Covid-19: Viren aussperren oder heilen?

Heilen heißt nicht, etwas auszusperren. Heil heißt „ganz-machen“. Der Leib ist zum Erleben da. Kein Teil daran ist überflüssig. Auch Infektionen sind Teile von uns: Sie sind unsere persönlichen Reaktionen auf fremde, neue oder schwierige körperliche Erfahrungen. Wie aktuell ein neues Coronavirus.

Die Versuchung liegt nahe, uns zu wünschen, irgendein Symptom einfach wegzumachen, irgendein Virus einfach auszuhungern. Erkranken uns nahe stehende Menschen kann unser Wunsch, ihnen ein Leid zu erleichtern oder wegzunehmen, geradezu übermächtig werden? So funktioniert Leben aber nicht. Wir müssen es erleben. Im besten Fall alles daran genießen, im zweitbesten Fall müssen wir es annehmen. Annehmen heißt heilen. Denn Heilen ist „Ganz-machen“, es bedeutet, die Teile zusammenzufügen, die bisher getrennt waren. Heil ist mit dem englischen Wort „whole“ verwandt.

Die Suche nach „Endgültigen Lösungen“ ist eine gefährliche Versuchung 

Wie sollen wir bei Erlebnissen in unserem Körper erkennen, wo das „Falsche“ anfängt und das „Richtige“ aufhört? Wie sollen wir den Kopfschmerz für immer entfernen, ohne den Kopf, oder zumindest die Nerven, gleich mit zu entfernen (ein Wunsch, den Menschen mit heftigen Trigeminusneuralgien oder Cluster Headaches, die am liebsten mit dem Kopf gegen eine Mauer rennen würden, nur um die inneren Explosionen abzustumpfen, durchaus äußern könnten).
Wie sollen wir die Traurigkeit für immer entfernen, ohne die Sensibilität gleich mit zu entfernen?
Wie sollen wir eine Allergie für immer entfernen, ohne das Immunsystem zu inaktivieren? Wie sollen wir unseren Körper für immer von Viren fernhalten, ohne uns vom Leben selbst fernzuhalten?
All diese Versuche sind genauso absurd wie jene Versuche, mit Bomben alle „bösen Menschen“ aus einem Land zu „entfernen“ und zu hoffen, dabei alle „Guten“ zu verschonen.

Gut und Böse, Dunkel und Hell, Yon und Yang, sind nicht getrennt. Sie existieren gemeinsam, im gleichen Land, in der gleichen Stadt, im gleichen Dorf und in der gleichen Familie. Und auch im gleichen Körper.

Das gilt auch für das neuartige Coronavirus. Es ist nur ein Stückchen Information, gebaut aus den gleichen Substanzen wie wir, wie alles Leben auf dieser Erde. Neue werden entstehen. Ein Virus ist nicht mehr als ein flüchtiger Gedanke, der sich formt aus den Tiefen der Erde selbst.

Vorerst mag die erlebte Bedrohung überwältigend sein. Wer jetzt an Covid-19 erkrankt, erfährt, dass die Heilung einer schweren Krankheit kein Spaziergang ist. Sie ist eine Wanderung durch Panik, Verunsicherung und rabenschwarze Nächte. Sie ist unser persönliches Sein oder Nichtsein, unser Kampf gegen Mächte in unserem Inneren, die uns töten wollen. Corona bedroht nicht nur die Infizierten, ihre Angehörigen, die PflegerInnen und ÄrztInnen. Die kollektive, globale Angst vor Infektion, bedroht im Augenblick das seelische Gleichgewicht vieler Menschen.

Dies ist nicht neu. Früher waren Krankheiten immer Teil des Lebens. So wie Geburt und Tod. Viele unserer Ahnen haben Seuchen, Kriege und Hungersnöte überlebt.

Zu lange haben wir diese Erfahrungen ausgesperrt, Mauern gebaut, an eine allmächtige Medizin geglaubt. Zu lange sind wir bei jeder minimal-Missbefindlichkeit gleich zum „Doktor“ gerannt, der sie wegmachen sollte. Wir können diese Aspekte des Lebens nicht  länger aussperren. Die Grippe, das offene Bein, der Brustkrebs, das Virus – sie alle sind, was sie sind. Sie sind nicht böse, und wir sind ohne sie auch nicht einfach gut. Krankheiten und Sterben sind Erfahrungen.? Neue werden kommen. Corona war nicht die letzte Pandemie in unserer dicht vernetzten Welt.

Unsere aktuelle Isolation und für viele auch finanzielle Verluste und Knicke in der geplanten Ausblidung oder Karriere, was immer wir opfern mögen, heilt keine Krankheit, sie tötet kein Virus und sie schützt uns auch nicht sicher vor neuer Erkrankung und neuen Viren/Parasiten/Strahlen/Bakterien/Pilzen/Erfahrungen.

Umso mehr tut es der Welt gut, dass alle jetzt einmal innehalten. Die Ansteckungskurzen flachen ab. Die Menschen atmen auf. Fastenzeit. Die Natur erholt sich von uns. Wir erholen uns von Hektik und Perfektionismus und Narzismus.

Irgendwann werden wir wieder aufeinander zugehen dürfen. Aber vielleicht mit weniger Erwartungen, weniger Anspruchshaltung. Vielleicht lernen wir in der gemeinsam erlebten Isolation und Verunsicherung, uns mit mehr Mitgefühl und Bescheidenheit zu begegnen. Dankbar, dass da jemand ist und uns anlächelt und uns nicht misstrauisch über seine Maske anschielt.
Unsere aktuelle Isolation und für viele auch finanzielle Verluste und Knicke in der geplanten Ausblidung oder Karriere, was immer wir opfern mögen, heilen keine Krankheiten und schützt uns auch nicht sicher vor neuer Erkrankung. Mauern sind keine Lösung. Neue Viren werden kommen. Vielleicht im Wasser oder in der Nahrung. Das einzige, was hilft, ist ein neuer Umgang mit uns selbst und mit Mutter Erde.

 

Unser inneres Leben so radikal zu verändern wie jetzt, kann der Anfang einer Tiefenveränderung der Welt sein, einer leisen Revolution.

Aber erst einmal: Bleiben Sie vergnügt!

PS: Eigentlich blogge ich hier nicht mehr. Ich habe auch keine ärztliche Praxis mehr.
Es geht aber weiter mit Büchern über die altchinesische Schamanin und Heilerin Abalone und meinem neuen Blog.

Bleiben sie mir auf der Spur!