Vita: Christine Li

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der blog:

Als ich vor acht Jahren einen guten Freund und großartigen Künstler, darum bat, mir eine Homepage zu basteln, richtete er mir stattdessen diesen Blog ein. „Ich denke, du bist ein Blog Girl“, sagte Martin.
„Ein was?“, fragte ich.
„Jemand, die einen Blog schreibt.“
„Einen was?“

So erfuhr ich, dass ein Blog so eine Art Tagebuch ist, die mensch dann ins Internet stellt. Ich fand die Vorstellung einigermaßen seltsam. Warum sollte irgendjemand so etwas tun wollen. Das konnte Martin mir auch nicht erklären.
Wie gesagt, das ist acht Jahre her.
Im Laufe der Zeit stellte ich immer mehr, reichlich vermischtes, Zeugs auf diese Seite. Ich bekam Briefe aus aller Welt. Die meisten leider vertraulich, was ich schade finde, denn es waren sehr kluge und anregende Briefe, die ich gerne ebenfalls geteilt hätte. Ich würde gerne, wie ich schon öfters geschrieben habe, diesen Monolog in einen Austausch verwandeln.

Das  heißt: Kommentieren Sie bitte nach Herzenslust. Ich würde mich  freuen.

In der Zwischenzeit schreibe ich alleine weiter. Hoffentlich nicht mehr lange.

Warum ich blogge?

Die Menschen, die meine Hilfe in Anspruch nehmen, teilen viel aus ihrem Leben mit mir. Dieser Blog ist der Versuch, ein wenig davon zurückzugeben. Ein Ausgleich.
Außerdem versuche ich auf diesem Wege, meinen Schülerinnen und Schülern und allen, die sich sonst noch dafür interessieren, meine Art zu arbeiten, zu erklären. Einige der Blogbeiträge sind daher eher technisch. Andere wiederum gar nicht.

In jedem Fall versuche ich, so aufrichtig zu sein,wie ich es vermag. Es ist erstaunlicherweise gar nicht so leicht, die eigene Wahrheit zu schreiben. Nichts bleibt gleich. Daher ist Wahrheit nicht in Stein gemeißelt. Es ist Wahrheit für einen Mikromoment.  Die einzige Wahrheit ist die Wandlung. Ich lerne. Am eigenen Leibe. Aber auch in meinen Sitzungen mit Patienten.

Im Laufe der Jahre entstand so eine bunte Wiese an Gedanken, die sich nicht gleichen, aber die immer, so gut es eben ging, für einen Moment so wahr waren, wie sie konnten. Alles zusammen spiegelt mich ein kleines Bisschen wieder. Vielleicht spricht das eine oder andere auch Sie an. Suchen Sie sich das Passende aus. Ich wünsche Ihnen viel Freude damit.

Da ich auch im Ausland unterrichte, ist ein Teil der Blogbeiträge auf Englisch. Meine deutschen Leserinnen mögen dies bitte entschuldigen.

aus meinem Leben

Wenn Sie auf der Suche nach einer Heilerin oder Ärztin sind, möchten sie sich vielleicht nicht erst durch diesen Blog wühlen, um zu erfahren, ob ich die richtige Begleitung auf Ihrem Weg zur Heilung bin.
Dieser Eintrag soll Ihnen bei dieser schwierigen Frage helfen.
Ich bin 1960 geboren. Eine typische Kriegsenkelin mit typischen Nachkriegseltern. Das meiste aus meiner Kindheit habe ich vergessen oder später rekonstruiert. Ich fürchte, es war keine schöne Zeit.
Mein Vater war sehr krank. Ich erinnere mich, dass ich ihm oft Zwieback und Tee ans Bett brachte, wo er apathisch und voller Schmerzen lag.
Meine Mutter liebte es, mich zu Ärzten zu schleppen. So lange, bis eine Apothekerin erklärte, ich hätte nun wahrhaftig genug Antibiotika geschluckt. In den sechziger Jahren musste ein Kind viele Medikamente schlucken, ehe eine Apothekerin daran Anstoß nahm.

Mit ungefähr zehn Jahren war ich schlau genug, still und leise, dreimal täglich drei Medikamente (Ich glaube es waren Amiodaron, ein Betablocker und ein Ca- Kanal Antagonist- Mittel also, die bei schweren Herzkrankheiten eingenommen werden) in die Toilette zu werfen. Bis heute glaube ich, nur dadurch überlebt zu haben.
Wegen einer schweren Skoliose lag ich dann zwei Jahre im Gipsbett und bekam prophezeit, „demnächst“ im Rollstuhl zu enden. Irgendwer diagnostizierte dann auch noch Morbus Crohn. In Wahrheit hatte ich diverse Essstörungen und neigte zu Depression.
Als ich achtzehn war, hatte ich bereits miterlebt, wie eine Anzahl lieber Verwandter durch medizinische Fehlbehandlung gestorben war.
Ich hatte, in den Worten eines Freundes, von Anfang an eine „zwiespältige Einstellung zur Schulmedizin“.

Zugleich hatte ich beschlossen, es selbst besser zu machen. Mit Kräutern wie meine Uroma.
Mein Gedankengang war einfach: „Da wir Krankheiten selbst erschaffen, sollten wir auch in der Lage sein, aus eigener Kraft wieder gesund zu werden.“

Zugleich wollte ich mir aber auch von niemandem in meine Sicht der Dinge hineinreden lassen. Ich wollte wissen, was die Schulmedizin kann und was sie nicht kann.
Ich studierte Chinesisch, Ethnologie und Medizin und approbierte in München zur Ärztin. Anatomie, Biochemie, Physiologie und Pharmakologie faszinieren mich bis heute. Die klinischen Jahre enttäuschten mich. Heilung ist kein Thema in der Schulmedizin.
So studierte ich danach in China chinesische Medizin, Akupunktur, Massage und traditionelle Kräutermedizin und übte daneben eifrig Taijiquan und Qigong: die traditionellen chinesischen Techniken der Selbstvervollkommnung und Selbstheilung.

Das chinesische Studium dauerte insgesamt fünf Jahre und war, sprachbedingt, so hart, dass ich vor lauter Stress, eine Anzahl schwerer Erkrankungen bekam. Noch ärgerlicher: Ich wechselte innerhalb weniger Monate von Kleidergröße 36 auf „Zelt mit Gummizug“. Gute Gelegenheit, mein frisches und unausgegorenes Wissen, mit ausgesprochen mäßigen Ergebnissen, in die Tat umzusetzen. Seit dieser Zeit bin ich mein bestes Versuchskaninchen. An Universitäten für chinesische Medizin üben Studenten am eigenen Körper und dann gegenseitig, bevor sie auf Patienten losgelassen werden. Ich halte dies für ein gutes Prinzip. Wenn meine Akupunktur oder Akupressur zu Zeiten sehr schmerzhaft sind: Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Ich kenne jeden Punkt und jeden Muskel, jede Hautfalte und jede Verspannung am eigenen Leibe. Das konfuzianische Sprichwort dazu lautet: „Was du nicht erleben willst, solltest du anderen Menschen nicht antun.“

über chinesische Medizin

Im alten China war chinesische Medizin bis vor hundert Jahren die einzige Medizinrichtung.

Das heißt: Chinesische Medizin behandelt alle Krankheiten und zwar seit mehreren Tausend Jahren. Manche sehr gut, andere nicht so gut. Wie jede andere Medizintradition auch.

Traditionelle chinesische Medizin beharrt nicht auf Fachrichtungen. Körper und Seele sind unzerteilbar. Allerdings gibt es verschiedene Denkrichtungen und Schulen, die sich im Laufe der Geschichte nach dem Prinzip von Meister und Schüler gebildet haben. Auch ich lernte damals, meine Lehrer zu lieben und zu verehren. Etwas, was mir aus meinem deutschen Studium nicht bekannt war. Chinesische Lehrer sind „ältere Freunde“, keine „Gurus“.
Damals wie heute haben Lehrer ihre Lieblingsmethoden, die sie, vielleicht aus ihrer persönlichen Krankheitsgeschichte heraus, lieber anwenden als andere. Aber sie alle, und genauso ihre Schüler, behandeln alle Menschen, die sich an sie wenden.

Entsprechend breit gefächert waren die Krankheiten an unseren Universitätskliniken: Es gab gynäkologische Erkrankungen, Impotenz, Prostataleiden, Schilddrüsenerkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Schlaganfälle, Infekte, Nierenleiden, Durchblutungsstörungen, Nervenleiden, Depressionen, Liebeskummer, Erschöpfung und viele Augenerkrankungen (der chinesische „Medizingott“, der daoistische Schamanen- Arzt Sun Simiao , der vor über 1000 lebte, gilt als Verfasser eines berühmten Buches über Augen: „die essentiellen Feinheiten des silbernen Meeres“.)

wie es weiterging mit meinem Leben

Mit meinem chinesischen Wissen und einer Handvoll Nadeln konnte ich überall arbeiten.
Ich reiste nach Tibet, blieb in einer Erdlawine stecken und behandelte freundliche Tibeter, die mich zum Dank zu Kräuterexkusionen in die Berge geleiteten.
Ich reiste zum Amazonas und behandelte arme Fischer und Campesinos. Hier bekam ich ersten Kontakt zu Schamanen und kurierte eine lebensbedrohliche eigene Erkrankung mit Hilfe seltsamer Kräuter, die mir eine alte Indianerin auf einem Markt verkaufte.
Ich reiste nach Cuba und behandelte einen Babalawo, der mich in die Santeria einführte.

Nur in Deutschland bekam ich mit meiner seltsamen Weiterbildung keine Stelle. Also eröffnete ich kurz entschlossen meine erste eigene Arztpraxis. Die Sache wuchs schnell. Im Unterschied zu den schulmedizinischen Klinikchefs schätzten meine Patienten sehr wohl, was ich da tat.
Zu jener Zeit unterrichtete ich außerdem TCM an verschiedenen Akupunkturschulen und schrieb zwei Bücher über Selbstbehandlung mit chinesischen Hausmitteln. In Kooperation mit einer Freundin entstand der Bestseller „der weg der kaiserin“, ein Buch über den weiblichen Körper und die spezifische Kraft der Weiblichkeit, die oft genug nur unter dem Aspekt von Krankheit gesehen wird.
Inzwischen arbeitete ich an einer renommierten Klinik. Die Patienten drängten sich im Wartezimmer und ich wankte abends mit zitternden Beinen nach Hause. Nur die schulmedizinischen Kollegen gingen mir weiträumig aus dem Wege.
So hatte ich mir das nicht gedacht.

Als meine Kraft zu schwinden begann und ich, all meinen Selbstbehandlungen zum Trotz, auf dem besten Wege zur Rheumakranken war, die vor Schmerz kaum noch auf eigenen Füßen stehen konnte und der vor Schwäche die Essstäbchen aus der Hand fielen, schloss ich die Praxis, nahm meine Kinder und ging nach New Mexico.

was ich dann noch wollte

 

  • Ich wollte noch einmal ganz von vorne anfangen und lernen, was die Bedeutung von Krankheit ist und was die Körper uns über den Weg unserer Seele erzählen wollen.
  • Ich wollte wissen, wohin meine Patienten reisten, wenn sie während der Akupunktur in Trance fielen und oft genug geheilt zurückkehrten.
  • Ich wollte diese unbekannte Welt, weit weg in der Anderswelt und doch mitten im eigenen Körper, kennen lernen.
  • Ich wollte wissen, warum manche Menschen gesund werden und andere nicht.

Ich studierte Hypnotherapie, Regressionstherapie, Traumatherapie, Core Schamanismus, Osteopathie und Craniosakraltherapie und verbrachte sehr viel Zeit mit Lakotafreunden, in Schwitzhütten, Visionssuchen und bei Sonnentänzen.

„Da wir Krankheiten selbst erschaffen, sollten wir auch in der Lage sein, aus eigener Kraft wieder gesund zu werden.“

Es dauerte einige Jahre, während derer ich all die Traditionen und Rituale, die Erfahrungen so vieler Menschen, die Techniken und Bücher, die ich gierig in mich hineinstopfte, sortierte und alles Unnötige aussortierte.

Die meisten Erfahrungen machte ich weiterhin, wie schon in China gelernt, am eigenen Leibe. Ich schleppte mich von Krankheit zu Krankheit. Ich verbrachte Nächte, in denen ich vor Rheumaschmerzen kaum schlafen konnte. Meine Skoliose kam und ging mit immer neuen Empfindungen. Ich hatte seltsame Hautausschläge. Fieber. Depressionen. Alpträume. Regressionen in die Vergangenheit.

Statt immer neue Kräutermixturen und Punktkombinationen auszuprobieren, durchdachte ich nun die Mechanismen von Krankheit und Heilung. Statt an meinem armen Körper herumzudoktern, blickte ich meinen Ängsten und Schmerzen ins Gesicht. Eine Ausbildung in Traumatherapie und Osteopathie an der School of the Healing Arts half mir dabei. Die weißen Flecken auf meiner inneren Landkarte füllten sich mit Bergen, Tälern und Flüssen. Ich begann zu verstehen.
Genau das war immer mein Ziel gewesen.

Meine Vision Gedanke war immer noch die gleiche, die ich vor vielen Jahren anvisiert hatte:
„Da wir Krankheiten selbst erschaffen, sollten wir auch in der Lage sein, aus eigener Kraft wieder gesund zu werden.“

Inzwischen weiß ich ganz sicher, dass es so ist.
Ich habe keine Schmerzen mehr, keine Depressionen, mein Rücken ist gerade und meine Füße können ganze Nächte auf hohen Absätzen durchtanzen.
Zumindest meistens.
Da ich zugleich bis heute alles lese, was mir in die Finger kommt, Neurophysiologie, Endokrinologie, Ernährunglehre, Traumatherapie, moderne Physik und magische Legenden aus aller Welt… leide ich immer mal wieder an Symptomen einer erschöpften Mitte. Wenn es zwischendurch mal wieder schlechter geht, bemerke ich es rechtzeitig und verstehe besser, was ich tun muss. Oft hilft Meditation, Akupunktur, Aufenthalt in der Natur oder der Tango. Dann lausche ich in meinen Körper hinein, in die verborgene Welt, die in der Sprache meiner Seele zu mir spricht.
Heilung ist immer eine Möglichkeit.

und zu allerletzt

Leider kann ich nicht so viele Patienten behandeln, wie ich gerne wollte, da ich weder genug Zeit noch genug seelische Kraft dazu habe. Behandlung, wie ich sie verstehe, ist ein sehr persönlicher Prozess. Es kommt dabei mehr darauf an, sich ganz auf einen Menschen einzulassen und ganz und gar dabei zu bleiben, als darauf, eine Menge an Techniken zu beherrschen.
Ich bestehe darauf, dass jeder Mensch heilen kann. Als Heiler und als Geheilter. Ich denke, dies ist uns angeboren. Unsere Körper sind nicht irgendwelche undurchsichtigen und fehlkonstruierten Zellhaufen, sondern wundersame, sich in jeder Mikrosekunde selbst erneuernde und regulierende intelligente Prozesse.

Wir müssen nur noch herausfinden, wie.
Jede Mutter, die ihrem Kind die Hand auf den Bauch legt und damit „wirklich“, und nicht „nur eingebildet“ alles wieder gut werden lässt, ist auf dem richtigen Weg.
(Wobei, genau genommen, jede Wandlung zuerst „eingebildet“ ist, denn Wandlung, und somit Heilung, ist ein geistig-energetischer Prozess.)

Dies mag im Augenblick noch utopisch klingen. Ich lebe nicht in den Wolken.
Ich weiß: „Heilung durch Hand auflegen“ ist für all die Menschen, die heute noch gefährliche Operationen über sich ergehen lassen oder giftige Medikamente zu sich nehmen (und ich sage bewusst nicht: „nehmen müssen“) bisher noch keine überzeugende Option.
Aber schon jetzt erlebe ich immer mehr Menschen, die ihre Heilung in die eigene Hand nehmen, die in sich hineinfühlen und versuchen, ihren eigenen Weg zu finden. Ich bewundere ihren  Mut, ihre Charakterstärke und vor allem ihre Sturheit, mit der sie sich gegen all die angstmachenden Stimmen von außen behaupten und nicht selten das Unmögliche realisieren. Manchmal kann ich dabei helfen.

Wie gesagt:
„Da wir Krankheiten selbst erschaffen, sollten wir auch in der Lage sein, aus eigener Kraft wieder gesund zu werden.“

Ein wenig mehr als Hand auflegen ist zum Heilen wohl schon erforderlich und immer noch fehlt so manches Puzzlestück, immer noch sind wir zu sehr eingeschüchtert, entmachtet und zu traumatisiert. Immer noch benötigen wir viel Wissen und viele Techniken, um uns zu helfen. Aber die Aufgabe wird einfacher werden. Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der alle heilen können, deren Herz dafür offen ist.

Ich wünsche uns allen, die wir heute leben, dass wir die Zeit noch erleben werden, wo wir Menschen uns das verlorengegangene Wissen über Heilung wiedererobern.

Daher werde ich in der nächsten Zeit meine Erfahrungen an Schüler weitergeben, die, so ausgestattet, dann ihrerseits den Weg der Vereinfachung ein Bisschen weitergehen können. Es ist nicht mehr weit.
Heilung ist immer eine Möglichkeit.