Die Herrin der Dunkelheit

 

Intermezzo: Hekatenacht

 


Gone are the leaves on the Hecate trees

Shed to the wind till her skeleton claws the sky
I am alone in a forest of memory
Dragging behind me the howl of the winter

wendy rule

Die Hexe ist die Essenz der Krankheit. Das Herrin der Dunkelheit.

Links herum in die Tiefe. Zurück in der Zeit. Grenzüberschreitend. Sie gelangt an heimliche Ort. Sie verführt Vulkane und reitet Drachen. Sie tanzt mit Kali, Pomba Gira, Medusa. Hekate. Baba Yaga. Cailleach. Weiblich. Dunkel. Zornig. Manch einer, der Krankheiten heilen will, möchte diese Großen einzuladen. Aber Vorsicht. Sie können Angst riechen wie die Hunde und Wölfe, mit denen die Damen sich gerne zeigen. Die dunklen Göttinnen helfen denen, die sich selbst helfen. Denen, die alleine gehn. Denen mit dem brennenden Herzen.
Den Hexen.

Eine Hexe fürchtet die Erdgöttinnen nicht, denn in ihr lodert die gleiche Energie. Das Drachenfeuer. Die gleiche Energie, die die meisten fühlen, wenn sie fürchterlich wütend oder fürchterlich verliebt oder fürchterlich krank sind. Dann kocht es eine Weile. Aber es ist, bekanntlich, fürchterlich. Die meisten wollen diese Energie so schnell wie möglich wieder loswerden.

Neulich schrieb mir ein Freund, sinngemäß: „Verdammte Leidenschaft. In meinem Alter ist das viel zu gefährlich fürs Herz.“
Eine Klientin schrieb mir jüngst, dass sie die neu aufgelebten Gefühle so schnell wie möglich wieder loswerden will. Sie will doch „nur ihr eigenes Leben leben“. Sie will zwar auch Künstlerin sein, aber das schmerzt dann doch zu arg.

Nicht so die Hexe. Sie stellt ihren Körper diesen Energien zur Verfügung. Lässt sich durchpusten vom Sturm. Sie schläft im Schnee und glüht in der Sonne. Die Energie der Erdgöttinnen hilft ihr, unerträglichen Schmerz zu fühlen und in große Kunstwerke umzuwandeln, sie hilft, wenn sie will, Krankheiten zu heilen und das Leben selbst zu verstehen, soweit ein Mensch es verstehen kann. Nicht selten wird sie am Ende daran zugrunde gehen.

Denken wir an Maria Callas. Eine der größten Hexen des vergangenen Jahrtausends

Hausaufgabe für heute: Maria Callas hören. Laut.
Und wer in Kontakt mit der eigenen Hexenenergie kommen will, und ein bisschen fürchten, hört heute nacht beim Kerzenscheins Album: „Beneath the Below there is a river.“
Wunderschöne, zarte Musik. Kein albernes Heavy Metall. Reine Hexenenergie. Naturgeister. Zum Fürchten schön.

Ob es Hexen wirklich gibt? Was meinen Sie?
Kommentare erwünscht!

(fortsetzung folgt.)

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Medizin von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Autorin, Sinologin und einstmals auch Ärztin für chinesische Medizin. Schreibt: Romane über chinesische Alchimisten, Initiaten, Heilerinnen, Piratinnen, Tiger und andere kindliche Seelen. Liebt: Trance und Träume. Das alte China. Alchemie, Magie und goldene Nadeln. Seelenwanderungen, Drachen, Transformationen, giftige Pflanzen und ihre flauschigen Katzen. Sucht: Gnosis. Bisherige Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Tanz des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag".