Meisterin der Boshaftigkeit- die Hexe

In meinem Buch über das Heilen wird es ein Kapitel geben, in dem es um Boshaftigkeit geht. Boshaftigkeit. Ekligkeit, Miesheit. Gehässigkeit. Finster-drauf-sein.

Wir alle sind „böse“. JA. Auch Sie.
Sie mögen es Depression nennen.
Oder Neurose.
Oder die Folgen einer schweren Kindheit.
Oder Stoffwechselstörung. PMS. Hormonstörung. Burnout. Migräne. Rheuma. Gicht. Hammerzeh und Schmerzen beim Gehen.
In meinem Fall sind es zu viele schmerzgeplagte Klienten, die mich niederdrücken. Die sind schuld 😉

Tatsache ist: In solchen Zuständen verbreiten wir schlechte Stimmung. Bei sich. Bei anderen. Wir machen anderen ein schlechtes Gewissen, Schuldgefühle. Stecken sie mit Schwermut an. Vermiesen jede Party. Das ist doch böse. Oder nicht?

Oder was halten Sie davon, wenn sich jemand fragt: „Warum gerade ich, warum habe ich diese schlimme Krankheit. Warum gerade ich, die ich seit zwanzig Jahren vegan lebe, meinen Müll trenne, meinen Feinden verzeihe und in engem Kontakt mit mehreren Engeln stehe. Warum gerade ich, die ich drei kleine Kinder habe und noch so viel vor, warum nicht die alte Frau Schmidt, die eh allein ist und eh immer sterben will.“
Wer so denkt, oder fühlt, wünscht gerade eben einer armen alten Frau eine schwere Krankheit an den Hals. Das ist böse. Punkt.

Das Ärgerliche an der Boshaftigkeit ist: Sie will nicht weg. Sie klebt wie das halbaufgelöste Gummizeugs auf der Unterseite alter Teppichfliesen.

Oder was halten Sie davon, wenn Ihnen ihr Arzt oder Apotheker mitteilt, Sie müssten einfach nur entspannen, ein bisschen fröhlicher werden und die negativen Gedanken loswerden?
Oder Ihr Therapeut ihnen nahelegt, die garstige Vergangenheit zu vergessen und verzeihen zu lernen.
Die Freundin empfiehlt dann noch, einfach ein bisschen abzunehmen.
Einfach den Krebs schnell wieder los werden, empfiehlt komischerweise niemand.

Aber warum eigentlich nicht? Warum können wir Krebszellen nicht einfach loswerden?_ ??Laut derzeitiger Lehrmeinung sollen wir böse Gedanken, schlechte Erinnerungen und belastende Fettansammlungen mit ein wenig Willenskraft loswerden, aber Zellen, die noch nicht einmal so richtig unsere eigenen sind, nicht? Da wird mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen.

Krebs oder nicht: All diese gemeinen Dinge kleben wie besagtes Gummizeugs. ?Wir wollen sie vielleicht nicht. Aber je mehr wir rubbeln, umso besser kleben sie.

Wenn ihnen also in Zukunft jemand empfiehlt, ihre Sorgen, toten Angehörigen und Missbrauchserfahrungen, ihre Erinnerungen an den Ex und ihre Essstörung mal einfach ins Licht zu schicken, dann sagen Sie dieser Person, sie solle doch bitte selbst ins Licht gehen. ?

Sie brauchen sich nicht schuldig zu fühlen, wenn die allgemeine New-age Heiterkeit, das ganze Licht-und-Liebe Gedusel an Ihnen vorbeigeht. Sie brauchen keine Zettel mehr an den Spiegel zu kleben, von wegen das Universum habe Sie lieb und die Wohnung würde sich von selbst putzen. Sie brauchen auch nicht auf irgendwelche Engel zu hoffen, weil niemand sie liebt.

Vergessen sie diesen ganzen Kram erst einmal.

Am Rande bemerkt: Sie können sich übrigens selbst lieben. Das geht. Nicht bösartig schnauben. Es geht wirklich. Auch wenn es fast unmöglich erscheint, auch wenn Sie in ihrer Erinnerung noch nie geliebt worden sind. Aber über Einsamkeit und Selbsthass gibt es einen anderen Abschnitt im Buch über das Heilen. So wie über Gefühllosigkeit, Schmerz, Lähmung, Angst und eben all dieses hässliche Zeug. ?

Hier geht es jetzt mal nur um die Boshaftigkeit, oder das, was wir dafür halten.

Von der Dualität: Yin und Yang

??Die Weisheit des Yin-Yang Denkens lässt uns verstehen, dass nichts nur gut sein kann. Alles, was ins eine Extrem geht, wird, schwupps, auf der anderen Seite wieder heraus kommen. Aus der Dunkelheit geht der Tag hervor. Und umgekehrt.

Die große Einheit wird von uns als Dualität erlebt. Wie eine Münze brauchen wir beide Seiten. Licht und Schatten. Wäre dies nicht so, wären wir gar nicht da. ?Das wäre für viele kein Problem. Zumindest behaupten sie das. Sie würden viel lieber in die Einheit zurück. Irgendwo zu den Sternen.??Dort, in der Einheit, sind Gut und Böse nicht getrennt. Ein erster Schritt in diesen Zustand wäre, gut und böse auch hier auf der Erde nicht mehr zu trennen. Das heißt nicht, dass wir wehrlos sein sollen, wenn uns jemand böse behandelt. Wir dürfen uns ohne schlechtes Gewissen selbst behaupten und die eigene innere Boshaftigkeit liebevoll umarmen.

Hexen verstehen, was non-dual bedeutet

Die Menschen, denen dies gelingt, nennen wir Hexen. Hexen sind nicht „böse“ und nicht „gut“. Sie haben verstanden, was nicht-dual bedeutet. Auch wenn sie das Wort vielleicht noch nie gehört haben. Statt äußerer Moral folgen sie ihrer inneren Stimmen. Sie sind frei.

Kein Wunder, dass Hexen solchen Hass auf sich ziehen. ??Aber gibt es solche Menschen, Hexen, überhaupt? Dazu später.
Unsere eigene Aufspaltung beginnt meist früh, wenn wir versuchen lieb und brav zu sein, oder tapfer, oder nützlich, oder verständig- damit wir geliebt werden. Klappt nicht so gut. Ist ja bekannt. Später reden wir uns daher ein, wir müssten jetzt alle negativen Gedanken abschneiden. Nur noch Licht und Liebe sein. Da dies nicht möglich ist, verkrampfen wir recht bald bei diesem Versuch. Wir gehen anderen auf die Nerven und zwar tierisch und bei erstbester Gelegenheit hauen wir bösartige Sätze raus wie:

„Warum gerade ich! Warum widerfährt mir soviel Unheil? ?Warum begegne ich ständig gestörten Menschen? ?Warum gehen alle meine Beziehungen schief??Warum erkranke ich an dieser bösartigen Krankheit?“?

Ja. Warum? Könnte es sein, dass wir all diese Dinge und Erlebnisse brauchen, weil unsere eigene Boshaftigkeit in uns selbst keinen Platz mehr gefunden hat und sie deshalb nur in dieser Form in unserem Leben bleiben kann? ??Da dies das Kapitel über Bösartigkeit ist, reden wir hier auch über die **sogenannten** bösartigen Krankheiten.

Sogenannte „Bösartige Krankheiten“

Sogenannt! Denn wie bei den Menschen, gibt es auch bei den Krankheiten nicht die „Guten“ und die „Bösen“.
(Dennoch ist ein Großteil unserer medizinischen Diagnostik damit beschäftigt, die einen von den anderen zu trennen, um letzteren dann den Krieg mit maximalem Einsatz von Waffen, inclusive Kernkraft und chemischen Waffen- zu erklären.
Im Falle von nicht bösartigen Krankheiten wiederum sollen die Leute sich nicht so anstellen oder eine Therapie machen. Oder Akupunktur. Die kann zumindest nicht schaden.)

Es gibt allerdings Krankheiten, vor denen wir uns fürchten. ??Sie entstehen in der Tiefe. In Abgründen, so tief, dass kaum eine den Weg hinab findet. Dies ist der Ort des tiefsten Yin. Hier in der Dunkelheit leben urzeitliche Wesen die gelegentlich aufsteigen. Sie sind nicht böse. Aber wie ein großes blindes Tier das alles niedertrampelt, können sie uns vernichten.?Noch tiefer ist nur noch das Nichts. Das Dao, die dunkle Mutter aller Dinge. Die Quelle. Wer den Weg hinab zu dieser Quelle findet, wird unverwundbar, schrieben die alten chinesischen Meister und sie ließen keinen Zweifel daran, dass dies ein langwieriger und schwerer Weg sei.

Es gab jedoch zu allen Zeiten Menschen, die auszogen sind, das Fürchten zu lernen, wie in jenem alten Märchen der Brüder Grimm. Menschen, die nachts über Friedhöfe gehen, in Höhlen leben oder verfallenen Häusern, oder, wie im tibetischen Tantra, auf den Gebeinen der Eltern schlafen.
Die meisten tun dies nicht aus reinem Vergnügen, sondern weil ihre Geschichte sie in Abgründe stürzte, in denen ihnen nur die Wahl blieb, unterzugehen oder weiterzugehen.

„Kommst du auf eigenen Wunsch, oder hat man dich gezwungen?“, fragt die Hexe Baba Yaga den Jüngling.
Seine Antwort ist weise: „Beides.“

Der Weg durch die Dunkelheit ist ein Weg auf Messers Schneide, denn Schmerz, Trauma und Grusel haben ihren eigenen Reiz und manch eine findet Geschmack daran und taucht nicht mehr auf aus Drogen, Psychiatrie und Nächten aufgeritzter Haut.
Taucht die eine (oder der andere) jedoch wieder auf, so werden ihr die Menschen fremd sein und oft mit Furcht oder Hass begegnen. Ein Hauch von Wildheit hängt ihr an, bissig ist sie und scheu zugleich, die Augen umrandet von ungeteilten Nächten.

Doch, wenn sie sich ein Herz fasst, kann sie es sein, die andere durch der Dunkelheit hindurchführt. Sie kennt das Territorium.

Auftritt: die Hexe.

(fortsetzung folgt)

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