Hoffnung

Hoffnung

Ob Hoffnung die wichtigste Medizin ist, wie gerne behauptet wird, weiß ich nicht. Aber jemandem die Hoffnung zu nehmen, zum Beispiel um die eigene Unbestechlichkeit und die Kenntnis „schlimmer“ Krankheiten zu beweisen, ist gemein, sehr gemein. Es ist narzistisch, unnötig und vernichtend. Warum nicht gleich ein Messer nehmen!

Ich spreche nicht von Lügen und Vertuschen und Herumdrucksen, wenn eine klare Auskunft auf eine klare Frage gefragt ist.
Ich spreche davon, dass Worte keine wertfreien Kommunikationsmittel sind, sondern Werkzeuge, mit denen wir die Welt gestalten.

Jeder weiß das.

„Wie strahlend du heute aussiehst!“, bewirkt fast unweigerlich ein Lächeln. Der gleiche Mensch, angesprochen mit: „Laß dich nicht so hängen!“ oder „Du siehst heute zum Kotzen aus.“, wird nicht lächeln, selbst dann nicht, wenn etwas in seinem Inneren nichts lieber täte, selbst dann nicht, wenn ein kleines Lächeln alles gewesen wäre, um seine Stimmung zu verbessern, selbst dann nicht, wenn er sich eigentlich gut gefühlt hatte und er nur vorübergehend sein Gesicht verzog, um einen Kekskrümmel zwischen den Zähnen hervorzufischen.
Nun ist er dazu verdammt, erst einmal böse vor sich hin zu schauen und sich schlecht zu fühlen. Was wir ja ohnehin sofort erkannt hatten.

Wenn unser angetrainiertes medizinisches Weltbild (gleichgültig welches) uns sagt, dass ein bestimmter Mensch in einer kniffligen Situation steckt (Krebs, endogene Psychose, vom Teufel besessen, von einer besonders mächtigen Hexe verflucht, Essenz total aufgebraucht), so ist das zuallererst unsere persönliche Meinung.
Es ist nicht mehr als das, ganz gleich, ob wir die dreiundzwanziste Inkarnation eines berühmten Lamas, ein dreifach promovierter Professor oder Besitzer eines seltenen Wolfsschädels sind.
Es ist unsere eigene, unmaßgebliche, vollkommen beliebige Meinung, gestützt auf ein mehr oder weniger von Menschen selbst gestricktes Weltbild.
Gestrickt von Menschen, die wir verehren und die daher eine gewisse hypnotische Macht über uns besitzen. Tönende Worte in unserem Kopf. Flüchtig, veränderlich, unser Privatvergnügen oder vielleicht unser Fluch.

Wir sollten uns dreimal überlegen, ob wir diese Meinung einer anderen Person an den Kopf werfen wollen wie einen Eimer voll giftiger Jauche. Vor allem dann, wenn diese Person sich krank und schwach fühlt und uns um Hilfe gebeten hat. Ängstliche Menschen sind leicht hypnotisierbar, umso mehr durch eine Person, der sie Autorität zugestehen. Hypnotisierbar heißt, unsere Worte sinken tief ins Unterbewusstsein und dort entfalten sie die ganze Macht des Unterbewusstseins, sich zu realisieren.

Worte wie: „Sie haben noch drei Monate zu leben“ oder „Ohne dieses Medikament wird ihre Krankheit einen grausigen Verlauf nehmen“ oder „Der Teufel in ihrem Inneren wird sie binnen drei Tagen ins Unglück stürzen“, haben ungewöhnlich gute Aussichten, wahr zu werden. Genau, wie wir gesagt hatten!
Dies liegt aber nicht an der tiefen Wahrheit unserer Worte, sondern an der Macht des Unbewussten.

Worte, die auf diese Weise ausgesprochen werden, sind wirksam, so wie Flüche zu allen Zeiten wirksam waren. Magie ist realer und alltäglicher, als wir denken, und wer anderen etwas Böses wünscht, wird selbst nicht ungeschoren davonkommen.
Wenn wir also meinen, jemand sei in einer kniffligen Lage, so tun wir gut daran, uns klar zu machen, dass dies in erster Linie unsere eigene Meinung ist, auch wenn wir dabei noch so sehr mit MRT Aufnahmen, Laborwerten oder Wolfsknochen herumwedeln.
Unsere Worte sind immer Medizin. Gut oder schlecht. Statt allen Menschen unsere Meinung mitzuteilen, sollten wir versuchen, unsere Medizin sorgfältig und liebevoll einzusetzen.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Hypnose, Liebe, meine Medizin von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

2 Gedanken zu “Hoffnung

  1. Hallo Christine
    Schöne Grüße .Ich freue mich wieder neues von Dir zu erfahren.
    Du gibst mir kraft und mut.
    Deine Veronica