Trickster, kosmische Verführer und Tanz ums Drachenfeuer

 

Wieder einmal ist es heiß. Luft flimmert über dem Asphalt. Politiker lügen. Schweiß trieft. Vollmond. Feuerwerk, Sternschnuppen und qualmende Grillfeuer. Sonnenbrand und Sommerliebe. Glitzerndes Wasser.

Zeit für den Sommertext. Manege frei für den Trickster.

Wenn Licht sich an der Materie reibt und die Luft erhitzt, entstehen Spiegelungen. Wenn Schweiß in die Augen rinnt, verwischt sich der Blick. Und über tausend Feuern tanzen unfassbare Figuren.

Dies ist die Welt des Tricksters.

 

Der Trickster ist Mann und Frau und wir begegnen ihm unter tausend Namen. In einem Märchen hilft er der Müllerstochter, Stroh zu Gold zu spinnen (eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack!) und fordert dafür ihr Kind, wenn es ihr nicht gelingt, seinen Namen zu erraten. Machttrunken tanzt er über dem Feuer und gibt, für dieses eine Mal, seinen Namen preis: Rumpelstilzchen. Das Kind, die Seele, wird gerettet. Wer den Trickster besiegen will, muss schlau sein und unsere Legenden sind voll solcher Geschichten.
Was die Legenden verschweigen: Trickster liebt es, wenn wir ihm die Stirn bieten.

Doch wer ist er? Schwer zu sagen. In seiner Welt, ist jedes Aufblitzen nur eine Spiegelung und so gibt es keinen wahren Namen.

Eleggua

der Name der genannt werden kann, ist nicht der wahre Name

 

Man kennt ihn als Old Man Coyote, Kokopelli, Loki, El Duende, Hephaistos, Feuergott Nezha, Rumpelstilzchen, Pomba Gira, Eleggua, Meister Tabak und tausend andere Drachen und Verführer der Nacht.

Schillernd steigt der Trickster aus dem Feuer und nimmt die Gestalt an, die uns am meisten behagt: Ein betörender Mann (Frau), eine Gottheit oder Buddha, die uns Erleuchtung und Heilung verspricht, ein Drache, der einen großen Schatz bewacht und uns in einen Kampf auf Leben und Tod lockt. Das alles sind nichts als gespiegelter Lichter. Eine kosmische Lichtshow. Ein gigantisches Feuerwerk.
Genau wie die große kollektive Blendung, das Internet, wer anders als Iktome, die trügerische Spinne, könnte dieses Netz gesponnen haben?

spiderprincess by christine li

 

 

 

 

 

Wenn das Licht sich aus der Materie befreit und zurück in den unendlichen Raum geht, wo nichts es mehr brechen kann, wird alles rein, klar und farblos. Hier durchschauenen wir all unsere Täuschung und das Herz wird still. Dies ist der ungetrübte See, den die konfuzianischen Meditierenden der Songzeit (vor circa 1000 Jahren), inspiriert vom Buddhismus, in China suchten. Ein strenges und freudloses Unternehmen.

Körperlose Erleuchtung bringt uns hier auf der Erde nicht weiter. Wer zu verbissen nach Erleuchtung strebt, wird am Ende merken, dass er nur einem besonders raffinierten Lockruf des Tricksters gefolgt ist.

Keiner kommt hier lebendig raus. Ganz gleich, was uns versprochen wurde.

Solange wir hier sind, wird Klarheit nicht lange währen. Solange wir hier im Körper leben, reiben wir uns, und solange wir uns reiben, wird der Blick sich trüben. Wir erhitzen uns, das Drachenfeuer flammt auf und schon geht es los. Das Spiel des Tricksters.

In älteren Zeiten, bis zur Zeit von Ge Hong und Bao Gu (der Heldin des Buches, an dem ich arbeite) suchten die Daoisten nach der Extase. Wie bei ihren Vorfahren, den Schamanen, waren Tanz, Gesang, allerlei Pflanzen und heiliges Krötengift der Weg. Wenn wir ohhnehin schon hier auf der Welt herumirren: Warum uns nicht mit Haut und Haaren hineinstürzen, mit den Dingen verschmelzen, dabeisein und mitspielen.
Wer nicht spielen mag, wird gespielt. Dafür sorgt Trickster.

Spielen wir also und bieten ihm die Stirn.

Und „spielen“ heisst auch: Wir dürfen uns amüsieren. Wir dürfen sogar riesigen Spaß haben.

Trickster ist Master of the Game.

Er weiss, was Frauen wollen. Er weiss sogar, was Männer wollen. Trickster hat für jeden die richtige falsche Karte im Ärmel. Du willst eine große Heilerin sein? Bitteschön! Ein Blues- Gitarrist wie keiner vor Dir? Ein Teufelsgeiger? Der Gründer von Apple? Ein Rolling Stone? Aber ja doch. Gerne. Den Mann deines Lebens finden. Wenn Dir nichts Besseres einfällt. Warum nicht?

Folge Deinen Träumen, raunt Trickster. Aber träum ein bisschen bunter!

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Spielen heisst auch, wir lernen die Regeln. Und diese Regeln besagen: Dies hier ist echt. Das Spielgeld ist echt. Die Schmerzen sind echt. Die Waffen sind echt. Die Schluchten und Erdbeben sind echt. Das Blut ist echt. So lauten die Regeln.
Bei all dem bleibt es ein Spiel, wie die Buddhisten gerne betonen. Das nutzt ihnen aber nichts. Denn auch ihr Blut ist echt.
Spielschulden sind Ehrenschulden und Mogeln gilt nicht. Es wird natürlich dennoch gemogelt. Manch einer versucht, sich rauszuschleichen und Erleuchtung zu spielen. Doch kaum einer kommt für lange Zeit davon.

Wieder andere bleiben auf ihren Karten sitzen. Horten ihr Spielgeld. Sichern alles ab. Versichern sich. Planen. Sparen Zeit und Geld. Wissen alles besser. Leben gesund. Wünschen sich nichts. Spielen nicht mit. Verweigern sich. Nehmen Zuflucht.
Das fordert Trickster heraus. Nun wird er keine Ruhe finden, bis er die passende Verlockung gefunden hat. Ewige, leidenschaftliche Liebe, einen großen Schatz, unendliche Macht.
Für ganz Ängstliche gibt es den medizinischen Fortschritt, der alle Krankheiten besiegen wird, und für Total-Verweigerer gibt es die Erleuchtung in einer Religion eigener Wahl. Ein großer Guru sein, mit riesen Gefolgschaft auf Twitter und einer eigenen Insel? Ein Plan ganz nach dem Geschmack des Tricksters.

Jede Form esoterischer Weisheit findet Trickster äußerst amüsant. Der Blog von Christine Li? Chapeau!

Trickster ist, wohlgemerkt, kein Lügner. Er erfüllt alle Wünsche, wenn ihm danach ist. Er erfindet neue Wünsche und erfüllt auch diese. Er kann, wenn er mag, bezaubernde Geschenke machen. Er ist der Lieblingsgott aller Narzissten. Er ist auch ihr unerbittlichster Lehrer, denn er kann all seine Kreationen, Schönheit, Macht, die Oscarnominierung und die Yacht in der Karibik, mit dem Schnipsen eines Fingers, wieder in Rauch und Spiegelungen auflösen.

Trickster lässt sich nicht verpflichten. Da hilft kein Verkaufen der Seele und kein blutiges Opfer nachts an einer Wegkreuzung oder auf dem Friedhof.
Da ihn solch theatralische Aktionen sehr amüsieren, kommt er vielleicht wie gerufen. So wie er auch durch die Karten und aus dem Kaffeesatz spricht, aus heiligen Quellen und zu berauschten Dichtern. Aber er macht auch dort, was er will. Dagegen hilft keine schwarze Messe, kein Stierkampf und auch kein heiliges Abendmahl.
Trickster lässt sich nicht festlegen. Seine einzige Lehre lautet: Nichts bleibt.

Du kannst ihn nicht fesseln und nicht verpflichten und ihm gar deine Seele zu verhökern, ist nutzloses Drama. Er nimmt sie, wirft sie auf den großen Haufen anderer verlorener Seelen und kümmert sich nicht weiter drum. Er mag dir im Gegenzug alles versprechen, aber er hält sein Versprechen nie oder, nur so zum Spass, vielleicht für eine flüchtige Weile.

Erfreue dich also an den Illusionen. Der magischen Show. Dem ganz großen Theater. Spiele mit. Küsse und verführe. Tanze und singe. Verzaubere alle Herzen. Trickster ist entzückt, wenn Menschen sein Spiel spielen.
Unterwürfigkeit, Gejammere, Gewimmere und Bestechungsversuche reizen ihn zu Schandtaten. Jammern und Klagen reizen ihn allerhöchstens, dem Elend noch eins drauf zu setzen. Nenn ihn dafür ruhig Teufel, Verführer, unreiner Geist. Das stört ihn nicht.

Also lass das Zetern.

Es ist nicht seine Schuld, dass Du dich betrogen fühlst. Du selbst hast ihm die Seele hinterhergeworfen, als Du ihn verpflichten wolltest.
Nun stehst Du da. Ohne Seele und wie willst Du noch spielen, so ohne Seele. Was soll er nun noch mit Dir?

Was Trickster liebt, sind Menschen, die ihre ganze Menschlichkeit in die Waagschale werfen und ihn schreiend herausfordern:
„Hier Trickster. Zeig mir was Du kannst. Gib mir Deine Geschenke. Erfreue mich. Begeistere mich. Gib mir alles. Wenn du willst, gib mir Unheil und Krankheit. Zeig mir, was Du kannst. Ich grusle mich nicht. Meine Seele bleibt unberührt von Deinem Theater. Ich spiele Ball mit den Schädeln der Toten.“

Wenn also wieder einmal Trickster in Dein Leben tritt: Schenk ihm einen Likör ein, oder alten Havana Club, opfere Tabak (Cohiba) und lüg ihm mitten ins Gesicht. Lass deine Diamanten blitzen. Sie müssen nicht echt sein. Tanze für ihn. Sing für ihn. Verführe ihn und Trickster ist dein. Dann erfüllt er all deine Wünsche, Gesundheit, Schönheit, Glück. Aber nur, solange Du eine wirklich große Hexe, ein großer Magier bist und deine Seele niemals hergibst. Sobald Du ihm ganz gehörst, lässt er Dich fallen.
(Ja, er ist darin genauso wie seine Lieblings-Schüler, die großen Verführer- was glaubst Du denn, woher diese das gelernt haben?)

Übrigens: Mein Trickster erscheint mir in männlicher Form. Doch auch das ist nur eine Illusion. Manch einem Mann erscheinen Pomba Giras, die im alten China auch als Fuchsgeister bekannt waren. Gefährliche Wesen, allesamt. Und natürlich müssen Trickster nicht hetero-sexuell sein. Sexuell aber sind sie immer. Denn sie wirken durch das Drachenfeuer und das steigt von unten auf. Aus der Dunkelheit hinauf zu den Wolken.

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Allen gemeinsam ist eines: Ein Trickster (oder eine Pomba Gira) gehört nur sich selbst. Genau wie Du, denn er ist Du und Du bist sie. Versuch keine Verhandlungen. Versuch nicht, ihn zu binden. Er mag das nicht. Denn er ist Du und Du bist frei.

Und sei nicht beleidigt, wenn der der Tag anbricht und im milden Licht der Sonne nichts als ein paar kleine Rauchfäden aus der kalten Glut aufsteigen. Dort, wo Du, eben noch, in magischer Raserei um das Drachenfeuer tanztest. Du hast doch nicht etwa geglaubt, das sei die Wahrheit? Dummes Kind. Wir müssen das alles noch einmal üben. Und noch einmal. Immer wieder.
So lange, bis Du es begreifst: Nichts bleibt. Nichts bleibt. Nichts bleibt.

Es ist ein Spiel von Yin und Yang. Magie in der Nacht. Am Tag stille Klarheit. Herzfeuer. Vollkommmen transparentes Licht ohne Spiegelungen. Du hast endlich verstanden. Du bist jetzt erleuchtet.

„Diesmal bleib ich klar“,beschließt du.

„Wir müssen wohl noch einmal üben“, raunt er da und lockt dich in den nächsten Tanz.
Wieder entsteht eine neue Welt. Entsteht und vergeht. Runde um Runde.

la emperatriz bailando

Trickster. Ich liebe dich.

Kriegsenkelin

Heute, zum Totengedenktag,  gedenke ich meiner toten Großeltern.

Mein Heiler- Kollege und Santeria Lehrer Valdonio erklärte mir vor Jahren auf Kuba:

„Ihr aus Europa seid voller Toter. Ihr könnt euch kaum noch bewegen vor Schmerz und Trauer. Deswegen tanzt ihr so schlecht.“

Er unterrichtete mich, wie ich die Egguns, die Toten also, mit Hühnerblut zu füttern hatte, und er gab mir einen Altar, einen alten Dachziegel, den ich, getränkt mit Hühnerblut und verklebt mit Hühnerfedern, durch den Zoll schleppte und weisungsgemäß in meinem Garten vergrub.
Nach dem Motto: Wer weiß, vielleicht hilft‘s ja.
Der Tot des Huhnes ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Während das arme Vieh in meinen Händen zuckte, lernte ich einiges über mich und das Leben, vor allem, wie schnell es durch die Hände rinnt, und ich lernte, dass Lebewesen wirklich leichter werden, wenn die Seele aus ihnen herausströmt.  Es war ein elender Vorgang.

Aber die Egguns klebten fest. Hühnerschlachten hilft nicht gegen den Tod.

Jahre später, pünktlich zum Herbstanfang, nahm der Schmerz überhand. Schmerz war ein alter Freund. An den meisten Tagen meines Lebens, solange ich zurückdenken konnte, schmerzte zumindest die Hälfte meiner Knochen. Skoliose, Rheuma. Fibromyalgie. Unnötige Namen.
Wie mich überhaupt medizinische Diagnosen kaum überzeugen können. Was mich bewegt, sind die Ursachen solcher Zustände. Schmerzhaften Zuständen ein Etikett zu verpassen, ist für mich keine Diagnose. Gnosis heißt „Erkenntnis“ und nicht „Benennung“.

An diesem ersten Herbsttag  war die Diagnose ausnahmsweise klar. Ich hatte getanzt. Ein angenehmer Schmerz, wohltuend und überschaubar. Grund genug, dem Ganzen noch ein Bad mit Meersalz und Algen  folgen zu lassen.
Der Schmerz strömte angenehm durch den Körper und ich ließ mich ganz einsinken. In den Schmerz, tief ins Wasser. Es dauerte eine Weile und mein Kopf sank unter Wasser. Ich spürte nun nichts mehr. Nur eine Erstarrung, die noch zunahm, als ich mich ihr ganz ergab. Dies war kein Muskelkater mehr.

Ich lag allein in einer zerstörten Landschaft. Ausgeblutet, verkrampft von zahllosen Wunden und vor allem vor Kälte. Erstarrt vor Angst. Versteckt hinter etwas Dunklem. Einem Bretterverschlag? Eine weite Ebene mit einzelnen Birken und unklaren Trümmern. Eine Landschaft, die ich schon oft gesehen hatte, obwohl ich noch niemals dort gewesen war.
Nonlokalität. Alles ist gleichzeitig und hier. Ich war in Russland. Kriegsende. Ich war mein Großvater. Der, der niemals zurückgekommen war. Der, dessen Geschichte verloren ging. Der spurlos aus dem Leben verschwand. Der, dessen Grab bis heute niemals gefunden wurde.
Mit einem Mal begriff ich, dass seine Spur in mir fortlebte. In meinem schmerzenden Körper. In meiner lebenslangen Traurigkeit.
Großvater, dachte ich. Erzähl mir deine Geschichte.

Ich sank tiefer und im gleichen Augenblick hörte ich Geräusche. Todesangst. Dann, ein Knall, ohrenzerfetzend wie ein Schuss. Mein Herz zerriss. Wenig fehlte und ich wäre, feige, aus dem Wasser aufgetaucht. Ich blieb unten. Ich starb.

Später kochte ich und lud meinen unbekannten Großvater zu einem letzten Abendessen ein. Ich erzählte ihm aus meinem Leben und wie sehr ich ihn vermisste. Ich erzählte ihm vom unendlichen Schmerz meiner lieben Oma. Wir weinten beide und tranken Wein. Dann ließ ich ihn gehen.
Der Schmerz ging dann auch. Zumindest ein Teil. Der Großvaterteil. Das fiel mir aber erst viel später auf.

Heute, zum Totengedenktag gedenke ich meiner Ahnen. Sie sind bei mir.

Possession-a little Help from Your Friends

Wild spirits are out to get you. Really?

Many people are paranoid about spirit possession. Exorcism and Extraction are quite the rage in some new age communities.

Spirits are Qi. Excactly like ourselves. We interact with Qi all the time. It is outside of us, inside and all around. The limits of inside and outside are not marked by our skin but by what we are able to perceive. In this we are not limited by our skins.

Take bacteria. As we all know, after a century of fighting them in vain, we cannot protect ourselves from bacteria. Our body is full of them. We live in symbiosis with them and without them we would not even be alive.

The same goes for all kinds of Qi forms. Spirits are part of the cosmic body and so are we. They float in and out and all around of us. We are one with spirit. A process without limits.

Yet spirits can make us ill.

It works like this: Whenever we live in deficiency, in denial of a deep need, an intruder who carries this exact energy we are desperately trying to deny, will be attracted to the void we have thus created. It is our own resistance that gives it power. The more we fight, the stronger it gets.
The next thing we notice will be something new and foreign to our being. Disturbing thoughts. Strange urges. We form a wall around it. Try to avoid the feeling. We want to give it a name and only then it becomes an entity. A spirit possession is born each time we insist on its otherness.

Let’s say, someone lives in a relationship that is nice enough but over the years has become stale and without sexual spark. We tell ourselves, that the person we are with, is a good match, a good provider, a loyal friend, and so we fight the living spark, our internal fire. The dragon. We tell ourselves, that it is not worth it to break up a good solid thing (or invest time in adventure, precious time we had better invested in our career) for something so fleeting and, well, impure, as sex (or some wild dream). A part of us, the most vital part, shuts down.
Then, one fine day, we feel a sharp pain in the back. In the heart. It may be diagnosed as intercostal neuralgia.
But a smug name does not make the pain go away. It is here to stay.
No matter how many massages and acupuncture or stretching we try. It just sits there and aches. Piercingly. Some people feel the pain so intensely that they have trouble breathing.
Especially at night.

The old Greek called this the Arrow of Eros. Little old Eros, more often than not pictured as a chubby child. Not exactly known as a bad spirit. But it is the son of Aphrodite and Ares, after all. The son of Love and Hate. A trickster. Happily malicious and completely out of control. A real anarchist.

Not long after the arrow hit her or him, our person starts a passionate love affair or embarks on some other journey. The old relationship breaks up; the career is abandoned. Life needs to start all over from scratch. And it will.

A stubborn person may resist the urge to be born again and instead become short tempered, gloomy, depressed. The body aches. The heart may miss its beats and the blood pressure may go up.
The dragon rises with all the symptoms of fire:

  • hot flushes (so called „menopausal syndrome“)
  • red itchy excemas
  • restlessness and restless legs
  • piercing migraines
  • high cholesterol
  • gall bladder issues
  • heart disease and high blood pressure
  • ringing in the ears (tinnitus).

There are many pills to try and bring the fire down. Typically pills with names that start with “Anti”. A huge industry lives of these Anti-life-pills.

But there is no way to resist the trickster. It insists on change. It wants everybody to express their potency, their fire. If they do not, if they continue their anti-life regimen- they will become really ill and eventually die.

Eros in his wildest form has many names. In Brazil they call these entities the Pomba Giras. Pomba Giras are the female crossroad demons. Wild, shameless beings, visualized as sexy flamenco dancers, dressed in red flowing robes who like to drink alcohol and smoke big cigars.
The Pomba Giras want to party and once they get you, so will you.

In Brazil the Pomba Giras are feared and hated and treated with the utmost respect. They are ritually invoked by the love sick to possess someone they want to be in love with. Love magic that involves the Pomba Giras is powerful. These crossroad demons do not ask for lots of knowledge to be summoned. Before you know it, they will be all over that poor person you desire so much.

The Pomba Giras are exspecially delighted whenever they can stir up a fire that has long been smoldering under the ashes of self control and cowardly morals. Countless stories tell about good husbands, priests who live in celibacy and other people who have bravely resisted their sexual nature to suddenly find themselves under the power of the Pombas, possessed by urges they can no longer resist.

There is no malignancy involved in the doings of the Pombas. Like the common cold that gets to you so you can rid your brain of phlegm, the Pombas come to stir up the ashes when the fire has gone down.
They may be crass, but like all the other spirits they come as your spirit helpers.

Can you protect yourself against spirits? Preferably not.
Any anti-life-policy will bring nothing but death.

The only thing is to embrace your nature and live according to your inner law. There is no other.
If you do not resist your own nature you will not need help from a trickster, be it a Pomba or any other of the countless beings that are part of the cosmic body, to bring out your funky side.

The spiritual beings we used to be so afraid of, are here to help.
They may destroy your body in the process. Yet, this does not make them „evil“.
In the world of the spirits it is not considered death when a being leaves the body. The only death they know is resistance to transformation and they will not accept this. Ever.

There is one thing we can do: Thoughts are the only instance where we define yourselves. So we ask: Do we own your thoughts or are we possessed by them?
We want to be careful about limiting thoughts.
Thought-possessions are the only intrusions to be afraid of.
Thought-possessions are the limiting beliefs that keep us in our personal cage. They make us resist life and whenever we deny our own wild nature, wild spirits are there to help us out.

When they do, we may want to call it a disease. But this is just another limiting thought.

Die diebischen Brüder

Die Lektion von gut und böse

Dieses Jahr gibt es keine Weihnachtsgeschenke.
Wir sind ausgeraubt worden. Unser Gastschüler Andre hat unsere Wohnung ausgeräumt und ist dann bei seinem Bruder Carlos Bonfiglio Bicker, seines Zeichens angehender Speditionskaufmann in Hamburg,  untergetaucht. Alles, was leicht und unkompliziert zu beseitigen war, ist futsch.  Was mich am meisten getroffen hat: Sogar das Sparschwein meines Sohnes, das jener über Jahre gefüttert hat, ist leer.
Andre gab den Diebstahl sofort zu. Natürlich dachte ich daraufhin, seine Familie würde zusammenstehen und den Schaden wieder gutmachen. Dies ist zumindest meine biedere Vorstellung von Familie. Aber es gibt natürlich viele Modele. Man denke nur an die Mafia.

Die Familie Bonfiglio Bicker funktioniert so:
„Bei mir ist nichts und Spuren wirst du keine finden. Ich schlage vor, du zeigst uns einfach an“, sagte Carlos am Telefon ungerührt. Diebstahl ist offensichtlich nicht so schlimm. Solange ihn keiner nachweisen kann:
Damit hatte ich nun nicht gerechnet. Er fühlt sich offensichtlich durchaus für den Jüngeren zuständig. Aber nicht in dem Sinne, wie ich es erwartet hatte, sondern eher  als Komplize und Hehler.

Der Anruf beim Vater  Jaime im bolivianischen Santa Cruz erboste mich noch mehr: „Das sind gar nicht meine Söhne sondern die Söhne meiner Geliebten. Betina nimmt sie immer in Schutz und hat bisher all ihre Taten gedeckt. Eine Hausangestellte habe ich auch schon entlassen müssen, weil  Betina es geschafft hat, dass ich das Mädchen fälschlicherweise in Verdacht hatte, meine Praxiseinnahmen mitgehen zu lassen. Carlos war immer schon schlau. Andre ist nun also aufgeflogen. Ich will die beiden daher nicht mehr sehen und bin froh, dass sie aus dem Haus sind. Sie haben schlechtes Blut von ihrem Vater. Carlos schafft es hoffentlich, in Hamburg seine Karriere als Speditionskaufmann zu vollenden, ohne dass noch etwas vorfällt. In Hamburg kennt ihn ja niemand. Andre hat diese Chance auf einen Neuanfang nun leider verspielt.  Ich kann mich nur bei  Ihnen entschuldigen, dass es ausgerechnet Sie getroffen hat, Senora Li.“
Hm. Der gute Doktor Jaime Rolando Machicado Calderon hat also gnadenlos seinen familiären Müll bei mir entsorgt. Nicht sehr nett. Aber es sind ja auch gar nicht seine richtigen  Söhne. Na dann.

Das Traurigste ist die Mutter. Betina Bicker, die mich im Vorfelde, mit mails davon überzeugt hatte, dass ihre Söhne Andre und Carlos, wie deren Nachname „Bonfiglio“ schon sagt, liebe und brave Jungs seien, mit einer Familie im Background, die die Verantwortung übernehmen würde, ist überhaupt nicht mehr für mich zu sprechen. An einem Gespräch über ihre beiden Söhne und was aus ihnen werden soll, ist sie offensichtlich nicht interessiert.

Andre und Carlos Bonfiglio haben also eigentlich keine Familie. Keiner will sie. Kein Wunder, dass sie wie Pech und Schwefel zusammenhalten.
Böse bin ich ihnen daher auch nicht so richtig.
Nur ein intensives Gefühl von Ekel ist geblieben, das mich erfüllt, sobald ich unsere Wohnung betrete und mir vorstelle, dass die fetten Finger des Diebes jeden einzelnen Gegenstand umgedreht haben.

Nun, ein paar Wochen später und, wie gesagt, ohne Weihnachtsgeschenke und überhaupt recht freudlos, überlege ich immer noch, was die Lektion aus all dem gewesen sein soll.
Es muss sie geben. Es gibt immer Lektionen.
Diese hier sind besonders ungemütlich.

Was also machte der Diebstahl mit mir.
Ich versuchte es mit Wut, welche bekanntlich nicht unterdrückt werden soll und auch sehr erfrischend sein soll. Aber als Objekt für richtigen Zorn sind diese beiden Brüder einfach zu jammervoll. Selbst mein frisch ausgepünderter Sohn sagte: „Mit denen würde ich nie tauschen wollen, selbst wenn sie alles hätten und ich nichts. Die sind einfach nur eklig“.
Meine zweite Versuch war, mich als Opfer zu fühlen. Dieses Gefühl „ich bin so lieb und alle sind so böse zu mir“ kann sehr anheimelnd und nahezu tröstlich sein. Aber es hielt gerade mal ein paar Sekunden, denn ich kenne es und falle nicht mehr darauf herein.
Vor allem glaube ich fest, dass wir Ungemach, wie Vampire, selbst ins Haus rufen. Immerhin habe ich freiwilig auf das Rundschreiben des FC Sankt Pauli geantwortet, als es hieß: Unser Vereinsmitglied Carlos sucht eine Gastfamilie für seinen Bruder.

Klar, es hieß NICHT:
„Der Hehler Carlos Bonfiglio sucht eine Bleibe für seinen diebischen Bruder Andre.“

Der FC Sankt Pauli verlangt kein polizeiliches Führungszeugnis von seinen Mitgliedern.
Aber wenn ich sehr, sehr ehrlich in mir selbst forsche, so kann ich mich erinnern, dass ich ein klares ungutes Gefühl hatte, als ich die beiden bolivianischen Brüder sah. Meine Seele krümmte sich gewissermaßen zusammen.

Und nun kam die dritte Reaktion. Ich sah meinen eigentlichen Fehler und verstand die Scham, die ich spürte. Den Ekel. Die eigentliche Untat habe ich selbst begangen (zumindest was mich selbst betrifft).
Statt auf meine Seele zu hören, die mir sagte: „Andre und Carlos Bonfiglio kann man nicht trauen“, redete ich mir immer wieder tugendsam zu, nicht so voreingenommen zu sein.
Kein Wunder also, dass ich so niedergeschlagen bin. Ich habe mich selbst verraten. Meine Integrität geopfert. Einen schlimmeren Verrat gibt es nicht.
Nun kommen, ungerufen und gar nicht willkommen, Nacht für Nacht, all die Momente meines Lebens, in denen ich mich selbst verraten habe, wieder ans Tageslicht. All die Momente, in denen ich erlaubt habe, dass andere mich benutzen oder über mich hinwegtrampeln.

Diese Rauhnächte werden alles andere als lustig. Soviel ist sicher.

Aber da alles irgendwann heilt, wird auch dieser alte Eiter hoffentlich bald herausgeeitert sein. Carlos Bonfiglio Bicker und sein diebischer Bruder Andre, die uns das Weihnachtsfest gründlich vergällt haben, werden als Lehrer in meine Vergangenheit eintreten und ich werde bis in die tiefsten Tiefen meiner Erinnerungen tauchen können, ohne auf halbvergammelte Skelette zu stoßen.

Von Toten, schwarzer Kleidung und Akupunktur

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen.
Es war zu der Zeit, als ich mich in die Wege der kubanischen Santeria einfühlte. Wie jeden Tag wühlte ich mich durch die engen Gassen im Barrio Jesu Maria. Mein Santeria Pate Jorge, der mich bei meiner Ausbildung unterstützte, der sonst immer lachte und endlose Geschichten aus seiner Zeit als Seemann erzählte, saß mit betrübtem Gesicht im Schatten vor der winzigen Ladenwohnung des Babalawo, des Priesterheilers.
„Heute können wir nicht arbeiten“, erklärte er.
„Was ist los?“
„Ich kann den Arm nicht bewegen. Es schmerzt teuflisch. Wir werden eine Zeremonie machen müssen, um den Eggun zu vertreiben, der da reingeschossen ist. Aber ich hab wirklich keine Zeit dafür und auch kein Geld“.
Egguns sind Geister von Toten, die nichts als Unheil anrichten, wenn man sie nicht respektiert. Dann müssen sie mit Opfergaben besänftigt werden, was ziemlich teuer werden kann.
„Vielleicht kann ich in der Zwischenzeit ein bisschen helfen“, bot ich an.
„Du?“
  „Ich stech mit Nadeln. Akupunktur. Kommt aus China.“
Jorge sah nicht sehr überzeugt aus: „Ich weiß, was Akupunktur ist, und in China war ich auch schon“, brummte er. „Wird kaum was bringen bei einem Eggun.“

In der Zwischenzeit hatten sich allerhand Leute versammelt und wir gingen ins Haus. Der Babalawo saß mit ausgestreckten Beinen auf dem Boden vor seinem Wahrsagebrett. Wir erklärten ihm die Lage.
Er nickte: „Interessant. Aber Chinesen haben eine sehr alte Kultur. Warum also nicht?“
Ich nadelte den Punkt Mittlere Insel.
Jorge zuckte heftig, sein Schokoladenteint wurde aschfahl. Dann schrie er: „Du hast mich geheilt. Der Eggun ist rausgefahren.“
Im Allgemeinen dauert eine solche Behandlung deutlich länger und erfordert Stimulation der Nadel, Rotation und Massage des Armes und meistens ein paar Wiederholungen. Doch Jorges Schmerz war offensichtlich vollkommen verschwunden.
Der Babalawo untersuchte den Arm und konsultierte sein Brett.
Er nickte anerkennend: „Du hast die Wege für die Geister geöffnet. Mit einer Nadel. Das ist eine sehr überlegene Technologie.“
Nach diesem Tag arbeiteten wir eine Zeitlang  zusammen. Der Babalawo befragte sein Brett und rezitierte uralte und wortreiche Wahrsagungen in der Sprache der afrikanischen Yoruba. Er riet zu Opfern an Ochun oder Chango, ermahnte untreue Ehemänner und verschrieb Kräuter. Jorge unterhielt uns alle mit seinen Geschichten. Wenn es aber Egguns zu vertreiben galt, griff ich zu den Nadeln. So verschwanden die Beschwerden schneller. Freilich riet der Babalawo dringlich dazu, den Toten dennoch ein Opfer zu bringen, wie es sich gehörte, denn über sieben Generationen seien wir mit unseren Toten verbunden und so lange solle man sie auch ehren.
Die Behandlungen dauerten selten länger als bei Jorge. Was mich wunderte. Aber der Babalawo erklärte mir, dass es schließlich kein Wunder sei. In Deutschland würde niemand die Egguns ehren und nach all den Kriegen und Grausamkeiten sei das Land sei vollkommen überlaufen mit wütenden und rachsüchtigen Toten. Wenn so einer erst einmal Besitz von einem Lebenden ergriffen habe, würde man ihn kaum wieder los. Die vielen Egguns seien auch der Grund, warum die Deutschen so traurig seien und nicht tanzten. Dies, und die Tatsache, dass alle immer schwarze Kleidung tragen würden.  Das sei zwar sehr schick, aber es ziehe die Egguns an wie verrottendes Fleisch die Fliegen.
Eine Zeitlang habe ich dann kein Schwarz mehr getragen…

Wasser- Yin auffüllen, Träume, Medizin der Tiefe

 

Göttinnen des Wassers

Die Seehundfrauen, die Selkies, die Dienerinnen der Großen Göttin, Töchter der Yemaya, werden nur noch selten gesehen. Manch einer sagt, es gibt sie nicht mehr.

Doch zuweilen, vielleicht zur Wintersonnwende, tauchen sie aus dem Meer, legen ihre tierischen Häute ab und baden als betörende Frauen im Mondlicht. Wer es wagt, einer Selkie die Haut zu stehlen, der kann sie für eine Weile zur Frau nehmen. Doch so sehr sie sich zivilisiert geben mag, ihr wildes ozeanisches Herz wird sie eines Nachts zurück ins Meer ziehen. Sobald sie ihre verlorene Seele, die Haut, zurückerlangt, zieht es sie zurück ins Meer.

Von hier aus locken die Selkies mutige Seefahrer und träumerische Dichter, vor allem aber Frauen und Kinder mit ihrem betörenden Gesang. So zieht es all die, deren Herzen offen und empfänglich für Träume und Schönheit, immer wieder zurück in die Tiefen des Meeres, unsere ozeanische Heimat, das Unbewusste, dort, wo dereinst alles Leben entstanden ist und wo auch heute noch jede Schöpfung ihren Anfang nimmt.

Viele fürchten sich vor diesen tiefen und dunklen Regionen, doch wo sonst könnten wir neu entstehen und neues erschaffen. Einst, im irischen Galway und in einer kalten Mondnacht, zwischen schwarzen Klippen an der Küste des Meeres, da erlebten meine kleine Tochter und ich die Selkies. Sie sind nicht freundlich in unserem Sinne, doch wer ihre Kraft je spürte, vergisst sie nimmermehr.

„Come away, O human child!

To the waters and the wild

With a faery, hand in hand,

For the world’s more full of weeping 

Than you can understand.“

William Butler Yeats