihre freundlichen Worte über mein Buch über die chinesischen Hausmittel.
Viele Menschen wundern sich, dass manche Rezepte in diesem Buch so vage gehalten sind. Das liegt daran, dass es eben chinesische Hausmittel sind und keine Rezepte aus der offiziellen chinesischen Medizin (auch wenn es natürlich Überschneidungen gibt). In der chinesischen Medizin werden komplizierte und potentiell gefährliche Krankheiten behandelt. Diese Medizin muss jahrelang studiert werden.
Die Hausmittel wiederum sind Rezepte aus Omas und Opas Küche. Verwendet wird das, was grade zur Hand ist. ist. Von wenigen Ausnahmen abgehen sind es normale Lebensmittel, oder Schalen oder sonstige Reste von Lebensmitteln. Die richten keinen Schaden an. Wie beim Kochen müssen auch die Mengen nicht so genau genommen werden. In chinesischen Küchen gibt es keine Waage.

Sie brauchen es also auch nicht so eng zu sehen. Experimentieren Sie einfach selbst. Tauschen Sie Sachen aus oder kombinieren Sie (mit etwas Erfahrung) verschiedene Mittel.
Die chinesische Gerste zum Beispiel wird einfach ganz, ganz weich gekocht. Wenn sie weich ist, ist sie fertig. Da braucht es keine Uhr. 🙂
Wer die Zeit hat, kann sie auch eine Stunde kochen, mit viel Wasser und dann die wässrig-milchige Brühe trinken. Das ist eine echte Rettungsmassnahme für ganz und gar zerrüttete „Mitten“, zum Beispiel nach einer Sommergrippe.

Viel Freude dabei,
Christine Li

Liebe Frau Li,

herzlichen Dank für Ihre schnelle Antwort … meine Mitte ist leider immer zerrüttet, ziemlich, schon seit meiner Kindheit (ich bin 40), durch pausenlosen Stress, Druck, Einsamkeit, Selbstverleugnung in der Familie.
Deswegen versuche ich seit ein paar Wochen jeden Tag lang gekochten Hirsebrei, die 7 Kostbarkeiten fürs Blut (auch lang gekocht mit Reis), gedünstetes Gemüse und Meditation zu machen. Die Perlgerste werde ich jetzt einfach auch dauerhaft einbauen…

Darf ich sie noch ein paar Sachen fragen? Ich stell Ihnen einfach mal die Fragen, aber, wenn Sie nicht antworten wollen, ist das auch in Ordnung:

– Ich trinke unheimlich gerne sehr starken grünen Tee, ein bis zwei große Tassen am Tag. Ist denn grüner Tee nun kalt oder kühl? Und macht er bei einer zerrütteten Mitte Sinn, oder ist es besser, wenn ich ihn weglasse?
– Auch 70%-ige Schokolade esse ich gerne (und zu viel: etwa 1/3 bis 1/2 Tafel pro Tag, allerdings immerhin Bio und mit Vollrohrzucker). Ist das auch „contraproduktiv“? Sollte ich so „harten Tobak“ wie Bitterschokolade und starken grünen Tee besser weglassen, weil es den Aufbau der Mitte stört?
– Und dann lese ich oft, dass es sinnvoll ist, zwei Mal die Woche Fisch zu essen. Leider gibt es (Bio-)Fisch ja nur tiefgekühlt. Tiefkühlkost soll man aber bei Kälte und Schleim im Körper doch nicht essen. Oder machen zwei Mal die Woche ein bisschen Fisch „das Kraut nicht fett“?

Verzeihen Sie mir mein halbseidenes Amateurwissen, aber ich finde die TCM und die Ernährung nach den fünf Elementen einfach sehr spannend und manchmal habe ich eine Frage, weiß aber nicht, wem ich sie stellen soll…

lieber Gruss,
Ihre X.Y.

Betreff: Re: AW: Fragen zu einem Rezept in Ihrem Chinesische Hausmittel-Buch

Liebe Frau Y,

Ihre Fragen sind wirklich interessant und Sie machen sich anscheinend viele, und unter StudentInnen der chinesischen Medizin sehr verbreitete, Gedanken zur chinesischen Medizin. Sie merken dabei selbst, dass manche Fragen nicht so klar zu beantworten sind.
Fisch, ja, aber bio, aber dann auch wieder nicht tiefgefroren. Glauben Sie mir, da haben sich Leute auf Kongressen für chinesische Medizin schon nächtelange die Köpfe heissgeredet. Nicht- Chinesen, wohlgemerkt.

Chinesen sehen es viel lockerer.
Vor vielen Jahren habe ich einmal die Vorträge eines alten chinesischen Arztes übersetzt. Nach den Vorträgen durften alle dann Fragen stellen. Es prasselte nur so auf ihn ein. Genau solche Fragen, wie Sie sie auch stellen. Über Ernährung.
Eine Schülerin wollte dann auch noch wissen, warum er, als berühmter Experte für die Stärkung der Mitte, immer Eiskrem essen würde, die doch wirklich das Schlimmste für die Mitte wäre- kalt, süss, Milchprodukte. Der vorwurfsvolle Ton in ihrer Stimme war nicht zu überhören.
Da antwortete er, halb schmunzelnd, halb ernsthaft:

„Wenn das Qi stimmt, braucht man keine Vitamine.“

(Das löste dann noch erhitztere Diskussionen aus. Manche Leute können es nicht lassen.)

 

Denn sehen Sie:

Was die Mitte am meisten schädigt, ist das Grübeln.

Oft ist Kummer der Auslöser. Bei Kummer sind wir nicht richtig traurig, wir sind nur einfach nie richtig froh. Diesen Kummer tragen viele von Kind auf mit sich herum, oft stammt er von den Eltern oder gar Grosseltern.
Wir wissen oft gar nicht recht, was nicht stimmt, aber irgendetwas stimmt nicht. Also grübeln wir darüber nach.
Grübeln findet in der Mitte statt. Die Mitte ist der Sitz unserer Gedankenseele. Die Gedankenseele lenkt das Qi. Bei den einen mit klaren Intentionen, bei den anderen mit sinnlosem Herumgegrübel. Beides verbraucht Kraft. Nur dass wir mit klaren Intentionen Neues kreieren und uns dadurch erfrischt und beflügelt fühlen, während sich beim Grübeln unser Qi im Kreis herumdreht, sich verknotet und stagniert. Die Mitte, der Quell unseres Qi, wird dadurch blockiert. Wir fühlen uns dauerschlapp und lustlos.
Medizinisch gesehen kommt bei Dauer-Grübeln und Endlos- Sorgen der Stoffwechsel durcheinander. Der Blutzucker steigt und fällt. Wir sind ständig hungrig, mögen aber nicht essen oder bekommen Heisshunger auf Süssigkeiten. Es fühlt sich mulmig und eng an im Oberbauch. Der Rockbund kneift.

Die Lösung hier wäre Meditation, lange Spaziergänge in der Natur, Angeln, Singen oder in den Arm genommen werden- alles, was die Mitte besänftigt und zur Ruhe kommen lässt. Oder auch Akupunktur, um dem Kummer radikal auf den Grund zu gehen.

Stattdessen grübeln wir.

Wir können uns auf diese Weise dick und müde denken. Wer zuviel über sein Essen nachdenkt und ständig neue Ernährungsprogramme plant, erreicht oft das Gegenteil- was dann zu noch mehr Grübeln führt.

Essen soll Freude machen. Wenn wir uns über das Essen freuen, ist von selbst genug Herz- Feuer da, um die Mitte zu wärmen.

(Interessanterweise vertragen Menschen mit heissem Herzen, zum Beispiel Kinder, oft sogar ganz kaltes Essen, Zucker und kalte Getränke zunächst recht gut. Langfristig entsteht eine Spannungssituation: denn die kalten Nahrungsmittel erfordern geradezu, dass die Kinder noch mehr Feuer aktivieren, also noch hektischer werden und dann wieder kalten Zucker brauchen. Ein Teufelskreis also. Die Folgen sind ja bekannt und Ritalin ist da auch keine Lösung.)

Und was ausserdem auch noch wichtig ist: „Mitte“ heisst ganz wörtlich: In der Mitte.
Halb gut, halb schlecht. Halb richtig, halb falsch.
Nichts ist ganz Yin oder ganz Yang. Solche dualen Aufteilungen entsprechen der westlichen Denkstruktur. Die Chinesen kennen kein entweder-oder.
Yin und Yang bringen sich gegenseitig hervor. Sie sind kein Gegensatz.
Im alten China sprach man vom Weg des Mittelmasses (wörtlich der „Weg des mittleren gewöhnlichen“.)
Konfuzius hat ausführlich darüber geschrieben.

Die Lehre vom Mittleren

Die Lehre vom Mittleren

 

„Mittelmässig“ zu sein galt als Vollendung.

(Ich weiss, ich weiss, moderne chinesische und japanische Eltern, die ihre Kinder bis in den Selbstmord treiben vor lauter Lerndruck, zeigen hier wenig konfuzianische Einsicht.)
Wir sollen gar nicht perfekt sein. Perfektionismus ist ein Zeichen von Selbstüberschätzung und zugleich von mangelndem Selbstwert. Im Perfektionismus schwanken wir zwischen hochtrabenden Plänen und völligem Burnout. Beides Zeichen einer schwachen Mitte. Immer perfekt sein zu müssen, verbraucht viel Qi und führt zu ständiger Unzufriedenheit- weil wir es natürlich nicht schaffen können.
Halb gut ist gerade richtig. Mitte heisst ausgewogen, balanciert, gelassen, zufrieden.

Für unsere Diätsorgen bedeutet das: Halb gesund, ist ziemlich prima. Das ist deutlich entspannter als all das verzweifelte Suchen nach der allerperfektesten Diät. Mit den unvermeintlichen Abstürzen, die wir dann, ganz biblisch, als „Sünde“ bezeichnen, und für die wir uns dann wieder hassen und anklagen und noch mehr grübeln.

Was Ihre dunkle Schokolade und den grünen Tee angeht, da haben Sie doch ein perfekt ausgewogenes „Mittelmass“ gefunden. Sich etwas gönnen. Naschen. Aber andererseits keine fiesen Sachen. Von nichts Unmengen. Immer schön mittendrin bleiben.

Und nun noch ein paar konkrete Antworten auf Ihre Fragen zu grünem Tee, schwarzer Schokolade, braunem Zucker und tiefgekühltem Fisch:

Grüner Tee ist kühl, aber er ist auch bitter und trocknend. Daher mag die Mitte ihn gerne, denn Feuchtigkeit schwächt die Mitte.
Schwarze Schokolade ist schwarz- und schwarze Lebensmittel gelten in der Volksmedizin immer als gut, weil schwarz die Nieren stärkt.
Brauner Zucker gilt als Mitte-stärkend, weil er süss ist und braun. In grossen Mengen ist er zu klebrig, wie alle süssen Dinge und schwächt dann die Mitte. Was dann wieder vom Tee und vom bitteren Kakao ausgeglichen wird. Genial 😉
Und den Tiefkühl-Fisch essen Sie halt, wenn Sie Lust darauf haben. Mit Freude und aktiviertem Herz- Feuer. Dann ist er auch nicht zu kalt.

Und noch etwas. Jeder Mensch ist anders. Was die einen stärkt, ist für die anderen nicht so gut. Je gelassener Sie mit Essen umgehen und umso weniger Sie nach Vorschriften essen, umso mehr werden Sie empfänglich für die Signal aus Ihrem eigenen Körper.

Und auf den eigenen Bauch hören, sich selbst ein bisschen sanfter und zärtlicher behandeln, wäre die Krönung des Mitte- stärkens und das füllt dann auch ihr kindliches Defizit langsam wieder auf.

Alles Liebe,

Christine li

PS
Wenn ich Zeit habe, werde ich Ihre Fragen, natürlich völlig anonym, für einen Blogpost verwenden, denn in dieser oder ähnlicher Form haben das schon viele gefragt. Und entsprechend viele lange Briefe hab ich auch schon geschrieben. Wir sind halt alle ein bisschen verunsichert worden. Ging mir nicht anders in meiner Kindheit:)

Liebe Frau Li,

besser spät als nie: vielen herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort. Sie war sehr hilfreich, hat mir aber auch viel zu denken gegeben.

Sollten Sie meine Erlaubnis brauchen: gerne können Sie meine Fragen im Blog anonym veröffentlichen.

Viele Grüße und lieben Dank noch einmal,
Ihre X.Y.

Nachtrag: die eher undiätetische, aber sehr runde, Blumentorte ist eine Kreation der Hamburger Taiji Lehrerin Roberta Polizzi. Sehr zu empfehlen.

 

Frühling: Zeit der Visionen, Zeit der Erneuerung

Im Jahr der Ziege immer noch gültig.

Für viele fängt das Jahr holprig an:

  • Geblähte Bäuche
  • steifer Nacken
  • Ohrensausen
  • Übelkeit
  • Zuckungen im Gesicht
  • Rippenschmerzen
  • Augenflimmern
  • Kopfweh
  • träger Stoffwechsel
  • Müdigkeit
  • Mauligkeit.
  • klebriger Mundgeschmack, belegte Zunge
  • Gelenkschmerzen.
  • und vor allem und für viele am schlimmsten:
  • Am frühen Morgen wachen sie auf. Um präzise zu sein: mitten in der Nacht. Denn die Nächte sind immer noch sehr lang. Dann liegen sie wach und schlafen erst ein, bevor sie aufstehen müssten.

Seit ein paar Wochen hat der Frühling begonnen. Ich spüre es in mir als  Erregung, Neugier, Ungeduld. Vor allem aber spüre ich es an den Pulsen der Menschen. Pulsdiagnostik zeigt mir immer wieder, wie sehr wir mit der Natur verbunden sind und wie sehr wir uns alle gleichen. Ganz gleich welche Störung: Eine gewisses frühlingshaftes Qi   spannt bereits jetzt alle Pulse wie eine Gitarrensaite. Das Qi, die Energie, eilt den Geschehnissen voraus.

Noch warten wir auf die Eisheiligen. Niemand sagt, dass es nicht noch einige Male große Kälte Einbrüche geben kann. Das ändert aber nicht daran, dass  die ersten winzigen Knospen aus den Zweigen schauen werden. Seit dem Frühjahrsfest, dem ersten Neumond des chinesischen Mondkalenders, dem sogenannten chinesischen Neujahr, beginnen die Bäume zu knospen.

Nun ist leicht ersichtlich, dass solche Knospen nicht einfach von heute auf morgen entstehen. Der Beginn aller Dinge ist die Intention, ein langsames Ausrichten aller Energien in eine Richtung. Wenn ein Baum beabsichtigt, eine bestimmte Ausdehnung zu erreichen, eine bestimmte Wand zu erreichen, muss er in diese Richtung wachsen. Er ist ein „stehendes Wesen“, wie die Chinesen sagen. Der Intention folgt Wachstum, Zellteilung, nachströmende Säfte und so dehnt und streckt er sich. Kleine Keime bereiten sich jetzt darauf vor, durch hartgefrorene Erde, durch Asphalt zu brechen. Sie sammeln ein letztes Mal ihre Kraft und dann geht es los.
„Wandelnde Wesen“- Tiere oder Menschen also- brauchen nicht körperlich zu wachsen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Sie gehen einfach dorthin oder wandeln sich entsprechend
(das chinesische Wort, genau wie das deutsche, umfasst beide Aspekte: wandeln, lustwandeln, verwandeln).
Wir gehen so weit, „wie das Auge reicht“. So weit also, wie unsere Vision es zulässt. „What you can perceive, you can achieve“, heißt es daher bei den Coaching- Leuten gerne. Manche gehen sehr weit, manche nur ein Stückchen (was das vollkommene Maß sein kann!).

Was hat das nun mit dem Frühling zu tun und mit den geblähten Bäuchen?
Nun, während die Bäume trotz Frost und Stürme schon vor Beginn des Frühlings ihre Kräfte zuerst noch einmal sammeln und dann ihre Säfte einschießen lassen und die ersten Zellen sich teilen, entsteht auch in den Menschen eine innere Bewegung. Das innere Feuer, Drachenfeuer bäumt sich auf und steigt nach oben. Unruhe erfasst uns. Vielleicht nicht emotional wahrgenommen- denn oft haben wir wenig Zugang zu den inneren Prozesse. Dafür umso mehr als körperliche Störung registriert. Mit den oben beschriebenen Symptomen und noch vielen mehr. Denn das Drachenfeuer ist expansiv und schießt in alle Richtungen.
Die Chinesen sagen, dieses Feuer „reitet auf dem Gallenblasenmeridian nach oben“. Idealerweise schießt eine prickelnde, beschwingende, leichtmachende Energie durch die Beine, Hüften, Rippen bis hinauf in den Kopf. In den Augen, wo der Meridian endet, entstehen Visionen, der ganze Schädel öffnet sich und lässt Licht eindringen. Wir werden leichter und aktiver und angenehm erregt und zum Frühlingsanfang, wenn die ersten Knospen an den Zweigen erscheinen, marschieren wir in die weite Welt hinein wie weiland Klein Hänschen.

Nicht immer. Sogar eher selten. Irgendetwas geht meistens schief. Im Falle des Frühlings geht sogar besonders leicht etwas schief. Frühlings- Qi ist schnell, auflodernd, wild, ungebändigt und einfallsreich. Wir haben daher die Gelegenheit, eine besonders große Menge bunter Symptome zu entwickeln. Wir können unsere Krankheiten ins Kraut schießen lassen.
Viele der Störungen entstehen entlang des Gallenblasenmeridians. Dies ist ein Strom frühlingshafter Energien die, im Unterschied zu den übrigen gradlinigen Energien des Menschen, den Körper wild umkreisen. Mal nach vorn, mal nach hinten, dann einmal im Kreis herum und einmal anders herum. Vom „Ringzeh“ bis hinauf zu den Schläfen und jedes größere Gelenk wird dabei umschlängelt. Ist an irgendeiner Stelle dieses Meridians eine kleine Stauung, sprudelt die Energie abrupt und wild an ihr vorbei. Ganz genau so wie das Wasser schneller fließt, wenn ein Fluss sich verengt. Dadurch kommt es zu all dem Kribbeln, Zucken, Hitzewallungen und Kälteschauern. Je blockierter der Meridian ist, umso weniger angenehm wird dies. Blähungen und dicke Bäuche sind hier fast Standard. Hinzu kommen enge, fast stechende Rippen (oft verwechselt mit Nierenschmerzen oder Problemen der Gallenblase, die nicht das gleiche ist wie der Meridian, aber inmitten des Hauptstroms liegt und besonders viele der Störungen auslebt) und schlechter Mundgeschmack.
Bis hier lässt sich alles mit Akupunktur schnell und effektiv beheben. Manchmal innerhalb von Minuten!

Am unangenehmen Ende des Spektrums kommt es zu Migräne, Hörstürzen und Gallenkoliken und „cholerischen“= galligen Wutausbrüchen. Noch weiter jenseits, wenn nichts mehr nach oben sprudelt, entsteht Lustlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Depression.
Für diese schweren Zustände gibt es zwei wichtige Ursachen:

  • innere Leere
  • Schleim

Wer ist am leichtesten betroffen von all diesen unangenehmen Frühlingsgefühlen? Nun, da gibt es zum einen diejenigen, die im Winter „ihr Yin nicht gepflegt“ haben. (Eine gepflegte altchinesische Formulierung für „Zuviel Party, zuviel Sex“). Zum anderen sind es diejenigen, die aufgrund von tiefliegenden Ängsten ihr Yin nicht sammeln können, die schlecht schlafen, nachts vielleicht schwitzen und ständig eine latente Unruhe in sich tragen. Unruhe, die von dem Gefühl kommt, nicht willkommen auf dieser Welt und nicht sicher in diesem Körper zu sein. Ein Gefühl, das die meisten kennen, denn wer fühlt sich schon ganz zuhause in seinem Körper?
Manchmal ist nicht das Yin schwach, sondern das Yang. Erkenntlich (u.A.) am kalten Popo.
Um Schwäche und Leere, ob Yin oder Yang, zu behandeln und die Batterien für das ganze Jahr aufzuladen, empfiehlt sich eine Kräuterkur mit chinesischen Kräutern vor der Wintersonnwende.

Die häufigere Ursache für blockierte Gallenblasenmeridiane ist der Schleim.

Schleim ist das große Thema der modernen chinesischen Medizin. Schleim ist auch ein großes Thema für uns. Schleim ist zum einen das, was sich bei Husten in unserer Lunge ansammelt. In einem weiteren Sinne ist es aber ein Fachausddruck für alle Arten von „abgestorbenem Qi“.
Bei Übergewicht mit schwachem Stoffwechsel ist das Feuer unter Schleim erstickt und viele Diäten verschärfen diese Situation noch. Bei  Verdickungen und Knubbeln denken chinesische Ärzte auch an Schleim. Bei allem, was sich verlangsamt, müde ist, schwer von Begriff oder zäh und endlos immer wieder das Gleiche denkt und sagt. Menschen mit langen Listen von Symptomen, die sie sich aufschreiben, um nicht alles zu vergessen, denken wir an Schleim. Menschen, die sich immer wieder die Stirn reiben, als wollten sie sich aufwecken. Menschen, in deren Augen kein Glanz ist.
Über Schleim gibt es dicke Bücher. Fast könnte man sagen, Schleim sei an allem Schuld. Kälter Schleim, heißer Schleim, zäher Schleim, alter Schleim, trockener Schleim und feuchter Schleim. Schleim ist nichts Gutes. Ich erspare Ihnen die Details.

Die erfreuliche Nachricht allerdings ist sehr erfreulich: Jetzt, in der Zeit des ersten Aufbäumens des Drachenfeuers, können Sie die natürliche Bewegung des Qi von innen nach außen nutzen, den Schleim endlich loszuwerden. Viele Fälle von schwerem Schleim profitieren von einer Kräuterbehandlung. Allerdings dauert diese ein paar Wochen lang. Am Anfang merken sie nicht viel. Schleim ist zäh und bewegt sich nicht gerne. Nach einer Weile aber, wenn das Feuer langsam aufsteigt, spüren sie von Tag zu Tag mehr: Sie vergessen all die lästigen Symptome. Dann kommen Fröhlichkeit, besserer Teint und strahlendere Augen.

Eine sehr dankbare Zeit für chinesische Mediziner.

Da jetzt alles so gut anschlägt, ist es auch sehr befriedigend, selbst etwas zu tun, und, wie viele wissen, und wie ich auch in meinen Büchern immer wieder betone: Es ist an der Zeit, die Medizin wieder in die eigenen Hände zu nehmen und uns in unseren Körpern zuhause zu fühlen. Wir leben hier in der Materie und viele erleben dies als beängstigend. Aber auch verkörpert  sind wir immer noch geistige Wesen, wenngleich auf einer verdichteten Ebene. Etwas schwerer, etwas langsamer, aber immer noch vollkommen wandelbar.
Im Frühjahr löst sich diese Verdichtung ein klein wenig, wir gehen ins Yang. Nutzen wir diese Bewegung, können wir vieles leichter verändern.

Dies sind meine Vorschläge für Ihre Frühjahrskur- Suchen Sie sich so viel davon aus, wie Ihnen angenehm ist, nicht mehr. Der Frühling liebt die freie Entwicklung- und die grüne Farbe.

  • Morgens heißes Wasser oder Ingwerwasser trinken
  • Pfefferminztee trinken
  • ausgiebig die Haare bürsten und wachsen lassen (Bärte wiederum müssen nicht sein…)
  • saures Obst essen und heiße Zitrone trinken
  • einen Entsafter kaufen und benutzen (vor allem Rettich ist verhältnismäßig fürchterlich, entschleimt aber sehr)
  • große Mengen frischer Kräuter ( alles, was Sie kriegen können, vor allem Löwenzahn) hacken, reichlich mit Senf und Zitrone würzen
  • bittere Salate essen (Chicoree, Löwenzahn, Rauke, Feldsalat), bio ist bitterer
  • grüne Smoothies (Rezepte gibt es genug im Internet), besser ohne Milchprodukte
  • Milchprodukte, auch Joghurt und Käse weglassen
  • Wasabi essen
  • Gluten eine Zeitlang weglassen, oder zumindest Weizen durch Dinkel ersetzen
  • auf Reisnudeln oder Buchweizennudeln umsteigen (Japaner statt Italiener)
  •  Süßkram und Alkohol weglassen
  • viele heiße Suppen essen (ohne Sahne)
  • laufen, singen, tanzen, Yoga
  • ziellos herumschlendern
  • entmüllen Sie ihr Leben und lassen Sie alles Alte hinter sich
  • Im Frühjahr gilt es, eigene Freiheiten zurückzuerobern und einzusehen, dass viele Neujahrsvorsätze ( oder Jahres- Pläne ) unrealistisch sind. Wir dürfen  jetzt auf jene Visionen vertrauen, die spontan entstehen, wenn das Drachenfeuer sein Haupt erhebt und, ungebremst durch Schleim und Grübelei und verwickelte Berechnungen, zum Himmel steigt.

Originally posted 2013-01-31 01:40:04. Republished by Blog Post Promoter

Guter Sex- Schlechter Sex: Chinesisch gesehen.

Schlechter Sex macht krank

Über Yin Leere nach dem Orgasmus habe ich schon einmal geschrieben. Ich erhalte viel Leserinnen Post darüber. Die meisten meiner Leserinnen wundern sich darüber, sind ziemlich ratlos und vor allem allein. Eigentlich ist das Problem aber nicht so ungewöhnlich. Hierzulande mag nur niemand darüber reden oder gar fragen, weil doch offensichtlich alle anderen eh schon alles über Sex wissen.
Woher eigentlich? Aus dem Porno- Kanal? Dem Fernsehen? Der Schule?
Die meisten wissen also herzlich wenig und da dies mit zunehmendem Alter immer peinlicher ist, fragt auch keiner mal nach. Wer aber nicht fragt, bleibt dumm!

Hier also noch einmal:
Schlechter oder ungeschickter Sex macht:

  • Infektanfälligkeit (schwaches Immunsystem)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Ohrgeräusche
  • Tinnitus
  • Weinerlichkeit
  • Schweißausbrüche
  • Nervosität
  • Nasenbluten

Was aber ist guter Sex?

Was krank macht, ist vor allem Sex mit zu viel Essenzverlust. Also genau die Art von Sex, die wir hierzulande „guten Sex“ zu nennen pflegen (multipe Orgasmen, bitteschön. Olympische Orgasmusrekorde!)
Masturbation ist auch Essenzverlust. Vor dem Bildschirm (Strahlenbelastung) noch mehr, möchte ich behaupten. Im alten China wurde jedenfalls vor ähnlichen Situationen  (Gewittern, Stürmen, Sonnenfinsternissen) im Zusammenhang mit Sex gewarnt.
Es wurde auch stark davor gewarnt, sich künstlich zu erregen.
Internet-Sex ist so betrachtet wohl doch nicht die Lösung.

Der Impuls für Sex sollte spontan enstehen und nicht durch Stimulantien und stimulierende Bilder kommen. Durch spontane Erregung wird die Essenz des Menschen zu sogenannten „heißen Dämpfen“. Die heißen Dämpfe von Mann und Frau vermischen sich beim Sex in einem alchimistischen Prozess. Mann und Frau werden dadurch innig miteinander verbunden und gestärkt.
Anstatt möglichst oft zu ejakulieren und die Orgasmen zu zählen, sollten Paare lieber mal auf die Uhr sehen: Im alten China gab es Menschen, die stundenlangen Sex ausübten, um die Unsterblichkeit zu finden und auch heute ist dies möglich. Der stundenlange Sex auf jeden Fall. Die Unsterblichkeit zu erreichen ist wohl kniffliger.

Impotenz: keine Frage des Alters

Schlechter Sex macht nicht nur krank. Er macht auch impotent. Häufiger Essenzverlust, das heißt schlechter, hektischer oder alkoholisierter, künstlich erregter Sex und häufige Masturbation können nach Meinung der chinesischen Medizin auch zu Impotenz führen. Ich würde dies nicht so ohne Weiteres mit einem Lächeln abtun:
Die Chinesische Medizin versteht eine Menge von Sex. Es gibt wohl keine bessere und ausgeklügeltere Medizin für Störungen der Sexualität als die chinesische. 

Zusammen mit den alten Chinesen muss also gesagt werden: Mit dem Alter hat Impotenz nichts zu tun. Während wir hierzulande der Meinung sind, Männer ab vierzig haben zunehmend selten Sex und ab fünfzig geht ohne Viagra nichts mehr, waren die alten Chinesen absolut nicht dieser Ansicht. Sex war keine Altersfrage. Nur die Ejakulationen wurden seltener. Die Potenz der Männer blieb mit etwas Pflege, das heißt mit gutem Sex und stärkenden Pflanzentonika, immer erhalten.
Sex wurde sogar zur Lebensverlängerung verwendet. Hormontherapie chinesisch.

Also noch einmal. Guter Sex wird mit dem Alter besser.
Bei Frauen ohnehin. Ab vierzig Wölfinnen, ab fünfzig Tigerinnen- lautet ein Sprichwort.
(Mehr darüber steht im „Weg der Kaiserin- jetzt auch auf Englisch: The path of the Empress.)

Schlechter Sex hingegen, wie schon gesagt: Nicht gut. Vor allem, wenn Mensch so tut, als gäb es kein Problem.

Aber es gibt Paare, die sind sensibel genug, sich selbst wahrzunehmen und mutig, einmal nachzufragen und wenn sie sich dann auch noch so lieben, dann sind die Aussichten rosig.
La vie en rose!

Hier mal wieder einer der vielen lieben Leserinnen- Briefe, die mich täglich erreichen:

(ich habe ihn anonymisiert, versteht sich!)
Sehr geehrte Frau Bodenschatz-Li,

mit großer Begeisterung habe ich mit 14 ihr Buch „Der Weg der
Kaiserin“ gelesen und es begleitet mich seit dem in meinem Leben als
große Inspirationsquelle.
Ich hab mich über die Jahre weiterhin mit Begeisterung mit
chinesischer Medizin beschäftigt und habe darin eine wahre
Bereicherung in meinem Leben erfahren.
Hierfür wollte ich mich zuallererst bei Ihnen bedanken!

Seit knapp einem halben Jahr nun bin ich in einer wunderbaren, sehr
tiefgehenden Liebesbeziehung. Obwohl unsere Sexualität sehr
respektvoll, zärtlich und fürsorglich ist, habe ich dennoch das
Gefühl, dass sie uns nicht immer gut tut.
Wir haben defintiv eine sehr positive Entwicklung durchgemacht, doch
habe ich noch immer das Gefühl, dass etwas „nicht stimmt“.

Ich habe mich nach Literatur umgesehen, die Sexualität & TCM betrifft,
bin jedoch immer nur auf Bücher gestoßen die von Männern (und wie mir
scheint für Männer) verfasst wurden.
Ich wollte Sie um Rat fragen, auf welche Art ich mir „altes Wissen“
über Frauenmedizin und Sexualität aneignen kann, die mich und meinen
Geliebten stärkt.
Ich rede offen mit meinem Freund darüber, doch ihm geht es genauso wie mir.

Ich wünsche mir für uns eine Sexualität die uns stärkt und die uns gut tut.
Es macht mich aber traurig, sehr oft das Gegenteil zu erleben, obwohl
wir uns so sehr lieben.
Nachdem wir uns geliebt haben, fühlen wir uns beide eher schwach,
ausgelaugt und sind sogar anfällig für Krankheiten.

Also, um auf den Punkt zu kommen. Ich weiß dass mein Freund der
richtige (junge) Mann für mich ist, daran besteht kein Zweifel.
Trotzdem habe ich das Gefühl, sehr viel Energie zu verlieren und denke,
ihm geht es genauso.
Ich weiß nicht, wie ich dem entgegenwirken kann und bitte Sie um Rat.

Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Mit freundlichsten Grüßen, großer Bewunderung und ehrwürdigem Respekt,

X

Liebe X,

herzlichen Dank für Ihren Brief und Ihr Vertrauen.

Es gibt tatsächlich ein paar Bücher über daoistischen Sex in westlichen Sprachen. Meistens geht es aber darin um die Männer, das Zurückhalten des Spermas und multiple Orgasmen. Da haben Sie ganz recht.

Daoistische Nonnen haben über sehr weitreichendes Sex-Wissen verfügt und dieses auch praktiziert. Sex war daoistischen Mönchen und Nonnen verboten, solange sie nicht in der Lage waren, ihr Qi zu führen. Danach war er in geheimen und sehr esoterischen Zeremonien auch zwischen Mönchen und Nonnen wieder erlaubt.

Im Wesentlichen geht es darum, beim Orgasmus die Essenz im Kleinen Kreislauf herumzuführen. Das heißt, vorne hinunter bis zum Damm und dann durch das Steißbein wieder nach obenbis zum Scheitel. Die Vorübung dafür ist das Yin-Versiegeln, wie wir es auch im Buch: Der Weg der Kaiserin beschrieben haben.
Der Kleine Kreislauf wird in vielen Anfängerkursen für Qi Gong unterrichtet. Sie können Ihn auch einfach googlen. Üben Sie das solange, bis es quasi automatisch mit der Atmung wird. Diese Atmung können Sie dann, aber erst dann, gemeinsam während des Sexes durchführen. Beim Orgasmus führen Sie dann nicht nur ihr eigenes Qi sondern auch das des Partners mit nach oben. Dieser tut das gleiche. Sie tauschen also ihre Essenz miteinander aus. Dies geht sowohl über die Genitalien als auch über den Mund und die Zunge. Dabei entstehen dann verschiedene Kreisläufe. Im Prinzip ist dies aber auch dann immer der „Kleine Kreislauf des Qi Gong“.
Dies ist ein alchimistischer Prozess, beim dem Sie beide erneuert und gestärkt werden. Es gibt ein sehr intensives und ruhiges gemeinsames Erleben und schwächt nicht. Im Gegenteil wurde es einst praktizert, um Unsterblichkeit zu erlangen.
Da diese Praxis langes Üben, viel Ruhe und große Intimität erfordert, haben sie wohl nur wenige Paare in dieser Form realisieren können. Im alten China wurde stattdessen oft ganz von Sex abgeraten, bzw die Männer sollten zumindest nicht ejakulieren.
Die Störungen nach dem Orgasmus sind zahllos und es wundert mich, dass hierzulande niemand darüber sprechen mag. Wir sind eben doch recht verklemmt.

Zurück zu unserer Übung: So, wie Sie Ihre Liebe beschreiben, haben Sie die besten Voraussetzungen, es mit der Übung zu versuchen.

Sollten Sie dennoch weiterhin beim Sex zuviel Essenz verlieren, gibt es dafür spezielle Kräutermischungen, die Ihr Yin stärken und verhindern, dass Sie sich ganz und gar verlieren. Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie noch Fragen haben!

viel Liebe,
Christine Li

Mensch Alter!

Anti- Aging? Vor was haben Sie Angst?


Mon Dieu! Que la vieillesse est donc un meuble inconfortable! *

(Colette – in: Correspondance, le 5 décembre 1949)

Zitat dankbar geklaut aus dem Blog des Büros für besondere Maßnahmen. http://mojour.blogspot.de/
So sieht es aus. Das Altern ist in der Tat ein unbequemes Möbelstück. Nichts für Menschen mit schlechten Nerven und hierzulande allemal.
Respekt vor dem Alter? Ach was. Respekt muss man sich schließlich verdienen. Verdient wird hierzulande vor allem Geld. Entsprechend wird vor allem für diejenigen Alten Respekt gezeigt, die genug auf die Seite gelegt haben, um teure und vermutlich außerordentlich langweilige Kreuzfahrten zu buchen.
Alle anderen müssen sich mit billiger Antifalten-Creme über Wasser halten. Denn darauf kommt es in erster Linie an: Wenn schon alt, dann wenigstens so, dass keiner was merkt. Hier könnte ich noch eine Weile weitermeckern, aber das wäre vergleichsweise uninteressant.

Irgendeinen Sinn unterstelle ich der Tatsache, dass wir meist nicht, wie weiland unsere Vorfahren mit knapp fünfzig das Zeitliche segnen. Alles hat einen Sinn. Doch wozu genau brauchen wir alte Menschen?

Eine interessante These besagt, dass im Laufe der zunehmenden Komplexität unserer Gesellschaft das Wissen der Alten notwendig war, um die Kontinuität der Tradition zu erhalten. Die Alten wussten einfach mehr. Um als Bauern zu überleben, brauchten die Menschen viel spezialisiertes Wissen.  Heutzutage ist diese Art von Sachwissen kaum noch notwendig. Der Apfelbaum ist geklont, damit die Würmer nicht dran knabbern, und um das Rezept für das allerbeste Gen-Apfelmus zu finden, schaue ich ins Internet.

Dennoch, ein Menschen, der seine Wurzeln so tief in den Boden des Lebens gewühlt hat, dass in seiner/ihrer Seele etwas gewachsen ist schön.
Überlebenswille, Verwurzelung, Gelassenheit. Liebe. Weisheit.
All diese Dinge werden uns nicht in die Wiege gelegt. Sie sind die Frucht eines Lebens voller Härte und Entbehrung.

Möge dir die Erde leicht sein, wünschten sich die Menschen dereinst, denn die Erde ist nicht immer allzu leicht. Die Alten Chinesen verordneten alten Menschen Kuren, die von den Würmern böser Erinnerungen befreien und Kräuter, die „den Körper leicht machen“. Magische Kräuter, die der Seele zum Flug verhelfen und die, welch lustiges Missverständnis, heute gerne zum Abnehmen verordnet werden. …
Die Erde ist nicht immer leicht. Sie kann lieblich sein, aber genauso oft gefährlich und stürmisch. Es gilt, sich nicht vom ersten Wind umwehen zu lassen, sich nicht von Würmern auffressen lassen, sich nicht fortspülen zu lassen.
Das Leben wirft uns viel Schmerz,  viel Widerwärtigkeit und  viele Herausforderungen vor die Füße. Ein alter Mensch hat all diese überlebt, denn sonst wäre er nicht mehr.  Sie hat ihre eigene Mixtur aus Härte und Flexibilität erprobt. Sie kennt Schlauheit, Kampfeslust und volkommene  Hingabe. Was solche alten Menschen wissen, ist die Kunst, auf dieser Erde zu überleben und dabei lebendig zu bleiben.

An der Wand in meinem Salon hängen Photos von alten Heilern. Einige über hundert Jahre alt. Schamanen leben mit dem Tod. Sie kennen die Angst und das Leid. Sie haben mehr gesehen, als die meisten Menschen ertragen könnten, und ihre Augen sind voller Liebe.

Schau ich mich um, so finde ich kaum so einen Menschen.

Die gegenwärtige Generation der Alten gehört der vielleicht ersten „Generation Spaß“ der Menschheitsgeschichte an.
Sie wollen vor allem Entertainment, Gourmet- Food, ihre Ruhe und keinen Schmerz. Vor allem keinen Schmerz. Regelmäßige „Check-ups“ sollen dafür sorgen, dass der ganze Körper möglichst so bleibt, wie er war. Sobald ein Laborwert sich ändert, muss eine Pille her. Traurig? Noch eine Pille. Schlaflos? Noch eine Pille. Impotent? Muskelschwund? Hormone! Bluthochdruck, das Herz verhärtet und zu? Adern aufbohren oder ganz austauschen und noch ein  paar Pillen.
Das Herz geht so nicht auf, aber es tut auch nicht mehr weh. Keine Sehnsucht mehr, die daran rütteln könnte.

Angst gehört zum Alter, aber sie ist nicht das Ende

Das Alter ist der Winter des Lebens. In der Lehre der fünf Elemente ist dies die Zeit der Angst. Angst macht alt. Wer diese Angst überwindet, durch sie hindurchgeht, darf auf den Frühling hoffen. Auf ewiges Leben.

Ver-ängstigte Menschen halten sich ab der Lebensmitte mit einem Sammelsurium von Pillen über Wasser, die auf ausgeklügelte Weise die Seele töten, weil sie nämlich rein gar nichts mehr spüren darf. Vor allem keine Angst. Sie gleichen mehr einem ausgehöhlten Baum, der von unzähligen Metallpfeilern gestützt werden muss und dessen Mark schon lange durch Beton ersetzt wurde, als einer knorrigen Eiche. Nichts mehr fühlen, sich nichts mehr zutrauen ohne an ein Dauer EKG angeschlossen zu sein, aber um Himmels willen irgendwie weitervegetieren.
Ich möchte keinesfalls über Menschen herziehen, die Pillen einnehmen oder sich gefährlichen Operationen unterziehen müssen.  Jeder hat eine individuelle Geschichte und es liegt mir fern, jemanden dafür zu verurteilen.

Aber ich möchte hier leise zu bedenken geben: Unsere Medizin ist oft der Versuch, sich gegen jede Veränderung zu stemmen und die Menschen zu konservieren wie Früchte in einem Einmachglas. Sehr lebendig sind solche Früchte nicht.

Krankheiten und Schmerzen sind naturgegebene Herausforderungen des Lebens. Sie wollen bewältigt werden. Sie sind vielleicht Wegweiser, die uns sagen: Hier geht es nicht weiter. Oder Prüfungen, an denen wir wachsen sollen. Oder Wege zu den allertiefsten Abgründen unserer Seele. Mitten durch die Angst hindurch.

Gute Medizin sollte den Menschen auf ihrem gefahrvollen Weg den Rücken stärken. Sie sollte sie begleiten und trösten und Schmerzen lindern, sie sollte sich gemeinsam mit ihnen auf die Suche machen, so wie die magischen Helfer in alten Legenden, die die zerstückelten Helden wieder zusammenflickten, ihnen gelegentlich einen zauberkräftigen Trank oder eine geheime Landkarte zusteckten und sie dann wieder losschickten auf ihre einsame Suche nach der Perle oder der Prinzessin oder dem Gral.
Alte Menschen, die diesen Weg gegangen sind, haben jenen Blick in den Augen, der mir von meinen alten Photos entgegenschaut. Es sind Menschen, denen ich gerne zu Füßen sitzen würde, um von ihnen zu lernen. Es sind Menschen, mit denen ich mich sogar auf einer Kreuzfahrt nicht langweilen würde.

Genaugenommen. Ein paar habe ich schon gefunden. Das Leben hat sie teils arg zerrupft und Anti-Aging ist hier kein Thema. Feine Herren. Kämpferische Damen. Sie sind starrsinnig. Aufsässig. Sie erzählen unglaubliche Geschichten von eigenen Kämpfen. Sie lieben das Leben. Sie hören zu und achten ihr Gegenüber. Sie haben ihr Lachen gerettet. Um sie zu besuchen, ist mir keine Reise zu weit und, welch Privileg, sie besuchen sogar mich.
Dann machen wir gemeinsam den Körper leicht.

Wer freut sich nicht über Wunder?

…und wenn eine neue Seele in die Welt gerufen wird, dann ist dies vielleicht das größte aller Wunder.
Daher freuen mich Briefe, wie dieser hier unten, ganz besonders.

Tief in mir glaube ich nicht, dass meine Arbeit ausschlaggebend für solche Wunder ist. Wirklich nicht.

Aber Zeugin sein zu dürfen oder vielleicht eine Hand dabei halten zu dürfen, wenn verschlossene Türen sich öffnen, ist ein wundervolles Geschenk, das ich in Demut annehme.

Ich wünsche der werdenden Mutter, eine großartige Frau, die auf einem überaus steinigen Lebens-Weg viel Tapferkeit bewiesen hat, sehr viel Glück und Freude.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle gerne ihrem Wunsch nachkommen, andere Frauen mit Kinderwunsch zu ermutigen, niemals die Hoffnung zu verlieren!

„Liebe Frau Li,

 ich danke Ihnen vielmals. Die Befruchtung musste zwischen 1. und 10.  gewesen sein. Circa um diese Zeit war ich bei Ihnen zum Termin und habe dann gleich die Kräuter bestellt und eingenommen. Sie müssen irgendwas in meinem Körper angekurbelt haben, das das ganze Prozess vorangebracht hat. Denn wir versuchen es schon seit 1 Jahr und 9 Monaten! Es muss an Ihren Kräuter gelegen haben, ich danke Ihnen vielmals und bin sehr glücklich!
 
Den Termin am 1. August gebe ich gerne an andere Patientin frei, denn mein Problem hat sich gelöst. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich in der Tat nach den Schwangerschaft wieder unterstützen würden, aufbauend. Ich verspreche mich sehr rechtzeitig um einen Termin bei Ihnen zu kümmern.
 
Gerne können Sie über meinen Fall weitererzählen oder als positive Empfehlung über Ihre Behandlung auf Ihrer Internetseite hereinstellen (ohne Namen natürlich:-))). Viele Frauen sollten die Hoffnung nicht aufgeben!

Herzlichen Dank und schönen Abend,Ihre Patientin x.x.“

Also noch einmal: Ich glaube nicht, dass meine Arbeit Wunder bewirkt. Aber ich denke mit einer gewissen Besessenheit über die Mechanismen solcher Wunder nach. Zum Beispiel bei der Entstehung von Leben…

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Bin ich krank genug, um von Ihnen behandelt zu werden?

…schließlich habe ich doch bloß Heuschnupfen

Telefonisch bin ich schwer zu erreichen- sagen viele.
Dafür bemühe ich mich wirklich sehr, alle
Fragen, die mich per e Mail erreichen, ausführlich, wenngleich nicht immer sofort, zu beantworten.

Manche Fragen werden öfter gestellt. Heute erreichte mich dieser Brief:

Frage: Bin ich bei Ihnen richtig?

Hallo Frau Li,

meine Freundin M.N. hat Sie mir sehr empfohlen („mit Abstand die Beste!“) – viele Grüße.
Ich habe seit gut 20 Jahren nervige Allergien, die sich vor allem auf die Nase auswirken. Diesen möchte ich mich nun endlich stellen. Ich habe viel auf Ihrer Internet-Seite gelesen, bin beeindruckt und unsicher, ob ich mit meinem recht kleinen Problem bei Ihnen richtig bin.
Ich freue mich auf eine Antwort,
viele Grüße,
Y. Z..

Meine Antwort:

Liebe Frau Z.,

danke für Ihre mail und natürlich danke für das Lob.
Zunächst einmal vorweg: für mich gibt es keine kleinen und großen Probleme und keine schlimmen oder nicht so schlimmen Krankheiten.
Viele Menschen kommen mit einer „kleinen Störung“: ein schmerzhaftes Knie, ein verdorbener Magen, Halsweh, Nachtschweiß, Hitzewallungen, Gehetztheit.
Nicht jeder Körper schreit gleich Zeter und Mordio. Manchmal ist es nur ein Fingernagel oder eine Verfärbung der Haut an einer kleinen Stelle.
In der chinesischen Medizin gibt es ein geflügeltes Word, das lautet:
„Der überlegene Arzt behandelt Krankheiten, die noch nicht erkennbar sind. Der mittelmäßige Arzt behandelt Krankheiten im Entstehen. Der schlechte Arzt behandelt Krankheiten.“

Heuschnupfen, die allergische Rhinitis, aber auch Nebenhöhlenentzündungen oder Dauerhusten sind Krankheiten im Entstehen.

(Ein richtig „kleines Problem“ ist die allergische Rhinitis im Übrigen nicht. Sogar die gesetzlichen Kassen geben hier gelegentlich einen Zuschuss für chinesische Behandlung (nicht bei mir, ich habe keine Kassenzulassung).

Klein oder nicht klein ist in der chinesischen Medizin nicht die Frage.
Die Frage stellt sich anders: Auf welche Weise möchten Sie gegen Ihre allergische Rhinitis (?), ihren Heuschnupfen (?) vorgehen? Die Behandlung mit Akupunktur ist inzwischen relativ standardisiert (und auf maximale Ausschöpfung des Kassenzuschusses ausgerichtet): Ein paar Nadeln ins Gesicht und die Hände, manchmal die Beine. Viele Sitzungen, etwa 10 Mal, manchmal eine zweite und dritte Runde, „zur Stabilisierung“.
Bei Ärztinnen, die außerdem chinesische Kräutermedizin betreiben, gibt es Dekokte oder Pulver, die Sie ebenfalls ein paar Wochen lang einnehmen.
Bei jahreszeitlich bedingten Allergien (Heuschnupfen, Asthma im Winter) gibt es außerdem noch eine Intensivkur von ca vier Wochen in der symptomfreien Zeit (meist Spätsommer).
Im nächsten Jahr wird das dann wiederholt.
Diese Behandlungen sind oft sehr effektiv. Der Zeitaufwand ist allerdings erheblich und die Kosten hoch.
Nachvolziehbar, wenn viele sich lieber ein paar Pillen einwerfen und die Nebenwirkungen wie Matschkopf und Dauermüdigkeit, Wassereinlagerung und Gewichtszunahme tapfer in Kauf nehmen.

Kosten und Zeit lassen sich stark einschränken. Da diese Behandlungen komplett standardisiert sind- ein Fortschritt der modernen Massenmedizin, gerade auch in China- bedarf es keiner richtigen traditionellen Diagnose. Sie könnten sich ein Lehrbuch der chinesischen Medizin kaufen und die Sache anhand der Symptom- Tabellen selbst in die Hand nehmen. Dann dauert es zwar fast genauso lange. Das heißt oft 20- 30 Sitzungen und oder Kräuter. Aber ohne das Sitzen im Wartezimmer und viel billiger.

Stark unterstützend ist eine dauerhafte strenge Diät (ohne Laktose, Gluten, Zucker, Alkohol und Rohkost- Obst). Das heißt: Nie mehr Erdbeereis.
Für so ein kleines Problem….;-)

Tatsache ist: Wenn die Nase dauernd juckt oder trieft, und über Jahre nicht besser werden will, so ist dies absolut nicht in Ordnung. Oft lohnt es sich, diesem Dauerhaften Mucken des Körpers nachzugehen. Wie ein kleines Kind, das jammert und quengelt, so tut auch der Körper dies niemals ohne Grund: Wir sollten ihn ernst nehmen.
Zähnezusammenbeißen gilt nicht in der chinesischen Medizin.

Da ich chinesische Medizin anhand der klassischen Tradition gelernt habe, und auch, weil ich sehr neugierig bin, mache ich bei allen Beschwerden gründliche Diagnosen und versuche mich in die jeweilige Person einzufühlen- unter anderem nonverbal, über die Schwingungen des Herzens: Pulsdiagnose. Manchmal liegen die Ursachen kleiner, aber hartnäckiger und lästiger, Beschwerden ziemlich tief und genau deshalb kommen sie immer wieder. Wie „Unkraut“, das zwar abgemäht, aber nicht bis auf die letzte Wurzelspitze ausgegraben wird. Auf Dauer beschwerlich und unbefriedigend.
(Ich hab natürlich nichts gegen Unkraut. Alles Heilpflanzen. Ich weiß…)

Die radikale, wurzelausgrabende Lösung ist im allgemeinen einfacher und schneller. Wenn mensch sie findet, die Wurzel. Das klappt natürlich nicht immer oder zumindest schaff ich es nicht immer. Ich bin nicht immer und nicht für alle „die Beste“.
Was vielleicht auch noch zu sagen wäre: radikal heißt nicht zwangsläufig tiefenpsychologisch. Ich suche nur nach Blockaden des Qi, vor allem durch Kälte, denn Kälte verlangsamt und senkt ab. Kälte ist oft der physische Ausdruck von Angst: weshalb wir vor Angst auch frösteln und mit den Zähnen klappern. Da chinesische Medizin schlicht und simpel denkt, wird diese Kälte mit Hilfe von Wärme, erhitzenden Kräutern oder Moxibustion (Verbrennen und Ausräuchern mit Hilfe von Beifuß) behandelt.

Außerdem suche ich nach verlorenengegangenen Seelenanteilen. Die chinesische Medizin entstand einst aus dem Schamanismus. Seelenrückführung und Vertreibung von Dämonen waren bis zur Modernisierung (zum ersten Mal durch die Konfuzianer, noch einmal durch Mao Zedong) wichtige Teile der chinesischen Medizin. Aus dem alten China kennen wir viele Kräuterrezepte mit Namen wie „Trank, der die Seele zurückruft“ oder Akupunkturpunkte mit Namen wie „Haus der Seele“.
All diese Punkte und Rezepte sind heute so wirksam wie vor 2000 Jahren. Die Ausbildung an chinesischen Universitäten spricht heute nicht mehr von diesen Dingen. Ich habe sie nur durch mein Studium des Klassischen Chinesisch und der Medizingeschichte kennenlernen dürfen. Da sie mir aber wichtig schienen, habe ich mich später aufgemacht, und in anderen Traditionen nach tieferem Wissen oder zumindest Hinweisen gesucht. Ich danke all diesen Heilern, Lehrern und Freunden (Tibeter, Santeros, Lakota, Shipibo, Alchimisten und europäische Hexen ) für ihre große Liebe und Fürsorge und ihr großes Wissen. Inzwischen gehe ich meinen eigenen Weg, der sich aus vielen kleinen Bruchstückchen zusammengesetzt hat.

Wenn das alte zusammengeknäuelte Qi sich entfaltet oder verlorene Seelenanteile zurückgeholt werden, kommen oft Geschichten ans Licht. Um diese geht es aber nicht. Die sind längst vergangen. Hypnose, Hypnoanalyse und ähnliche Methoden (NLP, Gestalt, voice dialogue, Rückführung ) dienen mir vor allem bei der schadstoffarmen Entsorgung- damit es nicht zu Retraumatisierung kommt. Schon gar nicht, wenn jemand eigentlich nur seinen Heuschnupfen loswerden wollte.
Die meisten Menschen, die einen Teil ihrer Vergangenheit vergessen haben, haben einst gute Gründe dafür gehabt. Es ist nicht notwendig, alte Geschichten noch einmal zu durchleben. Allerdings kann es nützlich sein, sie verblassen zu lassen, zu entschärfen oder mit einer neuen Bedeutung zu versehen. Hierfür bietet sich natürlich vor allem NLP (neuro- linguistisches Programmieren) an, das sich sehr gut mit Rückführung und Hypnose kombinieren lässt.
Manchmal waren die alten Geschichten allerdings auch so banal, wie ein großer schwarzer Teddybär, der in der Ecke stand und uns einfach furchtbar erschreckt hat. Dann ist es eine große Erleichterung, zu erfahren und noch einmal zuerleben, dass alles gar nicht so schlimm IST.

Im allgemeinen ziehe ich es vor, die alten Geschichten ganz im Dunkeln zu lassen und nur, wie in der moderneren Traumatherapie empfohlen, eine sanfte Vollendung der unterbrochenen Stressreaktion zu begleiten. Dies äußerst sich oft als leichtes Zittern, Tränenfließen, Wärme- und Kältegefühle und ein paar Emotionen unspezifischer Natur.
Genau wie die alten Chinesen es beschrieben haben.

Wundern Sie sich jetzt nicht über diesen langen Erguss anlässlich einer so kleinen Frage. Die Dinge sind eben nicht immer so unbedeutend, wie sie uns erscheinen mögen.

Von Herzen,
Christine Li

www.bodenschatz-li.de


Heilsame Traurigkeit

Sei ruhig traurig

Seit ein paar Tagen vertiefe ich mich in Traurigkeit. Oder versuche es zumindest. In ein paar Tagen möchte ich den Damen eines Wiener Salons über die Kaiserin etwas über die Traurigkeit erzählen. So ganz gelingt es nicht. Gestern Nacht noch las ich einen wunderschönen Brief von Rilke über Traurigkeit, Einsamkeit und das Schöpferische darin.  Ich hörte mir Ludwig Hirsch an und sein Lied  über die „Pillen gegen Traurigkeit“. Ich habe mir sogar auf Skype von dem Tango Sänger Luis Luduena zwei Stunden lang traurige Tangos vorsingen lassen.

Die Traurigkeit ist das innerste Wesen aller schönen Dinge
, sagte mir Luis. Sei ruhig traurig.

Nichts zu machen.

Heute morgen wache ich in aller Frühe auf und grinse über beide Backen.
Was hab ich jetzt schon wieder angestellt. Traurigkeit ist eine meiner leichtesten Übungen.  Wenn mir etwas Trauriges begegnet, wenn meine PatientInnen weinen: Ich weine mit. Ich bin ein ausgesprochen rührseliges Wesen. Leicht gerührt und selig dabei.

Noch diesen Winter war ich oft traurig über alle Maßen.
Erst neulich erwachte ich aus einem schweren und trüben Traum. Mir träumte, in meiner Wohnung stünde eine wundervolle und üppige Pflanze. Ein dunkler Mann krallte sich in die Pflanze und, mehr aus Tolpatschigkeit, denn aus Bosheit, begann er  einzelne Blätter zu zerrupfen. Erst eins dann mehrere. Die Pflanze duckte sich scheu. Doch wohin soll eine Pflanze schon fliehen. Sie ist ein stilles Wesen, erdgebunden und nahezu (nicht ganz!) bewegungslos. Ganz Yin.
Das Unheil nahm seinen Lauf. Trotz meiner vorsichtigen und zunehmend verzweifelten Bemühungen, den Mann von der Pflanze wegzulocken, zerstörte er sie immer weiter. So weit, bis ich ihm schließlich den Blumentopf entriss und weinend davonlief. In meinen Armen war nur noch ein zartgrüner Strunk. Nahezu tot.
Als ich aufwachte, fand ich den Traum so bedrückend, dass ich mehr wissen wollte.
Nun lässt sich die Bedeutung von Träumen erforschen im Zustand der Hypnose, der Trance. Ich wiegte mich noch einmal in den Halbschlaf, in einen Zustand der Hypnose, in dem ich eins wurde mit der Pflanze.
Nun spürte ich, in Trance,  wach und bewusst, den unsäglichen Schmerz, das Leid und den Kummer dieses einst so schönen Wesens. Ich spürte von innen die Verzweiflung und das langsame Verwelken und sich Auflösen. Mein ganzer Körper zerfiel. Die Zehen krümmten sich vor Leid. Endlich flossen die Tränen. Sie flossen wie ein unendlicher Strom. Von den Wurzeln bis hinauf in die verkümmerten Blattansätze. Ich weinte, schluchzte, schrie und spürte all den  Schmerz von Mutter Erde, unserer Mutter, unserer eigenen Weiblichkeit. Weinend floss alles davon und verflüssigte sich, bis zuletzt nur noch ein endloser Tränenstrom blieb. Der trockene Stumpf reckte sich und begann, ganz vorsichtig und in der Tiefe, neue Triebe zu entwickeln. In diesem Strom spürte ich die Verheißung, dass alles sich immer wieder erneuern kann. Ich spürte, dass gewisse Dinge ewig sind.
Ich hatte, mal wieder, weinend in der Nacht, alle Tränen geweint und Tränen sind ein Gebet. Nicht umsonst heißt die Visionssuche bei den Lakota: „Weinen in der Nacht“.
Nicht umsonst musste die afrikanische Göttin der Liebe, Ochun, so viel weinen. Am Ende der Tränen löst sich alles in Liebe auf.

Genaueres Nachdenken zeigt natürlich, dass gerade hier das Problem liegt, bei meinem derzeitigen Traurigkeitsprojekt: Ich habe genug geweint.
Der Frühling erwacht. Die Zeit für Traurigkeit ist vorbei. Die Tränen haben die Erde befeuchtet und nun kann alles wieder wachsen. Dies gilt zumindest für alle die, die im Winter alle Tränen geweint haben und ihrer Angst ins Gesicht gesehen haben.


Wenn wir lange Zeit zu tapfer sind: Hoffnungslosigkeit, Depression und Burnout

In der vergangenen Woche aber sah ich einige in meiner Praxis. Die waren lange Zeit zu tapfer gewesen. Sie hatten den Winter über noch durchgehalten. Sie hatten nicht geweint, als es an der Zeit war. Sie waren vielleicht ein Leben lang immer wieder ungeliebt und misshandelt worden und sie hatten alle ihre Stärke mobilisiert, bis am Ende ihre ungeweinten Tränen versiegten. Zurück blieb das Vertrocknete. Tiefe Hoffnungslosigkeit. Freudlosigkeit. Depression.
Nun ist es in Zeiten großer Bedrückung oft nicht leicht zu weinen. Oft ist uns auch schon als Kindern gesagt worden, wir sollten uns nicht so haben. Erwachsene haben gerne so eine zynische Art, den Schmerz kleiner Kinder zu verspotten. Dann werden die Kinder tapfer und als Erwachsene werden sie starr. Sie gewöhnen sich an, den Kopf hoch zu tragen, den Nacken hart zu machen und allzeit zu lächeln. Viel Freude strahlt dieses Lächeln freilich nicht aus. Es ist mehr ein eingefrorener Mechanismus der Selbstverteidigung. Von Jahr zu Jahr wird es mehr zum Grinsen. (Es heißt zwar oft, Lächeln verschönere das Gesicht. Doch diese Art des Grinsens führt zu Falten.)

Die Anstrengung wird übermenschlich und dann, oft nach einer einzigen weiteren Verletzung, nach Verlassen- Werden, einer Trennung, Liebeskummer, einem Todesfall oder sonstigen Verlust, bricht alles zusammen. Depression. Burnout.

Einige wenige weinen dann wochenlang oder monatelang und das ist gut so. Auch scheinbar endloses Weinen findet sein Ende. Gelegentlich lässt der Fluss sich mit  Hilfe von Akupunktur wirkungsvoller gestalten und dadurch beschleunigen. Abbrechen lässt er sich nicht ohne Schaden.

Pillen gegen die Traurigkeit: Antidepressiva, Tranquilizer und Hormone

Manch eine aber spürt, dass sie ihr hochgestecktes Arbeitsprogramm so nicht erfüllen kann, oder sie schämt sich oder findet es schlichtwegs lästig oder peinlich, und lässt sich Pillen gegen Traurigkeit verschreiben.  Pillen gegen Traurigkeit verhindern das natürliche Ebben und Fluten der Gefühle. Sie halten den Körper unter ständigem Beschuss durch fröhliche Neurotransmitter, auch wenn eigentlich als anderes als Fröhlichkeit angesagt ist.  Sie verlangen dem Körper die allerletzten Yin Reserven ab. Die Pflanze vertrocknet dann ganz und gar. Die Augen werden fiebrig. Die Wangen rot. Um das mangelnde Yin, die Festigkeit und Erdverbundenheit zu kompensieren, kommt es oft zu Gewichtszunahme. Oder zu Libidoverlust- denn Sex braucht starke Yin Reserven. Gegebenenfalls bleibt die Menstruation aus- was dann wiederum durch Hormone beschossen wird. Unfruchtbarkeit ist auch eine Option, dann gibt es noch mehr Hormone. Der Körper quillt auf. Wird feucht. Die Beine schwer. Die Venen dick.
Ganz so, wie wenn auf völlig vertrocknete Erde mit einem Mal ein paar Liter Wasser gegossen werden.  Dann ist alles wieder nass. Aber die vertrockneten Wurzeln, die schon lange nicht mehr in die Erde geschmiegt sind und sich verschlossen haben gegen Nahrung, verlieren so eher noch den letzten Halt.
Einige Male lässt die Dosis sich noch erhöhen. Aber irgendwann ist diese Option mit zu vielen Nebenwirkungen verbunden.

Dann geht nichts mehr. Übrig bleiben Griesgrämigkeit, Hoffnungslosigkeit und, nicht selten stetige Gewichtszunahme und dauerhafter Libidoverlust.
Nein, nicht ganz. Es kann immer alles gut werden. Solange ein leicht grüner Strunk verhanden ist, lässt sich das Pflänzchen wieder heranziehen. Mit sehr sanften, Yin befeuchtenden europäischen oder chinesischen Kräutern. Oft Wurzeln von Pflanzen, die im Trockenen gedeihen und Pilzen, die sich darauf verstehen, sich tief in trockene Baumstümpfe zu graben, säuerlichen saftigen Beeren. Es gibt gute Medizin gegen Vertrocknung, Griesgrämigkeit, Lustlosigkeit und Falten. Aber ohne Weinen geht es nicht. Fürchten Sie sich nicht. Es ist wirklich schön. Die Chinesen sagen, Tränen sind das Wasser des Herzens. Sie sagen auch, es reinigt die Nieren.

Wenn Sie genug geweint haben und vielleicht noch ein bisschen mehr Auflösung brauchen:

Als nächstes schreibe ich hier über das Schwitzen. Dabei geht es um Angst und für viele auch um Wechseljahre.
Ein heißes Thema. Zum Zerfließen schön.