Heilung chronischer Krankheiten: Was raus muss, muss raus

Viele Krankheiten, die hierzulange als chronisch gelten, sind es nicht.

Das heisst, chronisch sind diese Zustände schon. Aber „Krankheit“ ist meist der falsche Begriff für Symptome, die immer dann auftreten, weil Menschen ein neues Leben anfangen wollen, weil sie im falschen Leben stecken, weil sie eine neue Vision brauchen, weil sie noch niemals die waren, die sie eigentlich sein könnten.

Solche Symptome werden chronisch, weil wir dies alles, das Leben nämlich, nicht erlauben. Und wer lebt schon so, wie die innere Stimme es sich erträumt.

In einem älteren Videoclip, dem ersten von sechs kleinen Filmen über Heilung, erzähle ich von einer modernen Raupe, die dank supermoderner Medizin für immer Raupe bleiben darf- nicht wie ihre altmodische Großmutter, die einst aus der Haut fuhr und auf- und davonflog.

kein leichter Weg

kein leichter Weg

Was raus muss, muss raus: Die Haut

Diese Regel gilt nicht nur für Raupen, die sich auf schmerzhafte Weise aus dem Kokon brechen müssen. Ans grelle unbekannte Licht, dort, wo der erste Vogel sie fressen könnte.
Sie gilt auch für die meisten Haut-AUS-schläge. Die chinesische Medizin geht daher bei „Neurodermitis“ (atopischem Ekzem) oder Acne rosazae (Röschenflechte) und co, ganz anders vor als die technische Medizin.
Nicht Deckel drauf- sondern raus damit.
Dazu ist es günstig, das Cortison abzusetzen, dass oft ohnehin nur in schädlich hoher Dosierung noch ausreicht, den Deckel festzuhalten. Dann gibt die chinesische Medizin einen Mix aus Kräutern, die das „wahre“ Qi, die inneren Impulse die hervorkommen möchten, befreien, idealerweise kombiniert mit genau der richtigen Menge an weichmachenden und befeuchtenden oder lindernden Kräutern, um zu verhindern, dass die Haut ganz und gar aufblüht und der Prozess milde (am besten fast unmerklich, aber niemals unterdrückt) verläuft.
Nach jahrelanger Cortisonverwendung sind solche Prozesse allerdings nur von echten KünstlerInnen zu steuern. So rabiat unterdrücken (wie vorher mit der Cortisontherapie) lassen sich die Symptome im Verlauf der traditionellen chinesischen Behandlung meist nicht.

Aber nach einiger Zeit der Anwendung von traditionellen Kräutermixturen  beruhigt sich alles wieder und wir beginnen ein neues Leben in neuer Haut.
Mehr über chinesische Dermatologie und darüber, welche „Krankheiten“ erfahrungsgemäß gut ansprechen, schreibt unter anderem mein Kollege Marco Massari in München.
Im Wesentlichen aber gilt auch bei Hautkrankheiten, wie immer in der chinesischen Medizin, wir behandeln nicht Krankheiten, sondern wir helfen individuellen Menschen, ihr Qi wieder in die richtige Bahn zu lenken.
Hautkrankheiten sind oft Ausdruck von Wachstum und Veränderung, weshalb ja gerade Kinder oder Menschen in Umbruchsituationen (z.b. alternde Menschen) so heftige Reaktionen zeigen können.
Die Heilung besteht darin, die Veränderung anzunehmen und zu leben.

Was raus muss, muss raus: Die Menstruation

Über Menstruation habe ich im „Weg der Kaiserin“ bereits ausführlich geschrieben. Wenn es zu starken Blutungen kommt, verlässt überschüssige Hitze den Körper. Für Frauen ist dies eine regelmäßige Reinigung, die jedoch immer auch etwas schwächend ist, weshalb sich menstruierende Frauen gut pflegen sollten und gelegentlich stärkende Kräuter benötigen.

Was raus muss, muss raus: andere starke Blutungen

Hitze in Form von Blut kann auf viele verschiedene Weise austreten.

  • Blutige Ausschläge
  • Nasenbluten
  • Bluthusten
  • blutige Stühle
  • Bluterbrechen
  • blutiger Urin
  • Blutstürze (Metrorrhagie)
  • Gehirnblutung

In vielen dieser Fälle ist die Hitze stark und „giftig“. Dazu kommt es etwa nach langem Siechtum, langer, emotionaler oder anderer Vergiftung (Alkohol, Medikamente, Gifte). Emotionale Gifte, teils von den Ahnen übernommen (epigenetisch), sind aber eigentlich immer dabei. Wenn sich genug Gifte, oft als sogenannte „Massen“ angehäuft haben und das Qi  lange Zeit  blockiert wird, laufen die inneren Kräfte (die „Drachen“) Amok.

Blutige Ausschläge, Nasenbluten, Bluthusten, blutige Stühle, Bluterbrechen, nicht zu stillende Blutstürze und Hirnblutung sind aus dieser Sicht Versuche der Selbstheilung, die aber leider tödlich verlaufen können.
Auch hier würde die Chinesische Medizin versuchen, die Hitze zwar soweit zu kühlen, dass die Blutungen stehen, aber gleichzeitig dem Körper zu helfen, die Blockaden und Gifte auf andere Weise zu entfernen. Das ist sehr schwer und knifflig und nicht immer kommt die chinesische Medizin hier noch rechtzeitig.
Je früher die Therapie beginnt, umso mehr Aussicht auf Erfolg gibt es. Leider kommen aber viele Menschen erst dann, wenn alle anderen Mittel nicht mehr anschlagen und der Körper restlos geschwächt ist. 
Ein Kollege und guter Freund, der zusammen mit mir in China studiert hat, ein wahrer Experte für chinesische Kräuter, der sich auch mit sehr komplizierten Krankheiten auskennt, ist Dr. Volker Scheid.

Was raus muss, muss raus: Die Wechseljahre

Frauen, insbesondere menstruierende Frauen gelten als „zickig“. Die Wahrheit ist: Menstruation ist eine regelmäßige Abkühlung, die bei Frauen, unter anderem, dazu beiträgt, dass diese im gebärfähigen Alter eben gerade nicht aus der Haut fahren.

Wer kleine Kinder zu versorgen hat, muss zu Zeiten kleine Brötchen backen. Eigene Wünsche stehen lange Zeit hinten an. Auch Frauen, die keine Kinder gebären, sind durch diese physiologische Bremse oft viel eher dazu bereit, lieb und nett in zweiter Reihe zu stehen als Männer. Noch gedämpfter, wahre „fleißige Bienchen“, werden Frauen übrigens durch die „Pille“, die selbst die kleinen prämenstruellen Aufwallungen (PMS) noch verhindert.
Unter dem Strich lassen sich Frauen deutlich mehr gefallen als Männer. Manche Kulturen (unsere) gewähren Frauen daher einen gewissen institutionellen Schutz. Andere verzichten sogar darauf nahezu komplett.

(Männer verfügen nicht über einen solchen automatischen Abkühlmechanismus wie die Menstruation. Oft lernen sie daher schon im Teenageralter, ihre übersprudelnden Temperamente selbst zu beherrschen, um brav zwölf Stunden am Tag auf einem Stuhl zu sitzen.)

Frauen hingegen werden hingegen regelrecht überrannt, wenn die Blutungen aufhören und ihre Emotionen und Passionen und Kraft sich mit einem Mal anhäufen. Wohin mit dem ganzen „Wumm“?. Die berühmt berüchtigten Hitzewallungen und Schweißausbrüche der so wunderschön  treffend „Wechseljahre“ genannten Lebensphase verlaufen umso aufregender, je weniger Raum für Entfaltung die Frau sich geschaffen hat.
Frauen fahren dann buchstäblich aus der Haut, weil es drinnen eben schon lange zu eng ist.
Statt sich dafür zu begeistern, fühlen sie sich deswegen schuldig oder defekt. Sie isolieren sich und beginnen, an sich selbst zu zweifeln. Und dann ist auch noch die Bluse dauernd so peinlich nass!

Aus einem Brief an mich: „… habe das Gefühl, das ich seit einiger Zeit mit mir und meiner Umwelt überhaupt nicht mehr zurecht komme. Mir fällt  es sogar schwer es hier in Buchstaben zu verfassen, weil ich nicht weiss, wo ich anfangen soll. Ich kriege meine innere Unruhe nicht in den Griff, bin ungerecht und mitunter aggressiv gegenüber meinen Mitmenschen. Auch machen mir und meiner Umgebung meine Stimmungsschwankungen arg zu schaffen, was zur Folge hat das sich einige von mir abwenden, ich aber auch mitunter lieber zu hause bleibe, um ja nicht wieder mit meiner schlechten Laune auf andere Menschen zu treffen.“

Das „aus-der-Haut-fahren“ ist nicht gerade angenehm. Aber es ist Ausdruck einer regelrechten Grundsanierung.
Tiefe Ängste werden „geschmolzen“. Spuren und Reste jahrzehntelangen Bravseins. Geburtstraumen, Operationen, Unfälle, Überfälle, Gewalterfahrungen (sexuell, psychisch) und nicht überwundene Verlassenheitsängste, Verluste und Trennungen.  Alles kommt hoch. Das Drachenfeuer sorgt dafür. Die schamanische Kraft.

Herzschmerzen

Männer haben genauso Zugang zu dieser Kraft. In jüngeren Jahren sind sie bekanntlich deutlich wilder. Sie leiden auch oft, entgegen des Klischees, weitaus intensiver unter Liebeskummer als Frauen. Dann beginnen sie, unter Druck von außen, schon in jungen Jahren damit, ihre Leidenschaften zu unterdrücken und ihr Herz abzukühlen. Nach ein paar Jahren brav hinter dem Schreibtisch ist das Herz zu Eis erstarrt und die inneren Drachen toben zunehmend wütend dagegen an.  Das Herz gerät in Gefahr und die Angst vor Angina pectoris oder Herzinfarkt oder Hirnblutung wächst.
Andere sind durch jahrzehntelange Erschöpfung, oder durch blutdrucksenkende Medikamente, bereits so abgekühlt, dass die Drachen ermatten (Burnout Syndrom).
Depression, Impotenz und Gewichtszunahme sind Ausdruck dieses Ausgebranntseins, des burnouts, aber ich sehe sieauch oft einfach als Wirkung bei der Einnahme von Mitteln gegen Bluthochdruck. Hier haben selbst die Drachen die Lust verloren und um diese wieder zu erwecken, bedarf es einiger Bemühungen.

Drachen sind wild. Sie wollen tanzen und alter Ballast ist ihnen im Weg.
 Also muss er weg. Egal wie (aus Drachensicht).

Was tun? Zu starkes Bluten und Aus-der-Haut-fahren sind nicht so schön. Eine weitere Möglichkeit ist die Verflüssigung der Blockaden. Triefen, Rotzen und Schwitzen und dann möglichst noch Durchfall und Erbrechen. Auch diese Art der Reinigung sind nicht so beliebt. Darüber hatte ich ja schon geschrieben.
Und dann gibt es noch das Weinen: Die tiefste Art der Reinigung. Das heilige Gebet.

Hier fällt Ihnen vielleicht ein wiederkehrendes Thema auf:

Unsere Körper sind gar nicht so böse, wie wir meinen. Sie sind zutiefst weise. Sie möchten gesund sein und gesund heißt wild. Auch wenn sie uns mit lästigen Symptomen ärgern: wir dürfen ihnen vertrauen.
Schließlich sind wir der Körper.

Wenn wir unsere Symptome annehmen, uns hineinfühlen und versuchen, dem Körper-uns zu helfen, statt ihn-uns mit allen Mitteln zu bekämpfen, erleichtern wir uns das Leben. Der Körper-wir, sind gut, so wie wir sind. Auch mit Rotznase und schuppiger Haut oder wütend aufgequollenem Bauch. So ist es eben, in diesem Augenblick.
Wenn wir aufhören, uns außerhalb des Körpers-uns selbst zu sehen und uns mit diesem-uns selbst wieder völlig vereinen, geht vieles wie von selbst. Die lästigen Symptome verlaufen dann milder und klingen ab.

Und worin besteht die Rolle der chinesischen Medizin?

Sie heilt natürlich nicht, aber sie hilft bei all dem. Sie ist eine der letzten kostbaren Vermächtnisse aus jener längst vergessenen Zeit, als die Menschen noch wussten, wie Leben funktioniert.
Kräuter, genau wie weise ausgewählte Nahrung, bringen uns wieder in Kontakt mit der lebendigen Umwelt. Sie unterstützen und nähren die inneren Prozesse (eventuell sogar bei sehr weitreichender Verwirrung und Blockade).
Die Seelentechnologie der alten Schamanen, die Akupunktur, bringt uns zurück in den Körper. Je weiter außerhalb des Körpers wir schweben, umso schmerzhafter kann die Akupunktur werden. Solange, bis wir uns wieder von innen fühlen. Sind wir wieder ganz innen angekommen, tut es nicht mehr weh. Dann erinnern wir uns, es ist gar nicht so schlimm. Das Leben.

 

 

 

 

 

 

Ich krieg die Krise

Vor Jahren hielt ich einmal einen Vortrag in München. Am Abend stieg ich in die S- Bahn, die mich zum Flieger zurück nach Hamburg bringen sollte. Am Nachmittag war heftiger Schnee gefallen. Die Bahn glitt mit mir und all den anderen, die auch zum Flughafen unterwegs waren, durch die Nacht. Vor dem Fenster hing ein dichter flauschiger Vorhang von Schnee. Dahinter endlose Reihen öder Vorstädte, für diese besondere Nacht verkleidet  als schneebedeckte bayrische Dörfer.
Im Zug war es hell erleuchtet und die laptop-bewaffneten Menschen guter Dinge nach einem Wochenende voll Arbeit oder bei der Fernbeziehung.
Dann ruckelte der Zug und blieb stehen.  Mitten im Niemandsland zwischen zwei weit auseinanderliegenden Dorf-Vorstädten. Der Zug war aus den vereisten Schienen geglitten und lag nun mit leichter Schräglage in einem weiten verschneiten Feld. Das Notlicht ging an. Dann geschah nichts mehr.
Es dauerte nicht lange und der Zugbegleiter verkündete knapp, in dieser Nacht kämen wir nicht mehr zum Flughafen.
Die schnelleren unter den schnellen Mitfahrern hatten längst ihre Smartphones gezückt und versuchten, ein Taxi zu rufen. Doch wie es so ist, nachts, mitten im Feld, im tiefen Schnee. Da kommt kein Taxi.
Es war insgesamt recht lustig anzusehen, was die einzelnen Menschen unternahmen, um doch noch nach Hause zu kommen, während zusehends klarer wurde, dass auch der letzte Flieger inzwischen gestartet war.
Die meisten waren sich über folgende Dinge einig:

  • So geht es nicht!
  • Da muss man doch was unternehmen!
  • Immer die Bahn!
  • Man muss die Airline verklagen!
  • Man muss sie ALLE verklagen!

Den Schnee wollte niemand verklagen. aber das Ganze ist natürlich schon zehn Jahre her. Inzwischen mag sich das geändert haben.

Es war ein klassischer Katastrophenfilm- allerdings ohne die Katastrophe.
Am tiefsten beeindruckte mich die dreißigjährige Frau im perfekt sitzenden italienischen Kostüm, die auf dem Gang stand, mit ihrem nutzlosen Handy gestikulierte und, in schriller Tonlage, wieder und wieder schrie:
„Das ist das Entsetzlichste, was ich je erlebt habe.“

Wenn Sie, warmherzige Leserin, jetzt in heller Aufregung schweben sollten und sich fragen, ob ich das weiße Inferno überlebt habe: Ja. Sonst könnte ich diese Zeilen ja nicht schreiben.

Neulich erzählte mir jemand, dass ein, an sich netter, älterer Herr zu einer jüngerer Verwandten gesagt haben soll: „Ihr braucht alle mal einen Krieg.“
Dem wird wohl kaum einer zustimmen mögen. Dennoch verstehe ich, was der selbst offensichtlich kriegstraumatisierte Herr sagen wollte: Wir sind innerlich erstarrt und zugleich panisch, wie überzüchtete Mastschweine. Wir brauchen dringend etwas mehr Bewegung im Kopf.

Die Menschen im Hier und Jetzt unserer übertechnisierten und überregulierten Zivilisation der 21. Jahrhunderts besitzen wenig Resistenz gegenüber allem Neuen.
Die Bahngesellschaft ändert den Fahrplan, der Flieger verpasst den Anschluss, der Fernseher geht kaputt, Parmaschinken ist ausverkauft: schon heißt es:
„Ich krieg die Krise“.

Während alt und jung sich regelmäßig zum Strechting, Yoga, Fitness schleppt, um, nach tagelangem Bewegen einiger weniger Finger über der Tastatur, auch mal den restlichen Körper zu aktivieren, ist der Geist mangels Gebrauch vollkommen atrophiert.
Damit meine ich nicht die wenigen Gehirnareale, die die meisten pausenlos überstrapazieren, weil sie sie zur Organisation ihres Berufes und ihrer alltäglichen Sorgen brauchen.

Ich meine den ganzen Rest unseres Geistes, den wir noch nicht einmal kennen.
Den Rest, der träumt, phantasiert und kreativ mit neuen Situationen umgehen kann.
Den Rest, der Dinge sieht, hört, wahrnimmt, die anderen verborgen bleiben.
Den Rest, der die Zukunft und die Vergangenheit als ein fließendes Feld begreift, in dem wir uns nach Belieben bewegen können.
Den Rest, der die Verbundenheit mit der ganzen Welt kennt.

Das ist im Übrigen bekannt. Sonst würde es nicht ständig heißen, wir sollten „raus aus der Komfortzone“.

Das tut allerdings niemand gerne.

 

  • Dafür muss schon ein Zug entgleisen.
  • Dafür muss jemand schwer krank werden.
  • Dafür braucht ein anderer Liebeskummer.
  • Dafür braucht es eine richtige Krise.

In richtigen Krisen läuft der Geist aus den vereisten Gleisen.

Neue Wege sind aber noch nicht gebahnt. Wer Pech hat, geht dann eiligst zum Psychiater und lässt sich betäubende Medikamente verschreiben, um den Geist davon abzuhalten, wild in alle Richtungen und immer wieder auch mit dem Kopf gegen die Wand zu rennen.
Die Psychiatrie, Erbin der Kirche, als unsere offizielle Ansprechpartnerin in Sachen „fremde Wege des Geistes“, hält von solchen Erneuerungsbemühungen nichts:

Wenn es nicht so geht wie immer, dann soll es lieber gar nicht gehen.

Alles andere wäre, quasi, Blasphemie. Bewusstseinserweiterung ist ihr suspekt. Emotionen sind für sie Ausgeburten des Teufels- pardon- Neurotransmitter auf Abwegen. Serotoninmangel.

Während meiner eigenen Ausbildung in Psychiatrie erlebte ich eine solche Krise.
Ich arbeitete damals in einer geschlossenen Anstalt an einer Klinik, in der viele neue Medikamente und immer mal wieder Elektroschock- pardon- Elektrokrampftherapie- ausgetestet wurden. Ohne Fleiß kein Doktortitel.
Nach einigen Monaten inmitten weinender, schreiender und mit stets neuen Chemiecocktails erneut zum Schweigen gebrachter Menschen, nach demSchlafentzug endloser Nachtschichten, in einer fremden Stadt ohne Freunde, starb dann auch noch mein Vater.
Die Oberpsychiaterin verkündete umgehend:
„Glauben sie jetzt aber nicht, dass sie wegen so etwas einfach frei bekommen könnten.“
Glaubte ich natürlich nicht. Soweit kannte ich mich aus in der Psychiatrie.

Statt frei bekam ich die Krise. Meine Gedanken rasten und drehten sich. Ich konnte nicht mehr schlafen. Ich brach ständig in Tränen aus. Es ging mir kaum noch besser als den Patienten um mich herum. Nur verstand ich es besser zu verbergen.
Um nicht ganz wahnsinnig zu werden, ging ich zu einem niedergelassenen Psychiater. Ich war immer noch der Meinung, Psychiatrie müsse irgendetwas mit Geist zu tun haben. Die Praxis mit ihren hohen antiken Regalen voller Bücher wirkte auch durchaus geistvoll. Nicht so, wie die Klinik mit ihren formaldehyd-getränkten Plastikmöbeln.
Ich schöpfte Zuversicht.
Der gute Mann hörte mir in etwa drei Sekunden zu. Dann zückte er den Block und verschrieb mir genau das Medikament, das wir gerade an der Klinik austesteten. Ein Medikament, dessen genaue Wirkung keiner verstand, dessen Nebenwirkungen aber alles in den Schatten stellten, was sonst so am Markt war.
Kurz: das teuerste und modernste Psychopharmakon, das sich finden ließ.
Es war klar, der gute Mann hielt mich für „verrückt“.
Es war auch klar, dass dieser Psychiater nicht wusste, was er da tat.

Um Schlimmeres zu verhindern, nahm ich den giftigen Zettel, bedankte mich höflich, erhob ich mich, so schnell es gerade noch ging, um nicht als kopflose Flucht interpretiert zu werden und schlich quasi rückwärts aus dem Raum.
Draußen auf der Straße fing ich an zu rennen, schrie vor Wut, ich zerriss den Zettel und tobte und weinte noch den ganzen Tag. Danach ging es mir schon viel, viel besser.

Spitzfindige Menschen mögen einwenden, der Psychiater hätte mich geheilt. In der chinesischen Geschichte gibt es diverse Aufzeichnungen von Ärzten, die ihre Patienten heilten, indem sie sie in voller Absicht richtig wütend machten.

Der Psychiater mag Ähnliches bewirkt haben. Allerdings ziehe ich Ärzte vor, die wissen, was sie tun.

Bei vielen Menschen löst schon das Wort „Krise“ eine Krise aus. Warum eigentlich?
Die Krise bei den Krankheiten ist, wenn sich die Krankheiten verstärken, nachlassen, in eine andere Krankheit umschlagen oder aufhören.“ (corpus hippocraticum)
In der Humoralpathologie war eine Krisis das Showdown, in dem sich entschied, ob ein Mensch auf einer neueren und gesünderen Ebene weiterleben konnte oder starb.
In einer Krisis werden die Karten neu gemischt.

Krisen gehören nicht nur zum Leben. Sie sind die eigentlichen Höhepunkte.

In einer Krise werden Fähigkeiten und Funktionen aktiviert, die uns sonst nicht zur Verfügung stehen.
Jeder kennt die Geschichte von der Mutter, die im Notfall ein Auto heben kann, das auf ihrem Kind liegt.

Wenn in unserem Geist vergleichbare Kräfte aktiviert werden, kannn dies sehr verwirrend sein.

Wir werden hellhörig und hellsichtig bis zur Halluzination. Wir riechen plötzlich alles. Wir sehen Töne und hören Gerüche. Telepathische Fähigkeiten werden aktiviert. Die Gedanken rasen auf zehnspurigen Autobahnen in alle Richtungen.
Emotionen werden teils vollkommen blockiert, teils aktiviert.
Wir erkennen uns selbst nicht wieder.
Wir erleben zum ersten Mal Fähigkeiten, von denen wir nicht einmal ahnten, dass wir sie haben. Auch dann, wenn uns die Fähigkeiten eher als Zusammenbruch aller Funktionen erscheinen, weil wir mit diesen neuen Funktionen Dinge erleben, die noch keinen Namen haben und was keinen Namen hat, sollte auch besser nicht existieren. Wenn es doch existiert, ist es eine Einbildung. Und Einbildungen sind ganz schlecht.
Daher bestehen die bisherigen Therapie darin, möglichst alle neu erweckten geistigen Abläufe mit Chemikalien zu blockieren.

Wäre es nicht besser, die neuen Wahrnehmungen in unser altes Feld zu integrieren?
Wenn die Neurotransmitter in einer Krise auf völlig unbekannte Hirnareale einstürmen, kann uns dies in Angststarre versetzen. Besser ist es, die unbekannten Hirnareale schon vorher zu trainieren. Geistige Wege können gebahnt werden. Wir können bereits vor einer seelischen Krise unser Bewusstsein so weit erweitern und stretchen, dass im Ernstfall keine „Gehirnmuskelzerrung“ resultiert.

Für jemanden, die so vorbereitet ist, ist ein verpasster Flieger nicht „das Schrecklichste, was mir je passiert ist“, sondern eine gute Gelegenheit, einen Nachtspaziergang im Schnee zu machen, ein Lied (binaural, mit Schumann Resonanz Tönen) zu komponieren, interessante Kontakte mit den anderen Gestrandeten anzuknüpfen oder über die Levitation von Zügen vermittels kollektiver Geisteskraft nachzudenken.

Erweiterung des Bewusstseins

Die Funktion von Systemen ist die Selbstreproduktion. Schulen und medizinische Einrichtungen, die die Kirchen in Sachen Geistigkeit abgelöst haben, halten nicht viel von Erweiterung und Erneuerung geistiger Abläufe.
Dem stehen Tausende von Menschen gegenüber, die sich in Meditationskurse einschreiben und Achtsamkeitstraining buchen. Andere versuchen sich in Trommelkreisen und Astralreisen. Auch wenn dies nur zaghafte Anfänge sind, so ist der Stillstand beendet.

In der Traumatherapie, in der Hypnose, im Schamanismus und in der Akupunktur erleben wir viele außerordentliche Bewusstseinszustände. Außereuropäische Völker wissen seit langem um die subjektiven Seiten dieser Phänomene und sie haben ausgeklügelte Techniken entwickelt, in außerordentlichen Bewusstseinszuständen zu arbeiten und zu heilen.
Die moderne Hirnforschung kommt diesen Traditionen nun auf halben Wege entgegen. In jüngster Zeit sind viele Techniken entdeckt und wiederentdeckt worden, unser Bewusstsein zu erweitern, ohne dabei vollkommen verrückt zu werden.
Nur ein Bisschen. Ekstatisch eben.

Die Angst vor Ekstase ist so unbegründet wie die Angst unserer Rokoko Vorfahren vor dem Baden in Wasser. Ekstase ist Ausdruck eines wachsenden Bewusstseins, das sich in alle Richtungen dehnt und streckt.

Wenn es mal zu schnell geht, hilft Rennen, Toben und Schreien. Und Akupunktur hilft eh.
Wie die Arbeit in und mit veränderten Bewusstseinszuständen funktioniert, trage ich gerade in einem Skript zusammen, das auf meinen Vorträgen auf dem 45. Internationalen Akupunkturkongress 2014 beruht.
Mein persönlicher Beitrag zur Bewusstseinserweiterung.

Verlorene Seelen und Medizin der Seele

Die verlorene Seele

Die meisten Menschen nehmen das Defizit durchaus wahr. Auch wenn nicht alle sich trauen, offen darüber zu reden: In unserem modernen Denken ist kein Platz für die Seele.
In unserer Sprache jedoch, dieser wundervollen Schatztruhe der kollektiven Erinnerung, finden wir bis heute die Vorstellungen unserer Vorfahren von Seelen, die wandern, sich herumtreiben oder manchmal ganz verloren gehen.
Wir sagen:

  • „Ich bin nicht ganz bei mir“.
  • „Ich bin nicht ganz bei Trost“.
  • „Ich bin von allen guten Geistern verlassen“.
  • „Ich stehe neben mir“,
  • „Ich bin gar nicht richtig da“,
  • „An jenem Tag ist ein Teil von mir gestorben“.

Nun. Was genau meinen wir mit solchen Aussagen? Würde es nicht reichen, zu sagen, ich kann mich nicht konzentrieren oder mein Geist ist wie benebelt?
Nein. Offensichtlich nicht. Benebelt zu sein, ist etwas vollkommen anderes als nicht ganz da zu sein- obwohl wir durchaus an beiden Zuständen zugleich leiden können. Gegen das benebelt sein hilft ein Glas Wasser, ein Kaffee, frische Luft. Gegen das nicht-ganz-da-sein hilft der Kaffee nicht.
Nicht richtig da zu sein, ist mehr als eine vorübergehende geistige Verwirrung.
Neben sich zu stehen, ist keine Denkstörung sondern eine sehr reale Wahrnehmung.

Unsere Seele, oder ein Teil davon, ist uns abhandengekommen. Wie im Märchen vom verlorenen Schatten.

Doch nicht nur die verlorene Seele wird beschrieben. Auch für das Zuviel gibt es unzählige Ausdrucksweisen:

  • „Sie lebt in mir“.
  • „Er geht mir nicht aus dem Kopf“.
  • „Du liegst mir schwer im Magen“.
  •   „Ich bin wie besessen von ihr“.
  •  „Manchmal bin ich gar nicht ich selbst“.

Unsere Sprache zweifelt also offensichtlich weder daran, dass unsere Seele verloren gehen kann, noch daran, dass fremde Besucher sich in ihr einnisten können.
Nur wir selbst, wir zweifeln oft sogar daran, dass wir überhaupt eine Seele haben.
Und in unserer technologischen Medizin sind wir uns sogar ganz sicher: Seele gibt es nicht.

In der Seelenmedizin ist die Seele alles

.Seelen verkörpern sich und erschaffen ihre eigene Welt.
Eine Seelenmedizinerin weiß, dass viele Seelen im Verlauf dieses In-die Welt-Tretens zerstückelt werden und ihr Leid und ihre Konflikte in Form von körperlichen Beschwerden manifestieren.
Ein Seelenmediziner weiß, dass Verluste von Seelenteilen und Besetzungen durch Seelenteile anderer Menschen zu Krankheiten führen. Er weiß, wie es zu solchen Verlusten und Besetzungen kommt und wie wir diese heilen können.

Seelenmedizin verdankt viele ihrer Ideen den schamanischen Traditionen der Völker der Welt. Unsere europäischen Vorfahren wussten um die Bedeutung der Seele und sie kannten viele Techniken, um mit diesen Kräften zu arbeiten. In Europa war dieses Wissen bis vor kurzem nur noch in abgelegenen Gebirgstälern zu finden. Seit einigen Jahrzehnten bemühen Menschen sich um die Wiederbelebung dieser Traditionen.
In anderen Regionen der Welt sind schamanische und seelenmedizinische Traditionen noch lebendiger.  Doch hinter vielen der bunten folkloristischen Fassaden verbirgt sich nicht viel mehr als Konsum und leeres Ritual, oft teuer verkauft an Heilsuchende aus aller Welt. Wahre Perlen gibt es, doch sind sie schwer zu finden.

Chinesische Medizin als Seelenmedizin

Auf einem Qi Gong Kongress in Hamburg hatte ich vergangenes Wochenende das Vergnügen über die schamanischen Wurzeln der chinesischen Medizin zu sprechen.
In der Chinesischen Medizin ist der Grundgedanke der Gedanke, dass alles miteinander verbunden ist. Der Kosmos ist ein großer lebendiger Organismus. Ein selbstorganisierender Prozess– wie mensch auch sagen könnte.

Wenn wir alles als Eins und miteinander verbunden begreifen, begreifen wir auch, dass Qi und Seele letztendlich das Gleiche sind.
Seele ist Qi- von innen betrachtet.
Seele ist der Yin Aspekt des Qi. Qi ist der Yang Aspekt der Seele. Da Yin und Yang aber nicht voneinander zu trennen sind- Sind Qi und Seele eins.

Seele oder Qi- Yin oder Yang in der Wahrnehmung der Einheit

Unser Leben- Qi und Seele- werden unterschiedlich erlebt.
Manche Menschen nehmen auf Yang Weise wahr- dann empfinden sie vielleicht eher eine taube Stelle am Körper oder irgendwelche Funktionseinbußen.
Andere Menschen nehmen auf Yin Weise wahr- sie empfinden dann in einer ähnlichen Situation ihr seelisches Abgeschnittensein oder einfach große Traurigkeit.

In unserer Welt folgt daraus, dass die Yang Menschen von Arzt zu Arzt rennen, oft ganze Arzt Odyseen hinter sich bringen, bei der oft niemand was findet, nur nur sehr unspezifische Syndrome- am besten mit eindrucksvollen Namen, die übertuschen sollen, dass keiner versteht, was da los ist.
Die Yin Menschen, die mit der Einsamkeit undder Abgeschnittenheit hingegen leiden still. Vielleicht konsumieren sie Psychopillen (Antidepressiva) oder Alkohol. Im großen und ganzen fühlen sie sich einfach auf unsägliche Weise dem Leben nicht gewachsen. Auch dann, wenn sie beruflich erfolgreich sind, fühlen sie sich irgendwie als „Betrüger“ und „Hochstapler“.

Seelenrückführung- was ist das

Es gibt heutzutage eine Menge kommerzielle Angebote, die Seele zurückgeführt zu bekommen. Unsere Vorfahren machten dafür einen Spaziergang im Wald. Seelenrückführung ist eigentlich nichts Besonderes. Seelenanteile kommen meist sehr schnell zurück. Da unsere Seele bei aller Zerstückelung heil und eins ist, brauchen wir uns nur an diesen Zustand der Ganzheit zu erinnern(daher der Spaziergang in der Natur) und schwupps ist sie wieder da.
Die Augen werden feucht, wir weinen, und wir fühlen uns für einen Augenblick zutiefst gerührt.

Wir tun dies im Traum. Beim Sex. Beim Bungee-Springen oder Bergsteigen. Beim Tanzen oder Musikhören. Im Gebet oder in der Meditation.
Sehr schwierige und unerreichbare Seelenteile erreichen wir durch Akupunktur.

Genauso schnell ist sie dann oft wieder weg. (Daher der tägliche Spaziergang im Wald unserer Großeltern. Der Sonntagsspaziergang in die Fußgängerzone ist kein Ersatz.)
Die eigentliche Kunst beim Seelenzurückführen ist die Integration dieser Seelenteile. (Die sind ja schließlich nicht grundlos davongeschwirrt.)
In einer weitgehend seelenlosen Kultur ist dies sehr schwer.

Wahrer Schamanismus als Gemeinschaftswerk

Das Besondere der schamanischen Traditionen sind ihre tiefen Wurzeln in einer menschlichen Gemeinschaft, in der die Seele sich zurechtfindet und geborgen ist. Hier ist alles beseelt und alles gehört zusammen.Traditionelle Schamanen arbeiten nicht mit einem Trommeltonband und schon gar nicht alleine.
Schamanische Seelenrückführung ist kein Einzelkämpferakt. Eine  traditionelle Heilung ist Sache der Gemeinschaft.
Eine Schamanin ist nichts ohne all die Menschen, die das Feuer machen, das Essen zubereiten, die Musiker und Tänzerinnen, die kreischenden Kinder,  die Verwandten, die dem Kranken beistehen, die lebenden und die toten, die menschlichen und alle anderen. Denn auch die endlosen Reihen der Ahnen und die Geister der Landschaft, die Totemtiere und Pflanzengeister wirken an einer schamanischen Heilung mit.
Eine lebendige Gemeinschaft ist weit weit mehr als ethnographisches Beiwerk, wie der Core Schamanismus behauptet.
Eine lebendige Gemeinschaft ist der Nährboden für die schamanische Arbeit. Sie ist das Yin in dem das Yang, die Seelenreise, die Trance und was immer der Schamane tut, wurzeln kann.

Punktuelle schamanische Interventionen außerhalb einer lebendigen Gemeinschaft können zu großen Problemen führen, wenn die „Geheilten“ danach alleine gelassen werden.

Der eigentliche Kampf beginnt nach der Seelenrückholung.

Es stimmt und immer mehr Menschen wissen dies auch: Eine heile Seele, das Gefühl von Einheit mit allem, ist die Voraussetzung für die Heilung des Körpers.
Doch mit einer gewaltsamen Zurückführung besonders hartnäckig verschwundener Seelenanteile beginnt für viele der eigentliche Leidensweg. Solange wir keinen Zugang zu dem verlorenen Seelenanteil hatten, waren wir vielleicht abwesend oder in vielen Dingen nicht ganz da. Doch nun, da wir wieder alles spüren, spüren wir zunächst vor allem all das, was gar nicht in Ordnung war. Die Gründe also, warum die Seele überhaupt erst fliehen musste. Erinnerungen kommen zurück, die oft nur schwer zu ertragen sind. Die Welt stürzt auf uns ein. Die Seele flieht erneut und wird sich nun nicht mehr so schnell zurückholen lassen.
(In der Traumatherapie würden wir dies Retraumatisierung nennen und Retraumatisierung ist ein schwerer Fehler, denn mit jedem Mal, das wir ein Trauma erleben, bahnen sich die physiologischen Reaktionen tiefer. Bei Trauma ist „Abhärtung“ der falsche Weg.)

In unserer Welt, in der nur noch wenige Dinge gewiss sind und jeder mehr schlecht als recht sein eigenes Universum zurechtbastelt, ist ein zurückgeholter Seelenanteil sehr viel schwerer zu integrieren, als in einer Stammeskultur, in der alle wissen, was zu tun ist und wie so eine Seele zu pflegen ist.
In einer heilen Gemeinschaft wird die Arbeit der Reintegration gemeinsam getan. Es gibt ein Festessen, Musik und Tanz, oft tagelang, und auch danach wird niemand alleine gelassen.

Lange dunkle Nacht der Seele- alias Depression: Wenn die Seele von selbst den Weg sucht

In der chinesischen Tradition wird viel Wert darauf gelegt, mit dem Qi zu arbeiten und nicht dagegen. Alle Dinge haben ihre Zeit. Wenn die Zeit reif ist, kommen auch weit weit fortgeflogene Seelen ohne große Gewaltaktion zurück.

Die Seele sehnt sich nach Hause.

Ein sehr poetischer Ausdruck für diese Sehnsucht ist „lange dunkle Nacht der Seele“. Manche Menschen leiden jahrelang unter Traurigkeit. Dem Verlust unserer ursprünglichen Einheit mit allem.
Eine Trennung- Verlassenwerden- Betrogenwerden- Liebeskummer- zerstört dann oft das letzte Stück Verbundenheit mit der Welt, das sie vielleicht spürten. Dann bricht der Damm und sie halten den Schmerz nicht mehr aus. Die meisten, gerade „gestandene“ erwachsene Menschen verstehen selbst nicht, warum ein „bisschen Liebeskummer“ ihnen so vollständig den Boden unter den Füßen wegziehen kann.
Es ist verständlich, wenn viele irgendwann zu „Happy Pills“, zu Antidepressiva zu greifen. Es ist auch verständlich, wenn Ärzte in ihrer Hilflosigkeit welche verordnen. Wer will schon mitansehen, wie jemand sooo traurig ist.

Traurigkeit ist kein Verbrechen, sie ist keine Charakterschwäche und sie ist vor allem auch keine Krankheit.
Genau wie die Angst Medizin sein kann, kann auch Traurigkeit Medizin sein.

Die gleiche Kultur, die aus der heiligen Trommel ein Trommeltonband gemacht hat– hat aus unserer heiligen Traurigkeit ein behandlungsbedürftige Krankheit gemacht.
Wir brauchen dies nicht länger hinzunehmen. Wir sind keine „plastic people“.
Wir dürfen so lange traurig sein, wie notwendig, wenn der Schmerz groß genug ist, wenn die Tränen ausreichend viele sind, wenn der tiefe innere Wunsch immer stärker geworden ist- dann kommt die Seele zurück.

Viele Menschen leiden unter solchen Schmerzen.
Vielleicht mag dies für manche ein Trost sein:
Wenn die Not und der seelische Schmerz kaum noch zu ertragen sind, sind wir oft nur noch einen winzigen Schritt entfernt von der Heilung.
Wenn die Nacht am tiefsten ist, ist der Tag am nächsten.
Oder, chinesisch ausgedrückt: Extremes Yin bringt Yang hervor.

Noch ein Hinweis: Wenn Sie ein bisschen wühlen und herumclicken: Hier auf meiner Homepage findet sich allerlei, zur Aufmunterung trauriger Menschen. Sporadisch wird noch mehr dazukommen.
Ich habe selbst ausreichend Schmerz erlebt. Ich kann mitreden. Mein tiefer Wunsch ist es, Ihnen zu helfen. Diese Homepage, meine Bücher und meine Kurse sollen dazu beitragen.

Und wenn die Seele zurückkommt- was dann?

Erst fließen ein paar Tränen der Rührung. Dann sind die meisten so froh wie vielleicht seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Farben leuchten wieder. Das Essen schmeckt wieder. Beschwerden verschwinden.
Aber auch Schmerzen werden nun wieder stärker gefühlt. Es knackt und knirrscht im ganzen Körper. Viele Patientinnen machen danach eine recht holprige Phase durch. Manchmal sind die Schmerzen in vormals tauben Körperteilen kaum noch auszuhalten. Vor allem in der Nacht. (Es ist so, wie wenn ein eingeschlafenes Bein wieder zum Leben erwacht- nur viel schlimmer.)
Diese körperlichen Schmerzen dauern nicht so lange. Meist nur ein paar Tage.
Länger dauern Hautausschläge. Manche Menschen werden fleckig rot. Es juckt. Es ist, als ob sich lange Zeit vereiste Gefühle nach außen durchbrechen.
Die Diagnose des Hautarztes lautet oft Acne rosazea. Er wird Ihnen sagen, dass man diese schulmedizinisch nicht behandeln kann, dass sie aber bald vorbei geht. Da hat er recht.

Bei denen, die mehr im Yin erleben, kommen vielleicht Erinnerungen in Form von Alpträumen und Wachträumen. Schön ist das auch nicht, aber Sie werden sehr viel über sich lebst lernen und vieles besser einordnen können.

Ob Yang oder Yin: Wir fühlen alles wieder intensiver- sowohl im Yang- im Körper- als auch im Yin- seelisch.
Veränderung- vor allem Heilung- schmerzt.

Unterstützen können, in etwa dieser Reihenfolge:

  • Spiritualität (beten)
  • Musizieren oder Singen oder Tanzen
  • anderen Wesen helfen
  • Kontakt mit lebenden Pflanzen- rausgehen
  • Kontakt mit Tieren
  • Kontakt mit Kindern
  • Freunde und Freundinnen mit Einfühlungsvermögen und Erfahrung
  • ganz zuletzt: Akupunkturnadeln, Kräutern, Körpertherapie oder andere Mittel, die die Seele und Qi wieder „glattbügeln“.

    Eine intakte Seele bedeutet, die Einheit mit allem, was ist, zu spüren. Liebe.
    Aus welcher Perspektive Ihnen dies am Besten gelingt, wissen nur Sie.

 

Rebirth through Fire and Water

Extraction and Soul Retrieval in Chinese Medicine-

In the medicine of the soul we re-think phenomena well known in Chinese medicine from the perspective of the soul.

Great Cold is another name for evil Qi, or „Great Evil“ (da hai) as the earlier books on Chinese Medicine used to call it.
In Feng Shui they still talk about „sha qi“ and old people in China call it „bad earth qi“.
Bad earth qi is the qi that prevails in some houses were people die or never feel quite well. It brings bad luck and makes plants grow slower than in other places even though the weather may be the same.

What is Evil Qi?

Evil Qi is Qi that runs counter to the way of nature. It is a Yin force. It comes from bad water and bad earth. You may visualize it as a demon if you are so inclined.
But if this way of looking at things is too foreign to your usual way of thinking, for now, just think: insult, trauma, curse, abuse, envy, betrayal or abandonment.

The Chinese say, that hearing impure things damages the Essence.
This is very true. Sometimes, you do not even need to hear them.

Most of these aggressors attack furtively, in the middle of the night, from far away or cunningly disguised as some innocent remark.
This is to say: These evils attack from behind and from below.

You may not hear the hurtful words. All you feel are wobbly feet, cramps in the calves, weak knees or a stabbing pain at the lower back or just shiver and goosebumps all over the backside.

Chinese Medicine calls this area of attack, the bladder, and sometimes the small intestine meridians: “Taiyang- Cold Water”. A classical book, the shanghan lun describes, how the qi works its way to the inside from there.

Very evil qi may directly enter your core, the kidneys or heart, in which case you may feel a piercing pain in your heart or a ringing in your ears or you may not feel anything at all and just break down completely. This is how you realize, that your essence has been damaged.

 

Who gets attacked?

Not every attack is successfull. Just as not everybody catches the flu. Not all curses reach their victim.
Great old doctors of Chinese medicine insist that evil influences from outside only attack those who are not strong enough on the inside.
The protective Qi might be weak, there might not be enough warmth inside as in people that are starved or exhausted.
What is true for cold applies to all kinds of evil.
Evil forces do not attack good people they say.  Evil entities only attach themselves to those who harbour evil thoughts. Bad words insult only those who think badly about themselves.
But who can be strong all the time? Everybody has their moments of neediness or weakness.
Some people are easier scared than others or hurt easier than others. Everybody is vulnerable at some time.
A particularly vulnerable phase of life is infancy.
Women after childbirth are very vulnerable too and, to a lesser degree, menstruating women.
People who have recently been separated from a loved one or from their job tend to be vulnerable.
Tired people.
Stressed people.
Lonely people.
People separated from their cultural roots.
People with low self esteem.
People on drugs.
People after sex, unfortunately.

Think about moments of your life, when you felt shaky, raw, like your skin had been pulled of. These are moments when you need to think about special protection, stay inside, eat chocolate or smudge yourself with white sage.

So what happens after an attack of evil qi?

The attack forces our soul into hiding, the soul gets lost and may not come back and so we get confused and anxious at first and eventually we become quite still.
Soul-loss is not sadness- sadness can be quite healing and is not bad at all.
But the loss of soul is a little bit like dying.
The stronger the soul-loss, the less we feel.
This is why after a severe trauma, instead of confusion, we may not feel anything at all

 

The evil remains inside and it causes a lot of chaos.

Evil can be quite sneaky. We may not react at all or our reaction may be delayed, for days, weeks, even years. We may never even realize we have been attacked at all.
Our body may hurt, but more likely it feels numb or estranged, like it does not belong to us.
We may not want to talk.
We hide from other people, pull a blanket over our head and seldom leave the house.
We suffer from all kinds of anxieties and phobias.
We feel panicky or disorientated most of the time.
We may be extremely sensitive to sounds.
We may be wearing a fake smile or use drugs to cover up that on the inside we have long been falling apart.
There may be heart disease or high blood pressure  or a loss of hearing  or a total breakdown of the libido.
We may see depression or trauma or love sickness or madness, a change of personality or weird behaviour.

The medicine of the soul looks at trauma, curse, abuse, betrayal or abandonment from a spiritual point of view.
At the Rothenburg Congress of TCM 2014 and at the Scandinavian Congress of TCM 2014 I will give some introductions into this kind of medicine.

 

What do we do in cases of insult, trauma, curse, abuse, envy, betrayal or abandonment?

First of all we need to understand what is happening. This is the difficult part.

Then, in some cases we will be able to let the evil out from behind. Moxa and cupping are great resources.
More often than not we will not be able to reach the disease from the Taiyang. In the case of soul-loss we will have to work from the inside out. The inside of “Taiyang-Cold Water” is “Shaoyin- Imperial fire”-the Heart and Kidney meridians.

These two meridians of fire and water can work magic in the treatment of depression, trauma, soul-loss and a cold heart.

They can:

  • Stir the kidney fire and send it up to the heart again.
  • De-block and open the heart when it is shut down by coldness and evil (spirit- possession).
  • Send the soul back to earlier times or incarnations and bring it back from there again.

Whether you are new to acupuncture or an „old hand“ at the needle:
The medicine of the soul is a way to look at things you already know quite well from a completely new angle.

Heilen lernen,Teil 4

Teil 4 meines Hauptvortrages auf dem ASA Kongress, 2012 in Solothurn über Heilung als Wiederherstellung der Harmonie zwischen Himmel und Erde

Schmerzen und schwere Krankheiten sind Geburtsschmerzen der Seele.

In dem 2000 Jahre alten Medizinklassiker Neijing (Lingshu 27) heißt es:

„Wenn jemand Schmerzen hat, kehrt Shen zurück, wenn Shen zurückkehrt, entsteht Hitze.“
Es kann sehr schmerzvoll sein, wenn die Seele zurückkehrt. Gelegentlich braucht die Seele Geburtshilfe durch einen anderen Menschen… … und durch Nadeln.
Doch wie tun wir dies?
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Heilen lernen, Teil 3

Teil 3 meines Hauptvortrages auf dem ASA Kongress, 2012 in Solothurn über Heilung als Wiederherstellung der Harmonie zwischen Himmel und Erde

Was tun? Wie beginnen Sie eine Heilung?

Um effektiv zu handeln, auch zu be- handeln, versetzen Sie sich in einen freundlich kindlichen Zustand, am besten in Trance, und überlassen sich dem Fluss des Dao.
Es kann eine Weile dauern, vor allem, weil es eine Weile dauert, bis Sie begreifen, dass es wirklich so einfach ist.

Am Anfang sehen Sie vielleicht noch einen festen Körper mit Krankheiten.
Nach und nach lösen Sie ihn in Regeln und Akupunkturpunkte und Qi Ströme auf und werden von all dem zunehmend verwirrt.
Sie ergeben sich und hören auf nachzudenken. Sie vertrauen sich dem Fluss an.
Ihr Unterbewusstsein, ihre Anbindung an das kosmische Shen Qi übernimmt die Führung.

Um zu illustrieren, wie einfach das ist, hat der Daoist Zhuangzi in einer wunderbaren Geschichte ein Beispiel gewählt, bei dem zunächst niemand an große Gelehrsamkeit oder Verfeinerung denkt.  Einen Fleischermeister.

Die Menschen fragten den Fleischermeister Ding, wie es käme, dass er in Windeseile einen Ochsen zerteilen könne, ohne dass seine Messer jemals stumpf würden.

Dies ist seine Erklärung:
„Was ich liebe, ist das Dao. Es übertrifft die Technik.
Am Anfang, als ich begann, Ochsen zu zerlegen, sah ich zunächst nichts, außer Ochsen.
Nach drei Jahren sah ich keinen unzerteilten Ochsen mehr.
Heute begegne ich dem Ochsen mit meinem Shen. Ich sehe ihn nicht mehr mit meinen Augen. Die Erkenntnis meiner Sinne hört auf und mein Shen zirkuliert, wie es ihm gefällt.
Ich folge den natürlichen Strukturen des Ochsen, schneide dort, wo schon große Spalten sind, führe die Klinge durch die großen Höhlungen, sodass ich der festgelegten Natur des Ochsen folge.“

heil sein heißt heiles Shen
Lassen Sie ihre Hände über die Patienten schweben. Folgen Sie den Linien und Strömen und wenn Sie einen Punkt finden, wo es knäuelt oder Leere herrscht, führen Sie ihre Nadel hinein und schubsen Sie das Qi dorthin, wo es hinfließen möchte. Alltägliche Qi Stagnationen, Blockaden und Krankheiten beheben Sie auf diese Weise im Handumdrehen.

Es gibt allerdings Patienten, bei denen geschieht nichts.
Sie sind verzweifelt und depressiv oder vollkommen gefühllos.
Sie haben schreckliche Schmerzen.
Sie kommen mit einer  Diagnose, die ihnen jegliche Hoffnung geraubt hat und es gibt kein tödlicheres Gift als die Angst.

Die chinesische Medizin lehrt uns, dass dort, wo das Shen Qi gegangen ist, jedes Bemühen nutzlos ist.
„Wer Shen hat, wird leben. Wer Shen verliert, wird sterben.“

Bewusstsein- Shen ist nicht die Psyche der Psychotherapie. Die Psychotherapie behandelt unsere Gedanken und Emotionen. Diese sind aber, genau wie unser Körper, nur Ausdruck der dahinter wirkenden Bewusstheit, der eigentlichen Schöpferin unserer Realität, des Shen Qi.
Wenn wir in Verbindung mit dem kosmischen Shen Qi treten, heißt diese Bewegung hun- Hauchseele. Kehren wir in unseren festen Körper zurück, heißt dies Po- Körperseele.
Auf solche Feinheiten verzichte ich heute.
Statt von Bewusstsein, shen, hun, po usw, werde ich einfach von Seele sprechen.

Seelenverlust und Trauma
Was geschieht, wenn diese Seele, oder Teile davon, verloren gehen?

Die Vorstellung von einer verlorenen Seele findet sich bei vielen Völkern. Menschen mit Seelenverlust sind oft körperlich gesund und psychisch funktionell. Sie führen meist ein vollkommen normales, oft sehr erfolgreiches Leben. Doch dabei fühlen sie sich zutiefst hoffnungslos, ziellos, wie ausgesetzt in einer fremden Welt, einsam, getrieben.
Sie leiden unter Erinnerungslücken, Ängsten und vielfältigen dissoziativen Symptomen. Seltsame Symptome, die von Piaget unter der Bezeichnung Hysterie zusammengefasst wurden.

Menschen mit Seelenverlust leiden oft unter Essstörungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Depressionen, Schlafstörungen, neurologisch unlogischen Schmerzen und Empfindungsstörungen, chronischer Müdigkeit, Burnout und all dem anderen Zeug, das schulmedizinisch wenig Sinn ergibt.

Sie kommen überdurchschnittlich häufig in unsere Behandlung.

In dem 2000 Jahre alten Medizinklassiker Neijing wird ein ähnliches Bild beschrieben, als Folge von Kälte.
Im Suwen (Kap 3) steht:
„Wenn Kälte eingedrungen ist, so ist man in seinen Bewegungen nicht wendig, während des Wachseins und Schlafens befindet man sich immer in Alarmbereitschaft. Das Shen Qi schwebt an der Oberfläche.“

Nicht-wendige Bewegungen lassen an Menschen denken, die etwas Unbeholfenes haben, sich nicht recht  am Platz fühlen, bei denen alles irgendwie schief läuft. Hinzu kommt die Dauererregung, die latente Angst. Eine gewisse Geistes- Abwesenheit.

Dies ist eine sehr treffende Beschreibung eines traumatisierten Menschen, eines Menschen mit Seelenverlust.
Und die Kälte ist offensichtlich nicht die Kälte des Winters sondern die Kälte des dorsovagalen Reflexes – der dritten Möglichkeit , neben fight oder flight auf ein Trauma zu reagieren:  freeze- Todesstarre!

Sie sehen: Was wir heute als Trauma bezeichnen, nannten die alten Chinesen schlicht bösartige Kälte.
Ein Trauma muss nicht immer ein großes Ereignis wie Krieg oder Missbrauch sein. Bei innerer Leere und Empfänglichkeit, vor allem bei Kindern, genügt auch ein kleineres Übel, um großen Schaden anzurichten.

Seele zurücksingen
Die Seele drängt es, sich wieder zu vereinen.

Im alten China sangen Schamanen die Seele zurück. Im Süden entstand eine ganze Literaturgattung um diese sehnsuchtsvollen Lieder.
(Diese wundervollen Lieder waren mir eine große Inspiration bei meinem Roman über eine chinesische Schamanin aus dem dritten Jahrhundert)
Ich denke,  die traurigen Lieder, Gedichte und Kunstwerke der Welt drücken die gleiche Sehnsucht aus. Der Tango entstand so. Die Mystik.
Die Intensität unserer Sehnsucht ist die Intensität der Liebe Gottes zu uns, sagte der Mystiker Rumi.

Die lange Nacht der Seele und schwere Krankheit
Viele Menschen begeben sich allein auf einen sehr schweren Weg zurück zu ihrer Seele.
Eine tiefe Verzweiflung, die lange dunkle Nacht der Seele,  können Ausdruck dieser Sehnsucht sein.
Früher oder später wird die Seele sich heilen.
Nicht immer verläuft der Prozess sanft und schmerzlos.
Nicht immer überlebt der Körper.

Wie wir in alten Büchern lesen, sinkt das Qi bei Angst hinab, bei Wut steigt es auf. Manchmal verknäueln sich beide Qi Formen und führen zu Knoten und Geschwüren. Schleim, Stasen und Kälte bringen den Fluss zum Erliegen. Totes Qi stockt in den Leitbahnen.
Das Ergebnis sind schwere, schmerzhafte, teils tödlich verlaufende, körperliche Krankheiten.
Warum ausgerechnet ich, fragen sie sich. Ich war ein guter Mensch.

Hier ist meine Antwort:
Solche Krankheiten sind Geburtsschmerzen der Seele.

Im Lingshu 27 heißt es
„Wenn jemand Schmerzen hat, kehrt Shen zurück, wenn Shen zurückkehrt, entsteht Hitze.“
Dieser Prozess kann sehr hart sein. Gelegentlich braucht die Seele Geburtshilfe durch einen anderen Menschen… … und durch Nadeln.

Fortsetzung folgt

Hauptvortrag Christine Li: Heilen lernen

Liebe Kolleginnen und Kollegen aus Europa (und natürlich auch all die, die sich für die magischen Beziehungen zwischen Himmel und Erde und die Mechanismen der Heilung interessieren).
auf vielfachen Wunsch veröffentliche ich hier noch einmal eine schriftliche Version meines Hauptvortrages auf dem diesjährigen ASA Kongress in Solothurn. Es waren anregende und inspirierende Augenblicke mit Ihnen. Lieben Dank, Christine Li

Heilen lernen, Teil 1

Ich bin sehr gerührt, dass so viele hier sitzen, um mir zuzuhören.  Vermutlich könnten viele von Ihnen hier oben stehen.
Sie alle haben ihre Erfahrungen mit Krankheit und mit Heilung gemacht.
Sie sitzen hier, weil die Prozesse um Heilung und Krankheit Sie faszinieren.
Sie haben alle ihre eigenen Fragen und Antworten dazu.

Da nun aber ich hier stehe, …und ich hoffe, die liebenswürdigen Veranstalter dieses Kongresses werden dies nicht bereuen…,
werde ich ihnen erzählen, welche der vielen möglichen Fragen und Antworten mich zurzeit beschäftigen:
Ich begann vor circa 30 Jahren als Chinawissenschaftlerin und Ethnologin mit Schwerpunkt Medizin und Heilung. Dieser Schwerpunkt nahm überhand und ich schrieb mich für Medizin ein.

Ich erwartete das Schlimmste. Meine Erwartungen wurden übertroffen: Alles drehte sich um Krankheiten, die mit allen Mitteln gestoppt, unterbrochen oder zumindest verlangsamt werden mussten.
Als ob der Mensch kein lebendiger  Bewusstseinsprozess sondern vielmehr eine etwas dümmliche Maschine sei.

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Wenn die Seele davonfliegt

 

Seelen gehen gerne auf Reisen und dagegen ist auch nichts einzuwenden.
Seelenverlust – wenn die Seele davongeflogen ist und nicht wiederkehrt – ist der schmerzlichste Zustand, den es gibt.
Das Schmerzlichste daran ist, dass die meisten Menschen es nicht wahrnehmen und daher auch nichts dagegen tun.
Sie laufen einfach durch ihr Leben und nichts ist gut. Gar nichts.
Sie fühlen sich einsam und allein. Von aller Welt verlassen. Von allen guten Geistern noch dazu. Sie kaufen unnötigen Kram. Konsumieren unnötige Substanzen. Hängen in schrecklichen Beziehungen fest. Nichts ist gut und nichts hilft.

Wer sehen kann, sieht die dunkle Wolke, die solche Menschen umgibt, das klaffende Loch in der Brust. Die traurigen, leeren Augen.
Wer nicht sehen kann, sieht einen gestressten, angespannten, hoffnungslosen oder bitteren Menschen.

Unzählige Märchen und Legenden erzählen von diesem Zustand. Der „verkaufte Schatten“ zum Beispiel. Aber wer mag sich heute noch mit solchen Dingen identifizieren. Dabei ist in diesen Märchen alles gesagt und noch dazu auf magisch, symbolische Weise, in einer Sprache also, die unser Innerstes versteht.

Märchen sind die älteste Form der Medizin, in ihnen lebt unsere eigene schamanische Tradition bis heute.
Ich wage zu behaupten, dass all die Prinzessinnen und Prinzen, die in Märchen gesucht werden (und im wahren Leben ja auch), nichts weiter sind als unsere Seele.
Was ist bei Seelenverlust geschehen?
Bei großem Schreck (Trauma!) erheben sich Seelenanteile in die Lüfte. Dies wird von allen schamanischen Traditionen der Welt ähnlich erklärt und behandelt, indem man die Seelen zurückholt.
Die chinesische Medizin hat die Ideen ihrer Vorgänger, der Schamanen, nicht vergessen, sondern übernommen und verfeinert. Chinesisch gesehen haben wir eine ganze Menge unterschiedlicher Seelen:
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Von Leuten, die wirklich krank sind. Wirklich. Wirklich!

 

Die letzten Helden

Wer immer sich längere Zeit mit den Wegen der Krankheiten befasst, stößt früher oder später auf den Begriff: Sekundärer Krankheitsgewinn.

Einleuchtend genug ist die Idee. In den Lehrbüchern stellt sie sich so dar: Der kleine Junge, den sonst niemand groß beachtet, bekommt Bauchweh. Er muss nicht zur Schule, wo ihn alle hänseln, weil seine Nikes nur ein me-too Modell von Deichmann sind. Er muss keinen Vokabeltest schreiben. Stattdessen sitzt seine Mama am Bett und streichelt ihn und kocht ihm süßen Brei mit heißen Kirschen und liest ihm stundenlang vor. Dabei trägt sie natürlich eine karierte Schürze, wie alle guten Mamis.
Etwas älter geworden, darf er einfach in alten Sweats auf der Couch liegen. Die besorgte Freundin kommt ihn besuchen und bringt ihm biologische Säfte, statt ihn einen unverbesserlichen Slacker zu nennen. Er muss sich noch nicht einmal ins verhasste Fitnesscenter schleppen. Im besten Fall bekommt er Krankentagegeld und natürlich sind seine Kollegen nett und rücksichtsvoll und erledigen all seine Arbeit, ohne daraus zu schließen, er sei eigentlich überflüssig.
Kranke Frauen bekommen außerdem riesige Liliensträuße.
Ich nenne es das viktorianische Modell, denn in Illustrationen dieser krankheitsbesessenen Epoche finden sich solch rührende Szenen von weinenden Verwandten und verzweifelten Geliebten, die sich mit Suppe und Opiumpastillen um einen armen Kranken scharen, in großer Zahl.

Die Menschen, die ich kenne, profitieren nicht von ihren Krankheiten. Weiterlesen