Ich schreibe keine Berichte (mehr) und ja, ich bin Ärztin und ja, ich weiß auch, was ich tue!

 

Es ist für mich vollkommen nachvollziehbar, dass die gesetzlichen Kassen meine Diensten nicht honorieren. Dafür sind sie nämlich auch nicht da!
Sie sollen dafür sorgen, dass niemandem notwendige medizinische Maßnahmen aufgrund finanzieller Schwierigkeiten vorenthalten werden.
Dass der größte Teil der Gelder dieser Kassen in unnötige, teure und oft schädliche bis tödliche Interventionen und Medikamente fließt, soll hier nicht erörtert werden.
Für mich sind sie nicht da und das ist mir recht so.

Ein anderer Fall sind die privaten Kassen. Die machen nämlich gutes Geld mit dem Versprechen, auch alternative Behandlungsmethoden zu bezahlen.
Ein Versprechen sollte man halten. Das ist doch einfach.
Vor allem sollte man ein Versprechen halten, ohne vorher so großes Theater zu veranstalten, dass am Ende der Eindruck entsteht, es wäre eine besondere Vergünstigung.
Ist es nämlich nicht.
Also noch einmal: Wenn man vor Vertragsabschluss verspricht, alternative Methoden zu bezahlen, die außerdem viel kostengünstiger sind, als die meisten anderen Verfahren, dann sollte man es auch bitteschön tun.

Die Sachbearbeiter sehen es aber nicht so: Sie hetzen meine Klienten auf mich mit unnötigen Fragen á la: Ist das überhaupt eine Ärztin?

Ja, ich bin Ärztin.
Ich bin Ärztin, studiert und approbiert in München, und dies zu beweisen ist nicht Aufgabe meiner Klienten. Sollten aber diesbezüglich Fragen bestehen, so wende man sich doch bitte, wie jedem Sachbearbeiter ausreichend bekannt, an die Ärztekammer Hamburg. Da gibt es bekanntlich genau zu diesem Zweck ein Ärzteverzeichnis.

Und ja, ich weiß viel über chinesische Medizin. 
Ich wedele nicht gerne mit meinen diversen Qualifikationen herum, aber ich weiß eine Menge über chinesische Medizin. Mehr als die meisten in Europa. Ich will daher auch nicht mit einem Sachbearbeiter darüber diskutieren, wie eine Behandlung ablaufen darf. Ich will mich auch nicht vor einem sogenannten ärztlichen Berater dafür rechtfertigen, wenn ich nach fünf Jahren zusätzlichem Studiums in chinesischer Sprache als Stipendiatin an zwei staatlichen Universitäten in China der Meinung bin, gewisse Zustände seien durchaus mit chinesischer Medizin zu behandeln, auch wenn die entsprechende Literatur leider nur in chinesischer Sprache zugänglich ist.
Früher habe ich solche Studien dann brav übersetzt und einen kleinen zwanzigseitigen Kommentar dazu verfasst. Dann kamen unsinnige Rückfragen, die deutlich zeigten, dass kein Mensch meine Mini-Dissertationen gelesen oder gar verstanden hatte. Am Ende wurden die 42 Euro, oder was immer beanstandet wurde, meist übernommen.
Das ist vorbei.
Meine Zeit ist mir zu kostbar für solche Machtspielchen.

Wenn die Herren mir nicht glauben, sollen sie doch, bitteschön, selber Chinesisch lernen und chinesische Medizin studieren und sich in die chinesische Fachliteratur einlesen und sich dann wieder melden oder direkt in China anrufen.
Zum Beispiel am Chinesisch-Japanischen Universitäts-Krankenhaus in Beijing, an dem ich nach dem Studium als Ärztin für Chinesische Medizin praktiziert habe. (Zeugnisse bei mir einsehbar!)

Und ja, ich bin der Meinung, gute Medizin braucht Zeit, Hingabe und individuelle Betreuung.
Das habe ich nicht nur in China so gelernt. Das sagt mir vor allem auch mein eigenes Herz. Das ist eigentlich gar keine Frage.
Warum also all diese dummen Nachfragen, wieso ich vor jeder Akupunkturbehandlung eine neue Anamnese und Untersuchung benötige. Wieso fragt eigentlich niemand nach, wenn ich statt zwanzig Sitzungen nur zwei benötige. Warum erhalte ich keinen Bonus dafür, dass meine Patienten nicht fünfmal zum MRT müssen und keine zusätzliche Krankengymnastik und Psychotherapie (weitere dreißig Stunden á 90 Euro) benötigen?

Ach was. Ich wundere mich einfach nicht mehr. Aber ich schreibe auch keine Berichte mehr.
So. Nun ist es raus: Ich schreibe keine Berichte mehr.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Medizin von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

2 Gedanken zu “Ich schreibe keine Berichte (mehr) und ja, ich bin Ärztin und ja, ich weiß auch, was ich tue!

  1. Gute Entscheidung! Wieso schreibt eigentlich nicht der Patient den Bericht selbst, schließlich kann er/sie am Besten bewerten, wie es ihm geht und ob eine Behandlung Wirkung zeigt. Vorausgesetzt er nimmt sich selbst wahr.
    Lg, Birgit

    • Danke liebe Birgit. So sehe ich das auch.
      Leider denken die Kassen anders, sie denken, die Patienten seien dumm und betrügerisch und aufsässig. Auf jeden Fall müssen sie streng kontrolliert werden, natürlich zu ihrem eigenen Besten.

      Aus der kaiserlichen Botschaft Wilhelms I, verlesen im Jahre 1881 von Herrn Otto Bismarck:
      „Für diese Fürsorge die rechten Mittel und Wege zu finden, ist eine schwierige, aber auch eine der höchsten Aufgaben jedes Gemeinwesens, welches auf den sittlichen Fundamenten des christlichen Volkslebens steht. Der engere Anschluß an die realen Kräfte dieses Volkslebens und das Zusammenfassen der letzteren in der Form korporativer Genossenschaften unter staatlichem Schutz und staatlicher Förderung werden, wie Wir hoffen, die Lösung auch von Aufgaben möglich machen, denen die Staatsgewalt allein in gleichem Umfange nicht gewachsen sein würde. Immerhin aber wird auch auf diesem Wege das Ziel nicht ohne die Aufwendung erheblicher Mittel zu erreichen sein. […]“
      Sprich, um die randalierenden Arbeiter ruhigzustellen, müssen wir schon was investieren.
      Die Aufgaben der gesetzlichen sind somit klar.

      Die privaten Kassen sind ein Hybrid, vermutlich geboren aus dem Wunsch der nicht so reichen Bürger, sich auch so tolle private Ärzte leisten zu können wie die Großbürger. Dafür zahlen sie auch genug in diese Kassen ein. Aufführen tun die Vertreter der privaten Kassen sich allerdings mehr wie Herr Bismarck.

      Neulich rief ich einen solchen Herrn an, der einen Bericht verlangte und fragte ihn einfach ganz freundlich, was genau er wissen wolle. Dann würde ich es ihm einfach sagen und wir könnten uns den Papierkrieg sparen.
      Er antwortete sehr steif, dass er mir leider nicht sagen könne, was er wissen wolle. Ich solle aber auf jeden Fall einen ausführlichen Bericht schreiben. Den würden die zuständigen Stellen dann überprüfen.
      Also bat ich, wiederum ganz freundlich darum, doch einfach mit diesen zuständigen Stellen direkt zu sprechen. Das ginge doch schneller.
      Nein, meinte er, zunehmend irritiert von meiner Aufsässigkeit. So einfach ginge dies nicht. Diese Stellen seien nicht für mich zu sprechen. Ich solle einfach den Bericht schreiben, dafür würde ich schließlich bezahlt.
      Damit war das Gespräch dann zuende.
      Eigentlich hätte ich ihm gerne noch gesagt, dass ich dafür nicht bezahlt werde. Es war noch nicht einmal Teil meines Studiums! Ich bin Ärztin und keine Sachbearbeiterin.

      Naja, wie gesagt. Ich schreibe keine Berichte mehr.

      Ganz liebe Grüße, C. Li

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