Sensorische Intelligenz- Traumatherapie mit dem Drachenfeuer

 

In der Behandlung von Traumata und Traurigkeit (ich spreche nicht gerne von Depression) geht es immer wieder um Emotionen. Der Körper wird gerne vernachlässig. In nächster Zeit möchte ich daher ein wenig mehr vom Körper erzählen. Nicht medizinisch. Nicht anatomisch. Sondern vom gefühlten Körper.

Wenn wir einer Körperwahrnehmung eine Bedeutung beimessen, wird daraus eine Emotion.
So kann Herzklopfen je nach Bewertung als schön (verliebt) oder als hässlich (der Arzt hat gesagt….) erlebt werden. Ein Schmerz im Arm wird oft als böse erlebt. Wenn ein eingeschlafener Arm oder ein bisher gelähmter Arm wieder aufwacht, kann es auch als schön erlebt werden. Eine Nadel kann einfach nur piekig sein oder unseren Kopfschmerz auflösen.

Diese Bedeutungen hindern uns daran, die Dinge einfach so wahrzunehmen, wie sie sind: Wärme, Kälte, Strömen oder Stillstand.

Indem wir den Dingen einen Namen geben, halten wir sie fest. Aus einem flüssigen, veränderlichen Zustand wird etwas Definiertes. Bleibendes. Lebloses. Lähmendes. Gefühlloses.
Erstarren die Wahrnehmungen ganz, entstehen äußerst eigenartige Symptome: So seltsam, dass die Betroffenen Mühe haben, sich mitzuteilen. Nicht selten wandern sie von Arzt zu Arzt, in der Hoffnung, jemand könne ihre seltsamen Symptome verstehen. Nicht selten gelten sie als Hypochonder. Dabei sind es oft sehr tapfere Menschen, die sich nicht gerne beklagen und meist gut, zu gut, unter Kontrolle haben.

Dies geschieht vor allem dann, wenn traumatische Erfahrungen im Körper festgehalten werden.

Die alten chinesischen Ärzte hielten nicht viel von Emotionen. Sie betrachteten sie als Störung der endlosen Wandlung des Qi. Wenn ich chinesische Medizin unterrichte, kommt immer wieder der Einwand, dies sei kalt und gefühllos und eine Unterdrückung. Das stimmt nicht.

Emotionen sollen nicht unterdrückt werden. Sie sollen nur nicht als gut oder böse abgehakt und damit festgehalten werden, sondern in ihrer ganzen sensorischen Realität erlebt werden.

So hieß es in der chinesischen Medizin, bei Angst sinke das Qi nach unten. Wir können uns nun in dem Zustand des Sinkens festhalten, indem wir diesem Erlebnis den Namen „Angst“ geben. Weiser ist es, die Angst (zum Beispiel mit Hypnose) zunächst beiseite zu schieben und einfach zu erleben, wie das Qi sinkt und sinkt und zuletzt ganz unten ankommt. Der Körper wird dann einfach kühl und still. Statt Angst könnte dies sogar ein gutes Gefühl sein. Etwa von völliger Ruhe.

Wenn wir dies vollkommen zulassen, entsteht von selbst ein Impuls in die andere Richtung. Im Körperinneren entsteht so etwas wie Licht und Wärme. Erst winzig klein und dann immer stärker.
Dieses Gefühl könnte als Hoffnung erlebt werden. Gehen wir nun zur Angst zurück, aus diesem Zustand der Hoffnung, dann sieht es mit einem Mal nicht mehr so schlimm aus.

Es tut gut, den Dingen nicht gleich einen Namen zu geben und sie unvoreingenommen zu erleben…und dann wandelt es sich.

Vielleicht wird die Angst zu Wut. Oder Freude. Es fluktuiert und wandert. Es verändert sich endlos. Wir bleiben im Körper. Unterwegs tauchen immer mal wieder Bedeutungen auf. Wenn wir der Versuchung widerstehen, nach Namen zu suchen, um das flüchtige Erleben zu bannen, kreist das Qi immer ungehinderter und hüllt uns nach und nach in einen Strudel von Kraft.

Das einzige passende Wort dafür ist „Lebendigkeit“ oder vielleicht auch „Wandlung“. Wandlung – Ein chinesisches Lieblingswort… zum Beispiel im Yi Jing- dem „Klassiker der Wandlung“

Das nenne ich sensorische Intelligenz. Wahrzunehmen, was ist. Auf einer tieferen und älteren Hirnebene. Unterhalb des limbischen Systems. Dort, wo wir einfach nur noch sind. Dort, wo elementare Kraft entsteht. Dort, wo sich alles wandeln kann.

Manche nennen es das Saurierhirn. Die Chinesen nannten es das Drachenfeuer. Die Quelle des Lebens.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Akupunktur, Heilung, Hypnose, Medizin, Trance von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

2 Gedanken zu “Sensorische Intelligenz- Traumatherapie mit dem Drachenfeuer

  1. der Körper wird kühl und still – das ist so viel besser als die Bezeichnung ANGST – aber es braucht einen ZEITRAUM – also Raum, um so zu werden. Still ist der Geist und gibt keine Namen – das ist allerdings auch radikal (radis = Wurzel, es geht um die Wurzeln des physischen Seins). Am besten in oder bei der Natur, etwa wenn die Stunden der Nacht von den Vögeln langsam wieder mit Leben erfüllt werden. Wenn man sich auf das Sinken einlassen kann, darauf, dass die Welt sich auch verlässlich dreht, wenn man selber nicht „mit dreht“, dann kann man erfahren, wie auch das „Steigen“ wieder beginnt – es gibt ein Urvertrauen, und das ist still und nennt nicht. Und es gibt Menschen, die dies aufzuzeigen verstehen – Kämpfen kannst du später noch genug / SF

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