Was wollen die Krankenkassen?

Allerlei lustige Begebenheiten aus dem Alltag einer Feld- Wald- und Wiesenärztin.

Diesmal:

Lustiger Ärger mit einer Privatkasse.

„Liebe Frau Li,

 meine Krankenkasse hat nachgefragt und ich hoffe, Sie können mir die Frage beantworten.
 
Der Text lautet: „Aus der uns eingereichten Rechnung können wir nicht schließen, dass es sich bei Frau Bodenschatz-Li um eine Behandlerin im Sinnet unserer Versicherungsbedingungen handelt. Zur Prüfung unserer Leistungspflicht bitten wir Sie uns Unterlagen einzureichen, aus der die Approbation (Zulassung) ersichtlich ist.“
 
Können Sie mir dazu etwas geben?
 
Herzliche Grüße,
Ihr K.“

„Lieber Herr K.,

das ist ganz offensichtlich reine Schikane und eine riesige Unverschämtheit. Ihr Sachbearbeiter braucht nur auf das Hamburger Ärzteverzeichnis zu gehen und meinen Namen zu googlen. Dann erscheine ich mit Adresse und allem.

http://www.aerztekammer-hamburg.de/patienten/hamb_aerzte.htm

Sollte Ihr Sachbearbeiter nicht über Internet verfügen, kann er die Ärztekammer auch einfach anrufen. Ein Telefonbuch hat er ja wohl.

Lieber Gruß und lassen Sie sich nicht vergrämen, das geht wahrscheinlich noch ein paar Runden, 

Herzlich,
Ihre Christine Li“

Nein, das ist nicht lustig.

Wieder und wieder diese Briefe. Dieser unnötige Zeitaufwand.
Schikanen, Insinuationen, Verzögerungen, Diffamierungen und schlichte Unverschämtheiten.
Warum?

Ärztin der Ärzte

Meine Rechnungen rechnen sich- viel Heilung für wenig Geld.
Ich zieh niemandem das Fell über die Ohren und gesund werden auch eine Menge Leute- unter anderem, weil ich ihnen den Raum dafür gebe. Darum geht es doch.
Viele Kollegen wissen das.
Die Hälfte meiner Klientel stammt aus dem medizinischen Bereich.
Die „Ärztin der Ärzte“- wurde ich neulich genannt.
Die Kassen wissen es auch. Oder, warum kommen so viele Sachbearbeiter und „höhere Tiere“ der privaten Kassen Hamburgs in meine Behandlung.

Was wollen die Krankenkassen?

Um Geld geht es nicht. Sonst würden sie ganz anderen Ärztegruppen auf die Finger schauen, statt den „kleinen Krautern“. Es geht auch nicht darum, die Patienten vor „Quacksalbern“ zu schützen, also vor Menschen ohne Zulassung durch irgendeine Kammer, die weder Heilpraktiker noch Ärztinnen sind, sondern zum Beispiel Freundinnen, die ihrer Freundin ein paar selbstgesammelte Kräuter als Tee zubereiten. Solche Menschen richten deutlich weniger Schaden an, als das restliche medizinische System.

Was wollen die Kassen? Wenn es nicht das Geld ist und nicht die Sicherheit ihrer lieben Kunden?

Vielleicht wollen sie gar nichts?
Was die Sachbearbeiter der Krankenkassen betrifft, so mag dies zutreffen. Sie traben nur blindlings mit im Heer derer, die durch eine Ethik, die auf darwinistischem „nach mir die Sintflut“ und „der Mensch ist dem Menschen ein Wolf“ basiert statt auf gegenseitigem Respekt, zu heillosen Einzelkämpfern gemacht worden sind.
Jeder kämpft für sich allein. Für eine Beförderung. Für Prämien. Für einen besseren Bürostuhl.
Sachbearbeiter von Krankenkassen, so wurde mir gesagt, bekommen eine Art Kopfgeld für jede Rechnung, die nicht erstattet wird. Das klingt vollkommen bizarr- erwachsene Menschen, die sich für ein paar Euro zum Affen machen- anstatt sich offen und hilfsbereit um die Anliegen der Menschen zu kümmern, die sich an sie wenden.
Ich mag es kaum glauben.
Andererseits „machen das doch alle“.

Mitakuye Oyasin- alles ist miteinander verwandt

Jeder kämpft für sich allein. So haben wir es gelernt. „Schau, wo du bleibst, sonst bist du der Dumme“. „Second winner-first loser“. Eine Ethik die auf darwinistischem „nach mir die Sintflut“ baisert, satt auf gegenseitigem Respekt, muss krankmachen.

An unserer Umwelt sehen wir dies seit circa vierzig Jahren. In unserer Innenwelt findet das Gleiche statt. Denn es ist so:
Wer keine heile Beziehung zu anderen Lebewesen hat, und damit meine ich nicht die „große romantische Liebe“ sondern ein komplexes Beziehungsgeflecht zu allem, was lebt- menschliche und nicht- menschliche Personen- der gesamten Mutter Erde- der kann auch in sich selbst nicht heil und gesund sein. Die Beziehungen in unseren Körpern sind Spiegel der Beziehungen zu allem um uns.
Das wurde in chinesischen Medizinklassikern wie dem Neijing genauso beschrieben wie in den Mythen, dem „Gesetz“, der Aborigenes Australiens. Es ist das Prinzip des: „Wie innen so außen“. Das „Mitakuye Oyasin“ der Lakota. Wir sind alle miteinander verflochten.

Seelenverlust

Solange wir miteinander verflochten sind, können die Traumata des täglichen Lebens abgefangen werden. Wo wir uns, in Angst oder Schreck, verlieren, spiegeln uns die anderen, Menschen, Tiere, Pflanzen, Gewässer und Felsen, bis wir uns wiederfinden. Sobald das Netz gegenseitigen Respekts zwischen den Lebewesen verfällt, verfallen auch die Beziehungen in uns selbst.
Die Menschen werden sprachlos, desorientiert, entfremdet, technologiefixiert. Ich nenne das „Seelenverlust„- da es ein Zustand ist, bei dem die Menschen nicht mehr in sich wohnen, sich nicht mehr fühlen und bei dem, zuletzt, der Körper, wie ein leerstehendes Haus, ganz verfällt.

„Seelenverlust“ ist kein schwärmerisches New-Age konzept. Es ist eine Beschreibung unserer zunehmenden Fragmentierung und Vereinzelung, wie sie Angehöriger einer traditionellen Kultur vielleicht wählen würden. Vielleicht.
Vielleicht würden sie auch nur, wie die Gallier bei Asterix konstatieren: „Die spinnen, die Römer“. Das ist auch in etwa das Gleiche. 

Krank ist krank.

Für viele Jahre waren Ärzte an allem Schuld.

Wenn Leute krank sind und nicht gesund werden, sind die Ärzte schuld.
Klar, viele Ärzte profitieren munter, so wie all die anderen Menschen, die „für eine Handvoll Dollar“, für „Dreißig Silberlinge“ ihre eigene Großmutter, ihren Heilland oder ihre Patienten an die Pharmaindustrie zu verkaufen. Sie kaufen sich ein paar Maschinen und schieben alle Leute dort durch. Das kostet wenig Mühe und die Kassen bezahlen es gerne. Dass aus all diesen teuren Fotographien wenig Nutzen erwächst, ist jedem bekannt. Aber, „man muss schließlich betriebswirtschaftlich denken und eine Praxis ist in erster Linie ein wirtschaftlicher Betrieb“.

Diesen vernünftigen und gut sozialisierten Menschen stehen ausreichend viele Spinner entgegen: Ärzte und Ärztinnen, die trotz intensiver Gehirnwäsche und grotesker Arbeits- und Ausbildungsbedingungen immer noch wild entschlossen sind, ihr Bestes zu tun und kranken Menschen zu helfen.
Von denen, die mit mir zusammen studiert haben, sind es nur wenige, die nicht längst begriffen haben, dass zwischen Heilung und unserem heutigen Medizinsystem Welten liegen und dass beide, wenn überhaupt, mit Lichtgeschwindigkeit auseinandertriften.
Wir Ärzte wissen, dass unsere Medizin krank ist.

So dumm, wie gerne behauptet wird, sind wir Ärzte gar nicht.
Wir sind nur unglaublich isoliert.

Im Verlauf des Studiums zum Einzelkämpfer sozialisiert, wursteln die meisten vereinzelt vor sich hin. Insbesondere die Kassenärzte brechen unter Bergen von Administrationsarbeiten und Vorschriften fast zusammen, die sich nur noch mit Hilfe hochkomplexer Computerprogramme bewältigen lassen.
Die meisten dieser Vorschriften haben mit der ärztlichen Abrechnung zu tun.
Ein Arzt der grob fahrlässig immer wieder Leute halb vergiftet oder unnötig verstrahlt, bekommt längst nicht so viel Ärger wie ein Arzt, der die Abrechnung vermasselt.

Wenn es nicht so weit hergeholt wäre, könnte man fast annehmen, die Ziele der Kassen seien:

  1. Ärzte davon abzuhalten, ihre eigentliche Arbeit zu tun.
  2. Ärzte davon abzuhalten, sich untereinander zu vernetzen.
  3. Bei den Patienten Misstrauen gegen ihre Behandler zu schüren.

Divide et impera. Teile und herrsche.
Das alles könnten die Krankenkassen wollen.
Die einzelnen Sachbearbeiter, wenn die Legende mit dem Kopfgeld denn zutrifft, wollen gar nichts. Sie spielen nur mit. Wegen der dreißig  Silberlinge. Denn Geld stinkt nicht, wie uns seit zweitausend Jahren eingetrichtert wird.

no pasaran!

no pasaran!

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Medizin von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Autorin, Sinologin und einstmals auch Ärztin für chinesische Medizin. Schreibt: Romane über chinesische Alchimisten, Initiaten, Heilerinnen, Piratinnen, Tiger und andere kindliche Seelen. Liebt: Trance und Träume. Das alte China. Alchemie, Magie und goldene Nadeln. Seelenwanderungen, Drachen, Transformationen, giftige Pflanzen und ihre flauschigen Katzen. Sucht: Gnosis. Bisherige Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Tanz des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag".