Visionssuchen

In all diesen Tagen beschäftigte die Menschen in meiner Arbeit immer wieder das gleiche Thema: Was will ich?Es gab große Umbrüche. Krisen. Ganze Leben wurden neu sortiert. Und immer wieder die gleiche Frage. Was will ich? Was will ich werden. Was will ich studieren. Wie will ich heißen. Was schreibe ich auf meine Visitenkarte. Wo will ich wohnen. Wir klären das so: In tiefer Trance löschen wir alle Gedanke und Vorstellungen. Alle Überlegungen, was andere Menschen getan haben, was wir selbst getan haben und was es bisher noch nicht gegeben hat. Dann gibt es Nadeln, die die Kraft und den Willen zurückholen und einen Punkt, der der Innere Polarstern heißt. Ein Punkt für die Blase, denn diese ist unser innerer Kompass. Sagen nicht manche sogar: „Das hab ich im Urin“? In der absoluten Dunkelheit des Unterleibs entsteht ein kleines Licht. Dann Visionen. Ideen. Manchmal der erste Schritt. Manchmal ein ganzes Leben. Gestern morgen war es soweit. Ich legte mich auf meine riesige violette Liege und stach mir den Punkt. Ein halbes Päckchen Nadeln verbog sich. Keine wollte sich stechen lassen. Offensichtlich ein harter Fall, bzw harter Bauch. Am Abend, vollkommen ausgelaugt, warf ich mich erneut auf eine Liege. Diesmal zuhause. So leicht geb ich nicht auf. Die Nadel flutschte hinein. Nadeln sind so. Sie haben einen eigenen Willen. Dann schlief ich ein. Heute morgen wachte ich auf. Hellwach. Vergnügt. Die Sonne war noch lange nicht aufgegangen und in meinem Kopf war ein einziger Gedanke: Ich will ohne Wecker leben. Einfach genug. Ich muss ja nur vorher aufwachen. Der erste Teil der Vision ist damit erfüllt. Der Gedanke sitzt nun fest. Ich werde ohne Wecker leben. In einer Welt, in der ich sage: Komm, wenn die Kirchenglocken läuten. Komm, wenn es in meinem Haus nach frisch gebackenen Brot duftet. Komm, wenn Du mich brauchst. Wenn ich noch nicht da bin, so setz dich solange in den Garten und lausche den Vögeln, die sich um die letzten faulenden Äpfel scharen. Mein Freund Steven pflegte zu sagen: Komm, wenn du soweit bist. Ab nachmittag bau ich das Feuer. Wir fangen bei Sonnenuntergang an. Wir gehen rein,  wenn alle da sind. Es funktionierte immer. Visionen sind keine Beschreibungen von dem, was ist. Sie sind Bilder, von dem was sein wird. n645027910_1225571_643.jpg Steven Bluehorse und ein Freund in seinem Pickup truck. Er kommt in diesem Herbst zu mir. Wann? Unklar. It is not set in stone. Ich freu mich.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Visionen von Christine. Permanenter Link des Eintrags.

Über Christine

Ärztin und Heilerin für Chinesische Medizin, Akupunktur, Trance und Träume. Aber auch Tänzerin, Dichterin, Liebende und weise Frau. Zuständig für das ganz alte China, Daoismus, Yin und Yang, Geister, Drachen, Liebeskummer, Ängste und heilsame Transformationen. Bücher: "Der Weg der Kaiserin", "Der Weg des Schamanen", "Chinesische Medizin für den Alltag" und bald noch viel mehr.

3 Gedanken zu “Visionssuchen

  1. ein schoener gedanke: alles kommt zu seiner zeit, ich komme, wenn ich soweit bin, meine patienten kommen, wenn sie soweit sind… aber manchmal ist das nicht so kompatibel. gerade diejenigen, die mit innerer panik behaftet sind, sprengen gerne alle regeln, stroemen wie eine sturmflut. wenn ich darauf nicht gefasst bin, kann mich das von den fuessen hauen. seit samstag lese ich „der weg der kaiserin“ und bin gespannt, wie sich mein alltag aendert.
    herzliche grusse

  2. Von den Füßen hauen. Ja das stimmt. Ich versuche, das so zu sehen, dass ich eben gerade von den füßen gehauen werden musste. Naja, es ist nicht immer einfach. Liebe Grüße und danke für den Kommentar.

  3. Das ist Wu Wei, die Wirkung eines Rhythmus der ureigene Töne hört und die Schritte kennt, die gegangen werden müssen….lange bevor man sich Gedanken darüber macht, welchen Weg man wohl gehen muss….Dank & LG. Mitsue

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