Trickster, kosmische Verführer und Tanz ums Drachenfeuer

 

Wieder einmal ist es heiß. Luft flimmert über dem Asphalt. Politiker lügen. Schweiß trieft. Vollmond. Feuerwerk, Sternschnuppen und qualmende Grillfeuer. Sonnenbrand und Sommerliebe. Glitzerndes Wasser.

Zeit für den Sommertext. Manege frei für den Trickster.

Wenn Licht sich an der Materie reibt und die Luft erhitzt, entstehen Spiegelungen. Wenn Schweiß in die Augen rinnt, verwischt sich der Blick. Und über tausend Feuern tanzen unfassbare Figuren.

Dies ist die Welt des Tricksters.

 

Der Trickster ist Mann und Frau und wir begegnen ihm unter tausend Namen. In einem Märchen hilft er der Müllerstochter, Stroh zu Gold zu spinnen (eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack!) und fordert dafür ihr Kind, wenn es ihr nicht gelingt, seinen Namen zu erraten. Machttrunken tanzt er über dem Feuer und gibt, für dieses eine Mal, seinen Namen preis: Rumpelstilzchen. Das Kind, die Seele, wird gerettet. Wer den Trickster besiegen will, muss schlau sein und unsere Legenden sind voll solcher Geschichten.
Was die Legenden verschweigen: Trickster liebt es, wenn wir ihm die Stirn bieten.

Doch wer ist er? Schwer zu sagen. In seiner Welt, ist jedes Aufblitzen nur eine Spiegelung und so gibt es keinen wahren Namen.

Eleggua

der Name der genannt werden kann, ist nicht der wahre Name

 

Man kennt ihn als Old Man Coyote, Kokopelli, Loki, El Duende, Hephaistos, Feuergott Nezha, Rumpelstilzchen, Pomba Gira, Eleggua, Meister Tabak und tausend andere Drachen und Verführer der Nacht.

Schillernd steigt der Trickster aus dem Feuer und nimmt die Gestalt an, die uns am meisten behagt: Ein betörender Mann (Frau), eine Gottheit oder Buddha, die uns Erleuchtung und Heilung verspricht, ein Drache, der einen großen Schatz bewacht und uns in einen Kampf auf Leben und Tod lockt. Das alles sind nichts als gespiegelter Lichter. Eine kosmische Lichtshow. Ein gigantisches Feuerwerk.
Genau wie die große kollektive Blendung, das Internet, wer anders als Iktome, die trügerische Spinne, könnte dieses Netz gesponnen haben?

spiderprincess by christine li

 

 

 

 

 

Wenn das Licht sich aus der Materie befreit und zurück in den unendlichen Raum geht, wo nichts es mehr brechen kann, wird alles rein, klar und farblos. Hier durchschauenen wir all unsere Täuschung und das Herz wird still. Dies ist der ungetrübte See, den die konfuzianischen Meditierenden der Songzeit (vor circa 1000 Jahren), inspiriert vom Buddhismus, in China suchten. Ein strenges und freudloses Unternehmen.

Körperlose Erleuchtung bringt uns hier auf der Erde nicht weiter. Wer zu verbissen nach Erleuchtung strebt, wird am Ende merken, dass er nur einem besonders raffinierten Lockruf des Tricksters gefolgt ist.

Keiner kommt hier lebendig raus. Ganz gleich, was uns versprochen wurde.

Solange wir hier sind, wird Klarheit nicht lange währen. Solange wir hier im Körper leben, reiben wir uns, und solange wir uns reiben, wird der Blick sich trüben. Wir erhitzen uns, das Drachenfeuer flammt auf und schon geht es los. Das Spiel des Tricksters.

In älteren Zeiten, bis zur Zeit von Ge Hong und Bao Gu (der Heldin des Buches, an dem ich arbeite) suchten die Daoisten nach der Extase. Wie bei ihren Vorfahren, den Schamanen, waren Tanz, Gesang, allerlei Pflanzen und heiliges Krötengift der Weg. Wenn wir ohhnehin schon hier auf der Welt herumirren: Warum uns nicht mit Haut und Haaren hineinstürzen, mit den Dingen verschmelzen, dabeisein und mitspielen.
Wer nicht spielen mag, wird gespielt. Dafür sorgt Trickster.

Spielen wir also und bieten ihm die Stirn.

Und „spielen“ heisst auch: Wir dürfen uns amüsieren. Wir dürfen sogar riesigen Spaß haben.

Trickster ist Master of the Game.

Er weiss, was Frauen wollen. Er weiss sogar, was Männer wollen. Trickster hat für jeden die richtige falsche Karte im Ärmel. Du willst eine große Heilerin sein? Bitteschön! Ein Blues- Gitarrist wie keiner vor Dir? Ein Teufelsgeiger? Der Gründer von Apple? Ein Rolling Stone? Aber ja doch. Gerne. Den Mann deines Lebens finden. Wenn Dir nichts Besseres einfällt. Warum nicht?

Folge Deinen Träumen, raunt Trickster. Aber träum ein bisschen bunter!

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Spielen heisst auch, wir lernen die Regeln. Und diese Regeln besagen: Dies hier ist echt. Das Spielgeld ist echt. Die Schmerzen sind echt. Die Waffen sind echt. Die Schluchten und Erdbeben sind echt. Das Blut ist echt. So lauten die Regeln.
Bei all dem bleibt es ein Spiel, wie die Buddhisten gerne betonen. Das nutzt ihnen aber nichts. Denn auch ihr Blut ist echt.
Spielschulden sind Ehrenschulden und Mogeln gilt nicht. Es wird natürlich dennoch gemogelt. Manch einer versucht, sich rauszuschleichen und Erleuchtung zu spielen. Doch kaum einer kommt für lange Zeit davon.

Wieder andere bleiben auf ihren Karten sitzen. Horten ihr Spielgeld. Sichern alles ab. Versichern sich. Planen. Sparen Zeit und Geld. Wissen alles besser. Leben gesund. Wünschen sich nichts. Spielen nicht mit. Verweigern sich. Nehmen Zuflucht.
Das fordert Trickster heraus. Nun wird er keine Ruhe finden, bis er die passende Verlockung gefunden hat. Ewige, leidenschaftliche Liebe, einen großen Schatz, unendliche Macht.
Für ganz Ängstliche gibt es den medizinischen Fortschritt, der alle Krankheiten besiegen wird, und für Total-Verweigerer gibt es die Erleuchtung in einer Religion eigener Wahl. Ein großer Guru sein, mit riesen Gefolgschaft auf Twitter und einer eigenen Insel? Ein Plan ganz nach dem Geschmack des Tricksters.

Jede Form esoterischer Weisheit findet Trickster äußerst amüsant. Der Blog von Christine Li? Chapeau!

Trickster ist, wohlgemerkt, kein Lügner. Er erfüllt alle Wünsche, wenn ihm danach ist. Er erfindet neue Wünsche und erfüllt auch diese. Er kann, wenn er mag, bezaubernde Geschenke machen. Er ist der Lieblingsgott aller Narzissten. Er ist auch ihr unerbittlichster Lehrer, denn er kann all seine Kreationen, Schönheit, Macht, die Oscarnominierung und die Yacht in der Karibik, mit dem Schnipsen eines Fingers, wieder in Rauch und Spiegelungen auflösen.

Trickster lässt sich nicht verpflichten. Da hilft kein Verkaufen der Seele und kein blutiges Opfer nachts an einer Wegkreuzung oder auf dem Friedhof.
Da ihn solch theatralische Aktionen sehr amüsieren, kommt er vielleicht wie gerufen. So wie er auch durch die Karten und aus dem Kaffeesatz spricht, aus heiligen Quellen und zu berauschten Dichtern. Aber er macht auch dort, was er will. Dagegen hilft keine schwarze Messe, kein Stierkampf und auch kein heiliges Abendmahl.
Trickster lässt sich nicht festlegen. Seine einzige Lehre lautet: Nichts bleibt.

Du kannst ihn nicht fesseln und nicht verpflichten und ihm gar deine Seele zu verhökern, ist nutzloses Drama. Er nimmt sie, wirft sie auf den großen Haufen anderer verlorener Seelen und kümmert sich nicht weiter drum. Er mag dir im Gegenzug alles versprechen, aber er hält sein Versprechen nie oder, nur so zum Spass, vielleicht für eine flüchtige Weile.

Erfreue dich also an den Illusionen. Der magischen Show. Dem ganz großen Theater. Spiele mit. Küsse und verführe. Tanze und singe. Verzaubere alle Herzen. Trickster ist entzückt, wenn Menschen sein Spiel spielen.
Unterwürfigkeit, Gejammere, Gewimmere und Bestechungsversuche reizen ihn zu Schandtaten. Jammern und Klagen reizen ihn allerhöchstens, dem Elend noch eins drauf zu setzen. Nenn ihn dafür ruhig Teufel, Verführer, unreiner Geist. Das stört ihn nicht.

Also lass das Zetern.

Es ist nicht seine Schuld, dass Du dich betrogen fühlst. Du selbst hast ihm die Seele hinterhergeworfen, als Du ihn verpflichten wolltest.
Nun stehst Du da. Ohne Seele und wie willst Du noch spielen, so ohne Seele. Was soll er nun noch mit Dir?

Was Trickster liebt, sind Menschen, die ihre ganze Menschlichkeit in die Waagschale werfen und ihn schreiend herausfordern:
„Hier Trickster. Zeig mir was Du kannst. Gib mir Deine Geschenke. Erfreue mich. Begeistere mich. Gib mir alles. Wenn du willst, gib mir Unheil und Krankheit. Zeig mir, was Du kannst. Ich grusle mich nicht. Meine Seele bleibt unberührt von Deinem Theater. Ich spiele Ball mit den Schädeln der Toten.“

Wenn also wieder einmal Trickster in Dein Leben tritt: Schenk ihm einen Likör ein, oder alten Havana Club, opfere Tabak (Cohiba) und lüg ihm mitten ins Gesicht. Lass deine Diamanten blitzen. Sie müssen nicht echt sein. Tanze für ihn. Sing für ihn. Verführe ihn und Trickster ist dein. Dann erfüllt er all deine Wünsche, Gesundheit, Schönheit, Glück. Aber nur, solange Du eine wirklich große Hexe, ein großer Magier bist und deine Seele niemals hergibst. Sobald Du ihm ganz gehörst, lässt er Dich fallen.
(Ja, er ist darin genauso wie seine Lieblings-Schüler, die großen Verführer- was glaubst Du denn, woher diese das gelernt haben?)

Übrigens: Mein Trickster erscheint mir in männlicher Form. Doch auch das ist nur eine Illusion. Manch einem Mann erscheinen Pomba Giras, die im alten China auch als Fuchsgeister bekannt waren. Gefährliche Wesen, allesamt. Und natürlich müssen Trickster nicht hetero-sexuell sein. Sexuell aber sind sie immer. Denn sie wirken durch das Drachenfeuer und das steigt von unten auf. Aus der Dunkelheit hinauf zu den Wolken.

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Allen gemeinsam ist eines: Ein Trickster (oder eine Pomba Gira) gehört nur sich selbst. Genau wie Du, denn er ist Du und Du bist sie. Versuch keine Verhandlungen. Versuch nicht, ihn zu binden. Er mag das nicht. Denn er ist Du und Du bist frei.

Und sei nicht beleidigt, wenn der der Tag anbricht und im milden Licht der Sonne nichts als ein paar kleine Rauchfäden aus der kalten Glut aufsteigen. Dort, wo Du, eben noch, in magischer Raserei um das Drachenfeuer tanztest. Du hast doch nicht etwa geglaubt, das sei die Wahrheit? Dummes Kind. Wir müssen das alles noch einmal üben. Und noch einmal. Immer wieder.
So lange, bis Du es begreifst: Nichts bleibt. Nichts bleibt. Nichts bleibt.

Es ist ein Spiel von Yin und Yang. Magie in der Nacht. Am Tag stille Klarheit. Herzfeuer. Vollkommmen transparentes Licht ohne Spiegelungen. Du hast endlich verstanden. Du bist jetzt erleuchtet.

„Diesmal bleib ich klar“,beschließt du.

„Wir müssen wohl noch einmal üben“, raunt er da und lockt dich in den nächsten Tanz.
Wieder entsteht eine neue Welt. Entsteht und vergeht. Runde um Runde.

la emperatriz bailando

Trickster. Ich liebe dich.

path of the empress

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the path of the empress

the path of the empress

Fast pünktlich zum Muttertag:

Am 15. Mai erscheint unser Klassiker, der unbezähmbare Longseller seit dem Jahr 2000, das Lieblingsbuch aller unbezähmbaren Frauen, der weg der kaiserin, zum zweiten Mal in englischer Sprache.

Es gibt dazu einen kleinen englischen blog:
www.the-empress.com.

Wer das Buch vorbestellen oder an eine englischsprachige Freundin schicken möchte (Oder zum Muttertag für die Mama bestellen möchte), kann direkt zu Rockpool Publishing gehen.

Und auf Spanisch gibt es auch schon was zu lesen.

el libro para emperatrices

Denn die spanische Kaiserin kommt als nächstes. Im Augenblick wartet sie noch in Buenos Aires, mit Koffern, fertig gepackt und voller Tangoschuhe.

la emperatriz bailando

la emperatriz bailando

Musik heilt.

Kurzmitteilung

Diese Musik allerdings zerreißt Herzen

Das wollten inzwischen einige wissen:
Die Musik mit denen meine sechs kleinen Videos „zurück zur Heilung“ ausklingen, ist ein Remix der genialen Shanghai Restoration Project.

Das ursprüngliche Stück heißt: „the wandering songstress“ und stammt aus dem herzzerreißenden expressionistischen Film „Street Angel“ (Regie Yuan Muzhi, Shanghai, 1937). Es ist bis heute ein Lieblingslied beim Karaoke. Ein echter Ohrwurm also.
Ursprünglich wurde es von Zhou Xian gesungen.

Zhou Xian (1918- 1957)

Zhou Xian (1918- 1957)

Eine modernere Fassung hören wir in Ang Lee’s Film „Lust, Caution“ von 2007.

Zum Remix von Shanghai Restoration Project gibt es ein sehenswertes Video.
Ideal für alle, denen bei  alten chinesischen Filmen Tränen in die Augen steigen.

Mehr über kranke und zerrissene Herzen.

Mehr über Tränen.

Kriegsenkelin

Heute, zum Totengedenktag,  gedenke ich meiner toten Großeltern.

Mein Heiler- Kollege und Santeria Lehrer Valdonio erklärte mir vor Jahren auf Kuba:

„Ihr aus Europa seid voller Toter. Ihr könnt euch kaum noch bewegen vor Schmerz und Trauer. Deswegen tanzt ihr so schlecht.“

Er unterrichtete mich, wie ich die Egguns, die Toten also, mit Hühnerblut zu füttern hatte, und er gab mir einen Altar, einen alten Dachziegel, den ich, getränkt mit Hühnerblut und verklebt mit Hühnerfedern, durch den Zoll schleppte und weisungsgemäß in meinem Garten vergrub.
Nach dem Motto: Wer weiß, vielleicht hilft‘s ja.
Der Tot des Huhnes ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Während das arme Vieh in meinen Händen zuckte, lernte ich einiges über mich und das Leben, vor allem, wie schnell es durch die Hände rinnt, und ich lernte, dass Lebewesen wirklich leichter werden, wenn die Seele aus ihnen herausströmt.  Es war ein elender Vorgang.

Aber die Egguns klebten fest. Hühnerschlachten hilft nicht gegen den Tod.

Jahre später, pünktlich zum Herbstanfang, nahm der Schmerz überhand. Schmerz war ein alter Freund. An den meisten Tagen meines Lebens, solange ich zurückdenken konnte, schmerzte zumindest die Hälfte meiner Knochen. Skoliose, Rheuma. Fibromyalgie. Unnötige Namen.
Wie mich überhaupt medizinische Diagnosen kaum überzeugen können. Was mich bewegt, sind die Ursachen solcher Zustände. Schmerzhaften Zuständen ein Etikett zu verpassen, ist für mich keine Diagnose. Gnosis heißt „Erkenntnis“ und nicht „Benennung“.

An diesem ersten Herbsttag  war die Diagnose ausnahmsweise klar. Ich hatte getanzt. Ein angenehmer Schmerz, wohltuend und überschaubar. Grund genug, dem Ganzen noch ein Bad mit Meersalz und Algen  folgen zu lassen.
Der Schmerz strömte angenehm durch den Körper und ich ließ mich ganz einsinken. In den Schmerz, tief ins Wasser. Es dauerte eine Weile und mein Kopf sank unter Wasser. Ich spürte nun nichts mehr. Nur eine Erstarrung, die noch zunahm, als ich mich ihr ganz ergab. Dies war kein Muskelkater mehr.

Ich lag allein in einer zerstörten Landschaft. Ausgeblutet, verkrampft von zahllosen Wunden und vor allem vor Kälte. Erstarrt vor Angst. Versteckt hinter etwas Dunklem. Einem Bretterverschlag? Eine weite Ebene mit einzelnen Birken und unklaren Trümmern. Eine Landschaft, die ich schon oft gesehen hatte, obwohl ich noch niemals dort gewesen war.
Nonlokalität. Alles ist gleichzeitig und hier. Ich war in Russland. Kriegsende. Ich war mein Großvater. Der, der niemals zurückgekommen war. Der, dessen Geschichte verloren ging. Der spurlos aus dem Leben verschwand. Der, dessen Grab bis heute niemals gefunden wurde.
Mit einem Mal begriff ich, dass seine Spur in mir fortlebte. In meinem schmerzenden Körper. In meiner lebenslangen Traurigkeit.
Großvater, dachte ich. Erzähl mir deine Geschichte.

Ich sank tiefer und im gleichen Augenblick hörte ich Geräusche. Todesangst. Dann, ein Knall, ohrenzerfetzend wie ein Schuss. Mein Herz zerriss. Wenig fehlte und ich wäre, feige, aus dem Wasser aufgetaucht. Ich blieb unten. Ich starb.

Später kochte ich und lud meinen unbekannten Großvater zu einem letzten Abendessen ein. Ich erzählte ihm aus meinem Leben und wie sehr ich ihn vermisste. Ich erzählte ihm vom unendlichen Schmerz meiner lieben Oma. Wir weinten beide und tranken Wein. Dann ließ ich ihn gehen.
Der Schmerz ging dann auch. Zumindest ein Teil. Der Großvaterteil. Das fiel mir aber erst viel später auf.

Heute, zum Totengedenktag gedenke ich meiner Ahnen. Sie sind bei mir.

Im Geisterstrom

Teil 4: Auf der Suche nach den Ahnen- eine europäische Visionssuche

 

In der chinesischen Medizin ist die Erde das Zeichen von Feuchtigkeit, Gedanken, Duft, Ermattung, Bescheidenheit, Mütterlichkeit und Ernährung.
Das Wasser entspricht dem Winter, der Angst und dem Tod und damit auch der Wiedergeburt.
Eine winzige Einführung in die Fünf Elemente Lehre finden Sie in meinem Vortrag zum Hamburger Qigong Kongress.

In dieser Nacht regnete es unaufhörlich. Es begann bereits am Nachmittag. Ich wanderte durch einen endlosen Wald.  Ganz weit oben, unerreichbar zwischen hohen dunklen Baumkronen ahnte ich den mattgrauen Himmel. Unten war alles Dichte und Moder. Tote Bäume lagen in wirren Verstrickungen übereinander.
Toter Baum by Christine Li

 

 

 

 

 

Verworrenes Holz by Christine Li

Keine Menschenseele weit und breit.
„Lasst mich hier herauskommen, ehe die Nacht kommt!“, war mein Gebet und weil es schlicht und unmissverständlich war, wurde es erhört. Beten will gelernt sein.

Nach ein paar Meilen öffnete sich der Wald und entließ mich an den Fluss. Schwärzlich mäanderte er durch seine moorige Heimat. Letzte Sonnenstrahlen rieselten zwischen Wolkenrissen hinab auf die Erde. Unter den Grasbüscheln glitzerte Wasser und meine Füße sanken tief.

die "Kalte Moldau"

Ich fand eine winzige Erhebung, bewachsen von Ebereschen und leuchtend gelbem Johanniskraut, stellte mich vor und bat höflich um ein Nachtlager.

Auch in dieser Nacht spendete ich keinen Tabak, sondern bot an, Müll einzusammeln und mitzunehmen.

Die Bewohner der kleinen Insel empfingen mich freundlich. Es gab keinen Müll hier. Ich durfte mich ausruhen.
Im Halbdunkel nestelte ich in meinen wenigen Habseligkeiten. Alle Kleidung übereinander, der Schlafsack und ganz außen der unbezahlbare Biwacksack. Die zusammengerollte Filzdecke als Kopfkissen. Kleiner Luxus.
Bald schon umfing mich vollkommene Dunkelheit.

Moldaunacht by Christine Li

Frieren würde ich diesmal nicht. Das bisschen Wind schreckte mich nicht, nicht nach den stürmischen Attacken der Bergstürme und dem Gewitter am Hang in den Nächten davor. Aber trocken war die Wiese selbst hier auf dem Hügelchen nicht. Genaugenommen war sie klatschnass.

Der Regen fiel und fiel. Die Wolken ließen kein einziges Sternchen hindurchscheinen. Wasserlast für eine lange Nacht. Ich zog den Biwacksack fest zusammen. Nur eine Lücke zum Atmen ließ ich frei.
Doch nicht umsonst sagen die Chinesen: Wasser ist das Stärkste. Wasser findet immer seinen Weg; es schleicht durch jede Ritze und rinnt in jede Form, und wenn es hoch genug steht, drückt es auch von unten nach oben.

Aber kalt, so kalt, wie ich es in der Höhe erlebt hatte, war es hier unten nicht. Kein Grund zur Besorgnis, sagte ich mir. Die Vögel schliefen im Regen, die Rehe schliefen im Regen. Das einzige, was mich vom Schlafen abhielt, waren mal wieder die Gedanken.
Da lag ich, halbwegs weich und kuschelig in der matschigen Erde und anstatt einfach damit zu sein, konstruierte ich meine Zukunft. Du wirst nass werden und dann wirst du eben doch noch frieren. Dann wirst du nicht schlafen können. Weil ich gleich dabei war, dachte ich dann noch über die Welt im Allgemeinen nach. Die Lage im nahen Osten. Kriege und Krankheiten. Trennung und Entfremdung und Hass. Außerdem zerbrach ich mir den Kopf darüber, wo ich eigentlich war und wo ich am nächsten Morgen hinmusste. Ob ich überhaupt jemals zurückfinden könnte. Auch darüber, ob die Menschheit als solche jemals zurückfinden würde. Und wohin. Lauter Konjunktive. Könnte, sollte, müsste.

Bei Feuchtigkeit kreisen die Gedanken, lehrt die chinesische Medizin.

Voila. Sie kreisten. Klebrig. Unergiebig. Ich fühlte mich kein bisschen weich und kuschelig. Ich war ein einziger Widerstand. So langsam spürte ich auch den Wind, der schwach, aber stetig das Wasser auf meinem Biwacksack verdunsten ließ und mit jedem kleinen Wehen Schauer durch meinen Körper sandte.

„Still jetzt! Riech!“, sagte jemand mit der energischen Stimme der Naturwesen. Es war das Johanniskraut.

Ein Schwall von würziger Wärme durchdrang mich. Ein kurzer Gedanke noch: Wie kann Johanniskraut so stark riechen? Noch dazu mitten in der Nacht? Dann verlor sich auch dieser letzte Gedanke im Duft.
Ich entfaltete mein Luxuskopfkissen und wickelte den Filz um den Biwacksack. Der Filz sog sich voll und bildete eine feuchtwarme Packung, die meine Wärme im Körper hielt und den Wind draußen. So dämmerte ich ein.
Am nächsten Morgen regnete es immer noch und der Himmel hing tief und grau. Statt einer leichten Filzdecke durfte ich nun einen nassen Bleiklumpen in meinen Rucksack stopfen. Da meine Blasen gegen Schuhe rebellierten, stapfte ich barfuß durch das saftige Gras entlang des Ufers.

Mein Weg führte mich auf die Spuren all der Menschen, die viele Jahrhunderte diesem Fluss gefolgt waren. Auf dem Rücken keine Mikrofasersäcke mit ein paar nassen Decken. Sie ertrugen hölzerne Kruken mit ledernen Säcke voller Salz. Je schwerer, destso besser- Denn Salz war das weiße Gold.
Immer weiter den Goldenen Steig hinauf  trug mich der Geisterstrom. Da waren junge Männer, mit schweren Säcken, voller Hoffnung und Tatendrang. Bereit zur Rebellion. Frauen, die dem Zug folgten, Kinder im Tragetuch und im Bauch und auf dem Rücken schwere Säcken. Alte Männer, müde und gebeugt von ihrer Last, Säcken, die von Jahr zu Jahr kleiner wurden und doch immer schwerer für sie, bis sie endlich ihren Widerstand aufgaben und unter ihrer Last zur Erde sanken.

Bohemian Grave by Christine Li

ein ganz kleines Grab

So wanderten sie. Jahraus, jahrein. Nächte unter Sternen und unter grauen Wolken. Tage unter glühender Sonne und im beißenden Wind. Salz rieselte aus den Säcken und brannte sich tief in die verschwitzte Haut.

Wie leicht ich es da hatte. Zwischendurch verlor ich mich zwischen den Bäumen. Aber ein Weg, den so viele Menschen gewandert sind, verliert sich niemals ganz. Ich folgte dem Fluss hinauf, zurück in die Berge, so wie all die Generationen vor mir.

Und dann war mit einem Mal all der Regen gefallen. Ein kleiner See lächelte den ersten Morgenstrahlen entgegen. Ein alter Mann mit einem Pilzkorb trat aus dem Gebüsch. Ein kurzer Blick. Eine Fremde mit moorigen Füßen, zerzaustem Haar, verwühltem grauen Rock. Er zuckte mit den Schultern. Hier war ich und hier war er. Zwei Wanderer auf ihrem Weg. Er nickte freundlich.
Nur noch wenige Meilen bergauf.
Auf dem Berg gab es Tränken für Mensch und Tier. Bier und Schnaps. Die wenigen Bewohner handelten mit allem, was sie hatten. Schnitzereien, Pilze. Felle. Die Frauen mit ihren Kochtöpfen und ihren Körpern.
Viel hatte sich seit jener Zeit nicht verändert. Die gleichen Waren. Dazu Zigaretten und Benzin für die modernen Tiere. Straßenstrich und Dutyfree. Reste von Stacheldraht. Kommunistischer Plattenbau. Halbverfallene Häuser. Das unvermeidliche Chinarestaurant.

So früh am Morgen lag alles wie tot.
Nur vor dem „Hotel Kultural“ räumte eine dicke ältere Frau mit grellgelben Haaren Biergläser zusammen. Ich ging auf sie zu und fragte zweifelnd: „Kava?“
Sie lächelte zahnlos. Selbstverständlich.
Ich folgte ihr nach drinnen. Es roch säuerlich. Zigarettendunst und vergilbte Vorhänge behaupteten sich gegen ein paar lustlose Sonnenstrahlen.  Zwei weitere ältere Frauen mit verschiedenfarbigen Haaren und ausgebeulten Jogginganzügen saßen um einen Tisch mit halbleeren Bierflaschen und überquellendem Aschenbecher.  Böhmische Volksmusik dudelte aus dem Radio. Es war morgens früh um sieben.

Die drei Hexen von Macbeth, dachte ich. Ähnliches mochten sie über mich denken. Wir waren uns nicht fremd.

Die erste der drei Hexen machte eine einladende Geste mit dem Arm: Such dir einen Platz aus. Ich wies auf die Veranda. Sie nickte. Hier standen ein paar Holzbänke. Ich warf meine kleine Last von mir und streckte die Füße unter den Tisch.

Unterdess heizte sie drinnen ihren Kessel.
Nach einer Weile trat sie zu mir. In den Händen ein riesiger  Cafe latte. Duft von Zimt und Kaffee drangen in meine Nase.
„Wow!“, sagte ich und hoffte, dies sei ein internationales Wort.
Ich machte die Geste für „Essen“.
„Friestick?“, fragte meine Kollegin.
„Ja! Bitte!“.
Diesmal kam eine Platte mit achtzehn Scheiben fettiger Salami, sechs Scheiben Pressschinken und sechs weiteren Scheiben Schmelzkäse, ungefähr Hundert Gramm Butter und ein Korb, vollgehäuft mit Graubrot und weißen Hörnchen.

Eine riesige Menge ungesundes Zeug. Aber solche Luxussorgen haben wir hier bei uns nicht.

Sie strahlte mich an. Ich strahlte zurück.
„Wundervoll!“, sagte ich.

Ich aß eine lange Zeit. Nicht, weil man Fasten nicht mit Salami und Spam brechen sollte. Solche Dinge bekümmern mich nicht sehr. Sondern weil ich immer wieder in die Sonne blinzeln musste, während mir Ströme der Dankbarkeit das Gesicht hinabronnen. Sie mochten sich wundern, die Hexen da drinnen. Aber sie hatten bestimmt schon viele Tränen gesehen. Fremde und eigene. Genau wie ich.
Sie ließen mich in Frieden. Ich mümmelte fettige Salami. Zerzaust und müde, mit schmutzigen Füßen und verheultem Gesicht und unendlich dankbar. Ich durfte sein, wie ich war und wurde genährt. Ich war angekommen.

Was ich noch erwähnen wollte: Das Wichtigste im Zeichen der Erde sind Dankbarkeit und Liebe.

Froh und dankbar,
die vierte Hexe

Die Raupe

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Schwarze Göttin des Dongting Sees, erspäht von Madame Li

Schwarze Göttin des Dongting Sees, erspäht von Madame Li

Die Raupe hat prima gegessen, ein bisschen zuviel vielleicht und schläft nun vor sich hin. Es ist  stickig, gemütlich und schön feuchtwarm. Aus Sicht der Raupe könnte es ewig so bleiben. Wobei Sicht natürlich relativ ist, denn es ist stockdunkel.
Dann beginnen die Schmerzen. Überall kneift es, es wird eindeutig zu eng.

Unsere moderne Raupe geht zum Raupendoktor. Dieser verschreibt Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und 10 Massagen.
Nach einiger Zeit ist es der Raupe wieder zu eng. Der Arzt, genervt, überweist sie zum Raupenpsychiater. Dieser diagnostiziert  Midlife- Adaptations- Syndrom mit claustrophobischer Überlagerung und verschreibt angstlösende Mittel. Die Raupe wird immer apathischer und bei all dem wird der doofe Kokon enger und enger. Sie weiß buchstäblich nicht mehr, wohin mit sich selbst.
Endlich findet sie einen Spezialisten. Dieser verschreibt ein Antiwachstummittel. Leider bekommt sie als Nebenwirkung unerträgliche Kopfschmerzen und ständigen Brechreiz. Aber im Großen und Ganzen ist die Raupe wirklich sehr dankbar,  denn denk all dieser modernen Medikamente kann sie friedlich als Raupe leben und sterben.

Mit Grausen erinnert sie sich an ihre Großmutter, die einst buchstäblich den Verstand verlor, während um sie herum ihre ganze Welt explodierte.
Die arme Alte. Was wohl aus ihr geworden ist?

Sommerlachen

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Heute mal ganz Licht und Liebe

Seit vielen Jahren schreibe ich nun so vor mich hin. Mal mehr. Mal weniger. Insgesamt sehr sporadisch, aber meistens über Schmerz, Trauer, Angst, Trauma, Krisen, Blut, Burnout, Eitergeschwüren, Tränen, Krankheiten, Seelenverlust, Tote und böse Geister.

Blood, sweat and tears- volle Dröhnung. Es könnte zum Haareraufen sein.

Die Themata spiegeln zum einen meine Arbeit wieder. Wer sowieso schon glücklich und zufrieden ist, kommt nicht zu mir. Zu mir kommen Menschen mit Kampfgeist, die eine Cheerleaderin brauchen, die ihnen zur Seite steht, wenn sie sich daran machen, ihr Leben aufzuräumen. Da fliegen die Fetzen und die Tränen fließen. Aber es endet so gut wie immer gut, denn die, die zu mir kommen, die haben die Nase voll vom Leiden. Wir sind unsterbliche Seelen und haben auch so noch genug zu tun.
Wer zu mir kommt, ist bereit, die Ärmel hochzukrempeln und wenn nötig, Licht ins Dunkel bringen.

Hinzu kommt, dass ich mich nicht wenig mit unserem Gesundheitssystem auseinandersetze. Vor allem auch mit seiner Geschichte. Das sind auch keine sehr erfreulichen Dinge. Was da alles zum Vorschein kommt, lässt sich nicht so einfach beheben, denn die Menschen, die sich zuständig fühlen, für die „Volksgesundheit“, die wollen bis heute alles andere, als dass da Licht ins Dunkel kommt. Also kränkelt das System so vor sich hin.

Das soll jetzt nicht heißen, dass ich ein sehr grummeliger Mensch wäre. Selbst die Krankenkassen erbosen mich immer nur sehr kurzfristig.

Wer Licht ins Dunkel bringen will, die muss auch lachen können. Sonst wird das nichts.

Wer gleich mit Lachen anfangen will, lädt sich jetzt Christine Lis lustiges Buch „durchgeknallt – die Geschichte von Adele und Schatzi“ von Amazon runter. 
3,99. So günstig hat noch niemand gelacht.

mein lustiges Buch

mein lustiges Buch

 

Wenn das Drachenfeuer sich erhebt und einigermaßen ungestört bis zum Himmel aufsteigen kann, dann lache ich aus vollem Hals. Immer noch und sogar immer mehr. Genauso geht es auch meinen Patienten. Allerdings meist erst nach der Sitzung, wenn die Drachen wieder befreit sind. Dann wird gelacht.

Licht, Liebe und Lachen sind Ausdruck des Feuers. Sie gehören zum Sommer. Und heute ist es heiß.

Sommerlachen
Ein schönes Sommerwochenende    wünscht Christine Li

Possession-a little Help from Your Friends

Wild spirits are out to get you. Really?

Many people are paranoid about spirit possession. Exorcism and Extraction are quite the rage in some new age communities.

Spirits are Qi. Excactly like ourselves. We interact with Qi all the time. It is outside of us, inside and all around. The limits of inside and outside are not marked by our skin but by what we are able to perceive. In this we are not limited by our skins.

Take bacteria. As we all know, after a century of fighting them in vain, we cannot protect ourselves from bacteria. Our body is full of them. We live in symbiosis with them and without them we would not even be alive.

The same goes for all kinds of Qi forms. Spirits are part of the cosmic body and so are we. They float in and out and all around of us. We are one with spirit. A process without limits.

Yet spirits can make us ill.

It works like this: Whenever we live in deficiency, in denial of a deep need, an intruder who carries this exact energy we are desperately trying to deny, will be attracted to the void we have thus created. It is our own resistance that gives it power. The more we fight, the stronger it gets.
The next thing we notice will be something new and foreign to our being. Disturbing thoughts. Strange urges. We form a wall around it. Try to avoid the feeling. We want to give it a name and only then it becomes an entity. A spirit possession is born each time we insist on its otherness.

Let’s say, someone lives in a relationship that is nice enough but over the years has become stale and without sexual spark. We tell ourselves, that the person we are with, is a good match, a good provider, a loyal friend, and so we fight the living spark, our internal fire. The dragon. We tell ourselves, that it is not worth it to break up a good solid thing (or invest time in adventure, precious time we had better invested in our career) for something so fleeting and, well, impure, as sex (or some wild dream). A part of us, the most vital part, shuts down.
Then, one fine day, we feel a sharp pain in the back. In the heart. It may be diagnosed as intercostal neuralgia.
But a smug name does not make the pain go away. It is here to stay.
No matter how many massages and acupuncture or stretching we try. It just sits there and aches. Piercingly. Some people feel the pain so intensely that they have trouble breathing.
Especially at night.

The old Greek called this the Arrow of Eros. Little old Eros, more often than not pictured as a chubby child. Not exactly known as a bad spirit. But it is the son of Aphrodite and Ares, after all. The son of Love and Hate. A trickster. Happily malicious and completely out of control. A real anarchist.

Not long after the arrow hit her or him, our person starts a passionate love affair or embarks on some other journey. The old relationship breaks up; the career is abandoned. Life needs to start all over from scratch. And it will.

A stubborn person may resist the urge to be born again and instead become short tempered, gloomy, depressed. The body aches. The heart may miss its beats and the blood pressure may go up.
The dragon rises with all the symptoms of fire:

  • hot flushes (so called „menopausal syndrome“)
  • red itchy excemas
  • restlessness and restless legs
  • piercing migraines
  • high cholesterol
  • gall bladder issues
  • heart disease and high blood pressure
  • ringing in the ears (tinnitus).

There are many pills to try and bring the fire down. Typically pills with names that start with “Anti”. A huge industry lives of these Anti-life-pills.

But there is no way to resist the trickster. It insists on change. It wants everybody to express their potency, their fire. If they do not, if they continue their anti-life regimen- they will become really ill and eventually die.

Eros in his wildest form has many names. In Brazil they call these entities the Pomba Giras. Pomba Giras are the female crossroad demons. Wild, shameless beings, visualized as sexy flamenco dancers, dressed in red flowing robes who like to drink alcohol and smoke big cigars.
The Pomba Giras want to party and once they get you, so will you.

In Brazil the Pomba Giras are feared and hated and treated with the utmost respect. They are ritually invoked by the love sick to possess someone they want to be in love with. Love magic that involves the Pomba Giras is powerful. These crossroad demons do not ask for lots of knowledge to be summoned. Before you know it, they will be all over that poor person you desire so much.

The Pomba Giras are exspecially delighted whenever they can stir up a fire that has long been smoldering under the ashes of self control and cowardly morals. Countless stories tell about good husbands, priests who live in celibacy and other people who have bravely resisted their sexual nature to suddenly find themselves under the power of the Pombas, possessed by urges they can no longer resist.

There is no malignancy involved in the doings of the Pombas. Like the common cold that gets to you so you can rid your brain of phlegm, the Pombas come to stir up the ashes when the fire has gone down.
They may be crass, but like all the other spirits they come as your spirit helpers.

Can you protect yourself against spirits? Preferably not.
Any anti-life-policy will bring nothing but death.

The only thing is to embrace your nature and live according to your inner law. There is no other.
If you do not resist your own nature you will not need help from a trickster, be it a Pomba or any other of the countless beings that are part of the cosmic body, to bring out your funky side.

The spiritual beings we used to be so afraid of, are here to help.
They may destroy your body in the process. Yet, this does not make them „evil“.
In the world of the spirits it is not considered death when a being leaves the body. The only death they know is resistance to transformation and they will not accept this. Ever.

There is one thing we can do: Thoughts are the only instance where we define yourselves. So we ask: Do we own your thoughts or are we possessed by them?
We want to be careful about limiting thoughts.
Thought-possessions are the only intrusions to be afraid of.
Thought-possessions are the limiting beliefs that keep us in our personal cage. They make us resist life and whenever we deny our own wild nature, wild spirits are there to help us out.

When they do, we may want to call it a disease. But this is just another limiting thought.

Die fünf Formen der Seele

14. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Shen- Qi und die fünf Formen der Seele

(Eine extrem kurze Erklärung chinesischer Seelenvorstellungen aus dem Vortrag für Laien anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um chinesische Seelenarbeit mit Akupunktur, um Schamanismus, Ekstase, Trauma und um andere Arten von Bewusstseinsarbeit Demnächst als pdf.)

Wenn alles eins ist, brauchen wir Seele und Qi auch nicht zu unterscheiden, werden Sie einwenden.
Genau so ist es.

Seele ist Qi, von innen betrachtet.
Innen und außen- Yin und Yang.

Die heutigen Chinesen sprechen daher auch einfach von Shen- Qi.

Die Seele- shen- wandelt sich. Genau wie das Qi.

Absenken
Schließen
Anheben
Öffnen.
Dazwischen die harmonisierende Mitte.

Es sieht so aus, als ob die Seele unterschiedliche Zustände erlebt. Die Chinesen haben eine ganze Reihe von Namen für diese Seelenformen.
Hier begegnen sich viele unterschiedliche Mythen und Traditionen. Das Ganze ist also nicht so geradlinig, wie ich es jetzt darstelle wird.
Die Sinologinnen mögen mir diese Vereinfachung verzeihen.

Was ich beschreibe, sind Bilder, die sich irgendwo im leeren Raum zwischen meiner Arbeit mit Seelen und meinem endlosen Wälzen alter chinesischer Bücher herauskristallisiert  haben.
Es sind Bilder, die meine Klienten und ich immer wieder erlebt haben.

Die fünf Seelen heißen:

  • po: absenken. Sieben dunkle mondlichtartige Po Seelen, deren Licht in der Nacht zur Erde hinabsinkt. Sie haben viel mit unserer Anbindung an die Erde zu tun. Dem Auftanken in der Nacht. Dem Körpergefühl. Unseren inneren Rhythmen und Zyklen. Verlieren wir sie, so verlieren wir Teile unserer Kraft, Vitalität und Entschlossenheit.
  • hun: anheben. Drei luftige, verträumte, gefühlvolle und  wolkenartige Hun Seelen, die zum Himmel schweben wollen. Bleibt sie dort, werden die Menschen geistesabwesend und verlieren  den Kontakt zur menschlichen Umgebung. Solche Menschen schlafwandeln vielleicht oder haben bunte und wilde Träume, die ihnen oft wichtiger sind als die Realität, die ihnen grau und leblos erscheint.
  • shen: öffnen. Die Seele, die den Himmel berührt, ist unser höheres Bewusstsein. Unser heiliger Kompass. Shen wohnt im Herzen und blitzt uns aus den Augen entgegen. Shen verlässt uns niemals ganz, denn dann würden wir buchstäblich den Verstand verlieren und sterben.
  • jing: schließen. In unseren Nieren wohnt die Essenz- Jing. Sie ist das, was wir von Geburt an sind und zu dem wir werden. Wenn es in der Geschichte von Pan Gu heißt, seine Füße stemmten sich fest in die Erde, dann ist dies gemeint. Ist die Essenz gefestigt, fliegen die Seelen nicht so leicht davon. Solche Menschen haben große innere Stärke und können sehr viel ertragen, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Sie sind wehrhaft und ihr Körper reagiert instinktiv mit großer Stärke auf Angriffe voin Außen.
    Helden brauchen eine starke Essenz.
    Wenn unsere Essenz geschädigt wird, durch üble Worte, falsche Glaubenssätze und ergriffige Erziehung, aber auch durch Medikamente und Drogen und zerstörerische sexuelle Beziehungen, verlieren wir diese Macht. Das heißt, wir werden ohnmächtig und das Leben entgleitet uns, ohne dass wir uns realisieren können.
    Über dieses Thema halte ich im September 2014 einen Vortrag auf dem skandinavischen TCM Kongress.
  • yi: harmonisieren. In der nährende Mitte, der gelben Erde, ruht die Gedankenseele. Wie heißt es so schön: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.Die Mitte harmonisiert nicht nur das Qi, sondern, und dies ist das Gleiche, auch all unsere Seelenaspekte. Die Gedankenseele nennen wir Intention. Intention bündelt unser Shen Qi und hilft uns, Dinge zu kreiieren, indem sie ihnen eine Bedeutung gibt, sie benennt.
    Und Worte sind magisch.

(zurück zum Inhaltsverzeichnis des Vortrages über Glück und Gesundheit, Qi und Seele in der chinesischen Medizin)

Traurigkeit

1. Teil eines Vortrages beim Hamburger Qi Gong Kongress:

(Dieser Vortrag ist bewusst ganz einfach gehalten und soll den vielen Menschen, die sich vielleicht für chinesische Medizin interessieren, die aber nicht vom Fach sind, einen ersten Eindruck verschaffen.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. )

Dieser Vortrag soll von Gesundheit und Glück handeln.
Ich möchte darüber sprechen, wie Menschen krank werden, sich kränken-
und wie sie wieder gesund und froh werden können.
Und was Qi damit zu tun hat.

 

Traurigkeit nimmt überhand.

Menschen nehmen die unglaublichsten Nebenwirkungen in Kauf, nur um mit ein paar Pillen ihre Traurigkeit abzutöten.
Andere bemühen sich so gut sie können, den Ausweg selbst zu finden.
In meiner Praxis sehe ich täglich Menschen,
die, unabhängig von ihren körperlichen Beschwerden,
vor allem vor Traurigkeit nicht mehr aus noch ein wissen.
Engagierte, freundliche, gebildete Menschen, die sich gesund ernähren, Qi Gong oder Yoga betreiben, die meditieren und die generell einfach alles richtig machen.

Doch die Traurigkeit geht nicht weg.

Ich glaube, wir sind alte Seelen, die in ihrer langen Existenz schon alles falsch gemacht haben, was falsch gemacht werden kann, die jede Art von Katastrophe und Unheil schon erlebt haben.
Es ist sehr schwer, sich wieder ganz auf das Leben einzulassen. Die Seelen sind erschöpft.
Kraftlos. Manche wollen gar nicht hier auf der Erde sein.
Entsprechend leicht verlieren sie den Boden unter den Füßen und sausen davon.

Wenn die Seele nicht richtig da ist, fühlen wir innere Unruhe.
Sehen selbst in unseren Erfolgen den Misserfolg.
Wir können uns schwer entscheiden.
Haben Ängste.
Sind abwesend. Zerstreut.
Fühlen uns fremd in unserer Haut.
Sind irgendwie nirgends zuhause.
Menschen mit Seelenverlust fühlen sich abwesend. Als läge eine Glasglocke über ihnen. Sie fühlen sich, als müssten sie sich besonders bemühen, um am Leben teilnehmen zu dürfen. Sie geben oft viel zu viel in Beziehungen und erwarten selbst nichts (was sie auch regelmäßig bekommen.)
Manche beschreiben den Zustand des Seelenverlustes so als warteten sie seit Jahren darauf, das das Leben endlich anfange. Stattdessen läuft es an ihnen vorbei. Wie in dem Lied „time“ von Pink Floyd: „Hanging on in quiet desperation is the Englisch way“.

Im chinesischen Medizinklassiker Neijing, der Bibel der chinesischen Mediziner, heißt es:

„Wenn das Herz leer ist, sind die Menschen traurig.“

Diejenigen von Ihnen, die sich mit chinesischer Medizin beschäftigen, werden einwenden, dass in der Lehre der fünf Elemente Traurigkeit die Emotion der Lunge ist.

Die Lehre von den fünf Elementen hat in der chinesischen Medizin niemals die gleiche Popularität erlangt wie das Neijing. In der Lehre von den fünf Elementen ging es eher um Fragen des Alltags: Fengshui, Charakterkunde, Menschenführung, Eheanbahnung.
Medizin war komplexer.

So wichtig, wie manche hierzulande glauben, sind die fünf Elemente in der chinesischen Medizin nicht.
Sie sind aber ein hübsches Modell für Qi Bewegungen und ich werde ihnen im Verlauf dieses Vortrages kurz davon erzählen.

Danach spreche ich über
verschiedene Zivilisationskrankheiten
die große Traurigkeit, die so viele Menschen erfasst
das Kreiieren, Probleme beim Qi Gong
die verschiedenen Seelen
wie sie verlorengehen
… und wie wir sie zurückholen.
bei all dem aber spreche ich nur über das Qi und unsere Einheit mit allem, was ist.

(zurück zum Inhaltsverzeichnis des Vortrages über Glück und Gesundheit, Qi und Seele in der chinesischen Medizin)