Wasser- Yin auffüllen, Träume, Medizin der Tiefe

 

Göttinnen des Wassers

Die Seehundfrauen, die Selkies, die Dienerinnen der Großen Göttin, Töchter der Yemaya, werden nur noch selten gesehen. Manch einer sagt, es gibt sie nicht mehr.

Doch zuweilen, vielleicht zur Wintersonnwende, tauchen sie aus dem Meer, legen ihre tierischen Häute ab und baden als betörende Frauen im Mondlicht. Wer es wagt, einer Selkie die Haut zu stehlen, der kann sie für eine Weile zur Frau nehmen. Doch so sehr sie sich zivilisiert geben mag, ihr wildes ozeanisches Herz wird sie eines Nachts zurück ins Meer ziehen. Sobald sie ihre verlorene Seele, die Haut, zurückerlangt, zieht es sie zurück ins Meer.

Von hier aus locken die Selkies mutige Seefahrer und träumerische Dichter, vor allem aber Frauen und Kinder mit ihrem betörenden Gesang. So zieht es all die, deren Herzen offen und empfänglich für Träume und Schönheit, immer wieder zurück in die Tiefen des Meeres, unsere ozeanische Heimat, das Unbewusste, dort, wo dereinst alles Leben entstanden ist und wo auch heute noch jede Schöpfung ihren Anfang nimmt.

Viele fürchten sich vor diesen tiefen und dunklen Regionen, doch wo sonst könnten wir neu entstehen und neues erschaffen. Einst, im irischen Galway und in einer kalten Mondnacht, zwischen schwarzen Klippen an der Küste des Meeres, da erlebten meine kleine Tochter und ich die Selkies. Sie sind nicht freundlich in unserem Sinne, doch wer ihre Kraft je spürte, vergisst sie nimmermehr.

„Come away, O human child!

To the waters and the wild

With a faery, hand in hand,

For the world’s more full of weeping 

Than you can understand.“

William Butler Yeats

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