Trickster, kosmische Verführer und Tanz ums Drachenfeuer

 

Wieder einmal ist es heiß. Luft flimmert über dem Asphalt. Politiker lügen. Schweiß trieft. Vollmond. Feuerwerk, Sternschnuppen und qualmende Grillfeuer. Sonnenbrand und Sommerliebe. Glitzerndes Wasser.

Zeit für den Sommertext. Manege frei für den Trickster.

Wenn Licht sich an der Materie reibt und die Luft erhitzt, entstehen Spiegelungen. Wenn Schweiß in die Augen rinnt, verwischt sich der Blick. Und über tausend Feuern tanzen unfassbare Figuren.

Dies ist die Welt des Tricksters.

 

Der Trickster ist Mann und Frau und wir begegnen ihm unter tausend Namen. In einem Märchen hilft er der Müllerstochter, Stroh zu Gold zu spinnen (eine Aufgabe ganz nach seinem Geschmack!) und fordert dafür ihr Kind, wenn es ihr nicht gelingt, seinen Namen zu erraten. Machttrunken tanzt er über dem Feuer und gibt, für dieses eine Mal, seinen Namen preis: Rumpelstilzchen. Das Kind, die Seele, wird gerettet. Wer den Trickster besiegen will, muss schlau sein und unsere Legenden sind voll solcher Geschichten.
Was die Legenden verschweigen: Trickster liebt es, wenn wir ihm die Stirn bieten.

Doch wer ist er? Schwer zu sagen. In seiner Welt, ist jedes Aufblitzen nur eine Spiegelung und so gibt es keinen wahren Namen.

Eleggua

der Name der genannt werden kann, ist nicht der wahre Name

 

Man kennt ihn als Old Man Coyote, Kokopelli, Loki, El Duende, Hephaistos, Feuergott Nezha, Rumpelstilzchen, Pomba Gira, Eleggua, Meister Tabak und tausend andere Drachen und Verführer der Nacht.

Schillernd steigt der Trickster aus dem Feuer und nimmt die Gestalt an, die uns am meisten behagt: Ein betörender Mann (Frau), eine Gottheit oder Buddha, die uns Erleuchtung und Heilung verspricht, ein Drache, der einen großen Schatz bewacht und uns in einen Kampf auf Leben und Tod lockt. Das alles sind nichts als gespiegelter Lichter. Eine kosmische Lichtshow. Ein gigantisches Feuerwerk.
Genau wie die große kollektive Blendung, das Internet, wer anders als Iktome, die trügerische Spinne, könnte dieses Netz gesponnen haben?

spiderprincess by christine li

 

 

 

 

 

Wenn das Licht sich aus der Materie befreit und zurück in den unendlichen Raum geht, wo nichts es mehr brechen kann, wird alles rein, klar und farblos. Hier durchschauenen wir all unsere Täuschung und das Herz wird still. Dies ist der ungetrübte See, den die konfuzianischen Meditierenden der Songzeit (vor circa 1000 Jahren), inspiriert vom Buddhismus, in China suchten. Ein strenges und freudloses Unternehmen.

Körperlose Erleuchtung bringt uns hier auf der Erde nicht weiter. Wer zu verbissen nach Erleuchtung strebt, wird am Ende merken, dass er nur einem besonders raffinierten Lockruf des Tricksters gefolgt ist.

Keiner kommt hier lebendig raus. Ganz gleich, was uns versprochen wurde.

Solange wir hier sind, wird Klarheit nicht lange währen. Solange wir hier im Körper leben, reiben wir uns, und solange wir uns reiben, wird der Blick sich trüben. Wir erhitzen uns, das Drachenfeuer flammt auf und schon geht es los. Das Spiel des Tricksters.

In älteren Zeiten, bis zur Zeit von Ge Hong und Bao Gu (der Heldin des Buches, an dem ich arbeite) suchten die Daoisten nach der Extase. Wie bei ihren Vorfahren, den Schamanen, waren Tanz, Gesang, allerlei Pflanzen und heiliges Krötengift der Weg. Wenn wir ohhnehin schon hier auf der Welt herumirren: Warum uns nicht mit Haut und Haaren hineinstürzen, mit den Dingen verschmelzen, dabeisein und mitspielen.
Wer nicht spielen mag, wird gespielt. Dafür sorgt Trickster.

Spielen wir also und bieten ihm die Stirn.

Und „spielen“ heisst auch: Wir dürfen uns amüsieren. Wir dürfen sogar riesigen Spaß haben.

Trickster ist Master of the Game.

Er weiss, was Frauen wollen. Er weiss sogar, was Männer wollen. Trickster hat für jeden die richtige falsche Karte im Ärmel. Du willst eine große Heilerin sein? Bitteschön! Ein Blues- Gitarrist wie keiner vor Dir? Ein Teufelsgeiger? Der Gründer von Apple? Ein Rolling Stone? Aber ja doch. Gerne. Den Mann deines Lebens finden. Wenn Dir nichts Besseres einfällt. Warum nicht?

Folge Deinen Träumen, raunt Trickster. Aber träum ein bisschen bunter!

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Spielen heisst auch, wir lernen die Regeln. Und diese Regeln besagen: Dies hier ist echt. Das Spielgeld ist echt. Die Schmerzen sind echt. Die Waffen sind echt. Die Schluchten und Erdbeben sind echt. Das Blut ist echt. So lauten die Regeln.
Bei all dem bleibt es ein Spiel, wie die Buddhisten gerne betonen. Das nutzt ihnen aber nichts. Denn auch ihr Blut ist echt.
Spielschulden sind Ehrenschulden und Mogeln gilt nicht. Es wird natürlich dennoch gemogelt. Manch einer versucht, sich rauszuschleichen und Erleuchtung zu spielen. Doch kaum einer kommt für lange Zeit davon.

Wieder andere bleiben auf ihren Karten sitzen. Horten ihr Spielgeld. Sichern alles ab. Versichern sich. Planen. Sparen Zeit und Geld. Wissen alles besser. Leben gesund. Wünschen sich nichts. Spielen nicht mit. Verweigern sich. Nehmen Zuflucht.
Das fordert Trickster heraus. Nun wird er keine Ruhe finden, bis er die passende Verlockung gefunden hat. Ewige, leidenschaftliche Liebe, einen großen Schatz, unendliche Macht.
Für ganz Ängstliche gibt es den medizinischen Fortschritt, der alle Krankheiten besiegen wird, und für Total-Verweigerer gibt es die Erleuchtung in einer Religion eigener Wahl. Ein großer Guru sein, mit riesen Gefolgschaft auf Twitter und einer eigenen Insel? Ein Plan ganz nach dem Geschmack des Tricksters.

Jede Form esoterischer Weisheit findet Trickster äußerst amüsant. Der Blog von Christine Li? Chapeau!

Trickster ist, wohlgemerkt, kein Lügner. Er erfüllt alle Wünsche, wenn ihm danach ist. Er erfindet neue Wünsche und erfüllt auch diese. Er kann, wenn er mag, bezaubernde Geschenke machen. Er ist der Lieblingsgott aller Narzissten. Er ist auch ihr unerbittlichster Lehrer, denn er kann all seine Kreationen, Schönheit, Macht, die Oscarnominierung und die Yacht in der Karibik, mit dem Schnipsen eines Fingers, wieder in Rauch und Spiegelungen auflösen.

Trickster lässt sich nicht verpflichten. Da hilft kein Verkaufen der Seele und kein blutiges Opfer nachts an einer Wegkreuzung oder auf dem Friedhof.
Da ihn solch theatralische Aktionen sehr amüsieren, kommt er vielleicht wie gerufen. So wie er auch durch die Karten und aus dem Kaffeesatz spricht, aus heiligen Quellen und zu berauschten Dichtern. Aber er macht auch dort, was er will. Dagegen hilft keine schwarze Messe, kein Stierkampf und auch kein heiliges Abendmahl.
Trickster lässt sich nicht festlegen. Seine einzige Lehre lautet: Nichts bleibt.

Du kannst ihn nicht fesseln und nicht verpflichten und ihm gar deine Seele zu verhökern, ist nutzloses Drama. Er nimmt sie, wirft sie auf den großen Haufen anderer verlorener Seelen und kümmert sich nicht weiter drum. Er mag dir im Gegenzug alles versprechen, aber er hält sein Versprechen nie oder, nur so zum Spass, vielleicht für eine flüchtige Weile.

Erfreue dich also an den Illusionen. Der magischen Show. Dem ganz großen Theater. Spiele mit. Küsse und verführe. Tanze und singe. Verzaubere alle Herzen. Trickster ist entzückt, wenn Menschen sein Spiel spielen.
Unterwürfigkeit, Gejammere, Gewimmere und Bestechungsversuche reizen ihn zu Schandtaten. Jammern und Klagen reizen ihn allerhöchstens, dem Elend noch eins drauf zu setzen. Nenn ihn dafür ruhig Teufel, Verführer, unreiner Geist. Das stört ihn nicht.

Also lass das Zetern.

Es ist nicht seine Schuld, dass Du dich betrogen fühlst. Du selbst hast ihm die Seele hinterhergeworfen, als Du ihn verpflichten wolltest.
Nun stehst Du da. Ohne Seele und wie willst Du noch spielen, so ohne Seele. Was soll er nun noch mit Dir?

Was Trickster liebt, sind Menschen, die ihre ganze Menschlichkeit in die Waagschale werfen und ihn schreiend herausfordern:
„Hier Trickster. Zeig mir was Du kannst. Gib mir Deine Geschenke. Erfreue mich. Begeistere mich. Gib mir alles. Wenn du willst, gib mir Unheil und Krankheit. Zeig mir, was Du kannst. Ich grusle mich nicht. Meine Seele bleibt unberührt von Deinem Theater. Ich spiele Ball mit den Schädeln der Toten.“

Wenn also wieder einmal Trickster in Dein Leben tritt: Schenk ihm einen Likör ein, oder alten Havana Club, opfere Tabak (Cohiba) und lüg ihm mitten ins Gesicht. Lass deine Diamanten blitzen. Sie müssen nicht echt sein. Tanze für ihn. Sing für ihn. Verführe ihn und Trickster ist dein. Dann erfüllt er all deine Wünsche, Gesundheit, Schönheit, Glück. Aber nur, solange Du eine wirklich große Hexe, ein großer Magier bist und deine Seele niemals hergibst. Sobald Du ihm ganz gehörst, lässt er Dich fallen.
(Ja, er ist darin genauso wie seine Lieblings-Schüler, die großen Verführer- was glaubst Du denn, woher diese das gelernt haben?)

Übrigens: Mein Trickster erscheint mir in männlicher Form. Doch auch das ist nur eine Illusion. Manch einem Mann erscheinen Pomba Giras, die im alten China auch als Fuchsgeister bekannt waren. Gefährliche Wesen, allesamt. Und natürlich müssen Trickster nicht hetero-sexuell sein. Sexuell aber sind sie immer. Denn sie wirken durch das Drachenfeuer und das steigt von unten auf. Aus der Dunkelheit hinauf zu den Wolken.

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Allen gemeinsam ist eines: Ein Trickster (oder eine Pomba Gira) gehört nur sich selbst. Genau wie Du, denn er ist Du und Du bist sie. Versuch keine Verhandlungen. Versuch nicht, ihn zu binden. Er mag das nicht. Denn er ist Du und Du bist frei.

Und sei nicht beleidigt, wenn der der Tag anbricht und im milden Licht der Sonne nichts als ein paar kleine Rauchfäden aus der kalten Glut aufsteigen. Dort, wo Du, eben noch, in magischer Raserei um das Drachenfeuer tanztest. Du hast doch nicht etwa geglaubt, das sei die Wahrheit? Dummes Kind. Wir müssen das alles noch einmal üben. Und noch einmal. Immer wieder.
So lange, bis Du es begreifst: Nichts bleibt. Nichts bleibt. Nichts bleibt.

Es ist ein Spiel von Yin und Yang. Magie in der Nacht. Am Tag stille Klarheit. Herzfeuer. Vollkommmen transparentes Licht ohne Spiegelungen. Du hast endlich verstanden. Du bist jetzt erleuchtet.

„Diesmal bleib ich klar“,beschließt du.

„Wir müssen wohl noch einmal üben“, raunt er da und lockt dich in den nächsten Tanz.
Wieder entsteht eine neue Welt. Entsteht und vergeht. Runde um Runde.

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Trickster. Ich liebe dich.

Wanderlust

 

Vergangenen Sommer plante meine Tochter eine Reise mit der transsibirischen Eisenbahn. Sie wollte den Sommer in einer mongolischen Jurte leben und danach in Peking studieren. Sie war siebzehn.
Es scheint, die Abenteuerlust liegt im Blut.
Erinnerungen.
Es ist dreißig Jahre her. Da kaufte ich selbst meine erste Fahrkarte für die transsibirische Eisenbahn und bereitete mich auf meine erste große Reise vor. Wie aufgeregt ich war. Damals wusste ich nicht, dass meine Reise niemals enden würde.
Ich studierte Chinesisch, Medizin und zuletzt chinesische Medizin. Immer wieder reiste ich nach China, um auch dort meinen Abschluss zu machen. Jahre später kam ich als Ärztin für Chinesische Medizin zurück nach Deutschland und beschloss, die chinesische Medizin in Deutschland zu etablieren. Damals verstand das kaum jemand.
„Sowas braucht niemand!“
„Das ist alles wissenschaftlich noch gar nicht belegt!“.
„Soweit sind die Deutschen nicht!“.

Sie waren soweit und Sie alle wissen, wie es weiterging. Es war eine schöne und aufregende Zeit.
Chinesische Medizin ist mittlerweile ein anerkanntes Heilverfahren. Es gibt kaum noch eine Kleinstadt, in der sich nicht zumindest ein Arzt für Akupunktur finden lässt. Manch einer davon war mein Schüler.
Menschen wie Sie haben dies erreicht. Sie waren überzeugt von dieser neuen und zugleich zeitlosen Art, Gesundheit und Krankheit zu sehen und haben Ihre Gedanken weitergegeben. Sie haben an die Kassen geschrieben und zum Teil endlose Briefwechsel mit Ihren Sachbearbeiterinnen gestartet. Sie haben in Zeitungen, im Fernsehen und im Internet über Ihre Erfahrungen berichtet. Einige von Ihnen haben selbst begonnen, Chinesische Medizin zu studieren.

Während die Chinesische Medizin unaufhaltsam und allen Widrigkeiten zum Trotz Fuß fasste, zog es mich weiter.

Reisen liegt mir im Blut.

Es dauerte lange, ehe ich begriff, dass Reisen innerlich stattfindet. Was immer da draußen sein mag: Erst in unserem Kopf wird aus dem Gewusel an elektromagnetischen Wellen, unseren Sinneseindrücken, eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
Es gibt Menschen, die reisen mit großem Geschrei um die ganze Welt und haben doch kaum etwas zu erzählen. Früher schlug sich das in langweiligen Diaabenden nieder. Heute gibt es dafür Facebook.

Andere bleiben zuhause, doch ihre innere Welt ist voll und reich an Abenteuern. Dies sind die wahren Reisenden. Die, die ihren Geist beherrschen und entfalten.

Glücklicherweise lässt sich die Kunst des wahren Reisens erlernen. Sie liegt uns allen im Blut, seit unsere Vorfahren sich an langen Nächten rund um das Feuer Geschichten erzählten und träumten.
Die ersten Begegnungen mit solchen Reisen machte ich bei meinen Behandlungen. Ich setzte ein paar Nadeln und die Behandelten tauchten vor meinen Augen in eine andere Welt. Sie verschwanden buchstäblich und oft kamen sie verändert zurück. Mit neuen Erkenntnissen und strahlenden Augen. Dabei verschwanden Krankheiten. Belastende Lebensentwürfe wurden über den Haufen geworfen. Neue entwickelt.
Ich bekam eine Ahnung, was Akupunktur sein kann. Eine kunstvolle Weise, Trancereisen zu induzieren und zu leiten. Nicht umsonst sind die Akupunkturpunkte im Chinesischen nach Flüssen und Seen, nach Bergen und Tälern, nach Wolken und Regen benannt. Durch das Setzen von Nadeln machen wir uns auf den Weg. In die Tiefe. Ans Licht. In die Vergangenheit oder weit, weit weg.

Die alten Daoisten setzten dafür meist keine Nadeln. Sie lenkten nur ihren Geist an die entsprechenden Körperstellen. Alte Bücher berichten von fantastischen Reisen auf goldschimmernden Wagen über purpurne Wolken und hinab durch juwelengefüllte Höhlen bis hinunter zu den Quellen der Unterwelt, von Begegnungen mit geflügelten Lichtwesen und den Geistern der Ahnen.

Kaum eine Kultur, die nicht von solchen Reisen weiß. Die alten Mythen und Legenden sind nichts weiter als Reiseberichte, weitergegeben von erfahrenen Reisenden, um den Nachkommen die Wege zu erleichtern, gefärbt von den Kulturen, denen sie entstammen. Fischer träumten von Reisen durchs Wasser und Reiter flogen auf Pferden durch die Wolken. Moderne Menschen verwenden andere Bilder. Aber Reisen liegt uns allen im Blut. Die Füße bleiben auf dem Boden, im Materiellen. Der Geist kreist um den Kosmos.
Jeder reist in seine eigene Welt. Am Anfang ist es vielleicht nur ein sonniger Strand oder eine blumige Wiese. Zwei, drei Meter Glück und Entspannung. Doch mit jeder Reise wird diese Welt größer und reicher an Vorstellungen und Erfahrungen.

Unser Problem ist nicht der Mangel an Phantasie, sondern das Übermaß an fremder Phantasie.

Wie gebannt stehen wir inmitten der Vielfalt an Eindrücken, die uns geboten werden. Wir betrachten endlose Aufzeichnungen von Reisen, in 3 D und Dolby Surround, und verlieren die Fähigkeit, selbst zu verreisen. Je mehr unsere eigene Phantasie verkümmert, umso größer wird der Hunger nach solchen Stimulantien. Bücher über phantastische Begebenheiten, Fantasyfilme und SF sind die großen Renner. Doch wie Junkfood können sie den eigentlichen Hunger nicht stillen.

Wer reisen will, sollte seine eigene Reiseroute finden. Nur hier treffen wir unsere eigenen Gottheiten. Nur hier finden wir unsere Bestimmung. Nur hier stillen wir unsere existentielle Sehnsucht und nur hier finden wir Heilung für unsere Krankheiten.

Aber wie? Wo ist der Ausgang aus den eigenen ewig gleichen kreisenden Gedanken?
Wer sich schnell und nachhaltig „wegschießen“ will, greift zu magischen Pflanzen. Auf unserem Kontinent sind dies die Drogen der Hexen, Fliegenpilz, Bilsenkraut und Tollkirsche. Die alten Amerikaner griffen eher zu Peyote oder Ayahuasca und die Asiaten zu Opium und Hanf. Allerdings warnen schon die alten chinesischen Kräuterbücher vor Schädigung des Herz-Yin durch solche Gewaltakte. Keine schöne Sache.

Andere Mittel sind nicht viel weniger rabiat. Wer möchte schon im arktischen Winter auf einer Eisscholle ausgesetzt werden oder ohne Wasser in der Wüste?
(Zugegeben, ich selbst liebäugele gelegentlich damit…Reiselust eben.)
Tagelanges Tanzen und Trommeln sind schon weit weniger fürchterlich.
Noch akzeptabler sind künstlerische Betätigungen wie Musizieren und Malen. Leider nicht für jede(n):

Ich bin nur selten neidisch. Doch wenn mich dieses Übel doch gelegentlich packt, dann angesichts von Menschen, die musizieren und malen. Ganz gleich, was wohlmeinende Pädagogen behaupten: Nicht jede(r) kann malen oder musizieren. Der Beweis dafür bin ich! Dahinter steckt kein unheilvoller Perfektionismus, sondern die Art, wie mein Gehirn arbeitet:
Ich sehe fast nichts und ich höre wenig. Auch nicht in Trance. Dafür tobt es in meinem Körper.

Ich bin Kinästhetikerin. So wie die meisten.
Wer nichts (oder nur wenig) hört oder sieht, leidet nur selten an mangelnder Phantasie oder Kreativität: Sie oder er ist höchstwahrscheinlich ein Kinästhetiker.
Ein fühlender Mensch. Ihre Visionen und Kreationen finden auf der körperlichen Ebene statt.

Seit ich dies begriffen habe, male und komponiere ich mit Nadeln.
Wenn Sie ebenfalls nichts hören und nichts sehen und Phantasiereisen an weiße Strände Sie seltsam unbefriedigt lassen:
Versuchen Sie es doch mal mit Tanz, mit Yoga, mit Taiji oder mit Nadeln. Ihr Körper freut sich.
Wer nicht hören kann, kann fühlen.