Oya, die Herrin des Donners

 

Der verstorbene Sänger Tim Buckley hatte ein wundervolles Lied: „sweet surrender to love“ und seit ein paar Tagen geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Eigentlich liebe ich Stürme. Sie ziehen mich eher ins Freie, als unter ein Dach. Eigentlich. Überhaupt schlafe ich lieber im Freien und betrachte den Himmel durch ein Moskitonetz. Auch Regen schreckt mich nicht. Diesmal hätte ich allerdings lieber ein Dach gehabt. Ein ganz festes und solides. Doch da war keines weit und breit.
Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, eine Nacht im Freien zu verbringen, während auf genau dem Hügel, auf dem mein einsames kleines Zelt stand, das größte Gewitter der schwedischen Geschichte stattfand. 30 000 Blitze (gezählt vom meteorologischen Dienst Schwedens) umdonnerten mich und meinen tapferen kleinen Sohn. Es wurde überhaupt nicht mehr dunkel. Es donnerte von allen Seiten und gelegentlich krachte es neben mir, mal links, mal rechts, wenn der Blitz in die Erde schlug oder in die Schlucht mit dem Wasserfall, der neben uns in die Tiefe stürzte. Ein Tanz brutaler Schönheit. Nicht das erste Mal, aber das intensivste Mal während meiner kleinen Reise in die schwedische Wildnis, dass ich erfuhr, was es heißt, nichts tun zu können, wenn Mutter Natur loslegt. Nichts.

All mein mühsam angesammeltes Wissen, meine winzigen Fähigkeiten und Künste, designt, in allen Lebenslagen die Dinge unter Kontrolle zu halten, waren auf einmal das, was sie wirklich sind: Lächerlich. Nach längerem sinnlosem Widerstand begriff ich es. Es gab nur noch eins: Sich ergeben. Sich hingeben. Loslassen. Eine Weile ratterte mein Hirn noch hilflos hin und her. Dann schaltete es sich einfach ab. Ich schrie ein letztes wütendes Gebet in das Brausen und Toben und ergab mich und es war gut. Danke für die Belehrung. Danke für die Befreiung. Danke Oya.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Santeria, Visionen von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

3 Gedanken zu “Oya, die Herrin des Donners

  1. Liebe Christine,

    ganz herzlichen Dank für die Offenbarung und Verbindung mit der Großen Göttin. Kein Gepuschel mit farbigen Engelenergien, die sich nach 3 Tagen verflüchtigen. Echt, aus der Tiefe, aus mir selbst.

    Fühlt sich endlich an wie Leben.
    Es wächst, das Leben in mir.

    Danke, große Mutter Li.