When Souls get lost, nothing goes right

the last of three Soulful Videos to help Love, Delight, Healing find their way right back into your life – using the Art of Acupuncture

 

https://youtu.be/9RbiF5Iyajo

 

 

 

 

This video is part of series of three.

Love to watch them all? Be my guest.

 

 

 

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Originally posted 2017-07-04 11:14:27. Republished by Blog Post Promoter

Get your Soul back with Acupuncture

Kurzmitteilung

So you think you have all your wandering souls together? Think twice.

You might very well be all over the place (= universe).
Lonelyness, burnout, compassion fatigue, over eating, over working, under sleeping, general boredom, or that nagging voice inside your head that insists that something is off – all these nasty entities may be signs that you are missing a couple of those lovely dreamers: The wandering souls or Hun as we call them in Chinese Medicine.
Get your souls back and the nastyness will leave.
I promise.

Here is a new short video light your way home – soul retrieval with acupuncture, to help you with that. In this videos I explain the general concept of Soul loss and how it relates to Chinese medicine.

There will be two more videos with practical instructions to inspire you to use our wonderful ancient tradition of acupuncture in a soulful and soul retrieving way.

The second video is online, too: Floating back home – Soul retrieval with acupuncture, part 2

soul retrieval with acupuncture

floating back home

 

 

The  last video „Flying back home – Soul retrieval with acupuncture, part 3“ is also ready to go online, but ….
… the power around my village is down today and I am sitting in a little cafe to write this post. The universe’s way of telling me to slow down. An information I am always open to.

After watching the three little clips you will know how to call your wandering Hun souls back and, if you apply that wisdom, you will find new delight in everything that is.
I promise.

(No commercials. No money back guarantee. This is public domain and always has been.)

Why do I put out free stuff? Gratitude. That’s why.

The idea to produce these videos came up when we did the interview for the Chinese Medicine online summit on spirituality, shamanism and self cultivation in Chinese medicine. My friend Marian who created this amazing event has a way of probing so deep with her questions that everybody comes up with so much more than they even knew they had inside of them.
We all have.
All we need is the right inspiration. A good friend maybe. Some sunshine. Or the right piece of music.

After our two hour interview I immediately went back to writing my book (which is nearly finished now) and producing these videos and building my new website. All in a handful of days. Me! The queen of lazyness.
As a thank you to Marian I also created a little hypnotape to guide you through the whole process of soul retrieval with acupuncture. If you don’t want to do this all by yourself  – (being alone sucks at times) – now you don’t have to!
You get the tape if you sign up for the Chinese Medicine online summit.
For free. Of course.
Did I mention that the summit was for free, too?
But only this weekend while it’s live.
So hurry. For once.

Originally posted 2017-06-22 12:55:21. Republished by Blog Post Promoter

Trickster, kosmische Verführer und Tanz ums Drachenfeuer

 

Wieder einmal ist es heiß. Luft flimmert über dem Asphalt. Politiker lügen. Schweiß trieft. Vollmond. Feuerwerk, Sternschnuppen und qualmende Grillfeuer. Sonnenbrand und Sommerliebe. Glitzerndes Wasser.

Zeit für den Sommertext. Manege frei für den Trickster.

Wenn Licht sich an der Materie reibt und die Luft erhitzt, entstehen Spiegelungen. Wenn Schweiß in die Augen rinnt, verwischt sich der Blick. Und über tausend Feuern tanzen unfassbare Figuren.

Dies ist die Welt des Tricksters.

 

Der Trickster ist Mann und Frau und wir begegnen ihm unter tausend Namen. In einem Märchen hilft er der Müllerstochter, Stroh zu Gold zu spinnen (eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack!) und fordert dafür ihr Kind, wenn es ihr nicht gelingt, seinen Namen zu erraten. Machttrunken tanzt er über dem Feuer und gibt, für dieses eine Mal, seinen Namen preis: Rumpelstilzchen. Das Kind, die Seele, wird gerettet. Wer den Trickster besiegen will, muss schlau sein und unsere Legenden sind voll solcher Geschichten.
Was die Legenden verschweigen: Trickster liebt es, wenn wir ihm die Stirn bieten.

Doch wer ist er? Schwer zu sagen. In seiner Welt, ist jedes Aufblitzen nur eine Spiegelung und so gibt es keinen wahren Namen.

Eleggua

der Name der genannt werden kann, ist nicht der wahre Name

 

Man kennt ihn als Old Man Coyote, Kokopelli, Loki, El Duende, Hephaistos, Feuergott Nezha, Rumpelstilzchen, Pomba Gira, Eleggua, Meister Tabak und tausend andere Drachen und Verführer der Nacht.

Schillernd steigt der Trickster aus dem Feuer und nimmt die Gestalt an, die uns am meisten behagt: Ein betörender Mann (Frau), eine Gottheit oder Buddha, die uns Erleuchtung und Heilung verspricht, ein Drache, der einen großen Schatz bewacht und uns in einen Kampf auf Leben und Tod lockt. Das alles sind nichts als gespiegelter Lichter. Eine kosmische Lichtshow. Ein gigantisches Feuerwerk.
Genau wie die große kollektive Blendung, das Internet, wer anders als Iktome, die trügerische Spinne, könnte dieses Netz gesponnen haben?

spiderprincess by christine li

 

 

 

 

 

Wenn das Licht sich aus der Materie befreit und zurück in den unendlichen Raum geht, wo nichts es mehr brechen kann, wird alles rein, klar und farblos. Hier durchschauenen wir all unsere Täuschung und das Herz wird still. Dies ist der ungetrübte See, den die konfuzianischen Meditierenden der Songzeit (vor circa 1000 Jahren), inspiriert vom Buddhismus, in China suchten. Ein strenges und freudloses Unternehmen.

Körperlose Erleuchtung bringt uns hier auf der Erde nicht weiter. Wer zu verbissen nach Erleuchtung strebt, wird am Ende merken, dass er nur einem besonders raffinierten Lockruf des Tricksters gefolgt ist.

Keiner kommt hier lebendig raus. Ganz gleich, was uns versprochen wurde.

Solange wir hier sind, wird Klarheit nicht lange währen. Solange wir hier im Körper leben, reiben wir uns, und solange wir uns reiben, wird der Blick sich trüben. Wir erhitzen uns, das Drachenfeuer flammt auf und schon geht es los. Das Spiel des Tricksters.

In älteren Zeiten, bis zur Zeit von Ge Hong und Bao Gu (der Heldin des Buches, an dem ich arbeite) suchten die Daoisten nach der Extase. Wie bei ihren Vorfahren, den Schamanen, waren Tanz, Gesang, allerlei Pflanzen und heiliges Krötengift der Weg. Wenn wir ohhnehin schon hier auf der Welt herumirren: Warum uns nicht mit Haut und Haaren hineinstürzen, mit den Dingen verschmelzen, dabeisein und mitspielen.
Wer nicht spielen mag, wird gespielt. Dafür sorgt Trickster.

Spielen wir also und bieten ihm die Stirn.

Und „spielen“ heisst auch: Wir dürfen uns amüsieren. Wir dürfen sogar riesigen Spaß haben.

Trickster ist Master of the Game.

Er weiss, was Frauen wollen. Er weiss sogar, was Männer wollen. Trickster hat für jeden die richtige falsche Karte im Ärmel. Du willst eine große Heilerin sein? Bitteschön! Ein Blues- Gitarrist wie keiner vor Dir? Ein Teufelsgeiger? Der Gründer von Apple? Ein Rolling Stone? Aber ja doch. Gerne. Den Mann deines Lebens finden. Wenn Dir nichts Besseres einfällt. Warum nicht?

Folge Deinen Träumen, raunt Trickster. Aber träum ein bisschen bunter!

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Spielen heisst auch, wir lernen die Regeln. Und diese Regeln besagen: Dies hier ist echt. Das Spielgeld ist echt. Die Schmerzen sind echt. Die Waffen sind echt. Die Schluchten und Erdbeben sind echt. Das Blut ist echt. So lauten die Regeln.
Bei all dem bleibt es ein Spiel, wie die Buddhisten gerne betonen. Das nutzt ihnen aber nichts. Denn auch ihr Blut ist echt.
Spielschulden sind Ehrenschulden und Mogeln gilt nicht. Es wird natürlich dennoch gemogelt. Manch einer versucht, sich rauszuschleichen und Erleuchtung zu spielen. Doch kaum einer kommt für lange Zeit davon.

Wieder andere bleiben auf ihren Karten sitzen. Horten ihr Spielgeld. Sichern alles ab. Versichern sich. Planen. Sparen Zeit und Geld. Wissen alles besser. Leben gesund. Wünschen sich nichts. Spielen nicht mit. Verweigern sich. Nehmen Zuflucht.
Das fordert Trickster heraus. Nun wird er keine Ruhe finden, bis er die passende Verlockung gefunden hat. Ewige, leidenschaftliche Liebe, einen großen Schatz, unendliche Macht.
Für ganz Ängstliche gibt es den medizinischen Fortschritt, der alle Krankheiten besiegen wird, und für Total-Verweigerer gibt es die Erleuchtung in einer Religion eigener Wahl. Ein großer Guru sein, mit riesen Gefolgschaft auf Twitter und einer eigenen Insel? Ein Plan ganz nach dem Geschmack des Tricksters.

Jede Form esoterischer Weisheit findet Trickster äußerst amüsant. Der Blog von Christine Li? Chapeau!

Trickster ist, wohlgemerkt, kein Lügner. Er erfüllt alle Wünsche, wenn ihm danach ist. Er erfindet neue Wünsche und erfüllt auch diese. Er kann, wenn er mag, bezaubernde Geschenke machen. Er ist der Lieblingsgott aller Narzissten. Er ist auch ihr unerbittlichster Lehrer, denn er kann all seine Kreationen, Schönheit, Macht, die Oscarnominierung und die Yacht in der Karibik, mit dem Schnipsen eines Fingers, wieder in Rauch und Spiegelungen auflösen.

Trickster lässt sich nicht verpflichten. Da hilft kein Verkaufen der Seele und kein blutiges Opfer nachts an einer Wegkreuzung oder auf dem Friedhof.
Da ihn solch theatralische Aktionen sehr amüsieren, kommt er vielleicht wie gerufen. So wie er auch durch die Karten und aus dem Kaffeesatz spricht, aus heiligen Quellen und zu berauschten Dichtern. Aber er macht auch dort, was er will. Dagegen hilft keine schwarze Messe, kein Stierkampf und auch kein heiliges Abendmahl.
Trickster lässt sich nicht festlegen. Seine einzige Lehre lautet: Nichts bleibt.

Du kannst ihn nicht fesseln und nicht verpflichten und ihm gar deine Seele zu verhökern, ist nutzloses Drama. Er nimmt sie, wirft sie auf den großen Haufen anderer verlorener Seelen und kümmert sich nicht weiter drum. Er mag dir im Gegenzug alles versprechen, aber er hält sein Versprechen nie oder, nur so zum Spass, vielleicht für eine flüchtige Weile.

Erfreue dich also an den Illusionen. Der magischen Show. Dem ganz großen Theater. Spiele mit. Küsse und verführe. Tanze und singe. Verzaubere alle Herzen. Trickster ist entzückt, wenn Menschen sein Spiel spielen.
Unterwürfigkeit, Gejammere, Gewimmere und Bestechungsversuche reizen ihn zu Schandtaten. Jammern und Klagen reizen ihn allerhöchstens, dem Elend noch eins drauf zu setzen. Nenn ihn dafür ruhig Teufel, Verführer, unreiner Geist. Das stört ihn nicht.

Also lass das Zetern.

Es ist nicht seine Schuld, dass Du dich betrogen fühlst. Du selbst hast ihm die Seele hinterhergeworfen, als Du ihn verpflichten wolltest.
Nun stehst Du da. Ohne Seele und wie willst Du noch spielen, so ohne Seele. Was soll er nun noch mit Dir?

Was Trickster liebt, sind Menschen, die ihre ganze Menschlichkeit in die Waagschale werfen und ihn schreiend herausfordern:
„Hier Trickster. Zeig mir was Du kannst. Gib mir Deine Geschenke. Erfreue mich. Begeistere mich. Gib mir alles. Wenn du willst, gib mir Unheil und Krankheit. Zeig mir, was Du kannst. Ich grusle mich nicht. Meine Seele bleibt unberührt von Deinem Theater. Ich spiele Ball mit den Schädeln der Toten.“

Wenn also wieder einmal Trickster in Dein Leben tritt: Schenk ihm einen Likör ein, oder alten Havana Club, opfere Tabak (Cohiba) und lüg ihm mitten ins Gesicht. Lass deine Diamanten blitzen. Sie müssen nicht echt sein. Tanze für ihn. Sing für ihn. Verführe ihn und Trickster ist dein. Dann erfüllt er all deine Wünsche, Gesundheit, Schönheit, Glück. Aber nur, solange Du eine wirklich große Hexe, ein großer Magier bist und deine Seele niemals hergibst. Sobald Du ihm ganz gehörst, lässt er Dich fallen.
(Ja, er ist darin genauso wie seine Lieblings-Schüler, die großen Verführer- was glaubst Du denn, woher diese das gelernt haben?)

Übrigens: Mein Trickster erscheint mir in männlicher Form. Doch auch das ist nur eine Illusion. Manch einem Mann erscheinen Pomba Giras, die im alten China auch als Fuchsgeister bekannt waren. Gefährliche Wesen, allesamt. Und natürlich müssen Trickster nicht hetero-sexuell sein. Sexuell aber sind sie immer. Denn sie wirken durch das Drachenfeuer und das steigt von unten auf. Aus der Dunkelheit hinauf zu den Wolken.

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Allen gemeinsam ist eines: Ein Trickster (oder eine Pomba Gira) gehört nur sich selbst. Genau wie Du, denn er ist Du und Du bist sie. Versuch keine Verhandlungen. Versuch nicht, ihn zu binden. Er mag das nicht. Denn er ist Du und Du bist frei.

Und sei nicht beleidigt, wenn der der Tag anbricht und im milden Licht der Sonne nichts als ein paar kleine Rauchfäden aus der kalten Glut aufsteigen. Dort, wo Du, eben noch, in magischer Raserei um das Drachenfeuer tanztest. Du hast doch nicht etwa geglaubt, das sei die Wahrheit? Dummes Kind. Wir müssen das alles noch einmal üben. Und noch einmal. Immer wieder.
So lange, bis Du es begreifst: Nichts bleibt. Nichts bleibt. Nichts bleibt.

Es ist ein Spiel von Yin und Yang. Magie in der Nacht. Am Tag stille Klarheit. Herzfeuer. Vollkommmen transparentes Licht ohne Spiegelungen. Du hast endlich verstanden. Du bist jetzt erleuchtet.

„Diesmal bleib ich klar“,beschließt du.

„Wir müssen wohl noch einmal üben“, raunt er da und lockt dich in den nächsten Tanz.
Wieder entsteht eine neue Welt. Entsteht und vergeht. Runde um Runde.

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Trickster. Ich liebe dich.

Angst vor dem Alter

Angst vor dem Tod, vor Einsamkeit, vor Krankheit, vor Armut… und Angst vor Spinnen
spiderlady by christine li

Neulich sagte eine Freundin zu mir: „Es macht mir nichts aus, sechzig zu sein. Was mich bedrückt ist, die nächsten dreißig Jahre lang eine alte Frau zu sein.“

„Du bist eine alte Frau“
, erklärte ich in meiner einfühlsamen Art. „Und? Ist es so schlimm?“

„Nö“
, sagte sie und lachte.

Nun ist meine Freundin eine Frau, die über viele Jahre das Talent kultiviert hat, über nahezu alles lachen zu können. Lachen ist ihre persönliche, mächtige Medizin.
Manchen ist gar nicht zum Lachen zumute, wenn sie ans Alter denken.
Die Misere steigert sich an den gefürchteten „Runden Geburtstagen“. Bei manchen mit vierzig, bei manchen schon mit dreißig. Zunehmend beginnt die Angst vor dem Alter schon mit zwanzig.

Dämliche Klischees wie „man ist so alt, wie man sich fühlt“ oder noch dämlichere Schlager wie „mit 66 Jahren fängt das Leben an“ helfen gar nicht.

Frühere Generationen schwindelten über ihr Alter. Vor allem Frauen, deren sexueller Wert spätestens ab dreißig rapide gegen Null strebte.
Heutzutage, wo jeder unser Alter googlen kann, nutzen Lügen wenig. Wie in vielen Dingen geht es daher weniger darum, was wir sind (für immer 29 oder 39), als darum, wie wir aussehen. Der Selbsthass, der sich hier auslebt, ist erstaunlich:

  • Nervenlähmung (Botox)
  • Silikonimplantate
  • Haut-über-die-Ohren-ziehen-und-neu-Vertackern (facelifts)
  • Abraspeln oder Verätzen (skin-resurfacing)
  • Krebsförderliches Aufschwemmen mit Hormonen.

Die Ergebnisse werden dann gerne fotografiert oder gefilmt und veröffentlicht. Seht her: Ich bin siebzig und sehe aus wie ein Zombie (hier ist ein lustiger Kurzfilm über Zombies), aber alt sehe ich nicht aus!
Niemand will alt aussehen.

(Schlechte Zeiten für Herrn K., die berühmte Kreation Bert Brechts:
Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“
„Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.
)

Die Angst vor dem Alter steht in direktem Widerspruch zur Angst vor dem Tod. Wer nicht alt sein will, könnte ja einfach jung sterben. Aber das will dann wiederum kaum jemand.
Alle wollen älter werden und möglichst gar nie sterben. Manche frieren vor lauter Angst sich oder zumindest ein paar Zellen ein.
Nicht sterben wollen, aber auch nicht alt werden wollen. Wir haben die Wahl zwischen zwei Ängsten- Ängsten vor zwei Dingen, die letztendlich unvermeidlich sind. Nicht sehr aussichtsreich.

3 gedankliche Versuche, der Angst vor dem Alter zu entfliehen

  • Milde Weisheit: „Ich altere mit Würde“, „Das Äußere ist nicht alles“, „Gott sieht das Herz“, „Wer mich liebt, muss mich nehmen, wie ich bin“, „Hauptsache gesund“
  • Intellektueller Angriff: „Diesen Konsumterror mache ich nicht mit“. „Das sind doch alles Idioten“. „Mich kriegen die nicht.“
  • Selbstverurteilung: „In der dritten Welt wären sie froh, so alt zu werden“, „Ich sollte mich schämen, so äußerlich zu sein“

Die Wahl dieser Methoden ist konstitutionsabhängig. Erdemenschen neigen zu Weisheit. Holzmenschen wählen den Angriff und Metallmenschen hacken auf sich selbst herum.
Sie alle erleben das Gleiche: Ängst lassen sich nicht wegdenken.

Ein berühmter Erdemensch war Konfuzius. Für ihn führte Altern zu Freiheit und geistiger Öffnung:
Mit fünfzehn hatten mein Geist und mein Herz auf Lernen eingestimmt.
Mit dreißig fand ich meinen Standpunkt.
Mit vierzig hatte ich keinen Zweifel mehr.
Mit fünfzig begriff ich das Gebot des Himmels.
Mit sechzig verfeinerte sich mein Gespür.
Mit siebzig konnte ich meinem Geist und meinem Herzen freien Lauf lassen, ohne mich zu verlieren.

Konfuzius hatte leicht reden. Denn im alten China wurden alte Menschen wirklich respektiert. Sie hingegen fragen sich, was passiert, wenn der Weise achtzig wird oder neunzig und mit Alzheimer in einer Pflegeklinik liegt. Öffnet er sich dann immer noch der Weisheit des Universums?

Ich verstehe Ihren Zynismus.

Aber zunächst einmal und nur am Rande: Altern und Krankheit sind zwei vollkommen voneinander unabhängige Dinge.
Ich wiederhole: Altern und Krankheit haben nichts miteinander zu tun.
Viele Menschen werden mit zunehmendem Alter immer gesünder.
Ich sehe solche Menschen täglich.
Es ist nicht leicht, denn mit jeder Herausforderung, jeder negativen Erfahrung, müssen wir uns neu sortieren. Manche geben dann auf und überlassen sich dem Strom der „Alterskrankheiten“. Wer nicht aufgibt, sammelt Erfahrung.
Sogenannte „Abnutzungserscheinungen“  und „verschlissenen Gelenke“ sind die Folge von Verspannung, Trauma und Fehlbelastung und damit allesamt heilbar oder zumindest vermeidbar. (Was allerdings mit jeder chirurgischen Intervention wegen der Vernarbung schwieriger wird.)  Die chinesischen Ärzte, über die es historische Daten gibt, erreichten nicht selten ein Alter im dreistelligen Bereich, sie waren kerngesund und sie haben ihre „anti-aging“ Methoden, das heißt ihre Erfahrungen, akribisch niedergeschrieben.

Krankheit und Schmerzen haben wenig mit Alter und viel mit Trauma, Erneuerung und Wandlungsprozessen zu tun.

Doch selbst wenn Alter nicht gleich Krankheit ist. Alter bedeutet für viele Menschen Einsamkeit, Armut und jammervollen Verfall. Wir hören immer wieder von Menschen, die in ihren eigenen Exkrementen liegend gefunden werden, weil dem Nachbarn der Gestank auffällt. Wer je ein Pflegeheim aufgesucht hat (ich habe als Studentin in einem besonders schlimmen dieser Art gearbeitet) vergisst das Elend nicht so leicht. Unsere Welt ist so. Für alte Menschen gibt es keinen Platz.
Den Kopf in den Sand zu stecken, während in unserem Inneren schlimme Befürchtungen vor sich hin gären, raubt uns die Kraft.
Die Weisheit des Konfuzius hilft uns leider nicht so richtig: Er lebte in einer Welt, in der alte Menschen eine wichtige Stellung hatten. Als Lehrer. Als Vorbild. Alte Menschen galten als schön.
Wir leben in einer Welt, in der Menschen Konsumartikel mit Verfallsdatum sind. Wir sollen in möglichst kurzer Zeit viel konsumieren und produzieren und dann möglichst vom Erdboden verschwinden.
Unsere Realität ist das Ergebnis unserer kollektiven Gedanken. Darauf haben wir Einfluss.Wir können uns wehren.
Wehren heißt nicht „meckern und klagen“. Wehren heißt, die Dinge neu zu denken. Denken wir uns eine neue Realität. Erfinden wir uns neu.
Gleichzeitig gilt es, die Ängste zu erleben, denn durch sie hindurch kommen wir in unsere kreative Kraft. Und nur mit dieser Kraft werden die neuen Gedanken Realität.
Sich selbst beruhigen und alte Ängste Wegdenken funktioniert nicht.  Ängste lassen sich nicht wegdenken. Wir müssen durch sie hindurch.

Trotzdem reden wir uns immer wieder gut zu. Manchmal klappt es. Wir fühlen uns unbesiegbar.
An anderen Tagen stehen wir auf, der Rücken ist steif, das Gesicht zerknautscht, im Briefkasten liegt eine Einladung zur Krebsvorsorge, der Karrierezug ist abgefahren, den Job kriegt ein Jüngerer und Männer wollen sowieso nur Frauen unter dreißig. An solchen Tagen bezahlen wir wider besseres Wissen 98 Euro für ein edel verpacktes Töpfchen mit 20 Gramm Vaseline, 17 Konservierungsmitteln und „kostbaren“ Spuren von Ginseng, Weintraubenextakt oder Q 10 oder verabreden einen Termin zur Testosteroninjektion.

Und dann fühlen wir uns, als hätten wir den Kampf verloren. In Wahrheit war es der falsche Kampf. Wir können Ängste nicht wegdenken.

Weisheit ist keine Waffe zum Angst töten.
Die chinesische Medizin lehrt uns, dass wir Angst (Wasser) mit Hilfe von Gedanken (Erde) eindämmen können. Von Austrocknen wird nichts gesagt. Ohne Wasser gibt es kein Leben.

Ängste sitzen tiefer

Ängste sitzen im Kern unserer Seele, und wir können sie nicht wegdenken.
Die Angst zu altern und die Angst vor dem Tod sind keine falschen Gedanken. Es sind Ängste. Noch dazu zwei in sich widersprüchliche. Beide unauflösbar, unausweichlich. Sie halten uns fest wie ein Spinnennetz. Je mehr wir zappeln, umso dichter schlingen die klebrigen Fäden sich um unser Herz.
Das Zappeln sind unsere Gedanken. Mit Denken kommen wir nicht raus aus dem Netz.
Die Spinne weiß das. Sie wartet geduldig und lässt uns zappeln; sie freut sich an unserer Angst, bis sie uns fressen kann.

Spinnengedanken

spiderprincess by christine li

Mit Spinnen kenne ich mich aus. Mit Ängsten auch. Lange Zeit war ich eine Spinnenphobikerin ersten Ranges. Das heißt auch, dass ich bis heute oft an Spinnen denke. Ich bin ein Bisschen besessen von Ihnen und verdanke ihnen viel.
Ich weiß, dass mehr Menschen an Spinnenbissen sterben als Menschen von Haien aufgefressen werden. Ich weiß auch, dass es solche Spinnen nur in Australien gibt. Hierzulande wäre es deutlich sinnvoller, Angst vor Autos zu haben.
Habe ich aber nicht. Ängste folgen keiner Logik.

Lange Zeit glaubte ich, Ängste seien einfach dumm.
Viele Menschen glauben das Gleiche. Zum Beispiel die unzähligen Menschen, die mir mitleidig erklärt haben, dass Spinnen vollkommen harmlos, ökologisch nützlich, faszinierend und schön sind.
Das nutzt aber nichts. In Gedanken habe ich keine Angst vor Spinnen. Ich denke die Angst nicht. Meine Angst ist kein dummer Gedanke. Sie ist einfach Angst.
Daher ist auch die NLP (neurologisches Programmieren), die auf Umprogrammierung der Gedanken beruht, zweimal an meiner Phobie gescheitert. Ich konnte durchaus darüber lachen, dass ich beispielsweise eine Nacht lang in Unterwäsche durch Kathmandu gerannt bin, nur weil auf meinem Hostel-Bett plötzlich eine Spinne saß. Ich konnte auch darüber lachen, dass ich mir einmal beinahe ein Bein gebrochen habe, weil ich aus Angst vor einer Plastikspinne die Treppe hinunterfiel.
Aber ich konnte nicht an Spinnen denken, ohne völlig außer Rand und Band zu geraten, und somit funktionierte NLP nicht (zumindest nicht, wie es damals praktiziert wurde.).

Ängste sind keine dumme Angewohnheit, gegen die wir uns abhärten könnten.
Ich habe versucht, ins Terrarium zu gehen. Minutenweise erst, dann länger. Systematische Desensibilisierung. Es klappte nicht.
Meine einzigen Tranquilizer-Erfahrungen verdanke ich meinem vergeblichen Versuch, Lexotanil einzunehmen und solchermaßen benebelt Bilder von Spinnen zu betrachten. Ich warf das Buch quer durch den Raum und am nächsten Tag fühlte ich mich, aufgrund der Pillen, so, als hätte mich jemand durchgeprügelt. Seitdem habe ich einen Heidenrespekt vor solchen Drogen.

Angst beruht nicht auf Trauma.
Traumata sind physiologische Reaktionen auf Erlebnisse, denen ein Lebewesen nicht gewachsen war. Traumatisierte Menschen fürchten sich vielleicht vor vielen Situationen- und oft mit gutem Grund. Sie mögen unsicher sein und in vieler Hinsicht anders reagieren als untraumatisierte Menschen und ihr Lebensgefühl ist oft erheblich verändert und eingeschränkt. Zu Trauma gehören außerdem veränderte Körperwahrnehmungen und  physiologische Veränderungen. Trauma ist eine ernste Beeinträchtigung des Lebens.
(Wenn Sie traumatisiert sind, empfehle ich Ihnen, sich helfen zu lassen und keine Angstmedittation über Ihre tramatisierenden Erfahrungen zu machen. Zur Bewältigung von Trauma bedarf es Hilfe durch Menschen, Gemeinschaft, Rituale.)
Angst kann immer auftreten und bei jedem. Angst ist Teil des Lebens. Ein wichtiger Teil, wie wir sehen werden.

Aus dem gleichen Grund ist Angst kein Privileg neurotischer oder „gestörter“ Menschen
Jeder hat Angst.

Das heißt, bei Angst hilft es nicht:
-die Gedanken zu ändern und sich gut zuzureden (kognitive Therapie, Weisheit)
-sich abzuhärten (Desensibilisierung)
-sich zu analysieren (Psychoanalyse)

Dies alles sind Interventionen auf der Gedanken- und Handlungsebene. Auch Psychoanalyse bleibt im verbalen Bereich. Dem Reich der Gedanken und Bedeutungen, auch wenn diese vielleicht verübergehend vergessen sein mögen. Die Seele erreicht die Psychoanalyse nicht. Die Seele will nicht analysiert werden, sondern gehört.
Ängste- vor Spinnen, vor dem Tod, vor dem Alter- leben nicht auf der Gedankenebene, sondern tiefer.

Die Ebene ändern: Traumzeit

Ängste leben in der Dunkelheit, der Ebene des tiefen Yin. Der Körperlichkeit, der Dunkelheit, der Nacht, des Winters und des Todes. Wir nehmen diese Ebene normalerweise nicht wahr, sondern schweben im Netz der Gedanken über dieser Ebene. Voller Angst, das Netz könnte reißen. Nur in Träumen und Alpträumen reißt es uns in die Tiefe. Daher wollen viele Menschen nicht einschlafen oder brauchen gefühlsabtötende Medikamente dafür.
Schlafstörungen sind eine ernsthafte Störung, bei der wir einen wesentlichen Teil unserer Wirklichkeit nicht integrieren können. Denn Träume sind in vieler Hinsicht wahrer als unsere Gedankenwelt, die wir täglich nach Geschmack und Mode und allgemeiner Übereinkunft selbst kreieren.
Der daoistische Dichter Zhuangzi träumte einst, ein Schmetterling zu sein und sinnierte, er wisse eigentlich nicht, ob er Zhuangzi sei, der träume, ein Schmetterling zu sein, oder ob er ein Schmetterling sei, der träume, Zhuangzi zu sein.

Der Unterschied zwischen Träumen und dem, was wir Realität nennen, ist nicht „Wahrheit“ sondern Kohärenz. Während wir im Traum einfach sind und flüssig durch ein amorphes Feld von Erscheinungen und Empfindungen gleiten, können die wenigsten dies im „wahren“ Leben. Im wahren Leben sind Veränderungen sehr zähflüssig und bedürfen oft massiver Interventionen oder großer Geduld.
So bleibt der Tisch in meiner Zimmerecke für lange Zeit der gleiche Tisch. Unsere Gedanken halten ihn fest und kreieren ein kontinuierliches Skript, das die meisten von uns, mehr oder weniger mit anderen Menschen teilen und durch Sprache immer wieder aneinander angleichen. Wir sind uns (fast) alle einig, dass dort in der Ecke ein Tisch steht und daher bleibt er dort stehen, bis wir ihn verschieben.

Dinge, die aus diesem gemeinsamen Skript herausfallen, das heißt den allergrößten Teil dessen, was ist, nehmen wir nicht wahr. Tun wir es doch, laufen wir Gefahr, für verrückt gehalten zu werden.

Chinesische Medizin: Gefühle als Ausdruck des inneren Qi Mechanismus

„Qi-Mechanismus“ ist ein etwas klobiger Ausdruck dafür, dass sich alles hebt und senkt, so wie Wasser absinkt und zu Eis wird und sich bei Wärme wieder in die Wolken erhebt. Für die chinesische Medizin funktionieren alle Dinge so. Außerhalb unseres Körpers erleben wir sie als Wetter, Wind und Wolken. Im Körper als Gefühle. Unsere Gefühle sind, genau wie das Wetter, immer vorhanden. Sie sind unser energetisches Feld, im stetigen Austausch mit der Umwelt und niemals gleich.
Trauer und Angst sind Gefühle des Sinkens. Wut und Freude sind Gefühle des Aufsteigens.
Wir können unsere inneren Qi Bewegungen genausowenig kontrollieren wie das Wetter. Sie bleiben niemals gleich. Wir können nur versuchen, sie in jeder Sekunde wahrzunehmen und ihre Wandlung zu erleben.
Im Wachzustand ist dies nicht so einfach, denn unsere Gedanken halten immer wieder einzelne Zustände fest wie in einer Fotographie.
Aus dem fließenden Feld werden so einzelne, winzige Ausschnitte, nämlich immer dann, wenn ein Gefühl sich an ein Objekt klammern kann, das wir mit vielen Menschen teilen. Statt wie Wasser und Nebel zu fließen, sagen wir dann: Dies ist traurig, dies ist schön.
Dies sind nicht Gefühle sondern Meinungen, die wir mit anderen Menschen teilen. In der Gemeinsamkeit mit anderen bekommen unsere flüchtigen Gefühle Realität. Je mehr Menschen sich einer Meinung sind, umso mehr Bedeutung bekommt das Gefühl. So kommt es, dass Menschen sich gemeinsam intensiver freuen können, dass sie sich gemeinsam in Panik und Hysterie steigern können und dass die meisten Menschen vor ähnlichen Dingen Angst haben.

(Am Rande: Gemeinsame Gefühle kanalisieren das Qi und entwickeln große Kraft. Viele Kulturen benutzen gemeinsame Rituale zum Heilen. Unsere Kultur hat dies leider vergessen. Durch Krankheit müssen wir hierzulande alleine durch und bleiben daher, nicht selten, darin stecken.)

Noch einmal: Unsere Angst ist immer da. Sie ist das fließende Gefühl, wenn das Qi absinkt. Wenn wir sagen: „Ich habe Angst vor diesem oder jenem“, so halten wir diesen Augenblick fest. Woran wir unsere Gefühle festmachen, ist sozialer Konsens.

Ausdrucksformen von Angst

Angst ist sozialer Konsens. Das Sinken des Qi findet immer statt. Unsere Ängste werden geschürt. Früher der Inquisition und der Kirche, heute von der Industrie und den Medien.
Zu früheren Zeiten ängstigten sich Menschen vor Dämonen und Teufeln. Vor dem Alter hätte sich kaum jemand gefürchtet. Alter war ein Privileg.

Unsere heutige Angst vor dem Alter hat zwei Komponenten.

  1. Angst vor Krankheiten. Krankheiten sind ein Riesengeschäft. So wird im Augenblick die Angst vor Wucherungen im Körper von der medizinischen Industrie sehr propagiert und Menschen mit starker Angstschwingung finden hier viel Gelegenheit, ihre Angst in Form von Krebsangst auszuleben. In Wahrheit haben Alter und Krankheit wenig miteinander zu tun, da wir mit zunehmender Erfahrung durchaus auch gesünder werden können.
  2. Angst vor sozialer Ausgrenzung. Angst vor Einsamkeit. Angst, nicht mehr gebraucht zu werden. Unsere Körper und unser Leben werden zunehmend als Konsumartikel erlebt. Wir sollen möglichst schnell, möglichst viel produzieren und konsumieren. Wenn das Tempo sinkt, verlieren wir unseren Wert. Wir sind Konsumartikel mit Verfallsdatum. Wer nicht absolut perfekt ist, reich, erfolgreich, jung und äußerlich makellos, ist beschädigte Ware. Je älter wir werden, umso beschädigter sind wir nach dieser Logik. Der feste Job oder der Partner (der „Traumjob“, der „Seelengefährte“, die „Zwillingsseele“) sind oft der einzige Halt, an dem wir uns festkrallen wir Ertrinkende. Je älter und „wertloser“ wir werden, umso mehr klammern wir, umso mehr befürchten wir, ohne Geld und ganz alleine zurückzubleiben. So kommt es dann oft auch, denn Ängste, an denen wir gedanklich und als Kollektiv, festhalten, entwickeln eine große energetische Dynamik.

Angst vor Alter, Angst vor Krankheit, Angst den Job zu verlieren und und Angst vor Einsamkeit erscheinen den meisten Menschen heute nachvollziehbar. Sie gelten als Teil des Lebens, wenn nicht vernünftig, dann doch leider unvermeidlich. Sie sind es aber genauso wenig wie die Angst davor, dass meine Nachbarin, die Hexe, eine Monatsbinde unter meiner Türschwelle vergraben haben könnte.

Je größer unsere Angst ist oder je schwieriger wir sie fühlen können, umso mehr Objekte sucht sie sich. Auch dann noch halten die meisten Menschen sich an Objekte, über die eine gewisse Einigkeit besteht. Viele Menschen finden Spinnen „eklig“. Daher ist Angst vor Spinnen verhältnismäßig verbreitet.
Rosen gelten für die meisten Menschen als schön. Die Angst vor Rosen oder Gänseblümchen ist hingegen sehr viel seltener.
Viele Menschen möchten gerne dünn sein. Diätwahn gilt als geradezu normal. Dies gibt Menschen mit großer Angst die Möglichkeit, diese Angst als Magersucht (Anorexie) zu erleben. (Anorexie ist  Angst und kein „Diätwahn“. Daher helfen kognitive Verfahren- das Gedankenändern, hier nicht!)

Je größer das Angstpegel in uns ist, umso leichter brechen wir durch das dünne Eis der vagen Ablehnung bestimmter Objekte wie Mäuse, Spinnen oder Nahrungsmittel hinunter in die Tiefe, wo die Angst uns den Atem nimmt. Sehr ängstliche Menschen geraten außer sich über Dinge, über die kaum noch Konsens besteht. Zum Beispiel darüber, dass ihre Schuhe nicht ordentlich nebeneinander stehen.
Ich vermute stark, dass intensive Angst auch hinter dem derzeitigen Boom an Nahrungsmittelunverträglichkeiten steckt, insbesondere wenn Menschen fast nichts mehr vertragen.
Im Extremfall braucht die Angst gar kein Objekt mehr. Das Ergebnis sind Panikattacken.

Wege aus der Angst?

Angst lebt in uns. Wir können ihr nicht entkommen. Wir können uns nicht einreden, dass die Dinge, vor denen wir Angst haben, gar nicht so schlimm sind. Gedanken wirken nicht auf der Ebene, auf der die Angst lebt. Gedanken wirken im Konsensbereich unserer Realität. Sie sind beliebig konstruierbar und sie sind Grundlage der Dinge unserer Umwelt.

Unsere Seele folgt ihrer eigenen Logik und nimmt sich unsere Gedanken nicht so sehr zu Herzen.  Angst ist eine Schwingung unserer Seele.
Angst ist das Gefühl, das entsteht, wenn unsere Seele durch die Trennung geht, das Absterben und Loslösen, das jeder Wiedervereinigung vorangeht. Um zu sterben, müssen wir alles hinter uns lassen: unsere Familie, unsere Freunde, sogar den Körper. Daher haben wir vor dem großen Tod meist auch große Angst.
Daneben gibt es in jedem Augenblick des Lebens kleine Tode. Einschlafen. Ausatmen. Orgasmen. Wir können sie zum Üben verwenden, damit das völlige Loslösen nicht mehr so schwer wird.

Angst ist immer. Angst möchte genauso empfunden werden wie das neue Gefühl des Wiedererwachens, wenn alles wieder erblüht: der Freude.
Angst und Freude wechseln sich ab in einem ewigen Kreislauf. Trennung und Vereinigung. Leben und Tod. Einschlafen und Erwachen.
Wer versucht, der Angst zu entfliehen (etwa mit Psychopharmaka), lässt sich darauf ein, keine Freude zu erleben.

Glücklicherweise geht das nicht lange.

Wege zurück zur Angst.

Nehmen Sie Spinnen. Sie mögen harmlos sein. Für eine Phobikerin sind sie ein Portal zur Angst. Sie können ihr helfen, sich mit abgetrennten Gefühlen zu vereinen. Denn was immer große Ängste in uns auslöst, hilft uns, einen Weg in die Tiefe anzutreten.

Da ich durch diesen Weg gegangen bin, beschreibe ich ihn kurz. (genaueres hier:)

In einem Zustand tiefer Entspannung stellte ich mir Spinnen vor. Sie nahmen schnell riesengroße Gestalt an und wollten mich fressen. Ich saß ihnen wie gelähmt gegenüber und strengte mich an, sie mit Gedankenkraft im Zaum zu halten. Aussischtslos.Ich erschöpfte mich in schierer Panik. Dann endlich fand ich den Mut und gab auf. Die Spinne  fraß mich und ich wurde zu ihr. Ich begriff, dass es keine Trennung gab. Spinne und Nicht-Spinne. Ich und die anderen. Tod und Leben. Alles ist eins.

Oder, wie ich einst schrieb: „Das Mädchen konnte nicht mehr sterben, denn sie war unsterblich. Ihr Herz hatte Iktome besiegt.“

Das gleiche Verfahren (hier beschreibe ich die Angstmeditation noch einmal genauer) gilt für alle anderen Ängste auch. Ganz gleich ob es Angst vor Falten, Angst vor der Dunkelheit, Angst vor Schlaganfall, Angst, niemals einen Partner zu finden, Angst vor sexueller Hingabe (Orgasmusschwierigkeiten), oder Angst vor Krankheit, Angst vor Alter, Angst vor Verfall und Tod ist oder Ihre eigene seltsame und ganz persönliche Angst, die sie niemandem eingestehen möchten:

Der Weg ist immer mitten hinein.

Wenn Sie glauben, dass die Angst vor Spinnen und die Angst vor Krebs nicht miteinander vergleichbar seien und Angst vor Dunkelheit ohnehin einfach nur dumm sei, so möchte ich Ihnen versichern, dass Angst immer einfach Angst ist. Absinkendes Qi.
Keine Angst ist dumm. Jeder Mensch lebt in ihrer/seiner eigenen Welt mit ganz eigenen Ängsten. Ängste sind Risse in unserer makellosen Alltagswelt, die von Logik zusammengehalten wird.  Unsere Angst ist unser persönliches Portal hinunter zu unserer Wahrheit, in die Unterwelt wie die Schamanen sagen. Dort, wo düstere Fabelwesen und weise alte Frauen uns Geheimnisse zuraunen. Der Ort, wo wir lernen, was unsere Körper, unsere Gefühle und unsere Realität im Inneren zusammenhält.

Vielleicht gelingt es Ihnen dort unten, Kontakt mit ihrer eigenen weisen alten Frau aufzunehmen und sie an die Oberfläche zu bringen. Die Welt braucht dringend weise alte Frauen (und störrische alte Knacker!). Die Zeit der Hexenverbrennung ist vorbei.
Die Zeit ist gekommen, nicht mehr bescheiden, lustlos, ordentlich gekämmt und „in Würde“ zu altern- sondern laut kichernd die Fackel unserer alten Frau (oder unseres verrückten alten Mannes) in die Welt zu tragen.

Also mitten hinein in die Angst.
Aus Angst gibt es keinen anderen Ausweg und alle Versuche, die Angst zu unterdrücken, führen dazu, dass sie an anderen Stellen wieder an die Oberfläche drängt. Wenn Angst überwindbar erscheint, so ist es keine Angst.

Angst ist das Sinken des Wassertropfens, ehe er sich mit dem Ozean vereint. Denkt der Wassertropfen etwa, er habe Angst vor dem Ozean? Denkt er etwa, er habe Angst, nicht mehr zu sein? Alles, was er fühlt, ist Einsamkeit und so sinkt er und sinkt. Es gibt keinen anderen Weg. Es gibt nur den Weg mitten hinein.
Wenn wir uns mit unserer Angst vereinen, so ergeht es uns wie all den Helden in unseren Märchen. Wir bekommen die Prinzessin und das Königreich. Die Prinzessin ist unsere Seele. Das Königreich ist unsere angeborene Macht.

Kriegsenkelin

Heute, zum Totengedenktag,  gedenke ich meiner toten Großeltern.

Mein Heiler- Kollege und Santeria Lehrer Valdonio erklärte mir vor Jahren auf Kuba:

„Ihr aus Europa seid voller Toter. Ihr könnt euch kaum noch bewegen vor Schmerz und Trauer. Deswegen tanzt ihr so schlecht.“

Er unterrichtete mich, wie ich die Egguns, die Toten also, mit Hühnerblut zu füttern hatte, und er gab mir einen Altar, einen alten Dachziegel, den ich, getränkt mit Hühnerblut und verklebt mit Hühnerfedern, durch den Zoll schleppte und weisungsgemäß in meinem Garten vergrub.
Nach dem Motto: Wer weiß, vielleicht hilft‘s ja.
Der Tot des Huhnes ist eine andere Geschichte und gehört nicht hierher.
Während das arme Vieh in meinen Händen zuckte, lernte ich einiges über mich und das Leben, vor allem, wie schnell es durch die Hände rinnt, und ich lernte, dass Lebewesen wirklich leichter werden, wenn die Seele aus ihnen herausströmt.  Es war ein elender Vorgang.

Aber die Egguns klebten fest. Hühnerschlachten hilft nicht gegen den Tod.

Jahre später, pünktlich zum Herbstanfang, nahm der Schmerz überhand. Schmerz war ein alter Freund. An den meisten Tagen meines Lebens, solange ich zurückdenken konnte, schmerzte zumindest die Hälfte meiner Knochen. Skoliose, Rheuma. Fibromyalgie. Unnötige Namen.
Wie mich überhaupt medizinische Diagnosen kaum überzeugen können. Was mich bewegt, sind die Ursachen solcher Zustände. Schmerzhaften Zuständen ein Etikett zu verpassen, ist für mich keine Diagnose. Gnosis heißt „Erkenntnis“ und nicht „Benennung“.

An diesem ersten Herbsttag  war die Diagnose ausnahmsweise klar. Ich hatte getanzt. Ein angenehmer Schmerz, wohltuend und überschaubar. Grund genug, dem Ganzen noch ein Bad mit Meersalz und Algen  folgen zu lassen.
Der Schmerz strömte angenehm durch den Körper und ich ließ mich ganz einsinken. In den Schmerz, tief ins Wasser. Es dauerte eine Weile und mein Kopf sank unter Wasser. Ich spürte nun nichts mehr. Nur eine Erstarrung, die noch zunahm, als ich mich ihr ganz ergab. Dies war kein Muskelkater mehr.

Ich lag allein in einer zerstörten Landschaft. Ausgeblutet, verkrampft von zahllosen Wunden und vor allem vor Kälte. Erstarrt vor Angst. Versteckt hinter etwas Dunklem. Einem Bretterverschlag? Eine weite Ebene mit einzelnen Birken und unklaren Trümmern. Eine Landschaft, die ich schon oft gesehen hatte, obwohl ich noch niemals dort gewesen war.
Nonlokalität. Alles ist gleichzeitig und hier. Ich war in Russland. Kriegsende. Ich war mein Großvater. Der, der niemals zurückgekommen war. Der, dessen Geschichte verloren ging. Der spurlos aus dem Leben verschwand. Der, dessen Grab bis heute niemals gefunden wurde.
Mit einem Mal begriff ich, dass seine Spur in mir fortlebte. In meinem schmerzenden Körper. In meiner lebenslangen Traurigkeit.
Großvater, dachte ich. Erzähl mir deine Geschichte.

Ich sank tiefer und im gleichen Augenblick hörte ich Geräusche. Todesangst. Dann, ein Knall, ohrenzerfetzend wie ein Schuss. Mein Herz zerriss. Wenig fehlte und ich wäre, feige, aus dem Wasser aufgetaucht. Ich blieb unten. Ich starb.

Später kochte ich und lud meinen unbekannten Großvater zu einem letzten Abendessen ein. Ich erzählte ihm aus meinem Leben und wie sehr ich ihn vermisste. Ich erzählte ihm vom unendlichen Schmerz meiner lieben Oma. Wir weinten beide und tranken Wein. Dann ließ ich ihn gehen.
Der Schmerz ging dann auch. Zumindest ein Teil. Der Großvaterteil. Das fiel mir aber erst viel später auf.

Heute, zum Totengedenktag gedenke ich meiner Ahnen. Sie sind bei mir.

Die Raupe

Bild

Schwarze Göttin des Dongting Sees, erspäht von Madame Li

Schwarze Göttin des Dongting Sees, erspäht von Madame Li

Die Raupe hat prima gegessen, ein bisschen zuviel vielleicht und schläft nun vor sich hin. Es ist  stickig, gemütlich und schön feuchtwarm. Aus Sicht der Raupe könnte es ewig so bleiben. Wobei Sicht natürlich relativ ist, denn es ist stockdunkel.
Dann beginnen die Schmerzen. Überall kneift es, es wird eindeutig zu eng.

Unsere moderne Raupe geht zum Raupendoktor. Dieser verschreibt Schmerzmittel, Muskelrelaxantien und 10 Massagen.
Nach einiger Zeit ist es der Raupe wieder zu eng. Der Arzt, genervt, überweist sie zum Raupenpsychiater. Dieser diagnostiziert  Midlife- Adaptations- Syndrom mit claustrophobischer Überlagerung und verschreibt angstlösende Mittel. Die Raupe wird immer apathischer und bei all dem wird der doofe Kokon enger und enger. Sie weiß buchstäblich nicht mehr, wohin mit sich selbst.
Endlich findet sie einen Spezialisten. Dieser verschreibt ein Antiwachstummittel. Leider bekommt sie als Nebenwirkung unerträgliche Kopfschmerzen und ständigen Brechreiz. Aber im Großen und Ganzen ist die Raupe wirklich sehr dankbar,  denn denk all dieser modernen Medikamente kann sie friedlich als Raupe leben und sterben.

Mit Grausen erinnert sie sich an ihre Großmutter, die einst buchstäblich den Verstand verlor, während um sie herum ihre ganze Welt explodierte.
Die arme Alte. Was wohl aus ihr geworden ist?

Ich krieg die Krise

Vor Jahren hielt ich einmal einen Vortrag in München. Am Abend stieg ich in die S- Bahn, die mich zum Flieger zurück nach Hamburg bringen sollte. Am Nachmittag war heftiger Schnee gefallen. Die Bahn glitt mit mir und all den anderen, die auch zum Flughafen unterwegs waren, durch die Nacht. Vor dem Fenster hing ein dichter flauschiger Vorhang von Schnee. Dahinter endlose Reihen öder Vorstädte, für diese besondere Nacht verkleidet  als schneebedeckte bayrische Dörfer.
Im Zug war es hell erleuchtet und die laptop-bewaffneten Menschen guter Dinge nach einem Wochenende voll Arbeit oder bei der Fernbeziehung.
Dann ruckelte der Zug und blieb stehen.  Mitten im Niemandsland zwischen zwei weit auseinanderliegenden Dorf-Vorstädten. Der Zug war aus den vereisten Schienen geglitten und lag nun mit leichter Schräglage in einem weiten verschneiten Feld. Das Notlicht ging an. Dann geschah nichts mehr.
Es dauerte nicht lange und der Zugbegleiter verkündete knapp, in dieser Nacht kämen wir nicht mehr zum Flughafen.
Die schnelleren unter den schnellen Mitfahrern hatten längst ihre Smartphones gezückt und versuchten, ein Taxi zu rufen. Doch wie es so ist, nachts, mitten im Feld, im tiefen Schnee. Da kommt kein Taxi.
Es war insgesamt recht lustig anzusehen, was die einzelnen Menschen unternahmen, um doch noch nach Hause zu kommen, während zusehends klarer wurde, dass auch der letzte Flieger inzwischen gestartet war.
Die meisten waren sich über folgende Dinge einig:

  • So geht es nicht!
  • Da muss man doch was unternehmen!
  • Immer die Bahn!
  • Man muss die Airline verklagen!
  • Man muss sie ALLE verklagen!

Den Schnee wollte niemand verklagen. aber das Ganze ist natürlich schon zehn Jahre her. Inzwischen mag sich das geändert haben.

Es war ein klassischer Katastrophenfilm- allerdings ohne die Katastrophe.
Am tiefsten beeindruckte mich die dreißigjährige Frau im perfekt sitzenden italienischen Kostüm, die auf dem Gang stand, mit ihrem nutzlosen Handy gestikulierte und, in schriller Tonlage, wieder und wieder schrie:
„Das ist das Entsetzlichste, was ich je erlebt habe.“

Wenn Sie, warmherzige Leserin, jetzt in heller Aufregung schweben sollten und sich fragen, ob ich das weiße Inferno überlebt habe: Ja. Sonst könnte ich diese Zeilen ja nicht schreiben.

Neulich erzählte mir jemand, dass ein, an sich netter, älterer Herr zu einer jüngerer Verwandten gesagt haben soll: „Ihr braucht alle mal einen Krieg.“
Dem wird wohl kaum einer zustimmen mögen. Dennoch verstehe ich, was der selbst offensichtlich kriegstraumatisierte Herr sagen wollte: Wir sind innerlich erstarrt und zugleich panisch, wie überzüchtete Mastschweine. Wir brauchen dringend etwas mehr Bewegung im Kopf.

Die Menschen im Hier und Jetzt unserer übertechnisierten und überregulierten Zivilisation der 21. Jahrhunderts besitzen wenig Resistenz gegenüber allem Neuen.
Die Bahngesellschaft ändert den Fahrplan, der Flieger verpasst den Anschluss, der Fernseher geht kaputt, Parmaschinken ist ausverkauft: schon heißt es:
„Ich krieg die Krise“.

Während alt und jung sich regelmäßig zum Strechting, Yoga, Fitness schleppt, um, nach tagelangem Bewegen einiger weniger Finger über der Tastatur, auch mal den restlichen Körper zu aktivieren, ist der Geist mangels Gebrauch vollkommen atrophiert.
Damit meine ich nicht die wenigen Gehirnareale, die die meisten pausenlos überstrapazieren, weil sie sie zur Organisation ihres Berufes und ihrer alltäglichen Sorgen brauchen.

Ich meine den ganzen Rest unseres Geistes, den wir noch nicht einmal kennen.
Den Rest, der träumt, phantasiert und kreativ mit neuen Situationen umgehen kann.
Den Rest, der Dinge sieht, hört, wahrnimmt, die anderen verborgen bleiben.
Den Rest, der die Zukunft und die Vergangenheit als ein fließendes Feld begreift, in dem wir uns nach Belieben bewegen können.
Den Rest, der die Verbundenheit mit der ganzen Welt kennt.

Das ist im Übrigen bekannt. Sonst würde es nicht ständig heißen, wir sollten „raus aus der Komfortzone“.

Das tut allerdings niemand gerne.

 

  • Dafür muss schon ein Zug entgleisen.
  • Dafür muss jemand schwer krank werden.
  • Dafür braucht ein anderer Liebeskummer.
  • Dafür braucht es eine richtige Krise.

In richtigen Krisen läuft der Geist aus den vereisten Gleisen.

Neue Wege sind aber noch nicht gebahnt. Wer Pech hat, geht dann eiligst zum Psychiater und lässt sich betäubende Medikamente verschreiben, um den Geist davon abzuhalten, wild in alle Richtungen und immer wieder auch mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen.
Die Psychiatrie, Erbin der Kirche, als unsere offizielle Ansprechpartnerin in Sachen „fremde Wege des Geistes“, hält von solchen Erneuerungsbemühungen nichts:

Wenn es nicht so geht wie immer, dann soll es lieber gar nicht gehen.

Alles andere wäre, quasi, Blasphemie. Bewusstseinserweiterung ist ihr suspekt. Emotionen sind für sie Ausgeburten des Teufels- pardon- Neurotransmitter auf Abwegen. Serotoninmangel.

Während meiner eigenen Ausbildung in Psychiatrie erlebte ich eine solche Krise.
Ich arbeitete damals in einer geschlossenen Anstalt an einer Klinik, in der viele neue Medikamente und immer mal wieder Elektroschock- pardon- Elektrokrampftherapie- ausgetestet wurden. Ohne Fleiß kein Doktortitel.
Nach einigen Monaten inmitten weinender, schreiender und mit stets neuen Chemiecocktails erneut zum Schweigen gebrachter Menschen, nach demSchlafentzug endloser Nachtschichten, in einer fremden Stadt ohne Freunde, starb dann auch noch mein Vater.
Die Oberpsychiaterin verkündete umgehend:
„Glauben sie jetzt aber nicht, dass sie wegen so etwas einfach frei bekommen könnten.“
Glaubte ich natürlich nicht. Soweit kannte ich mich aus in der Psychiatrie.

Statt frei bekam ich die Krise. Meine Gedanken rasten und drehten sich. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich brach ständig in Tränen aus. Es ging mir kaum noch besser als den Patienten um mich herum. Nur verstand ich es besser zu verbergen.
Um nicht ganz wahnsinnig zu werden, ging ich zu einem niedergelassenen Psychiater. Ich war immer noch der Meinung, Psychiatrie müsse irgendetwas mit Geist zu tun haben. Die Praxis mit ihren hohen antiken Regalen voller Bücher wirkte auch durchaus geistvoll. Nicht so, wie die Klinik mit ihren formaldehyd-getränkten Plastikmöbeln.
Ich schöpfte Zuversicht.
Der gute Mann hörte mir in etwa drei Sekunden zu. Dann zückte er den Block und verschrieb mir genau das Medikament, das wir gerade an der Klinik austesteten. Ein Medikament, dessen genaue Wirkung keiner verstand, dessen Nebenwirkungen aber alles in den Schatten stellten, was sonst so am Markt war.
Kurz: das teuerste und modernste Psychopharmakon, das sich finden ließ.
Es war klar, der gute Mann hielt mich für „verrückt“.
Es war auch klar, dass dieser Psychiater nicht wusste, was er da tat.

Um Schlimmeres zu verhindern, nahm ich den giftigen Zettel, bedankte mich höflich, erhob ich mich, so schnell es gerade noch ging, um nicht als kopflose Flucht interpretiert zu werden und schlich quasi rückwärts aus dem Raum.
Draußen auf der Straße fing ich an zu rennen, schrie vor Wut, ich zerriss den Zettel und tobte und weinte noch den ganzen Tag. Danach ging es mir schon viel, viel besser.

Spitzfindige Menschen mögen einwenden, der Psychiater hätte mich geheilt. In der chinesischen Geschichte gibt es diverse Aufzeichnungen von Ärzten, die ihre Patienten heilten, indem sie sie in voller Absicht richtig wütend machten.

Der Psychiater mag Ähnliches bewirkt haben. Allerdings ziehe ich Ärzte vor, die wissen, was sie tun.

Bei vielen Menschen löst schon das Wort „Krise“ eine Krise aus. Warum eigentlich?
Die Krise bei den Krankheiten ist, wenn sich die Krankheiten verstärken, nachlassen, in eine andere Krankheit umschlagen oder aufhören.“ (corpus hippocraticum)
In der Humoralpathologie war eine Krisis das Showdown, in dem sich entschied, ob ein Mensch auf einer neueren und gesünderen Ebene weiterleben konnte oder starb.
In einer Krisis werden die Karten neu gemischt.

Krisen gehören nicht nur zum Leben. Sie sind die eigentlichen Höhepunkte.

In einer Krise werden Fähigkeiten und Funktionen aktiviert, die uns sonst nicht zur Verfügung stehen.
Jeder kennt die Geschichte von der Mutter, die im Notfall ein Auto heben kann, das auf ihrem Kind liegt.

Wenn in unserem Geist vergleichbare Kräfte aktiviert werden, kannn dies sehr verwirrend sein.

Wir werden hellhörig und hellsichtig bis zur Halluzination. Wir riechen plötzlich alles. Wir sehen Töne und hören Gerüche. Telepathische Fähigkeiten werden aktiviert. Die Gedanken rasen auf zehnspurigen Autobahnen in alle Richtungen.
Emotionen werden teils vollkommen blockiert, teils aktiviert.
Wir erkennen uns selbst nicht wieder.
Wir erleben zum ersten Mal Fähigkeiten, von denen wir nicht einmal ahnten, dass wir sie haben. Auch dann, wenn uns die Fähigkeiten eher als Zusammenbruch aller Funktionen erscheinen, weil wir mit diesen neuen Funktionen Dinge erleben, die noch keinen Namen haben und was keinen Namen hat, sollte auch besser nicht existieren. Wenn es doch existiert, ist es eine Einbildung. Und Einbildungen sind ganz schlecht.
Daher bestehen die bisherigen Therapie darin, möglichst alle neu erweckten geistigen Abläufe mit Chemikalien zu blockieren.

Wäre es nicht besser, die neuen Wahrnehmungen in unser altes Feld zu integrieren?
Wenn die Neurotransmitter in einer Krise auf völlig unbekannte Hirnareale einstürmen, kann uns dies in Angststarre versetzen. Besser ist es, die unbekannten Hirnareale schon vorher zu trainieren. Geistige Wege können gebahnt werden. Wir können bereits vor einer seelischen Krise unser Bewusstsein so weit erweitern und stretchen, dass im Ernstfall keine „Gehirnmuskelzerrung“ resultiert.

Für jemanden, die so vorbereitet ist, ist ein verpasster Flieger nicht „das Schrecklichste, was mir je passiert ist“, sondern eine gute Gelegenheit, einen Nachtspaziergang im Schnee zu machen, ein Lied (binaural, mit Schumann Resonanz Tönen) zu komponieren, interessante Kontakte mit den anderen Gestrandeten anzuknüpfen oder über die Levitation von Zügen vermittels kollektiver Geisteskraft nachzudenken.

Erweiterung des Bewusstseins

Die Funktion von Systemen ist die Selbstreproduktion. Schulen und medizinische Einrichtungen, die die Kirchen in Sachen Geistigkeit abgelöst haben, halten nicht viel von Erweiterung und Erneuerung geistiger Abläufe.
Dem stehen Tausende von Menschen gegenüber, die sich in Meditationskurse einschreiben und Achtsamkeitstraining buchen. Andere versuchen sich in Trommelkreisen und Astralreisen. Auch wenn dies nur zaghafte Anfänge sind, so ist der Stillstand beendet.

In der Traumatherapie, in der Hypnose, im Schamanismus und in der Akupunktur erleben wir viele außerordentliche Bewusstseinszustände. Außereuropäische Völker wissen seit langem um die subjektiven Seiten dieser Phänomene und sie haben ausgeklügelte Techniken entwickelt, in außerordentlichen Bewusstseinszuständen zu arbeiten und zu heilen.
Die moderne Hirnforschung kommt diesen Traditionen nun auf halben Wege entgegen. In jüngster Zeit sind viele Techniken entdeckt und wiederentdeckt worden, unser Bewusstsein zu erweitern, ohne dabei vollkommen verrückt zu werden.
Nur ein Bisschen. Ekstatisch eben.

Die Angst vor Ekstase ist so unbegründet wie die Angst unserer Rokoko Vorfahren vor dem Baden in Wasser. Ekstase ist Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins, das sich in alle Richtungen dehnt und streckt.

Wenn es mal zu schnell geht, hilft Rennen, Toben und Schreien. Und Akupunktur hilft eh.
Wie die Arbeit in und mit veränderten Bewusstseinszuständen funktioniert, trage ich gerade in einem Skript zusammen, das auf meinen Vorträgen auf dem 45. Internationalen Akupunkturkongress 2014 beruht.
Mein persönlicher Beitrag zur Bewusstseinserweiterung.

Wenn das Wünschen nicht mehr hilft

15. und 16. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Vom Kreiieren und Wünschen

(Letzter Teil des Vortrages anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.)

 
Im Yi Jing heißt es, was am Himmel die Bilder sind, sind auf der Erde die Formen.
Wir erinnern uns, dass wir als Menschen die Achsen zwischen Himmel und Erde sind. Unsere Mitte gibt den Dingen einen Sinn. Benennt sie. Dies ist unsere Gedankenseele.
Indem wir flüchtige Erscheinungen benennen, erhalten sie eine Realität.
Aus Bildern am Himmel werden Formen auf der Erde.

„Am Anfang war das Wort“ heißt es in der jüdischen Schöpfungsgeschichte.
Den meisten Völkern ist ihre Schrift heilig.
Worte sind Magie.
Umso mehr, wenn eine Bilderschrift benutzt wird.
Den Chinesen war dies stets bewusst. Kaum ein Volk liebt seine Schrift so sehr wie die Chinesen.

Wenn wir etwas wirklich richtig benennen, so nehmen wir Kontakt mit dem Himmel auf. Ling- das magische Fluidum wird aktiviert. Wir brauchen nun nur noch loszulassen:
So wie Pan Gu, der sich hinlegte und zu allem zerfiel, was ist.

So ist auch zu verstehen, warum unsere Seele so traurig wird, wenn sie Ling verliert- und sie verliert es immer dann, wenn sie ihr Gefühl für Einheit verliert.
„Der Himmel erlangt die Einheit, um klar zu sein.
Die Erde erlangt die Einheit, um fest zu sein.
Die Seele (Shen) erlangt die Einheit, um inspiriert (ling) zu sein.“

Wie wir ling zurückgewinnen steht hier.

Benennen heißt aber nicht, Dinge festnageln wollen. Wenn wir uns mit fixen Ideen der Wandlung des Shen- Qi entgegenstemmen, so stockt unser Qi-
zum Beispiel, wenn wir nicht verzeihen und loslassen wollen oder wenn wir uns unbedingt darauf versteifen, dass unsere Wünsche auf eine bestimmte Art erfüllt werden müssen.

Der Weise benennt, lässt los und überlässt sich dem Wandel.

Die Seele zurücksingen

Sie kennen nun die Seelen.
Die Seelen gehen niemals ganz verloren.
Das Haus verliert nichts, pflegte meine Oma gerne zu sagen.
So ist es auch mit den Seelen.
Auch wenn Teile unsere Qi davon sausen bis zum Himmel: Wir sind dieses Haus, wir sind der Kosmos.

Aber manchmal kommt es uns schon so vor, als wären wir von Gott und der Welt verlassen.
Hier haben wir das Gefühl von Einheit verloren. Unser Herz ist verschlossen und reicht nicht mehr bis zum Himmel. Wir haben kein Ling mehr.

Ohne Ling geht alles schief.

Ohne Ling klappt nichts, von den Dingen, die wir uns wünschen.

Ja, unsere Wünsche sind eigentlich nur noch zögerliche Vorschläge. Wir wissen gar nicht mehr, was wir wollen, wir trauen uns nicht, es zu wollen und wenn wir doch einmal einen Wunsch äußern, dann tun wir dies zweideutig und mit Hunderten von Fragezeichen.
So kreiieren wir nichts.
Ling geht verloren, wenn die Seele die Einheit verliert. In sich selbst und mit der Welt.
Dies sind unterschiedliche Formen von Seelenverlust.

Die Vorstellung von einer verlorenen Seele findet sich bei vielen Völkern. Auch bei uns gibt es das Märchen vom verlorenen Schatten.

Menschen mit Seelenverlust sind oft körperlich gesund und psychisch funktionell. Sie führen eventuell ein normales, oberflächlich erfolgreiches Leben. Doch dabei fühlen sie sich wie ausgesetzt in einer fremden Welt, hoffnungslos, einsam.

Sie leiden unter:

  • Erinnerungslücken
  • Ängsten
  • vielfältigen dissoziativen Symptomen
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Überempfindlichkeiten gegen seltsame Dinge
  • Depressionen
  • Schlafstörungen
  • neurologisch unlogischen Schmerzen
  • Missempfindungen
  • chronischer Müdigkeit
  • Burnout
  • hormonellen Störungen
  • Immunschwächen
  • und vielen anderen Dingen, die schulmedizinisch nur wenig Sinn ergeben

Aus einer nicht- klassischen Sicht können wir sehen, dass Seelenverlust immer dann passiert, wenn wir traumatisiert werden.
Daher kombiniere ich in meiner Arbeit Erkenntnisse aus der Traumatherapie und anderen Arbeiten mit veränderten Bewusstseinszuständen mit den Weisheiten der chinesischen Schamanen.

Für Ihre Zwecke, als Qi Gong Praktizierende ist soviel Komplikation nicht erforderlich.

Der chinesische Medizinklassiker sagt:

„Wer Shen hat, wird leben. Wer Shen verliert, wird sterben.“

Was tun, mit der verlorenen Seele?

Wir können sie zurücksingen.
Wir können unseren Namen in die vier Himmelsrichtungen rufen wie die Prärieindianer.
Wir können die Seelen mit verlockenden Speisen und Räucherwerk anlocken und ihr Gedichte vorsingen wie die alten Chinesen.
Auch, wenn wir aus tiefstem Herzen weinen, kommt die Seele zurück.

Ganz traditionelle Akupunktur holt Seelen auch zurück. Dies ist die wichtigste Aufgabe der Akupunktur. Denn wenn die Seelen zurückkehren, lösen sich die übrigen Probleme oft wie von selbst.

Die Autoren unseres Klassikers (Suwen Kap 16) schrieben:
Sobald die Seele – Shen reagiert, hört man mit dem Nadeln auf.

Wie ich schon angedeutet hatte, ist Qi Gong aus dem Tanz der Schamanen vorgegangen.
(Tanz des Schamanen ist übrigens auch der Titel eines wunderschönenen Buches über Männer und ihre Energie)
Mit Qi Gong können Sie daher Ihre Seelen auch zurückrufen.
Wenn Sie in Zukunft wieder üben und ihre Hüfte oder ihr Fuß oder sonst ein Teil nicht mit üben wollen, dann können Sie sich daran erinnern.

Wie beim Wünschen liegt das Geheimnis darin, sich nicht in Details zu verbeißen. Lassen Sie los.
Vergessen Sie alles, was Sie mit dem Qi Gong erreichen wollten.
Vergessen Sie alle Gedanken und Sorgen, ob Sie die Form schon beherrschen, ob Sie alles richtig machen, ob sie doof und unbeholfen aussehen und warum sich immer noch nichts tut.
Lassen Sie all das los.
Lassen sie das Qi frei.
Ergeben Sie sich. Wie Pan Gu.
Umarmen Sie ihre Krankheiten, ihren Schmerz, ihre lange dunkle Nacht der Seele-
Krankheiten sind Geburtsschmerzen der Seele.
Fühlen Sie alles, was ist.
Strecken Sie sich bis zum Himmel und lassen Sie los.

Denken Sie an ihre Vorfahren, die alten Schamanen, die bei Dürre und Hitze, unter praller Sonne, tagelang tanzten bis der Regen wieder floss.
Damals wie heute ging es um Leben und Tod.
Die Füße fest in den Boden gestemmt.
Der Kopf weit über den Wolken.
So üben Sie.
Wenn Schleim sich mobilisiert und ihre Seele sich wieder ausbreitet, kommt es manchmal zu seltsamen Erscheinungen: Stiche, Kribbeln, Zuckungen, Krämpfen, Blitze, Kopfweh, Gliederschmerzen, Flashbacks, Visionen und Halluzinationen.
Fühlen Sie die Erde, führen sie ihr Qi zurück zum Dantian und geben Sie den flüchtigen Qi Formen keine besondere Bedeutung:
Sie sind weder am Rande des Wahnsinns noch kurz vor der Erleuchtung. Sie müssen auch nicht zum Neurologen.
(Es kann gut sein, dass die Kundalini, ihr Drachenfeuer, sich aktiviert hat, doch dies ist ein anderes Thema.)

Lassen Sie ihr Ego los!
Üben Sie weiter.
Früher oder später wird die Seele sich heilen.
Dann weint sie vor Glück.

(zurück zum Inhaltsverzeichnis des Vortrages über Glück und Gesundheit, Qi und Seele in der chinesischen Medizin)

Eine Chinesische Trancereise zwischen Himmel und Erde

2. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

(Dieser Vortrag ist bewusst ganz einfach gehalten und soll den vielen Menschen, die sich vielleicht für chinesische Medizin interessieren, die aber nicht vom Fach sind, einen ersten Eindruck verschaffen.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.)

Chinesische Trancereise zwischen Himmel und Erde

Ich möchte Ihnen eine kleine Geschichte erzählen. Eine chinesische Schöpfungsgeschichte, vermutlich aus Südchina, einer Region mit stark schamanischer Tradition. Einer Region, in der bis heute die Qi Gong Tradition am lebendigsten ist.

Es ist die Geschichte von Pan Gu.
Sie werden vielleicht bemerken, dass die Geschichte eine schamanische Trancereise wiedergibt. Oder, wenn sie möchten, eine Regression in die Zeit vor unserer Geburt.
Die alten Australier nannten dies die Traumzeit.
Die alten Chinesen nennen es den früheren Himmel.

Immer wenn Heilung stattfindet, reisen wir zurück in diese imaginäre Zeit, zurück zur Quelle, zur Einheit. Auf dieser Reise dehnt sich die Zeit, bis sie zuletzt ganz innehält und kollabiert. Hier sind alles und nichts.
Selbst unsere Gehirnströme halten inne und sind nur noch ein starkes, stilles Feld. Wie im tiefen Schlaf, mit vereinzelten Deltawellen- aber bei vollem Bewusstsein.

Hier, im undifferenzierten Chaos, kreiieren wir uns neu.

Das klingt schwierig und nach fortgeschrittenem Yogi- tum. Das ist es auch.
Das sollte uns aber nicht abhalten- denn schwierig ist nur ein Wort, das erfunden wurde, um Kinder zu entmutigen- deren Gehirnwellen von Natur aus eher denen eines Yogis als denen ihrer Eltern gleichen.
Der chinesische Weise Laozi sagte einst: „Der Weise ist wie ein neugeborener Säugling.“

Diesmal brauchen Sie nichts zu üben und nichts zu behalten. Sie dürfen einfach zuhören. Wie ein Kind, das das Wort „schwierig“ noch nicht kennt.

Beim Erzählen uralter Mythen verlangsamt sich etwas in uns. Märchen spielen in der Zeit, als das Wünschen noch half. Der Traumzeit.
Lauschen Sie diesem Märchen und alles geht wie von selbst.

 

Das Märchen von Pan Gu: nacherzählt von Christine Li

Am Anfang der Zeit herrschte Dunkelheit und Chaos.
Das ursprüngliche dunkle Chaos.
In der Dunkelheit formte sich ein Ei und im Inneren des Eis, inmitten all des Chaos und der Dunkelheit, entstand Pan Gu- der Ursprüngliche Abgrund.
Viele Zeitalter schlief er und er wuchs. Oh, wie er wuchs!
Zu gigantischer Größe wuchs er heran und da streckte er seine riesigen Gliedmaßen und brach so das Ei. Es knisterte. Ein Riss entstand in der Schale. Und dann mit einem Knall als wolle der Himmel zerbersten, brach der riesige Riese hervor.
Die Trümmer, feine und schwere, schwebten ganz und gar durcheinander.
Die leichteren und feineren Anteile des Chaos erhoben sich, weit, weit nach oben, ins Licht, hinauf zum Himmel.
Die dichteren Anteile sanken, tief, tief hinab zur Erde.

Die Weisen sagen, dass das Auskristallisieren der dichten Anteile die längste Zeit brauchte. Und wir alle wissen darum, wie schwer und mühsam es ist, die festen Dinge zu ordnen.
Das Öffnen und Ausströmen aber ging leicht. So leicht wie das Ausatmen. Fffff- so frei.

So entstanden Erde und Himmel, Yin und Yang.Auf und ab.

Pan Gu sah das alles und es gefiel ihm. Ganz über alle Maßen gefiel es ihm.

Damit aber Himmel und Erde in Spannung blieben, stellte er sich zwischen sie.
Sein Kopf trug den Himmel.
Seine Füße stemmten sich fest in die Erde.

Und weil er so fest auf der Erde stand, transformierte er sich jeden Tag neun Mal.
Wieder und wieder erneuerte er sich.
Neun Mal am Tag  war er ein vollkommen anderer
und zugleich immer der gleiche.
So  wuchs er immer weiter, zehn Fuß am Tag, 18 000 Jahre lang,
bis endlich der Abstand zwischen Himmel und Erde fest und sicher war.

Da legte er sich hin und starb.

Sein Körper zerfiel und wurde zu allem, was ist.

Wind und Wolken entstanden aus seinem Atem.
Seine Stimme ward Donner und Blitz.
Seine Augen leuchteten als Sonne und Mond.
Seine Gliedmaßen wurden zu den vier Himmelsrichtungen und sein mächtiger Rumpf zu den Bergen.
Sein Fleisch zerfiel zu fruchtbarer Erde und all den knorrigen und biegsamen  Bäumen darauf.
Sein Blut strömte als Flüsse durch das Land und seine Venen wurden zu den Kanälen und Wasserwegen, die die Waren zurück zu den Menschen bringen.
Sein Körperhaar wurde zu Gras und Kräutern, seine Knochen und Zähne zu kostbaren Steinen und Mineralien.
Sein Schweiß wurde zum Tau und sein Kopfhaar glich den Sternen am Himmel.
Die Läuse und Flöhe aber, die auf seinem Körper herumwuselten, wurden zu den Rassen des Menschengeschlechts.

Manche sagen sogar, wenn das Wetter sich ändert, so sind dies Pan Gus Launen.



So, nun wissen wir, wie der erste Qi Gong Meister hieß, und wie leicht  und schwer sich trennten, wie sie zum Himmel strebten und zur Erde sanken. Wir wissen, wie leicht das Leichte ist und wie weit hinauf es uns trägt. Wir wissen, wie schwer das Schwere ist und wie es uns in den Boden hineindrückt.
Und wir wissen auch, wie Pan Gu,der Riese inmitten all dieses Chaos stand und sich streckte und reckte, während seine Welt sich dehnte und dehnte. wie ein Baum. Bis sein Bewusstsein so unermesslich gedehnt und erweitert war, dass Pan Gu zusammenbrach und er sich hingab.
Dann entstand alles wieder neu.

So sind wir Menschen auch. Oder könnten wir sein.
Denn in Wahrheit fühlen wir meistens eher, wie die Dinge uns entgleiten, während wir versuchen, sie zusammenzuhalten damit wir auch nicht einen Millimeter zu wachsen brauchen.

Wenn es uns gelingt,  fest auf der Erde zu stehen, mitten im Leben, und zugleich unser Bewusstsein so weit machen wie der Himmel, dann ertragen wir das Leben und wachsen immer weiter.

Wenn wir nichts Neues mehr riskieren, wenn wir immer das Gleiche tun und denken- oder- wenn wir vor Angst ganz den Boden unter den Füßen verlieren und nicht mehr an uns selbst glauben- dann verlieren wir unsere Macht.
Wir könnten sogar behaupten, hier liegt die Ursache aller Krankheit.

Was wir tun können?

-für den Kontakt mit der Erde:
Achtsamkeitstraining- alle Dinge mit Respekt und Hingabe tun. Gerade die kleinen Dinge, die wir sonst nebenbei erledigen, weil sie „nicht so wichtig“ sind.
Mit Liebe essen und kochen. Düfte und Gerüche bewusst wahrnehmen.
Schränke aussortieren.
Unsere Füße massieren.

-für den Kontakt mit dem Himmel:
Musizieren und Musik hören. Den Wolken nachsehen. Singen und beten (heutzutage „chanten“ genannt). Unser Bewusstsein erweitern. Neue Dinge riskieren. Neue Wege gehen. Träumen.
Verreisen- real oder in Gedanken.

Und zuletzt kommt das Allermagischste: Die Transformation. Wenn wir unsere größte Kraft erreicht haben, dann legen wir uns hin und sterben. In Hingabe. In Ekstase. Im wirklichen körperlichen Tod.

Auch in der Behandlung schwerer Krankheiten gibt es diesen einen Augenblick der Hingabe. Die Krisis. Die Freundschaft mit dem Tod.
Danach beginnt alles neu.
Von Schamanen heißt es daher, sie müssen immer wieder sterben.
Beim Sterben lernen sie: „Da draußen gibt es nichts, wovor wir uns fürchten müssten.“

(zurück zum Inhaltsverzeichnis des Vortrages über Glück und Gesundheit, Qi und Seele in der chinesischen Medizin)

Gesundheit und Glück- das Qi und die Seele- irgendwie eins


Himmel und Erde, Feuer und Wasser, sind der höchste und der tiefste Pol des Kosmos. In der Mitte- zwischen Spiritualität und Materie stehen wir, die Menschen.

Wir vereinigen alles und wenn wir diese Einheit realisieren, sind wir nicht nur gesund und glücklich. Wir realisieren auch unser magisch schöpferisches Potential.

Eine Anleitung.

Dies ist eine ungefähre Transkription meines Kurses auf dem Hamburger Qi Gong Kongress über das Qi und das Shen- die Seele. Für all meine Zuhörerinnen und natürlich auch die drei Zuhörer. Ich danke Ihnen allen für Ihre inspirierenden Fragen.

Ihre Christine Li
Ihre Christine Li

Unter den Überschriften stehen nur kurze Zusammenfassungen. Wenn Sie auf die Überschriften klicken- kommen die vollständigen Texte.
Als Fortsetzungsroman- immer mal wieder einer.

(Dieser Vortrag ist bewusst einfach gehalten. Für all die vielen, die sich für chinesische Medizin interessieren,aber keine Vorkenntnisse besitzen. Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um Tiefenarbeit mit Akupunktur, Schamanismus, Ekstase, Trauma und andere Bewusstseinsebenen. Demnächst. Hier.9


1. Traurigkeit

Ganz gleich, woran meine Klienten sonst noch leiden- Herzschmerzen, Bluthochdruck, Glaukom, Schlafstörungen, Nervosität, Ängste, Hautausschläge, Infektanfälligkeit, Gelenkentzündungen, Reizdarm, Tinnitus oder Morbus Meniere: Woran fast alle leiden, ist tiefe, tiefe Traurigkeit.

2. Der Schamanengott Pan Gu

Schwierig ist nur ein Wort, das erfunden wurde, um Kinder zu entmutigen- deren Gehirnwellen von Natur aus eher denen eines Yogis als denen ihrer Eltern gleichen.
Der chinesische Weise Laozi sagte einst: „Der Weise ist wie ein neugeborener Säugling.“

Beim Erzählen uralter Mythen verlangsamt sich etwas in uns. Märchen spielen in der Zeit, als das Wünschen noch half. Der Traumzeit.
Ein Märchen von der ursprünglichen Einheit und der Schaffung der Welt-
für die,die ihre Welt selbst kreiieren möchten.
nacherzählt von Christine Li.

3. Die Einheit von Himmel, Erde und Mensch

Die Einheit der Drei: Himmel, Erde und Mensch- ist eine zentrale Vorstellung im Qi Gong wie auch in der chinesischen Medizin.

Himmel ist der Vater und Erde ist die Mutter.
Ich, dieses winzige Wesen, bin mittendrin hineingemischt.
Daher ist alles, was den Raum zwischen Himmel und Erde anfüllt, mein Körper
und alles, was Himmel und Erde lenkt, ist meine Natur.“
(Zhang Cai, westliche Inschrift, 11. Jhd.)

qi: Duft von Reis
taiji: der oberste Dachfirst

4. Yin und Yang

yang das sonnige Flussufer
yin: das schattige Flussufer
Zwei Ansichten eines einzigen Flusses

Die wichtigste Lehre aus dem Yin –Yang denken:
Die Polarität dreht sich immer wieder um.
Es gibt kein gut und böse und kein gesund und krank.

Stillstand  ist eine Illusion.

5. Das Nichts

„Wir werden aus dem Nichts hervorgewirbelt.“
(der Mystiker Rumi)
Die moderne Physik lehrt uns Ähnliches.
Wir sind ein Prozess. Ein ewiges Werden und Vergehen.

6. Die Qi Bewegungen

Senken
Schließen
Anheben.
Öffnen.
Und in der Mitte das Innehalten.

7. Die fünf Wandernden (fünf Elemente)

der allerkürzeste Kurs über die fünf Wandernden (5 Elemente)
-mehr zu lesen in meinem Buch über chinesische Hausmittel, das leider nur noch antiquarisch zu erhalten ist. Im „Weg der Kaiserin“ steht alles ausführlicher. Dieses Buch gibt es inzwischen in vielen Sprachen. Ab 2015 auch in Englisch.

Senken. Metall. Weiß, Welken. Herbst. Trauer.

Schließen. Wasser. Schwarz. Speichern. Winter. Angst.

Heben. Holz. Grün. Knospen. Frühling. Wut.

Öffnen. Feuer. Rot. Blühen. Sommer. Freude

Harmonisieren und Wandeln. Erde (tu: die gelbe Erde). Gelb. Reifen. Erntezeit. (Für-)Sorge.

Himmel und Erde (kun: Mutter Erde):

8. Die Emotionen in der chinesischen Medizin

Ausgeglichenheit heißt nicht Gefühlskälte, sondern Hingabe an die Wandlung.


9. Die Erde pflegen: Alles schlucken oder dickes Fell?

Emotionen machen nicht krank.
Erst, wenn die Gedanken sie festhalten, entsteht das Problem.
Verzeihen Sie. Auch sich selbst.
Und dann lernen Sie, alles zu schlucken.
In den Worten eines meiner alten Lehrer: Wenn das Qi in Harmonie ist, können wir alles essen.

10. Burnout,Trauma und Depression

Qi sinkt ins Yin, wird zu Yang und saust davon.
Das Ergebnis ist ein energetisches Loch. Gedächtnislücken. Weggetretenheit. Sie können es auch Seelenverlust nennen.

11. Wenn Qi Gong  nicht hilft

Immer bleibt da die eine Stelle, das eine zähe Muster. Das steife Gelenk, die eine Macke, die einfach nicht mitüben will. Seit 15 Jahren meditieren wir, und dann ruft eine bestimmte Person an, und unsere ganze Weisheit geht zum Teufel.

12. Die lange dunkle Nacht der Seele

Der chinesische Medizinklassiker Neijing sagt sehr schön: „Wenn das Herz leer ist, sind die Menschen traurig.“

Aber die Leere zu erkennen ist ein erster Schritt. Traurigkeit ist der Geburtsschmerz der Seele.

13. Die Medizin der Seele

„Die Menschen in alter Zeit haben die Einheit erreicht“
Laozi. (39)

Schamanismus ist eine Medizin der Seele.

„Der Himmel erlangt die Einheit, um klar zu sein.
Die Erde erlangt die Einheit, um fest zu sein.
Die Seele (Shen) erlangt die Einheit, um wirksam (magisch) zu sein.“

Ling: wirksam, magisches
Reiki: wird in China „ling qi“ ausgesprochen.
Shen: Seele, Bewusstsein der Einheit

Ling war die Kraft, die in die Schamaninnen des alten China fuhr. Wenn unsere Seele die Einheit erreicht, fährt diese Kraft auch in uns.

14. Shen-Qi und die Formen der Seele

Ein Bisschen über die Anatomie der Seele- aus chinesischer Sicht. Seele ist Qi. Von innen betrachtet. Daher gibt es auch in der Seelenarbeit fünf Elemente.

Absenken: 7 mondlichtartige Po Seelen.
Rhythmen, Kraft, Vitalität

Anheben: 3 wolkenartige Hun Seelen,
Träume, Visionen, Schwärmerei

Öffnen: Shen Seele,
höheres Bewusstsein- das Berühren des Himmels

Schließen: Jing- Essenz- unsere angeborene Macht
das, was wir sind, werden und immer waren

Harmonisieren: Yi- Gedankenseele
Intention bündelt unser Shen Qi und hilft uns, Dinge zu kreiieren.

15. Kreiieren

Besser als „the secret“: Wir schaffen unseren Kosmos, indem wir loslassen.

16. Die Seele zurücksingen

Von Gott und der Welt verlassen? Liebeskummer? Am Rande des Nervenzusammenbruchs?

„Wer Shen hat, wird leben. Wer Shen verliert, wird sterben.“

Lernen Sie von Pan Gu- dem chinesischen Schamanengott:
Stemmen Sie die Füße in die Erde.
Strecken Sie den Kopf bis zum Himmel.
Unsere heilige Achse. Der Weltenbaum.

Was dazwischen, in der menschlichen Ebene geschieht, liegt an Ihnen. Tun Sie, was ihr Herz begehrt. Singen. Tanzen. Beten. Qi Gong betreiben oder Möhren schneiden.
Aber tun Sie es in Achtsamkeit. Beim Leben geht es in jedem einzelnen Augenblick um Leben und Tod.