Die fünf Formen der Seele

14. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Shen- Qi und die fünf Formen der Seele

(Eine extrem kurze Erklärung chinesischer Seelenvorstellungen aus dem Vortrag für Laien anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um chinesische Seelenarbeit mit Akupunktur, um Schamanismus, Ekstase, Trauma und um andere Arten von Bewusstseinsarbeit Demnächst als pdf.)

Wenn alles eins ist, brauchen wir Seele und Qi auch nicht zu unterscheiden, werden Sie einwenden.
Genau so ist es.

Seele ist Qi, von innen betrachtet.
Innen und außen- Yin und Yang.

Die heutigen Chinesen sprechen daher auch einfach von Shen- Qi.

Die Seele- shen- wandelt sich. Genau wie das Qi.

Absenken
Schließen
Anheben
Öffnen.
Dazwischen die harmonisierende Mitte.

Es sieht so aus, als ob die Seele unterschiedliche Zustände erlebt. Die Chinesen haben eine ganze Reihe von Namen für diese Seelenformen.
Hier begegnen sich viele unterschiedliche Mythen und Traditionen. Das Ganze ist also nicht so geradlinig, wie ich es jetzt darstelle wird.
Die Sinologinnen mögen mir diese Vereinfachung verzeihen.

Was ich beschreibe, sind Bilder, die sich irgendwo im leeren Raum zwischen meiner Arbeit mit Seelen und meinem endlosen Wälzen alter chinesischer Bücher herauskristallisiert  haben.
Es sind Bilder, die meine Klienten und ich immer wieder erlebt haben.

Die fünf Seelen heißen:

  • po: absenken. Sieben dunkle mondlichtartige Po Seelen, deren Licht in der Nacht zur Erde hinabsinkt. Sie haben viel mit unserer Anbindung an die Erde zu tun. Dem Auftanken in der Nacht. Dem Körpergefühl. Unseren inneren Rhythmen und Zyklen. Verlieren wir sie, so verlieren wir Teile unserer Kraft, Vitalität und Entschlossenheit.
  • hun: anheben. Drei luftige, verträumte, gefühlvolle und  wolkenartige Hun Seelen, die zum Himmel schweben wollen. Bleibt sie dort, werden die Menschen geistesabwesend und verlieren  den Kontakt zur menschlichen Umgebung. Solche Menschen schlafwandeln vielleicht oder haben bunte und wilde Träume, die ihnen oft wichtiger sind als die Realität, die ihnen grau und leblos erscheint.
  • shen: öffnen. Die Seele, die den Himmel berührt, ist unser höheres Bewusstsein. Unser heiliger Kompass. Shen wohnt im Herzen und blitzt uns aus den Augen entgegen. Shen verlässt uns niemals ganz, denn dann würden wir buchstäblich den Verstand verlieren und sterben.
  • jing: schließen. In unseren Nieren wohnt die Essenz- Jing. Sie ist das, was wir von Geburt an sind und zu dem wir werden. Wenn es in der Geschichte von Pan Gu heißt, seine Füße stemmten sich fest in die Erde, dann ist dies gemeint. Ist die Essenz gefestigt, fliegen die Seelen nicht so leicht davon. Solche Menschen haben große innere Stärke und können sehr viel ertragen, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Sie sind wehrhaft und ihr Körper reagiert instinktiv mit großer Stärke auf Angriffe voin Außen.
    Helden brauchen eine starke Essenz.
    Wenn unsere Essenz geschädigt wird, durch üble Worte, falsche Glaubenssätze und ergriffige Erziehung, aber auch durch Medikamente und Drogen und zerstörerische sexuelle Beziehungen, verlieren wir diese Macht. Das heißt, wir werden ohnmächtig und das Leben entgleitet uns, ohne dass wir uns realisieren können.
    Über dieses Thema halte ich im September 2014 einen Vortrag auf dem skandinavischen TCM Kongress.
  • yi: harmonisieren. In der nährende Mitte, der gelben Erde, ruht die Gedankenseele. Wie heißt es so schön: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.Die Mitte harmonisiert nicht nur das Qi, sondern, und dies ist das Gleiche, auch all unsere Seelenaspekte. Die Gedankenseele nennen wir Intention. Intention bündelt unser Shen Qi und hilft uns, Dinge zu kreiieren, indem sie ihnen eine Bedeutung gibt, sie benennt.
    Und Worte sind magisch.

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Qi Bewegungen und fünf Elemente

6. und 7. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress:

 

Die Qi Bewegungen

 

(Eine extrem kurze Erklärung von Yin und Yang aus dem Vortrag für Laien anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.)

Beim Aufsteigen- Yang und Sinken-Yin des Qi unterscheiden die Chinesen vier Bewegungen und einen Ort, an dem sich alle begegnen.

Senken
Schließen
Anheben.
Öffnen.
Und das stille Verharren in der Mitte.

Viele kennen diese Bewegungen aus dem Qi Gong,dem Taijiquan und der Akupunktur.

7. Die fünf Wandernden, oft „fünf Elemente“ genannt

 

Und was ist mit den fünf Elementen? Zunächst, da es sich um Bewegungen handelt und nicht um Materialien, ist die Übersetzung „Elemente“ nicht so geschickt.
Elemente erinnert an unsere eigenen „vier Elemente“: Feuer, Wasser, Luft und Erde, leben zum Beispiel in den vier Farben unserer Spielkarten fort, in der Astrologie, Alchemie und in der alten europäischen Medizin. Im Westen gingen die Menschen davon aus, dass die Dinge aus bestimmten Grundzutaten, den vier Elementen, gemischt wurden, so wie unzählige verschiedene Kuchen ja auch immer wieder aus den selben Grundzutaten entstehen können.

Die Chinesen sahen das nicht so. Da alle Dinge sich unaufhörlich ineinander umwandeln, konnte es solche „Backrezepte“ nicht geben.
Die fünf Wandernden der Chinesen sind keine Zutaten, sondern Bewegungen. Aber inzwischen hat sich die Bezeichnung „Elemente“ eben eingeschliffen.

Eine Einteilung in fünf verschiedene Wandernde gibt es in China schon sehr lange.
Im alten China, zur Han Zeit (vor 2000 Jahren), hab es eine richtiggehende Mode, bei der versucht wurde, alle Erscheinungen in fünf Kategorien einzuteilen.

Im Westen tun viele Menschen dies mittlerweile auch.
Es ist offensichtlich ein tiefes Bedürfnis, das kreative Chaos, die Ursuppe des Lebens in ordentliche Schubladen zu packen.
Richtige Schubladen sind es freilich nicht.
Eher schon Schwingungsbereiche. Resonanzen.

Das eigentliche Wort für die fünf Elemente ist daher im Chinesischen auch: Die fünf Wandernden.

Senken. Metall. Kühl, reflektierend und abweisend.
Schließen. Wasser. Kalt, dunkel, tief und scheinbar ewig.
Heben. Holz. Warm, Biegsam, zart und sich ausbreitend.
Öffnen. Feuer. Heiß, gleisend und flüchtig.

In der Natur sehen wir diese Qualitäten in allem. Zum Beispiel im Kreislauf der Jahreszeiten.

Senken. Verblasstes Metall. Welken. Herbst.
Schließen. Schwarzes Wasser. Ruhende Samen. Winter.
Heben. Grünes Holz. Keimende Samen. Frühling.
Öffnen. Rotes Feuer. Blüte. Sommer.

Im Menschen werden diesen Qualitäten Organe und Emotionen zugeordnet.

Senken. Metall. Lunge. Trauer.
Schließen. Wasser. Nieren und Genitalien. Angst.
Heben. Holz. Leber. Wut.
Öffnen. Feuer. Das Herz. Freude.

Keine dieser Qualitäten kann anhalten.
Wenn wir versuchen, dennoch in einem bestimmten Zustand zu verharren, kommt es zu Störungen.
Wenn es verlangsamt, wandelt das Qi sich nur noch mit Mühe.

Damit alles immer schön in Wandlung bleibt und nciht auf der Stelle verharrt, gibt es eine fünfte Bewegung. Das Durchmischen und Ausgleichen. Die Harmonie.
Wir nennen sie die Mitte, das Zentrum. Das Element ist die gelbe Erde. Die Zeit der Ernte, des Essens, der Fülle und der Ernährung.
Ihre Gemütsbewegung ist die Sorge. Das verstehen wir: Wie eine gute Mutter hat die Erde viel zu tun.

Die gelbe Erde wird im Chinesischen mit einem anderen Wort bezeichnet als der tiefste Yin Pol aus der Pan Gu Geschichte.

Menschen mit einer starken Mitte können alles essen, sie verstehen sich mit allen Menschen. Sie sind mild und fürsorglich und versuchen, jedem gerecht zu werden.
Die Mitte ist wie eine gute Mutter, die sich um all ihre Kinder sorgt.

Für viele chinesische Ärzte ist die Mitte, der harmonisierende Ausgleich, das wichtigste Element. 
Im Körper sind dies Milz und Magen.
Wenn es zu viel zu verarbeiten gibt,
zu üppige Mahlzeiten, zu viel Informationen,
zu viel zu durchmischen,
zu viel Chaos, das wir ausgleichen müssen,
weiß das Qi nicht mehr wohin.
Es verlangsamt seine Bewegung und kreist immer um sich selbst.
Auch die Gedanken kreisen ohne Ende. Wir nennen dies Grübeln.

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Yin und Yang- und das Nichts

4. und 5. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Yin und Yang

(Eine extrem kurze Erklärung von Yin und Yang aus dem Vortrag für Laien anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.)

Die Bewegung nach oben nennen wir Yang.

Ursprünglich bezeichnet das Wort Yang das sonnigere von zwei Flussufern. Yang steigt und expandiert. Es erwärmt und erhellt.

Diese Bewegung ist leicht und schnell, wie das Auflodern einer Flamme oder das Aufpuffen eines Feuerwerkskörpers.
Ekstase hält nicht lange an.

Die Bewegung nach unten nennen wir Yin (Yin! nicht: „Ying“)

Yin ist das schattige Flussufer und bezeichnet das Hinabsinken und Auskristallisieren der schwereren Anteile.
Yin verdunkelt, kühlt und verlangsamt.
Yin verharrt lange. Manchmal so lange, dass die, die meinen, sie säßen in einem tiefen dunklen Loch meinen könnten, es wandle sich niemals mehr.
Das scheint aber nur so.

Nichts ist absolut. Ganz Yin oder ganz Yang. Alle Dinge im Universum haben einen Yin und einen Yang Aspekt und dieser ändert sich unaufhaltsam, so wie Licht und Schatten mit dem Kreisen der Sonne wandeln.

 

Wenn das Qi den oberen oder unteren Pol erreicht, dreht es seine Bewegung um.

Aus Yin wird Yang und umgekehrt.

Dies ist die wichtigste Lehre aus dem Yin –Yang denken:
Die Polarität dreht sich immer wieder um.

Es gibt kein gut und böse.
Es gibt keine Opfer und keine Täter.
Es gibt auch kein gesund und krank.

Es gibt nur Qi Bewegungen und die drehen sich immer wieder um und lösen sich in ihr Gegenteil auf.

Stillstand  ist eine Illusion.

Alles wandelt sich unaufhörlich, es steigt und fällt, es verdichtet sich und löst sich wieder  auf. So entstehen alle Erscheinungen des Universums und vergehen zugleich.

Die Physik erzählt uns, dass alle Partikel unaufhörlich neu entstehen. Wir sind keine Struktur sondern ein Prozess. In jeder Mikrosekunde werden wir neu aus dem Quanten Vakuum hervorgebracht.
Aus dem Nichts der Daoisten.


Das Nichts

„Wir werden aus dem Nichts hervorgewirbelt“, schrieb der Mystiker Rumi.

„Das Nichts nenne ich den Anfang von Himmel und Erde“, sagte Laozi.
(wu ming tian di zhi shi: Interpretation des Wang Bi, nach Heshanggong ist wu ming das „Dao, das nicht benannt werden kann“).
Die Daoisten liebten das Nichts. Das Nichts und das Dunkel.
Sie ließen lieber alles im Dunkel, in der Schwebe, namenlos und weich wie Wasser, das sich allen Formen anpasst.
Laozi warnte daher davor, Dingen einen Namen zugeben. „Das Dao, das benannt werden kann, ist nicht das Wahre Dao“, sagte er.

Bilder und Formen

Wenn wir uns etwas vorstellen, entstehen Bilder am Himmel. Daraus werden auf der Erde die Formen. Das Aufsteigen unserer Träume zum Himmel geht leicht, den sie sind leicht und luftig, eben Yang.
Sie in die Realität zu bringen, Auskristallisieren zu lassen, ist langwieriger, wie wir aus der Geschichte von Pan Gu kennen.
Aber die Vision steht am Anfang jeder Schöpfung. Die visionäre Kraft erhalten wir, indem wir uns mit dem Himmel verbinden.
Danach beginnt der Alltag. Mit dem Alltag zurechtzukommen ist eine Funktion der Mitte. Der Gedankenseele, die den Dingen Bedeutung gibt. Davon später…

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Himmel- Mensch- Erde

3. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Die Einheit von Himmel- Mensch- Erde

 

(Dieser Vortrag ist bewusst ganz einfach gehalten und soll den vielen Menschen, die sich vielleicht für chinesische Medizin interessieren, die aber nicht vom Fach sind, einen ersten Eindruck verschaffen.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.)

Himmel und Erde von Fu BaoshiDie Vorstellung, dass Himmel, Erde und Mensch eine Einheit bilden, blieb in China bis heute erhalten.

In der Akupunktur und im Qi Gong ist der Mensch die Achse, die Himmel und Erde verbindet.
Winzig klein- aber die Achse von allem, was ist.

Im Qi Gong. Beim Taiji Quan. Im Fengshui.

Selbst die Nadeln der Akupunktur, die von oberflächlichen Hautschichten bis ganz in die Tiefe dringt, ahmen dies nach.
Genau wie die Finger beim Pulsfühlen, die von außen nach innen dringen und dabei die Seele des Tastenden immer tiefer in die Welt des Erfühlten hineinsinken lassen.

Himmel- Mensch- Erde: Wie im Großen so im Kleinen.

Lange Zeit, nach dem der Mythos von Pan Gu entstanden war, schrieb ein neokonfuzianischer Philosoph, Zhang Cai:

Himmel ist der Vater und Erde ist die Mutter.
Ich, dieses winzige Wesen, bin mittendrin hineingemischt.
Daher ist alles, was den Raum zwischen Himmel und Erde anfüllt, mein Körper
und alles, was Himmel und Erde lenkt, ist meine Natur.“

(westliche Inschrift, 11. Jhd.)

Alles, was den Raum zwischen Himmel und Erde anfüllt, kann man auch Qi nennen.
Qi ist ein altes Wort, das den Duft von Reis bezeichnet. Der Duft des Reises ist nicht immateriell aber auch nicht materiell. Er ist eine Substanz, die zwischen Verdichtung und Auflösung fluktuiert.
Genau wie der Mensch.
Genau wie alle Dinge in der Geschichte von Pan Gu.

In der Philosophie von Himmel- Mensch- Erde haben wir kein Märchen mehr, sondern alte chinesische Naturphilosophie. Die Philosophie von Yin und Yang, die immer wieder ineinander übergehen und sich dabei immer wieder transformieren.

Diese Philosophie ist ein Kind des Wissen der alten Schamanen, die in China, wie in aller Welt, den Kosmos als eine Einheit erlebten. Im Schamanismus ist alles miteinander verbunden, verwandt, eine Famile. Alles lebt und stirbt und nichts geht verloren.

In der Philosophier von Yin und Yang wird das ursprüngliche dunkle Chaos an einer Art Wasserscheide geteilt, dem Dachfirsten, auf Chinesisch: Taiji.
Das Taiji teilt oben und unten. Yin sinkt ab, Yang schwebt nach oben.

Beim Taiji Quan ahmen Sie diese Bewegung nach.

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Verlorene Seelen und Medizin der Seele

Die verlorene Seele

Die meisten Menschen nehmen das Defizit durchaus wahr. Auch wenn nicht alle sich trauen, offen darüber zu reden: In unserem modernen Denken ist kein Platz für die Seele.
In unserer Sprache jedoch, dieser wundervollen Schatztruhe der kollektiven Erinnerung, finden wir bis heute die Vorstellungen unserer Vorfahren von Seelen, die wandern, sich herumtreiben oder manchmal ganz verloren gehen.
Wir sagen:

  • „Ich bin nicht ganz bei mir“.
  • „Ich bin nicht ganz bei Trost“.
  • „Ich bin von allen guten Geistern verlassen“.
  • „Ich stehe neben mir“,
  • „Ich bin gar nicht richtig da“,
  • „An jenem Tag ist ein Teil von mir gestorben“.

Nun. Was genau meinen wir mit solchen Aussagen? Würde es nicht reichen, zu sagen, ich kann mich nicht konzentrieren oder mein Geist ist wie benebelt?
Nein. Offensichtlich nicht. Benebelt zu sein, ist etwas vollkommen anderes als nicht ganz da zu sein- obwohl wir durchaus an beiden Zuständen zugleich leiden können. Gegen das benebelt sein hilft ein Glas Wasser, ein Kaffee, frische Luft. Gegen das nicht-ganz-da-sein hilft der Kaffee nicht.
Nicht richtig da zu sein, ist mehr als eine vorübergehende geistige Verwirrung.
Neben sich zu stehen, ist keine Denkstörung sondern eine sehr reale Wahrnehmung.

Unsere Seele, oder ein Teil davon, ist uns abhandengekommen. Wie im Märchen vom verlorenen Schatten.

Doch nicht nur die verlorene Seele wird beschrieben. Auch für das Zuviel gibt es unzählige Ausdrucksweisen:

  • „Sie lebt in mir“.
  • „Er geht mir nicht aus dem Kopf“.
  • „Du liegst mir schwer im Magen“.
  •   „Ich bin wie besessen von ihr“.
  •  „Manchmal bin ich gar nicht ich selbst“.

Unsere Sprache zweifelt also offensichtlich weder daran, dass unsere Seele verloren gehen kann, noch daran, dass fremde Besucher sich in ihr einnisten können.
Nur wir selbst, wir zweifeln oft sogar daran, dass wir überhaupt eine Seele haben.
Und in unserer technologischen Medizin sind wir uns sogar ganz sicher: Seele gibt es nicht.

In der Seelenmedizin ist die Seele alles

.Seelen verkörpern sich und erschaffen ihre eigene Welt.
Eine Seelenmedizinerin weiß, dass viele Seelen im Verlauf dieses In-die Welt-Tretens zerstückelt werden und ihr Leid und ihre Konflikte in Form von körperlichen Beschwerden manifestieren.
Ein Seelenmediziner weiß, dass Verluste von Seelenteilen und Besetzungen durch Seelenteile anderer Menschen zu Krankheiten führen. Er weiß, wie es zu solchen Verlusten und Besetzungen kommt und wie wir diese heilen können.

Seelenmedizin verdankt viele ihrer Ideen den schamanischen Traditionen der Völker der Welt. Unsere europäischen Vorfahren wussten um die Bedeutung der Seele und sie kannten viele Techniken, um mit diesen Kräften zu arbeiten. In Europa war dieses Wissen bis vor kurzem nur noch in abgelegenen Gebirgstälern zu finden. Seit einigen Jahrzehnten bemühen Menschen sich um die Wiederbelebung dieser Traditionen.
In anderen Regionen der Welt sind schamanische und seelenmedizinische Traditionen noch lebendiger.  Doch hinter vielen der bunten folkloristischen Fassaden verbirgt sich nicht viel mehr als Konsum und leeres Ritual, oft teuer verkauft an Heilsuchende aus aller Welt. Wahre Perlen gibt es, doch sind sie schwer zu finden.

Chinesische Medizin als Seelenmedizin

Auf einem Qi Gong Kongress in Hamburg hatte ich vergangenes Wochenende das Vergnügen über die schamanischen Wurzeln der chinesischen Medizin zu sprechen.
In der Chinesischen Medizin ist der Grundgedanke der Gedanke, dass alles miteinander verbunden ist. Der Kosmos ist ein großer lebendiger Organismus. Ein selbstorganisierender Prozess– wie mensch auch sagen könnte.

Wenn wir alles als Eins und miteinander verbunden begreifen, begreifen wir auch, dass Qi und Seele letztendlich das Gleiche sind.
Seele ist Qi- von innen betrachtet.
Seele ist der Yin Aspekt des Qi. Qi ist der Yang Aspekt der Seele. Da Yin und Yang aber nicht voneinander zu trennen sind- Sind Qi und Seele eins.

Seele oder Qi- Yin oder Yang in der Wahrnehmung der Einheit

Unser Leben- Qi und Seele- werden unterschiedlich erlebt.
Manche Menschen nehmen auf Yang Weise wahr- dann empfinden sie vielleicht eher eine taube Stelle am Körper oder irgendwelche Funktionseinbußen.
Andere Menschen nehmen auf Yin Weise wahr- sie empfinden dann in einer ähnlichen Situation ihr seelisches Abgeschnittensein oder einfach große Traurigkeit.

In unserer Welt folgt daraus, dass die Yang Menschen von Arzt zu Arzt rennen, oft ganze Arzt Odyseen hinter sich bringen, bei der oft niemand was findet, nur nur sehr unspezifische Syndrome- am besten mit eindrucksvollen Namen, die übertuschen sollen, dass keiner versteht, was da los ist.
Die Yin Menschen, die mit der Einsamkeit undder Abgeschnittenheit hingegen leiden still. Vielleicht konsumieren sie Psychopillen (Antidepressiva) oder Alkohol. Im großen und ganzen fühlen sie sich einfach auf unsägliche Weise dem Leben nicht gewachsen. Auch dann, wenn sie beruflich erfolgreich sind, fühlen sie sich irgendwie als „Betrüger“ und „Hochstapler“.

Seelenrückführung- was ist das

Es gibt heutzutage eine Menge kommerzielle Angebote, die Seele zurückgeführt zu bekommen. Unsere Vorfahren machten dafür einen Spaziergang im Wald. Seelenrückführung ist eigentlich nichts Besonderes. Seelenanteile kommen meist sehr schnell zurück. Da unsere Seele bei aller Zerstückelung heil und eins ist, brauchen wir uns nur an diesen Zustand der Ganzheit zu erinnern(daher der Spaziergang in der Natur) und schwupps ist sie wieder da.
Die Augen werden feucht, wir weinen, und wir fühlen uns für einen Augenblick zutiefst gerührt.

Wir tun dies im Traum. Beim Sex. Beim Bungee-Springen oder Bergsteigen. Beim Tanzen oder Musikhören. Im Gebet oder in der Meditation.
Sehr schwierige und unerreichbare Seelenteile erreichen wir durch Akupunktur.

Genauso schnell ist sie dann oft wieder weg. (Daher der tägliche Spaziergang im Wald unserer Großeltern. Der Sonntagsspaziergang in die Fußgängerzone ist kein Ersatz.)
Die eigentliche Kunst beim Seelenzurückführen ist die Integration dieser Seelenteile. (Die sind ja schließlich nicht grundlos davongeschwirrt.)
In einer weitgehend seelenlosen Kultur ist dies sehr schwer.

Wahrer Schamanismus als Gemeinschaftswerk

Das Besondere der schamanischen Traditionen sind ihre tiefen Wurzeln in einer menschlichen Gemeinschaft, in der die Seele sich zurechtfindet und geborgen ist. Hier ist alles beseelt und alles gehört zusammen.Traditionelle Schamanen arbeiten nicht mit einem Trommeltonband und schon gar nicht alleine.
Schamanische Seelenrückführung ist kein Einzelkämpferakt. Eine  traditionelle Heilung ist Sache der Gemeinschaft.
Eine Schamanin ist nichts ohne all die Menschen, die das Feuer machen, das Essen zubereiten, die Musiker und Tänzerinnen, die kreischenden Kinder,  die Verwandten, die dem Kranken beistehen, die lebenden und die toten, die menschlichen und alle anderen. Denn auch die endlosen Reihen der Ahnen und die Geister der Landschaft, die Totemtiere und Pflanzengeister wirken an einer schamanischen Heilung mit.
Eine lebendige Gemeinschaft ist weit weit mehr als ethnographisches Beiwerk, wie der Core Schamanismus behauptet.
Eine lebendige Gemeinschaft ist der Nährboden für die schamanische Arbeit. Sie ist das Yin in dem das Yang, die Seelenreise, die Trance und was immer der Schamane tut, wurzeln kann.

Punktuelle schamanische Interventionen außerhalb einer lebendigen Gemeinschaft können zu großen Problemen führen, wenn die „Geheilten“ danach alleine gelassen werden.

Der eigentliche Kampf beginnt nach der Seelenrückholung.

Es stimmt und immer mehr Menschen wissen dies auch: Eine heile Seele, das Gefühl von Einheit mit allem, ist die Voraussetzung für die Heilung des Körpers.
Doch mit einer gewaltsamen Zurückführung besonders hartnäckig verschwundener Seelenanteile beginnt für viele der eigentliche Leidensweg. Solange wir keinen Zugang zu dem verlorenen Seelenanteil hatten, waren wir vielleicht abwesend oder in vielen Dingen nicht ganz da. Doch nun, da wir wieder alles spüren, spüren wir zunächst vor allem all das, was gar nicht in Ordnung war. Die Gründe also, warum die Seele überhaupt erst fliehen musste. Erinnerungen kommen zurück, die oft nur schwer zu ertragen sind. Die Welt stürzt auf uns ein. Die Seele flieht erneut und wird sich nun nicht mehr so schnell zurückholen lassen.
(In der Traumatherapie würden wir dies Retraumatisierung nennen und Retraumatisierung ist ein schwerer Fehler, denn mit jedem Mal, das wir ein Trauma erleben, bahnen sich die physiologischen Reaktionen tiefer. Bei Trauma ist „Abhärtung“ der falsche Weg.)

In unserer Welt, in der nur noch wenige Dinge gewiss sind und jeder mehr schlecht als recht sein eigenes Universum zurechtbastelt, ist ein zurückgeholter Seelenanteil sehr viel schwerer zu integrieren, als in einer Stammeskultur, in der alle wissen, was zu tun ist und wie so eine Seele zu pflegen ist.
In einer heilen Gemeinschaft wird die Arbeit der Reintegration gemeinsam getan. Es gibt ein Festessen, Musik und Tanz, oft tagelang, und auch danach wird niemand alleine gelassen.

Lange dunkle Nacht der Seele- alias Depression: Wenn die Seele von selbst den Weg sucht

In der chinesischen Tradition wird viel Wert darauf gelegt, mit dem Qi zu arbeiten und nicht dagegen. Alle Dinge haben ihre Zeit. Wenn die Zeit reif ist, kommen auch weit weit fortgeflogene Seelen ohne große Gewaltaktion zurück.

Die Seele sehnt sich nach Hause.

Ein sehr poetischer Ausdruck für diese Sehnsucht ist „lange dunkle Nacht der Seele“. Manche Menschen leiden jahrelang unter Traurigkeit. Dem Verlust unserer ursprünglichen Einheit mit allem.
Eine Trennung- Verlassenwerden- Betrogenwerden- Liebeskummer- zerstört dann oft das letzte Stück Verbundenheit mit der Welt, das sie vielleicht spürten. Dann bricht der Damm und sie halten den Schmerz nicht mehr aus. Die meisten, gerade „gestandene“ erwachsene Menschen verstehen selbst nicht, warum ein „bisschen Liebeskummer“ ihnen so vollständig den Boden unter den Füßen wegziehen kann.
Es ist verständlich, wenn viele irgendwann zu „Happy Pills“, zu Antidepressiva zu greifen. Es ist auch verständlich, wenn Ärzte in ihrer Hilflosigkeit welche verordnen. Wer will schon mitansehen, wie jemand sooo traurig ist.

Traurigkeit ist kein Verbrechen, sie ist keine Charakterschwäche und sie ist vor allem auch keine Krankheit.
Genau wie die Angst Medizin sein kann, kann auch Traurigkeit Medizin sein.

Die gleiche Kultur, die aus der heiligen Trommel ein Trommeltonband gemacht hat– hat aus unserer heiligen Traurigkeit ein behandlungsbedürftige Krankheit gemacht.
Wir brauchen dies nicht länger hinzunehmen. Wir sind keine „plastic people“.
Wir dürfen so lange traurig sein, wie notwendig, wenn der Schmerz groß genug ist, wenn die Tränen ausreichend viele sind, wenn der tiefe innere Wunsch immer stärker geworden ist- dann kommt die Seele zurück.

Viele Menschen leiden unter solchen Schmerzen.
Vielleicht mag dies für manche ein Trost sein:
Wenn die Not und der seelische Schmerz kaum noch zu ertragen sind, sind wir oft nur noch einen winzigen Schritt entfernt von der Heilung.
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.
Oder, chinesisch ausgedrückt: Extremes Yin bringt Yang hervor.

Noch ein Hinweis: Wenn Sie ein bisschen wühlen und herumclicken: Hier auf meiner Homepage findet sich allerlei, zur Aufmunterung trauriger Menschen. Sporadisch wird noch mehr dazukommen.
Ich habe selbst ausreichend Schmerz erlebt. Ich kann mitreden. Mein tiefer Wunsch ist es, Ihnen zu helfen. Diese Homepage, meine Bücher und meine Kurse sollen dazu beitragen.

Und wenn die Seele zurückkommt- was dann?

Erst fließen ein paar Tränen der Rührung. Dann sind die meisten so froh wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Farben leuchten wieder. Das Essen schmeckt wieder. Beschwerden verschwinden.
Aber auch Schmerzen werden nun wieder stärker gefühlt. Es knackt und knirrscht im ganzen Körper. Viele Patientinnen machen danach eine recht holprige Phase durch. Manchmal sind die Schmerzen in vormals tauben Körperteilen kaum noch auszuhalten. Vor allem in der Nacht. (Es ist so, wie wenn ein eingeschlafenes Bein wieder zum Leben erwacht- nur viel schlimmer.)
Diese körperlichen Schmerzen dauern nicht so lange. Meist nur ein paar Tage.
Länger dauern Hautausschläge. Manche Menschen werden fleckig rot. Es juckt. Es ist, als ob sich lange Zeit vereiste Gefühle nach außen durchbrechen.
Die Diagnose des Hautarztes lautet oft Acne rosazea. Er wird Ihnen sagen, dass man diese schulmedizinisch nicht behandeln kann, dass sie aber bald vorbei geht. Da hat er recht.

Bei denen, die mehr im Yin erleben, kommen vielleicht Erinnerungen in Form von Alpträumen und Wachträumen. Schön ist das auch nicht, aber Sie werden sehr viel über sich lebst lernen und vieles besser einordnen können.

Ob Yang oder Yin: Wir fühlen alles wieder intensiver- sowohl im Yang- im Körper- als auch im Yin- seelisch.
Veränderung- vor allem Heilung- schmerzt.

Unterstützen können, in etwa dieser Reihenfolge:

  • Spiritualität (beten)
  • Musizieren oder Singen oder Tanzen
  • anderen Wesen helfen
  • Kontakt mit lebenden Pflanzen- rausgehen
  • Kontakt mit Tieren
  • Kontakt mit Kindern
  • Freunde und Freundinnen mit Einfühlungsvermögen und Erfahrung
  • ganz zuletzt: Akupunkturnadeln, Kräutern, Körpertherapie oder andere Mittel, die die Seele und Qi wieder „glattbügeln“.

    Eine intakte Seele bedeutet, die Einheit mit allem, was ist, zu spüren. Liebe.
    Aus welcher Perspektive Ihnen dies am Besten gelingt, wissen nur Sie.

 

Du brauchst einen Guru.

Du brauchst einen Guru. Wieso eigentlich?

Ich hab eine alte Freundin, ehemalige Lehrerin, und vielleicht ist das ja der Ausgangspunkt des Ganzen,  also besagte Freundin behauptet, immer mal wieder und meistens aus heiterem Himmel:

„So kommst du nicht weiter. Du musst dir einen Lehrer suchen.“

Diese Aussage entgleitet ihrem Mund wie eine unbestreitbare Tatsache. In etwa so wie: „Regen fällt immer von oben nach unten“ oder „Wenn Du dir den Hals zuschnürst, wirst du blau anlaufen.“ An dieser Stelle fällt es mir, wie Sie bemerken, schwer, eine wirklich unbestreitbare Tatsache zu finden. Eine Art monumentum aere perennius der Wahrheit.
Aber stellen wir uns einfach vor, Regen würde wirklich immer von oben nach unten fallen. Tun wir so, als gäbe es keine Stürme, die das Wasser waagrecht am Fenster vorbeipeitschen und als wäre selbst die unfassbare Schwerkraft so etwas wie eine verlässliche und quasi ewige Größe.
Für die, denen das nicht gelingt, als weiteres Beispiel das mit dem zugeschnürten Hals.

Es geht auch nicht daran, ob wir jetzt ein Beispiel für eine solche immerwährende Wahrheit finden. Es geht darum, dass meine Freundin es schon gefunden hat.
Ihre Wahrheit lautet: Jeder Mensch braucht einen Lehrer und wer keinen Lehrer hat, sollte sich tunlichst aufmachen, einen zu finden, sonst kommt sie nicht weiter .

„Du brauchst einen Guru.“, insistiert sie, hartnäckig, immer wieder, just wie weiland der ältere Cato, der bei jedem beliebigen Thema anmerkte, man müsse übrigens außerdem auch noch die blühende Stadt Karthago dem Erdboden gleichmachen.
Seit Jahren kommt meine Antwort auf dieses Ansinnen (das mit dem Guru) so spontan wie knapp: „Ne.“
An sehr gesprächigen Tagen sage ich eventuell: „Ne. Wieso?“

Die beredte und wortgewaltige Frage „Wieso?“ drückt vieles zugleich aus.
Hier kommt mein Blogbeitrag zum Lehren und zum Lernen. Für all die Gurus dieser Welt.
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Guter Sex- Schlechter Sex: Chinesisch gesehen.

Schlechter Sex macht krank

Über Yin Leere nach dem Orgasmus habe ich schon einmal geschrieben. Ich erhalte viel Leserinnen Post darüber. Die meisten meiner Leserinnen wundern sich darüber, sind ziemlich ratlos und vor allem allein. Eigentlich ist das Problem aber nicht so ungewöhnlich. Hierzulande mag nur niemand darüber reden oder gar fragen, weil doch offensichtlich alle anderen eh schon alles über Sex wissen.
Woher eigentlich? Aus dem Porno- Kanal? Dem Fernsehen? Der Schule?
Die meisten wissen also herzlich wenig und da dies mit zunehmendem Alter immer peinlicher ist, fragt auch keiner mal nach. Wer aber nicht fragt, bleibt dumm!

Hier also noch einmal:
Schlechter oder ungeschickter Sex macht:

  • Infektanfälligkeit (schwaches Immunsystem)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Ohrgeräusche
  • Tinnitus
  • Weinerlichkeit
  • Schweißausbrüche
  • Nervosität
  • Nasenbluten

Was aber ist guter Sex?

Was krank macht, ist vor allem Sex mit zu viel Essenzverlust. Also genau die Art von Sex, die wir hierzulande „guten Sex“ zu nennen pflegen (multipe Orgasmen, bitteschön. Olympische Orgasmusrekorde!)
Masturbation ist auch Essenzverlust. Vor dem Bildschirm (Strahlenbelastung) noch mehr, möchte ich behaupten. Im alten China wurde jedenfalls vor ähnlichen Situationen  (Gewittern, Stürmen, Sonnenfinsternissen) im Zusammenhang mit Sex gewarnt.
Es wurde auch stark davor gewarnt, sich künstlich zu erregen.
Internet-Sex ist so betrachtet wohl doch nicht die Lösung.

Der Impuls für Sex sollte spontan enstehen und nicht durch Stimulantien und stimulierende Bilder kommen. Durch spontane Erregung wird die Essenz des Menschen zu sogenannten „heißen Dämpfen“. Die heißen Dämpfe von Mann und Frau vermischen sich beim Sex in einem alchimistischen Prozess. Mann und Frau werden dadurch innig miteinander verbunden und gestärkt.
Anstatt möglichst oft zu ejakulieren und die Orgasmen zu zählen, sollten Paare lieber mal auf die Uhr sehen: Im alten China gab es Menschen, die stundenlangen Sex ausübten, um die Unsterblichkeit zu finden und auch heute ist dies möglich. Der stundenlange Sex auf jeden Fall. Die Unsterblichkeit zu erreichen ist wohl kniffliger.

Impotenz: keine Frage des Alters

Schlechter Sex macht nicht nur krank. Er macht auch impotent. Häufiger Essenzverlust, das heißt schlechter, hektischer oder alkoholisierter, künstlich erregter Sex und häufige Masturbation können nach Meinung der chinesischen Medizin auch zu Impotenz führen. Ich würde dies nicht so ohne Weiteres mit einem Lächeln abtun:
Die Chinesische Medizin versteht eine Menge von Sex. Es gibt wohl keine bessere und ausgeklügeltere Medizin für Störungen der Sexualität als die chinesische. 

Zusammen mit den alten Chinesen muss also gesagt werden: Mit dem Alter hat Impotenz nichts zu tun. Während wir hierzulande der Meinung sind, Männer ab vierzig haben zunehmend selten Sex und ab fünfzig geht ohne Viagra nichts mehr, waren die alten Chinesen absolut nicht dieser Ansicht. Sex war keine Altersfrage. Nur die Ejakulationen wurden seltener. Die Potenz der Männer blieb mit etwas Pflege, das heißt mit gutem Sex und stärkenden Pflanzentonika, immer erhalten.
Sex wurde sogar zur Lebensverlängerung verwendet. Hormontherapie chinesisch.

Also noch einmal. Guter Sex wird mit dem Alter besser.
Bei Frauen ohnehin. Ab vierzig Wölfinnen, ab fünfzig Tigerinnen- lautet ein Sprichwort.
(Mehr darüber steht im „Weg der Kaiserin- jetzt auch auf Englisch: The path of the Empress.)

Schlechter Sex hingegen, wie schon gesagt: Nicht gut. Vor allem, wenn Mensch so tut, als gäb es kein Problem.

Aber es gibt Paare, die sind sensibel genug, sich selbst wahrzunehmen und mutig, einmal nachzufragen und wenn sie sich dann auch noch so lieben, dann sind die Aussichten rosig.
La vie en rose!

Hier mal wieder einer der vielen lieben Leserinnen- Briefe, die mich täglich erreichen:

(ich habe ihn anonymisiert, versteht sich!)
Sehr geehrte Frau Bodenschatz-Li,

mit großer Begeisterung habe ich mit 14 ihr Buch „Der Weg der
Kaiserin“ gelesen und es begleitet mich seit dem in meinem Leben als
große Inspirationsquelle.
Ich hab mich über die Jahre weiterhin mit Begeisterung mit
chinesischer Medizin beschäftigt und habe darin eine wahre
Bereicherung in meinem Leben erfahren.
Hierfür wollte ich mich zuallererst bei Ihnen bedanken!

Seit knapp einem halben Jahr nun bin ich in einer wunderbaren, sehr
tiefgehenden Liebesbeziehung. Obwohl unsere Sexualität sehr
respektvoll, zärtlich und fürsorglich ist, habe ich dennoch das
Gefühl, dass sie uns nicht immer gut tut.
Wir haben defintiv eine sehr positive Entwicklung durchgemacht, doch
habe ich noch immer das Gefühl, dass etwas „nicht stimmt“.

Ich habe mich nach Literatur umgesehen, die Sexualität & TCM betrifft,
bin jedoch immer nur auf Bücher gestoßen die von Männern (und wie mir
scheint für Männer) verfasst wurden.
Ich wollte Sie um Rat fragen, auf welche Art ich mir „altes Wissen“
über Frauenmedizin und Sexualität aneignen kann, die mich und meinen
Geliebten stärkt.
Ich rede offen mit meinem Freund darüber, doch ihm geht es genauso wie mir.

Ich wünsche mir für uns eine Sexualität die uns stärkt und die uns gut tut.
Es macht mich aber traurig, sehr oft das Gegenteil zu erleben, obwohl
wir uns so sehr lieben.
Nachdem wir uns geliebt haben, fühlen wir uns beide eher schwach,
ausgelaugt und sind sogar anfällig für Krankheiten.

Also, um auf den Punkt zu kommen. Ich weiß dass mein Freund der
richtige (junge) Mann für mich ist, daran besteht kein Zweifel.
Trotzdem habe ich das Gefühl, sehr viel Energie zu verlieren und denke,
ihm geht es genauso.
Ich weiß nicht, wie ich dem entgegenwirken kann und bitte Sie um Rat.

Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Mit freundlichsten Grüßen, großer Bewunderung und ehrwürdigem Respekt,

X

Liebe X,

herzlichen Dank für Ihren Brief und Ihr Vertrauen.

Es gibt tatsächlich ein paar Bücher über daoistischen Sex in westlichen Sprachen. Meistens geht es aber darin um die Männer, das Zurückhalten des Spermas und multiple Orgasmen. Da haben Sie ganz recht.

Daoistische Nonnen haben über sehr weitreichendes Sex-Wissen verfügt und dieses auch praktiziert. Sex war daoistischen Mönchen und Nonnen verboten, solange sie nicht in der Lage waren, ihr Qi zu führen. Danach war er in geheimen und sehr esoterischen Zeremonien auch zwischen Mönchen und Nonnen wieder erlaubt.

Im Wesentlichen geht es darum, beim Orgasmus die Essenz im Kleinen Kreislauf herumzuführen. Das heißt, vorne hinunter bis zum Damm und dann durch das Steißbein wieder nach obenbis zum Scheitel. Die Vorübung dafür ist das Yin-Versiegeln, wie wir es auch im Buch: Der Weg der Kaiserin beschrieben haben.
Der Kleine Kreislauf wird in vielen Anfängerkursen für Qi Gong unterrichtet. Sie können Ihn auch einfach googlen. Üben Sie das solange, bis es quasi automatisch mit der Atmung wird. Diese Atmung können Sie dann, aber erst dann, gemeinsam während des Sexes durchführen. Beim Orgasmus führen Sie dann nicht nur ihr eigenes Qi sondern auch das des Partners mit nach oben. Dieser tut das gleiche. Sie tauschen also ihre Essenz miteinander aus. Dies geht sowohl über die Genitalien als auch über den Mund und die Zunge. Dabei entstehen dann verschiedene Kreisläufe. Im Prinzip ist dies aber auch dann immer der „Kleine Kreislauf des Qi Gong“.
Dies ist ein alchimistischer Prozess, beim dem Sie beide erneuert und gestärkt werden. Es gibt ein sehr intensives und ruhiges gemeinsames Erleben und schwächt nicht. Im Gegenteil wurde es einst praktizert, um Unsterblichkeit zu erlangen.
Da diese Praxis langes Üben, viel Ruhe und große Intimität erfordert, haben sie wohl nur wenige Paare in dieser Form realisieren können. Im alten China wurde stattdessen oft ganz von Sex abgeraten, bzw die Männer sollten zumindest nicht ejakulieren.
Die Störungen nach dem Orgasmus sind zahllos und es wundert mich, dass hierzulande niemand darüber sprechen mag. Wir sind eben doch recht verklemmt.

Zurück zu unserer Übung: So, wie Sie Ihre Liebe beschreiben, haben Sie die besten Voraussetzungen, es mit der Übung zu versuchen.

Sollten Sie dennoch weiterhin beim Sex zuviel Essenz verlieren, gibt es dafür spezielle Kräutermischungen, die Ihr Yin stärken und verhindern, dass Sie sich ganz und gar verlieren. Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie noch Fragen haben!

viel Liebe,
Christine Li

Mensch Alter!

Anti- Aging? Vor was haben Sie Angst?


Mon Dieu! Que la vieillesse est donc un meuble inconfortable! *

(Colette – in: Correspondance, le 5 décembre 1949)

Zitat dankbar geklaut aus dem Blog des Büros für besondere Maßnahmen. http://mojour.blogspot.de/
So sieht es aus. Das Altern ist in der Tat ein unbequemes Möbelstück. Nichts für Menschen mit schlechten Nerven und hierzulande allemal.
Respekt vor dem Alter? Ach was. Respekt muss man sich schließlich verdienen. Verdient wird hierzulande vor allem Geld. Entsprechend wird vor allem für diejenigen Alten Respekt gezeigt, die genug auf die Seite gelegt haben, um teure und vermutlich außerordentlich langweilige Kreuzfahrten zu buchen.
Alle anderen müssen sich mit billiger Antifalten-Creme über Wasser halten. Denn darauf kommt es in erster Linie an: Wenn schon alt, dann wenigstens so, dass keiner was merkt. Hier könnte ich noch eine Weile weitermeckern, aber das wäre vergleichsweise uninteressant.

Irgendeinen Sinn unterstelle ich der Tatsache, dass wir meist nicht, wie weiland unsere Vorfahren mit knapp fünfzig das Zeitliche segnen. Alles hat einen Sinn. Doch wozu genau brauchen wir alte Menschen?

Eine interessante These besagt, dass im Laufe der zunehmenden Komplexität unserer Gesellschaft das Wissen der Alten notwendig war, um die Kontinuität der Tradition zu erhalten. Die Alten wussten einfach mehr. Um als Bauern zu überleben, brauchten die Menschen viel spezialisiertes Wissen.  Heutzutage ist diese Art von Sachwissen kaum noch notwendig. Der Apfelbaum ist geklont, damit die Würmer nicht dran knabbern, und um das Rezept für das allerbeste Gen-Apfelmus zu finden, schaue ich ins Internet.

Dennoch, ein Menschen, der seine Wurzeln so tief in den Boden des Lebens gewühlt hat, dass in seiner/ihrer Seele etwas gewachsen ist schön.
Überlebenswille, Verwurzelung, Gelassenheit. Liebe. Weisheit.
All diese Dinge werden uns nicht in die Wiege gelegt. Sie sind die Frucht eines Lebens voller Härte und Entbehrung.

Möge dir die Erde leicht sein, wünschten sich die Menschen dereinst, denn die Erde ist nicht immer allzu leicht. Die Alten Chinesen verordneten alten Menschen Kuren, die von den Würmern böser Erinnerungen befreien und Kräuter, die „den Körper leicht machen“. Magische Kräuter, die der Seele zum Flug verhelfen und die, welch lustiges Missverständnis, heute gerne zum Abnehmen verordnet werden. …
Die Erde ist nicht immer leicht. Sie kann lieblich sein, aber genauso oft gefährlich und stürmisch. Es gilt, sich nicht vom ersten Wind umwehen zu lassen, sich nicht von Würmern auffressen lassen, sich nicht fortspülen zu lassen.
Das Leben wirft uns viel Schmerz,  viel Widerwärtigkeit und  viele Herausforderungen vor die Füße. Ein alter Mensch hat all diese überlebt, denn sonst wäre er nicht mehr.  Sie hat ihre eigene Mixtur aus Härte und Flexibilität erprobt. Sie kennt Schlauheit, Kampfeslust und volkommene  Hingabe. Was solche alten Menschen wissen, ist die Kunst, auf dieser Erde zu überleben und dabei lebendig zu bleiben.

An der Wand in meinem Salon hängen Photos von alten Heilern. Einige über hundert Jahre alt. Schamanen leben mit dem Tod. Sie kennen die Angst und das Leid. Sie haben mehr gesehen, als die meisten Menschen ertragen könnten, und ihre Augen sind voller Liebe.

Schau ich mich um, so finde ich kaum so einen Menschen.

Die gegenwärtige Generation der Alten gehört der vielleicht ersten „Generation Spaß“ der Menschheitsgeschichte an.
Sie wollen vor allem Entertainment, Gourmet- Food, ihre Ruhe und keinen Schmerz. Vor allem keinen Schmerz. Regelmäßige „Check-ups“ sollen dafür sorgen, dass der ganze Körper möglichst so bleibt, wie er war. Sobald ein Laborwert sich ändert, muss eine Pille her. Traurig? Noch eine Pille. Schlaflos? Noch eine Pille. Impotent? Muskelschwund? Hormone! Bluthochdruck, das Herz verhärtet und zu? Adern aufbohren oder ganz austauschen und noch ein  paar Pillen.
Das Herz geht so nicht auf, aber es tut auch nicht mehr weh. Keine Sehnsucht mehr, die daran rütteln könnte.

Angst gehört zum Alter, aber sie ist nicht das Ende

Das Alter ist der Winter des Lebens. In der Lehre der fünf Elemente ist dies die Zeit der Angst. Angst macht alt. Wer diese Angst überwindet, durch sie hindurchgeht, darf auf den Frühling hoffen. Auf ewiges Leben.

Ver-ängstigte Menschen halten sich ab der Lebensmitte mit einem Sammelsurium von Pillen über Wasser, die auf ausgeklügelte Weise die Seele töten, weil sie nämlich rein gar nichts mehr spüren darf. Vor allem keine Angst. Sie gleichen mehr einem ausgehöhlten Baum, der von unzähligen Metallpfeilern gestützt werden muss und dessen Mark schon lange durch Beton ersetzt wurde, als einer knorrigen Eiche. Nichts mehr fühlen, sich nichts mehr zutrauen ohne an ein Dauer EKG angeschlossen zu sein, aber um Himmels willen irgendwie weitervegetieren.
Ich möchte keinesfalls über Menschen herziehen, die Pillen einnehmen oder sich gefährlichen Operationen unterziehen müssen.  Jeder hat eine individuelle Geschichte und es liegt mir fern, jemanden dafür zu verurteilen.

Aber ich möchte hier leise zu bedenken geben: Unsere Medizin ist oft der Versuch, sich gegen jede Veränderung zu stemmen und die Menschen zu konservieren wie Früchte in einem Einmachglas. Sehr lebendig sind solche Früchte nicht.

Krankheiten und Schmerzen sind naturgegebene Herausforderungen des Lebens. Sie wollen bewältigt werden. Sie sind vielleicht Wegweiser, die uns sagen: Hier geht es nicht weiter. Oder Prüfungen, an denen wir wachsen sollen. Oder Wege zu den allertiefsten Abgründen unserer Seele. Mitten durch die Angst hindurch.

Gute Medizin sollte den Menschen auf ihrem gefahrvollen Weg den Rücken stärken. Sie sollte sie begleiten und trösten und Schmerzen lindern, sie sollte sich gemeinsam mit ihnen auf die Suche machen, so wie die magischen Helfer in alten Legenden, die die zerstückelten Helden wieder zusammenflickten, ihnen gelegentlich einen zauberkräftigen Trank oder eine geheime Landkarte zusteckten und sie dann wieder losschickten auf ihre einsame Suche nach der Perle oder der Prinzessin oder dem Gral.
Alte Menschen, die diesen Weg gegangen sind, haben jenen Blick in den Augen, der mir von meinen alten Photos entgegenschaut. Es sind Menschen, denen ich gerne zu Füßen sitzen würde, um von ihnen zu lernen. Es sind Menschen, mit denen ich mich sogar auf einer Kreuzfahrt nicht langweilen würde.

Genaugenommen. Ein paar habe ich schon gefunden. Das Leben hat sie teils arg zerrupft und Anti-Aging ist hier kein Thema. Feine Herren. Kämpferische Damen. Sie sind starrsinnig. Aufsässig. Sie erzählen unglaubliche Geschichten von eigenen Kämpfen. Sie lieben das Leben. Sie hören zu und achten ihr Gegenüber. Sie haben ihr Lachen gerettet. Um sie zu besuchen, ist mir keine Reise zu weit und, welch Privileg, sie besuchen sogar mich.
Dann machen wir gemeinsam den Körper leicht.

„Placebo-Diagnosen“: der schnellste Weg zur eigenen Diagnose

Kurzmitteilung

„Akupunktur behandelt nur die Symptome und nicht die Ursachen?“

„Gehen sie lieber nicht zur Akupunktur. Akupunktur behandelt nur die Symptome und nicht die Ursache“, sagte der berühmte Hamburger Professor der Neurologie und schrieb der Patientin ein starkes Schmerzmittel auf.

Das nenne ich Chuzpe.

Ein Witz? Das glauben Sie jetzt nicht?  Doch. Genau so wars. Die Patientin hat es mir selbst berichtet.

Chuzpe hatte der Professor allemal. Recht hatte er aber noch lange nicht:

Die Ursache einer Erkrankung, die „Wurzel“ zu erkennen, ist die Grundlage jeder chinesischen medizinischen Behandlung.

Daher habe ich auch in diesem Fall vor der Akupunkturbehandlung erst einmal nach der Ursache der Erkrankung gesucht, den Puls gefühlt, nachgefragt. Die Ursache der Kopfschmerzen lagen in diesem Fall überhaupt nicht im Kopf, weshalb der Kopfprofessor sie natürlich auch nicht wissen konnte.
Sonst hätte er sich sicherlich gerne selbst um die Ursache der Kopfschmerzen gekümmert und nicht einfach ein Schmerzmittel draufgeballert, das furchtbar magenfeindlich ist, wobei der Magen außerhalb seines Fachbereichs liegt, weshalb ihn das natürlich auch wenig zu stören brauchte.

Placebo- Diagnosen: Diagnosen, die allen gefallen

Im Unterschied zur chinesischen Medizin ist in der Schulmedizin die Ursache einer  Erkrankung für die Diagnose vollkommen uninteressant.
Schulmedizinische Diagnosen sind im Wesentlichen ohne therapeutische Konsequenz. Sie sind so eine Art Selbstzweck. Jeder will gerne mindestens eine haben und sie sind auch voll wichtig für die Abrechnung, für Studien und Statistiken. Daher sollten sie möglichst allen gefallen. (Placebo: „ich werde gefallen“)

Schulmedizinische Diagnose folgen einem einfachen Rezept, das gewährleistet, dass wir am Ende einen Namen haben, der sich möglichst kein bisschen festlegt, was die Ursache der Krankheit betrifft, und dennoch allen gefällt.
Wir können also ohne Weiteres von Placebo- Diagnosen sprechen.

Das Gute daran: Wenn Sie das Prinzip erstmal begriffen haben, haben Sie in Zukunft all ihre Diagnosen ruckzuck selbst gestellt. Das entlastet das Gesundheitssystem und ihre Freunde werden Sie um ihre medizinischen Kenntnisse beneiden.

Rezept für eine Placebo- Diagnose

Man nehme:
den Ort des Geschehens oder eine generelle Wahrnehmung oder einen Laborwert, irgendwas halt, übersetze ihn ins Lateinische oder Griechische und hänge eine Endsilbe daran:

-pathie für „Krankheit“
-algie für „tut weh“
-itis für „Entzündung“
-ose für „irgendwas“

Um diesen Namen zu verlängern, was die meisten sehr zu schätzen wissen, denn schließlich heißen die meisten auch lieber „Meier- Oberklein- Stradivarius“ als einfach nur „Meier“, kann man dann noch längere Adjektive vorschalten:

  • -idiopathisch für „von selbst krank geworden
  • -rezidivierend für „schon wieder krank geworden“
  • -chronisch für „dauernd krank“
  • -agraviert für „noch schlimmer krank geworden“
  • -exazerbiert für „auf einmal richtig schlimm krank geworden)

Wenn mehrere Symptome gehäuft gemeinsam auftreten, nenne man es Syndrom oder Morbus und hänge ein bis maximal drei Namen von verstorbenen Ärzten, am besten aus verschiedenen Ländern, dran.

So erhalten wir im Handumdrehen prima Diagnosen wie:

  • -chronische Gastritis (= dauernd im Magen entzündet)
  • -rezidivierende Polyneuropathie ( = schon wieder an vielen Nerven erkrankt)
  • -idiopatisches Fibromyalgiesyndrom (ganz von selbst tun Fasern und Muskeln weh und andere Symptome sind auch noch dabei)
  • -Morbus Hashimoto (=schon der Doktor Hashimoto wusste damals nicht, was da los ist)

Das macht mich irgendwie gerade richtig sauer (idiopathische exazerbierte Azidose).

Difficile est saturam non scribere.
Das ist keine Krankheit. Das ist von Juvenal:
Es ist schwierig, keine Satire zu schreiben.

Wer freut sich nicht über Wunder?

…und wenn eine neue Seele in die Welt gerufen wird, dann ist dies vielleicht das größte aller Wunder.
Daher freuen mich Briefe, wie dieser hier unten, ganz besonders.

Tief in mir glaube ich nicht, dass meine Arbeit ausschlaggebend für solche Wunder ist. Wirklich nicht.

Aber Zeugin sein zu dürfen oder vielleicht eine Hand dabei halten zu dürfen, wenn verschlossene Türen sich öffnen, ist ein wundervolles Geschenk, das ich in Demut annehme.

Ich wünsche der werdenden Mutter, eine großartige Frau, die auf einem überaus steinigen Lebens-Weg viel Tapferkeit bewiesen hat, sehr viel Glück und Freude.

Außerdem möchte ich an dieser Stelle gerne ihrem Wunsch nachkommen, andere Frauen mit Kinderwunsch zu ermutigen, niemals die Hoffnung zu verlieren!

„Liebe Frau Li,

 ich danke Ihnen vielmals. Die Befruchtung musste zwischen 1. und 10.  gewesen sein. Circa um diese Zeit war ich bei Ihnen zum Termin und habe dann gleich die Kräuter bestellt und eingenommen. Sie müssen irgendwas in meinem Körper angekurbelt haben, das das ganze Prozess vorangebracht hat. Denn wir versuchen es schon seit 1 Jahr und 9 Monaten! Es muss an Ihren Kräuter gelegen haben, ich danke Ihnen vielmals und bin sehr glücklich!
 
Den Termin am 1. August gebe ich gerne an andere Patientin frei, denn mein Problem hat sich gelöst. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie mich in der Tat nach den Schwangerschaft wieder unterstützen würden, aufbauend. Ich verspreche mich sehr rechtzeitig um einen Termin bei Ihnen zu kümmern.
 
Gerne können Sie über meinen Fall weitererzählen oder als positive Empfehlung über Ihre Behandlung auf Ihrer Internetseite hereinstellen (ohne Namen natürlich:-))). Viele Frauen sollten die Hoffnung nicht aufgeben!

Herzlichen Dank und schönen Abend,Ihre Patientin x.x.“

Also noch einmal: Ich glaube nicht, dass meine Arbeit Wunder bewirkt. Aber ich denke mit einer gewissen Besessenheit über die Mechanismen solcher Wunder nach. Zum Beispiel bei der Entstehung von Leben…

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