Mein magisch-historischer Roman: Der Ruf des Kormorans

Nach vielen Jahren Arbeit ist er fertig.

Mein Roman über die stumme Ärztin Abalone und ihre Reise durch das China des vierten Jahrhunderts auf der Suche nach dem verlorenen Wissen ihrer unbekannten Vorfahren.

0.                                                   Die Brücke des Scharlachroten Vogels

Die Innere Stadt lag unerreichbar im Dunkel der anderen Seite.  Das Wasser unter der Brücke des Scharlachroten Vogels glänzte wie schwarzer  Lack, darüber hing ein Himmel aus geschmolzenem  Blei. In der Ferne tanzten Russdrachen über einsamen Dungfeuern. Es roch kalt. Der runde Mond verbarg sich hinter silbrigen Schleiern.

Ich kauerte im Morast und knetete einen eisigen Fuß, während der andere glucksend versank. Gelegentlich sprang ein schlafloser Fisch und jedes Mal raste mein Herz. 
Ich musste etwas Harmloses denken. Filzstiefel statt der dünnen goldbestickten Schuhe. Warme, trockene  Filzstiefel mit Sohlen aus Büffelleder. Stiefel, wie die Soldaten sie trugen. 

Falscher Gedanke. 
Meine kalten Finger drückten auf die Augen um die Bilder zu löschen. Vergebens. Ich spürte die grobe Hand in meine Haare fahren und den Kopf in einen Kessel Teer stoßen. Ich hörte ihre rauhen Stimmen und spürte die Erde Schaufel um Schaufel auf meine Brust prasseln. Flammen loderten aus den Haaren. Die Augen verkochten und platzten dann. Lebende Fackeln nannten sie das.
Es war die Strafe. 
Fröstelnd schlang ich die Arme um meine Knie und barg die Ohren zwischen den Schultern.

Überall im Lande tobten blutige Aufstände und erbarmungslose Kriege. Im Norden hatten die fünf Hunnenvölker unsere unvergleichliche Hauptstadt Luoyang in ein Meer von Blut und Flammen verwandelt. Die neue Hauptstadt, unser kleines Jiankang, quoll über von Flüchtlingen. Es mangelte an Nahrung und sauberem Wasser. Seuchen breiteten sich aus. Räuber und fremde Völker beherrschten große Teile des Landes. Flussaufwärts lagerten rebellische Generäle und bedrohten die Stadt.  

Was taten die Soldaten des Ministers? Sie jagten mich.

Wegen eines Kochrezeptes. Aal mit Wasserkastanien. Vielleicht hatte Minister Wang bei einem seiner Bankette zuviel Pulver geschluckt. Warum sonst sollte der beinahe mächtigste Mann der Welt mich jagen lassen?
Weil er Angst hat vor dir, hätte Mali gesagt. Mali, die niemals schläft, hatte ihre eigene Art die Dinge zu betrachten. Ich hätte niemals auf sie hören sollen!
Jeder Mensch hatte seinen Platz im Leben. Viele Jahre hatte ich mich an die Regeln gehalten und hatte ich es nicht gut gehabt? Feines Essen, seidene Kleidung, ein eigener kleiner Kohleofen. Warum war das mit einem Mal nicht mehr genug gewesen?
 
Der  Morast gluckste und schmatzte. Ich zitterte wie ein verlorenes Vogelküken. Sollte ich tiefer ins Schilf kriechen und mich verbergen oder sollte ich mich durch Rascheln und Knistern bemerkbar machen? Wer würde mich zuerst finden? Die Soldaten oder die anderen? Vor wem sollte ich mich mehr fürchten? Doch zum ersten Mal in meinem Leben sagte mir niemand, was ich tun sollte.

3 Gedanken zu “Mein magisch-historischer Roman: Der Ruf des Kormorans

    • Liebe Frau Moosmann Felkel,

      ganz herzlichen Dank für Ihr Interesse. Im Augenblick erlebt der Roman noch seine letzte Politur. Es dauert noch eine Weile. Aber ich freue mich schon sehr auf das Buch.
      Liebe Grüße,
      Christine Li

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