Die fünf Formen der Seele

14. Teil des Vortrages vom Hamburger Qi Gong Kongress

Shen- Qi und die fünf Formen der Seele

(Eine extrem kurze Erklärung chinesischer Seelenvorstellungen aus dem Vortrag für Laien anlässlich des Hamburger Qi Gong Kongresses.
Fachleute interessieren sich vielleicht eher für mein Skript vom 45. internationalen TCM Kongress. Hier geht es um chinesische Seelenarbeit mit Akupunktur, um Schamanismus, Ekstase, Trauma und um andere Arten von Bewusstseinsarbeit Demnächst als pdf.)

Wenn alles eins ist, brauchen wir Seele und Qi auch nicht zu unterscheiden, werden Sie einwenden.
Genau so ist es.

Seele ist Qi, von innen betrachtet.
Innen und außen- Yin und Yang.

Die heutigen Chinesen sprechen daher auch einfach von Shen- Qi.

Die Seele- shen- wandelt sich. Genau wie das Qi.

Absenken
Schließen
Anheben
Öffnen.
Dazwischen die harmonisierende Mitte.

Es sieht so aus, als ob die Seele unterschiedliche Zustände erlebt. Die Chinesen haben eine ganze Reihe von Namen für diese Seelenformen.
Hier begegnen sich viele unterschiedliche Mythen und Traditionen. Das Ganze ist also nicht so geradlinig, wie ich es jetzt darstelle wird.
Die Sinologinnen mögen mir diese Vereinfachung verzeihen.

Was ich beschreibe, sind Bilder, die sich irgendwo im leeren Raum zwischen meiner Arbeit mit Seelen und meinem endlosen Wälzen alter chinesischer Bücher herauskristallisiert  haben.
Es sind Bilder, die meine Klienten und ich immer wieder erlebt haben.

Die fünf Seelen heißen:

  • po: absenken. Sieben dunkle mondlichtartige Po Seelen, deren Licht in der Nacht zur Erde hinabsinkt. Sie haben viel mit unserer Anbindung an die Erde zu tun. Dem Auftanken in der Nacht. Dem Körpergefühl. Unseren inneren Rhythmen und Zyklen. Verlieren wir sie, so verlieren wir Teile unserer Kraft, Vitalität und Entschlossenheit.
  • hun: anheben. Drei luftige, verträumte, gefühlvolle und  wolkenartige Hun Seelen, die zum Himmel schweben wollen. Bleibt sie dort, werden die Menschen geistesabwesend und verlieren  den Kontakt zur menschlichen Umgebung. Solche Menschen schlafwandeln vielleicht oder haben bunte und wilde Träume, die ihnen oft wichtiger sind als die Realität, die ihnen grau und leblos erscheint.
  • shen: öffnen. Die Seele, die den Himmel berührt, ist unser höheres Bewusstsein. Unser heiliger Kompass. Shen wohnt im Herzen und blitzt uns aus den Augen entgegen. Shen verlässt uns niemals ganz, denn dann würden wir buchstäblich den Verstand verlieren und sterben.
  • jing: schließen. In unseren Nieren wohnt die Essenz- Jing. Sie ist das, was wir von Geburt an sind und zu dem wir werden. Wenn es in der Geschichte von Pan Gu heißt, seine Füße stemmten sich fest in die Erde, dann ist dies gemeint. Ist die Essenz gefestigt, fliegen die Seelen nicht so leicht davon. Solche Menschen haben große innere Stärke und können sehr viel ertragen, ohne ihre Menschlichkeit zu verlieren. Sie sind wehrhaft und ihr Körper reagiert instinktiv mit großer Stärke auf Angriffe voin Außen.
    Helden brauchen eine starke Essenz.
    Wenn unsere Essenz geschädigt wird, durch üble Worte, falsche Glaubenssätze und ergriffige Erziehung, aber auch durch Medikamente und Drogen und zerstörerische sexuelle Beziehungen, verlieren wir diese Macht. Das heißt, wir werden ohnmächtig und das Leben entgleitet uns, ohne dass wir uns realisieren können.
    Über dieses Thema halte ich im September 2014 einen Vortrag auf dem skandinavischen TCM Kongress.
  • yi: harmonisieren. In der nährende Mitte, der gelben Erde, ruht die Gedankenseele. Wie heißt es so schön: Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen.Die Mitte harmonisiert nicht nur das Qi, sondern, und dies ist das Gleiche, auch all unsere Seelenaspekte. Die Gedankenseele nennen wir Intention. Intention bündelt unser Shen Qi und hilft uns, Dinge zu kreiieren, indem sie ihnen eine Bedeutung gibt, sie benennt.
    Und Worte sind magisch.

(zurück zum Inhaltsverzeichnis des Vortrages über Glück und Gesundheit, Qi und Seele in der chinesischen Medizin)

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