Guter Sex- Schlechter Sex: Chinesisch gesehen.

Schlechter Sex macht krank

Über Yin Leere nach dem Orgasmus habe ich schon einmal geschrieben. Ich erhalte viel Leserinnen Post darüber. Die meisten meiner Leserinnen wundern sich darüber, sind ziemlich ratlos und vor allem allein. Eigentlich ist das Problem aber nicht so ungewöhnlich. Hierzulande mag nur niemand darüber reden oder gar fragen, weil doch offensichtlich alle anderen eh schon alles über Sex wissen.
Woher eigentlich? Aus dem Porno- Kanal? Dem Fernsehen? Der Schule?
Die meisten wissen also herzlich wenig und da dies mit zunehmendem Alter immer peinlicher ist, fragt auch keiner mal nach. Wer aber nicht fragt, bleibt dumm!

Hier also noch einmal:
Schlechter oder ungeschickter Sex macht:

  • Infektanfälligkeit (schwaches Immunsystem)
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Ohrgeräusche
  • Tinnitus
  • Weinerlichkeit
  • Schweißausbrüche
  • Nervosität
  • Nasenbluten

Was aber ist guter Sex?

Was krank macht, ist vor allem Sex mit zu viel Essenzverlust. Also genau die Art von Sex, die wir hierzulande „guten Sex“ zu nennen pflegen (multipe Orgasmen, bitteschön. Olympische Orgasmusrekorde!)
Masturbation ist auch Essenzverlust. Vor dem Bildschirm (Strahlenbelastung) noch mehr, möchte ich behaupten. Im alten China wurde jedenfalls vor ähnlichen Situationen  (Gewittern, Stürmen, Sonnenfinsternissen) im Zusammenhang mit Sex gewarnt.
Es wurde auch stark davor gewarnt, sich künstlich zu erregen.
Internet-Sex ist so betrachtet wohl doch nicht die Lösung.

Der Impuls für Sex sollte spontan enstehen und nicht durch Stimulantien und stimulierende Bilder kommen. Durch spontane Erregung wird die Essenz des Menschen zu sogenannten „heißen Dämpfen“. Die heißen Dämpfe von Mann und Frau vermischen sich beim Sex in einem alchimistischen Prozess. Mann und Frau werden dadurch innig miteinander verbunden und gestärkt.
Anstatt möglichst oft zu ejakulieren und die Orgasmen zu zählen, sollten Paare lieber mal auf die Uhr sehen: Im alten China gab es Menschen, die stundenlangen Sex ausübten, um die Unsterblichkeit zu finden und auch heute ist dies möglich. Der stundenlange Sex auf jeden Fall. Die Unsterblichkeit zu erreichen ist wohl kniffliger.

Impotenz: keine Frage des Alters

Schlechter Sex macht nicht nur krank. Er macht auch impotent. Häufiger Essenzverlust, das heißt schlechter, hektischer oder alkoholisierter, künstlich erregter Sex und häufige Masturbation können nach Meinung der chinesischen Medizin auch zu Impotenz führen. Ich würde dies nicht so ohne Weiteres mit einem Lächeln abtun:
Die Chinesische Medizin versteht eine Menge von Sex. Es gibt wohl keine bessere und ausgeklügeltere Medizin für Störungen der Sexualität als die chinesische. 

Zusammen mit den alten Chinesen muss also gesagt werden: Mit dem Alter hat Impotenz nichts zu tun. Während wir hierzulande der Meinung sind, Männer ab vierzig haben zunehmend selten Sex und ab fünfzig geht ohne Viagra nichts mehr, waren die alten Chinesen absolut nicht dieser Ansicht. Sex war keine Altersfrage. Nur die Ejakulationen wurden seltener. Die Potenz der Männer blieb mit etwas Pflege, das heißt mit gutem Sex und stärkenden Pflanzentonika, immer erhalten.
Sex wurde sogar zur Lebensverlängerung verwendet. Hormontherapie chinesisch.

Also noch einmal. Guter Sex wird mit dem Alter besser.
Bei Frauen ohnehin. Ab vierzig Wölfinnen, ab fünfzig Tigerinnen- lautet ein Sprichwort.
(Mehr darüber steht im „Weg der Kaiserin- jetzt auch auf Englisch: The path of the Empress.)

Schlechter Sex hingegen, wie schon gesagt: Nicht gut. Vor allem, wenn Mensch so tut, als gäb es kein Problem.

Aber es gibt Paare, die sind sensibel genug, sich selbst wahrzunehmen und mutig, einmal nachzufragen und wenn sie sich dann auch noch so lieben, dann sind die Aussichten rosig.
La vie en rose!

Hier mal wieder einer der vielen lieben Leserinnen- Briefe, die mich täglich erreichen:

(ich habe ihn anonymisiert, versteht sich!)
Sehr geehrte Frau Bodenschatz-Li,

mit großer Begeisterung habe ich mit 14 ihr Buch „Der Weg der
Kaiserin“ gelesen und es begleitet mich seit dem in meinem Leben als
große Inspirationsquelle.
Ich hab mich über die Jahre weiterhin mit Begeisterung mit
chinesischer Medizin beschäftigt und habe darin eine wahre
Bereicherung in meinem Leben erfahren.
Hierfür wollte ich mich zuallererst bei Ihnen bedanken!

Seit knapp einem halben Jahr nun bin ich in einer wunderbaren, sehr
tiefgehenden Liebesbeziehung. Obwohl unsere Sexualität sehr
respektvoll, zärtlich und fürsorglich ist, habe ich dennoch das
Gefühl, dass sie uns nicht immer gut tut.
Wir haben defintiv eine sehr positive Entwicklung durchgemacht, doch
habe ich noch immer das Gefühl, dass etwas „nicht stimmt“.

Ich habe mich nach Literatur umgesehen, die Sexualität & TCM betrifft,
bin jedoch immer nur auf Bücher gestoßen die von Männern (und wie mir
scheint für Männer) verfasst wurden.
Ich wollte Sie um Rat fragen, auf welche Art ich mir „altes Wissen“
über Frauenmedizin und Sexualität aneignen kann, die mich und meinen
Geliebten stärkt.
Ich rede offen mit meinem Freund darüber, doch ihm geht es genauso wie mir.

Ich wünsche mir für uns eine Sexualität die uns stärkt und die uns gut tut.
Es macht mich aber traurig, sehr oft das Gegenteil zu erleben, obwohl
wir uns so sehr lieben.
Nachdem wir uns geliebt haben, fühlen wir uns beide eher schwach,
ausgelaugt und sind sogar anfällig für Krankheiten.

Also, um auf den Punkt zu kommen. Ich weiß dass mein Freund der
richtige (junge) Mann für mich ist, daran besteht kein Zweifel.
Trotzdem habe ich das Gefühl, sehr viel Energie zu verlieren und denke,
ihm geht es genauso.
Ich weiß nicht, wie ich dem entgegenwirken kann und bitte Sie um Rat.

Ich würde mich freuen von Ihnen zu hören.

Mit freundlichsten Grüßen, großer Bewunderung und ehrwürdigem Respekt,

X

Liebe X,

herzlichen Dank für Ihren Brief und Ihr Vertrauen.

Es gibt tatsächlich ein paar Bücher über daoistischen Sex in westlichen Sprachen. Meistens geht es aber darin um die Männer, das Zurückhalten des Spermas und multiple Orgasmen. Da haben Sie ganz recht.

Daoistische Nonnen haben über sehr weitreichendes Sex-Wissen verfügt und dieses auch praktiziert. Sex war daoistischen Mönchen und Nonnen verboten, solange sie nicht in der Lage waren, ihr Qi zu führen. Danach war er in geheimen und sehr esoterischen Zeremonien auch zwischen Mönchen und Nonnen wieder erlaubt.

Im Wesentlichen geht es darum, beim Orgasmus die Essenz im Kleinen Kreislauf herumzuführen. Das heißt, vorne hinunter bis zum Damm und dann durch das Steißbein wieder nach obenbis zum Scheitel. Die Vorübung dafür ist das Yin-Versiegeln, wie wir es auch im Buch: Der Weg der Kaiserin beschrieben haben.
Der Kleine Kreislauf wird in vielen Anfängerkursen für Qi Gong unterrichtet. Sie können Ihn auch einfach googlen. Üben Sie das solange, bis es quasi automatisch mit der Atmung wird. Diese Atmung können Sie dann, aber erst dann, gemeinsam während des Sexes durchführen. Beim Orgasmus führen Sie dann nicht nur ihr eigenes Qi sondern auch das des Partners mit nach oben. Dieser tut das gleiche. Sie tauschen also ihre Essenz miteinander aus. Dies geht sowohl über die Genitalien als auch über den Mund und die Zunge. Dabei entstehen dann verschiedene Kreisläufe. Im Prinzip ist dies aber auch dann immer der „Kleine Kreislauf des Qi Gong“.
Dies ist ein alchimistischer Prozess, beim dem Sie beide erneuert und gestärkt werden. Es gibt ein sehr intensives und ruhiges gemeinsames Erleben und schwächt nicht. Im Gegenteil wurde es einst praktizert, um Unsterblichkeit zu erlangen.
Da diese Praxis langes Üben, viel Ruhe und große Intimität erfordert, haben sie wohl nur wenige Paare in dieser Form realisieren können. Im alten China wurde stattdessen oft ganz von Sex abgeraten, bzw die Männer sollten zumindest nicht ejakulieren.
Die Störungen nach dem Orgasmus sind zahllos und es wundert mich, dass hierzulande niemand darüber sprechen mag. Wir sind eben doch recht verklemmt.

Zurück zu unserer Übung: So, wie Sie Ihre Liebe beschreiben, haben Sie die besten Voraussetzungen, es mit der Übung zu versuchen.

Sollten Sie dennoch weiterhin beim Sex zuviel Essenz verlieren, gibt es dafür spezielle Kräutermischungen, die Ihr Yin stärken und verhindern, dass Sie sich ganz und gar verlieren. Schreiben Sie mir gerne, wenn Sie noch Fragen haben!

viel Liebe,
Christine Li

9 Gedanken zu “Guter Sex- Schlechter Sex: Chinesisch gesehen.

  1. Liebe Frau Li, es freut mich , wieder von Ihnen lesen zu können. Sie treffen immer genau den Punkt und ich fühle mich sehr verstanden.
    Zum Sex-Report : mir gefällt sehr gut das Buch von Doris Christinger und Peter A. Schröter: Vom
    Nehmen und Genommenwerden. Vielleicht was für Ihre Patientin ???
    Herzlichen Gruß,
    xy.

  2. Dear Dr. Christine Li,
    You have done a lot in TCM, i would like to know if you would like to come to Basel to give TCM Seminars in either 2015 or 16?
    Of course, you speak in German.
    Many thank for your attention, in the interim,
    I remain,
    Yours truly,
    Kian Yong Toh

    • Dear Kian Yong Toh,

      I am looking forward to our classes in Basel. In the meantime there will be a couple of classes in other cities and I am working on a book about „Medicine of the soul“.
      And of course we will meet at the international congress in Rothenburg in May.
      Sincerely,
      Christine Li

  3. Danke für den tollen und aufklärenden Artikel. Ich bin froh, dass der Sex in unserer Beziehung so problemlos läuft und wir sowohl über Probleme sprechen, als auch auf den Partner eingehen können. Gerade heutzutage wird in der schnelllebigen Welt so viel abverlangt, dass viele Menschen ihre Probleme mit ins Bett nehmen, wo sie nichts verloren haben. Trotzdem bin ich dankbar für die tollen Wort hier und bleibe treuer Leser. 🙂

    • Danke auch für den netten Kommentar. Das stimmt allerdings, dass den Menschen heutzutage viel abverlangt wird. da ist so mancher überfordert. Umso besser, wenn trotzdem „alles“ klappt. Ich hoffe, Sie schauen gerne wieder hier rein. Alles Liebe, christine Li

    • Danke für den netten Kommentar. Es ist wirklich wahr, dass den Menschen heutzutage viel abverlangt wird. Ein Wunder, wenn überhaupt noch „was“ klappt.
      Schauen Sie gerne mal wieder rein.
      Alles Liebe,
      Christine Li

  4. Liebe Christine Li,

    wo kann ich das Buch der Nonne finden, habe es gegoogelt, aber nichts gefunden…

    Danke für Ihre HIlfe.
    Herzliche Grüße
    Sarah

    • Liebe Sarah,
      Danke für IhrInteresse. Die Frage stellen viele Leserinnen des Weg der Kaiserin. 😉
      Das „Buch der Nonne“ gibt es nur im „Weg der Kaiserin„. Die Autorin bin ich.
      Beim Schreiben habe ich mich von alten chinesischen Quellen inspirieren lassen, vor allem vom Su Nü Jing, das ich in einer antiken japanischen Anthologie gefunden habe.
      Alles Liebe,
      Christine Li

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