Zeitdruck: extrem schnell behoben

 

Manchmal begegnen uns kleine Sätze, die für immer haften bleiben. Als Kind las ich einst, in einem orientalischen Märchenbuch, diesen: „Ein vornehmer Mensch ist niemals in Eile“. Ich sah ihn förmlich vor mir, den vornehmen arabischen Herrn, wie er in seinen langen prächtigen Gewändern gemächlich durch die Basare einer schneeweißen Stadt schlenderte und den Jüngeren, der ungeduldig voranstürmen wollte, mit diesem Satz zurückhielt: „Ein vornehmer Mensch ist niemals in Eile“. Welche Eleganz liegt in diesem Satz. Er lässt an die großen Dandys denken, Oscar Wilde, Gabriele D’Annunzio, wie sie mit unerhörter Selbstliebe und größter Aufmerksamkeit fürs Detail aus einem Strauß edler Blüten das passende „button hole“ für ihr Anzugrevers auswählen oder ihr Halstuch in einen unendlich komplizierten Knoten legen. Wie sie mit einem rauchduftenden Karawanentee Tee auf der Chaiselongue liegen und für absolut niemanden zu sprechen sind. Er lässt an einen alten Mann in La Habana denken, der sich eine Zigarre anzündet, so riesig, dass er viele Stunden daran rauchen wird oder an einen alten Bluesmusiker, der immer wieder die gleiche Melodie spielt, bis jeder Ton zum Ausdruck seiner Seele wird. Im Nichtstun bleibt nichts ungetan, sagte Laozi und erklärte, dass das Wesentliche an einem Rad die Zwischenräume zwischen den Speichen sind und das Wesentliche an einem Gefäß der leere Raum. Zeit ist die Essenz des Lebens und sie ist unendlich. Warum also müssen wir ständig in hässlichen Turnschuhen herumlaufen, Fastfood essen, jede Minute verplanen und in schiere Panik geraten, wenn unser Handy, pardon: Smartphone, keinen Akku hat. Menschen in Zeitnot sind Menschen in Angst. Ich erinnere mich an den Patienten, der direkt nach seiner Wiederbelebung nach seinem dritten Herzinfarkt in verzweifelte Panik geriet, weil er auf er Intensivstation sein Handy nicht benutzen durfte. Oder an eine reizende Dame, die als sehr erleuchtet galt und darüber sogar Kurse gab. Aber sie bezeichnete sich ohne Scham selbst als „time-poor“ und fuchtelte gehetzt mit den Händen und rannte ständig nach draußen, weil ihr „mobile“ vibrierte und irgendjemand neue Termine mit ihr besprechen wollte. Was immer sie sonst alles wusste oder konnte: Für mich ist ein Mensch ohne Zeit nicht sehr weit gekommen. Besonders hektisch werden Menschen im Schockzustand, etwa nach einem Autounfall. Planlos rennen sie hin und her. Äußerste Beschleunigung bei minimaler Wirkung. Der Inbegriff von Zeitnot. Das Unelegante an der Zeitnot ist nicht die Beschleunigung, sondern die dahintersteckende Angst. Ein Gepard ist schließlich sehr schnell und dennoch die Verkörperung von Eleganz. Was also tun, wenn die Zeit Sie drückt? Alles hinwerfen? Wichtige Termine streichen? Das will wohl keiner so gerne und es wäre auch schade, wenn Sie eine Arbeit tun, die Sie begeistert. Und es funktioniert auch nicht. Sie haben nämlich nicht zuwenig Zeit sondern, irgendwo tief drinnen, zuviel Angst. Sehr effektive Menschen sind zugleich vollkommen gelassen und geraten nicht in Zeitdruck. Zeitnot ist Atemnot. Angst stört den Atemrhythmus. Der Eindruck von Zeitdruck entsteht immer dann, wenn wir uns nicht mit der Zeit synchronisieren. Wir geraten aus dem Takt, halten den Atem an (typischerweise in der Einatmung) oder atmen beschleunigt, wobei die Einatmung länger dauert als die Ausatmung. Ein typisches Symptom von Angst. In der Einatmung erhöht sich Ihr Level an Stresshormonen und diese wiederum intensivieren das Erlebnis von Druck in der Brust noch. Die Angst wächst und macht unsere Handlung ineffektiv und chaotisch. Wir vergessen Dinge, verlegen Sachen, müssen ständig unser Smartphone checken. Die Zeit läuft uns davon. Wir werden laut und angespannt und die Unruhe steigert sich. Ein Teufelskreis. Diese Form der Beschleunigung gleicht weniger der des Geparden, als der seiner gehetzten Beute. Zeit ist immer da. Sekunde für Sekunde. Zeit ist unendlich, sie füllt alles aus. Da ist nirgendwo eine Lücke. Sie kann also unmöglich zu wenig sein. Das Gefühl von Zeitdruck ist rein subjektiv. Ihre persönliche Selbsthypnose. Enthypnotisieren Sie sich. Anstatt gehetzt, sind sie in Zukunft einfach schnell und effektiv. Fünf Dinge (zunehmender Schwierigkeitsgrad) könnten Ihnen dabei helfen:

1. Atmen. Eine simple Atemübung, bei der Sie die Ausatmung bewusst länger halten als die Einatmung. In der Ausatmung überwiegt der Parasympathikus. Sie werden ruhiger. Stress lässt nach. Zählen Sie, so oft Sie daran denken, beim Atmen mit: Aus, zwei, drei, vier. Kurze Pause. Ein, zwei, drei. Aus, zwei, drei, vier. Kurze Pause. Ein, zwei, drei….

2. Lernen Sie tanzen oder trommeln.

3. Selbsthypnose. Visualisieren Sie sich als Geparden oder ein ähnliches Tier ihrer Wahl. Räkeln Sie sich innerlich. Elegant, geschmeidig und in jedem Moment vollkommen präsent. Ihre Bewegungen sind weich und deswegen genießen Sie ihre gelassene Geschwindigkeit. Schnelligkeit und Eleganz sind Ihre Natur, ruhigen Atemzug um ruhigen Atemzug und deshalb fühlen sie sich umso geschmeidiger und gelassener, je schneller sie sind.

4. Zeitlinienarbeit. Nur für Freaks. Eine Änderung Ihres Zeit-Bewusstseins. Zeit ist immer da. Sekunde für Sekunde. Zeit ist unendlich, sie füllt alles aus. Da ist nirgendwo eine Lücke. Sie kann also unmöglich zu wenig sein. Aber…jeder Mensch strukturiert Zeit unterschiedlich. Manche leben in der Vergangenheit. Manche in der Zukunft. Für manche ist die Zeit ein enger Tunnel. Für andere ein Kreislauf.Es gibt eine unendliche Vielfalt in der Wahrnehmung und Konstruktion von Zeit. Gut möglich, dass Sie innerlich Ihre Zeit nicht gut strukturieren. Wenn Sie gut visualisieren können, versuchen Sie sich mal an do it yourself NLP (Neuro-Linguistischem Programmieren).Werden Sie sich ihrer individuellen Konstruktion von Zeit bewusst: Wie sehen Sie Zeit? Von rechts nach links? Von oben nach unten wie eine Rutschbahn oder wie ein abschüssiges und gefährliches Gelände oder gar Abgrund? Oder als Treppe, die Sie mühsam erklimmen müssen? Dehnt sich die Zeit weit voraus, als Raum voll unendlicher Möglichkeit oder ein enger Spalt oder dunkler Tunnel? Sich dieser Konstruktion bewusst zu werden, hilft schon viel. Als nächstes könnten Sie überlegen, wie sich Ihre Zeit angenehmer konstruieren ließe und sich das probeweise vorstellen. Achtung: Zeit ist einer der Grundpfeiler unseres Bewusstseins. Manche NLP Praktiker raten von „eigenmächtigem Herumgedoktore“ an der Zeitlinie ab. Ich finde das autoritär. Hey. Ist schließlich Ihre Zeitlinie. Selbst konstruiert. Selbst rekonstruiert. Oder etwa nicht?

5. Kommen Sie ihren verborgenen Ängsten auf die Spur.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in NLP, Selbsthilfe von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

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